Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 13 (28.3.1902)
- Date
- 1902-03-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Die Wahrheit. Nr. 13 Rectors der theologischen Lehranstalt in Wien, Dr. Schwarz, sowie einiger Mitglieder der Commission für Cultus- und rituelle Angelegenheiten verstärken. Der Präsident erklärt, dass er diese Berathung bereits für einen der nächsten Tage anberaumen werde. Stiftrrngsangelegenh eiten. Des Weiteren werden nachfolgende Stiftuugsangelegen« heilen erledigt: Entsprechend dem Anträge des Vertreter-Collegiums wird über das Referat des Herrn Baurathes Stiaßny nach einer längeren Debatte, an welcher sich die Herren Commerzialrath Leopold Pollack, Oberfinauzrath Dr. Rappaport und Dr. Grüuseld bethciligen, beschlossen, unbeschadet der Erfüllung des ursprünglichen Stiftungszweckes die Permutirrmg der Ignaz Ritter v. Liebenberg'schen Grabstiftung der Statthalterei dahin zu beantragen, dass die nach Erfüllung des Stiftungszweckes erübrigten Erträgniße zur Instandhaltung des Währinger israelitischen Friedhofes unter besonderer Berücksichtigung der Denkmäler hervorragender Männer, sowie zur Berasung und Anpflanzung auf den Gratisgräber-Gruppen der israelitischen Abtheilung des Centralfriedhofes zu verwenden seien. Zur Annahme gelangen unter den vom Vertreter-Collegium beantragten Modificationeu: die Leopold und Betti Königstein'sche Seeleugedächtnis-Widmung, die Fanny Glasscheib'sche Wohlthätigkeits-Stiftung für arme Frauen' und die Architekt Max Fleischer'sche Wohlthätigkeits-Stiftung für mittellose, würdige Handel- oder gewerbetreibende Bewohner der Gemeindebezirke Mariahilf und Neubau; diese Stiftung wurde von Mitgliedeen des israelitischen Tempelvereines für die Bezirke Mariahilf und Neubau aus Anlass des 60. Geburtstages des Herrn Architekten Max Fleischer errichtet. Subventionen. Vice-Präsident Dr. K o hn reserirt namens des Vertreter- Collegiums über Subventlonsaugelegettheiten; Der Talmnd-Thora-Vereiusschule im VI. Bez., Stümpergaffe 42, wird für das Jahr 1902, mit Rücksicht auf die bedeutenden Leistungen der Schule, eine Erhöhung der Subvention auf den Betrag von Kronen 800.—; der israelitischen „Toynbee- Halle," deren ersprießliches Wirken von mehreren Rednern, wie insbesondere vom Präsidenten, von den Vorstehern Gewitsch, Dr. Grünfeld, Ellbogen und Direktor Simon in besonders warmer Weise betont wird, eine Subvention von K. 500.—, und dem von der israelitischen Cultusgemeinde in Karlsbad neu errichteten Hospitale für arme Israeliten pro 1902 eine Subvention von K. 200.— bewilligt. lieber Ansuchen des israelitischen Bethausvereines „Beth Haknetetk“ im dritten Bezirke wird auf Antrag der Commission I. und des Vertreter-Collegiums der Rabbiner dieser Vereins-Synagoge, Herr Dr. Armin Abeles, welcher vor einigen Jahren seine Studien an der Wiener israel.-theolog. Lehranstalt beendet hat, zum Gemeinde-Rabbiner im Sinne der §§ 44 und 50 des Cultus gemeinde-Statuts bestellt. Zu Verisicatoren des Protokolles werden über Vorschlag des Präsidenten die Herren Vorsteher Oberbaurath Taussig und 'Gewitsch berufen. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um halb 2 Uhr Nachmittags geschlossen. Arber den hebräischen Unterricht an den Oberclassen der Gymnasien und Realschulen. Von. Rabbiner Dr. Daniel Fink. XII*). Da die verehrliche Redaktion dieser Zeitschrift nur einen eugbemessenen Raum für unsere Zwecke zur Verfügung hat. *) In dem Artikel XI von voriger Woche haben sich bedauerlicher Weise zwei Druckfehler eingeschlichen: S. 5, Sp. 2, Z. 1 von oben statt kann ich die schulmäßige Behandlung des 40. Cp. des Jesaja hier nicht zu Ende führen. Der erfahrene Lehrer wird jedoch aus dem bisher Gebotenen bei einigem Nachdenken leicht selbst ermessen können, auf welche Weise der Gedankengang weiterzuspinnen sei. Ich wende mich daher der Behandlung eines anderen prophetischen Lehrstückes und zwar Jecheskel Cp. 37. V. 15—28 zu. Gerade die Eigenheit dieses Propheten bietet beim Unterrichte mannigfache Schwierigkeiten. Es dürfte daher manchem nicht unerwünscht erscheinen, wenn hier an einer Probe gezeigt wird, wie dieselben zu bewältigen sinh. „Das Wort Gottes ward mir zu theil, wie folgt. Du, o Menschensohn, nimm Dir einen Ast und schreibe auf denselben : dem Juda und den Kindern Israel, — seinen Bundesgenossen; und nimm wiederum einen Ast und schreibe auf denselben: dem Josef, — das sei der Ast Efrajims — und dem ganzen Hause Israel, das seine Bundesgenossen. Bringe sie, den einen an den andern, so nahe, als ob sie Dir nur einen Baum bildeten, und so mögen sie durch Deine Hand eine Einheit ausmachen." — (V. 15—17). Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass der Prophet hier an jenes bedeutsame und so sehr verhängnisvolle Ereignis anknüpft, welches unter dem Nachfolger Salomos, Rechabeam, eintrat. Dasselbe wird uns ausführlich I. Buch der Könige Cp. 11, 26—14, 20 geschildert. Ueber die verschwenderische Mißwirthschaft und, den daraus erfließenden schweren Steuerdruck, welche unter Salomos Regierung eingetreten, mit Recht erbittert, ließ das Volk dessen Nachfolger Vorstellungen machen, die Uebelstände abzustellen. Anstatt jedoch diesen gerechten Forderungen Gehör zu schenken, wies er dieselben schnöde zurück und erbitterte das Volk noch durch seine herausfordernden Reden. Dieser scheinbar geringfügige Anlass war aber von den verhängnisvollsten Folgen begleitet. 10 Stämme des israelitischen' Volkes fielen von dem Davidischen Herrscherhause ab und wählten sich in Jerobeam einen eigenen König. Rechabeam, dem rechtmäßigen Erben des israelitischen Königsthrones, verblieben nur. die Stämme Juda, Benjamin und ein Theil von Simeon. Welches Urtheil der Prophet über dieses Ereignis im allgemeinen hatte, wird uns nicht gesagt. Wie verhängnisvoll es ihm erschien, lässt sich jedoch leicht daraus erkennen, dass er die getrennten Reiche als die Hälften eines gespaltenen Baumes ansah, demnach die Spaltung selbst als die absichtliche und gewaltthätige Verstümmelung eines solchen hinstellte. Dass daun jeder einzelne der so verunstalteten Stummel für sich allein nicht mehr lebensfähig, ist nachgerade selbstverständlich. Nicht, dass das große Reich der 10 Stämme von seinem Geschicke ereilt worden, braucht uns daher Wunder zu nehmen, wohl aber, dass der andere Stumpf sich bis auf den heutigen Tag zu erhalten vermocht hat. Auffällig bleibt immerhin die Art, wie der Prophet V. 16 die die beiden Reiche darstellenden Baumhälften benennt. Die eine bezeichnet er: „dem Juda und den Kindern Israel, die seine Bundesgenossen". Es ist damit das dem Davidischen Hause treu gebliebene Reich gemeint. Wenn Juda hierbei namentlich, die anderen als seine Genossen aufgeführt werden, so soll damit wohl gesagt sein, dass Juda die Vormacht innehatte und die übrigen unter dessen Schutze und in dessen Abhängigkeit standen. Dasselbe Verhältnis muß auch in der anderen Reichshälfte zwischen Efrajim und den anderen Stämmen bestanden haben. Daher denn jener namentlich aufgeführt, die übrigen jedoch als seine Bundesgenossen bezeichnet werden. Thatsächlich wird anch in dem gesammten prophetischen Schriftthum das eine Reich schlechtweg als Juda, das andere unter dem Namen Efrajim bezeichnet. Um so auffälliger ist es, dass der Prophet, soweit das letztere in Betracht kommt, von diesem allgemeinen sprachgebrauche abweicht und es nach Josef benennt, den gegebenen „Walten" lies: „Welken". S. 5, Sp. 2, Z. 9 von unten statt „nennen" lies: „machen".