Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 13 (28.3.1902)
- Date
- 1902-03-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Die Wahrheit. Nr. 13. währten Fachwämiern gelieferten Uebeisetzung ihre Zustimmung geben, der große antisemitische Haufe wird nach wie vor die Vebersetzung Dr. Rohlings oder Aaron Brimans als die allein richtige anerkennen, und wenn auch alle Orientalisten Deutschlands dieselbe als falsch erklären. Nachdem nun Dr. Frank den wahnsinnigen und böswilligen Aberglauben des Ritualmordes aus dem Schlupfwinkel Ler jüdischen Geheimschriften oder Geheimgesetze hinausgetrieben hat, beschäftigt er sich mit gleicher Gründlichkeit mit der von Len Antisemiten als letzten Trumpf ausgespielten Frage: „ob es nicht Fanatiker und geheime Sekten im Judenthum gibt, die Las Menschenopfer als ein Gott wohlgefälliges Werk betrachten."! Zur Entkräftung dieser Behauptung tritt Pfarrer Dr. | Frank eine Wanderung durch die jüdische Geschichte an. Ergibt ein vollständiges Verzeichnis aller jüdischen Sekten, die im Laufe der Zeit unter den Juden entstanden sind, kennzeichnet ihre Gebräuche und weist nach, dass nicht bei einer einzigen Sekte auch nur eine Spur vou einer Empfehlung des Ritualmordes zu finden fei. Wenn alw ein Jude sich je eines Mordes schuldig gemacht hat, so geschah es aus deirfelben Gründen, aus welchen auch Christen einerr Mord zu begehen pflegen, und wenn beim Bekanutwerden einer Mordthat von einem Ritualmord gesprochen wurde, so geschah es entweder, um gegen die Juden zu Hetzen, oder die Untersuchung auf eine falsche Spur zu leitfen, oder aus anderen unlauteren Beweggründen. Dr. Frank gelangt daun zu folgendem Resume: „Wollen wir nun im Geiste noch einmal kur; erwägen, wie die Juden selbst das grösste Interesse daran hatten und noch haben, eine Sekte anfzufinden und unschädlich zu machen, welche durch die geheime Lehre und Ueburrg des Ritualmordes das ganze jüdische Volk jahrhundertelang in das größte Unglück gebracht, Hunderttarrsende von Juden dem Scheiterhaufen oder einer anderen Todesart überliefert hat und heute noch ihm die schwersten Gefahren für Gut und Lebeir bringt; wie die Juden aber nicht imstande waren, eine solche Sekte aufzufinden; wollen wir bedeukeu, wie die jüdischen Sekten, die im Laufe der Jahrhunderte ausgetaucht sind, einander stets feindselig gegenüber standen, und wie jede einzelne Sekte einer anderen gern den Untergang durch den Nachweis bereitet hätte, Lass von ihr der Rirualmord geheim gelehrt und ausgeübt werde; dass dieser Nachweis aber von keiner Sekte versucht, oder wenn er, wie von den Sohariten, versucht wurde, nicht gelungen ist; wenn wir erwäget:, dass auch die christlichen Staaten die strengste Verpflichtung hatten und noch haben, ihre christlichen Unterhalten gegen eine jüdische Mordbande sicher zu stellen, welche alljährlich christliche Familien durch Verübung eines Ritualuwrdes in namenlosen Schmerz und Jammer bringt, bis jetzt aber trotz der schärfsten gerichtlichen Untersuchungen eine solche Mordsckte nicht zu entdecken vermochten; wenn iie Geschichte uns erzählt, dass die Juden im Laufe der Jahrhunderte aus ganzen Ländern und einzelnen Städten vertrieben worden sind, unter den Beweggründen, aus Lenen dieses geschehen ist, aber niemals sich der Betveggrund findet, dass es bei den Juden eine Sekte gibt, die im Geheimen Leu Ritualmord lehrt und übt; wenn wir auf der einen Seite eine große Anzahl der ehrenwerthesten Männer sehen, Rabbiner oder Söhne von Rabbinern, die Christen geworden sind und vor Gott betheuern, Lass ihnen nichts bekannt ist von einer jüdischen Sekte, die den Ritualmord lehre und übe, und auf der anderen Seite unglückliche, durch die Folter zur Verzweiflung gebrachte Juden, schamlose Fälscher, gemeine Lumpen, welche für das Vorhandensein einer solchen Sekte als Gewährsmänner angerufen werden; wenn wir die auffallende Wahrnehmung machen, dass die ganze deutsche Wissenschaft, vertreten durch gelehrte Gesellschaften und wissenschaftliche Vereinigungen, durch Fakultäten an Hochschulen und einzelne katholische und protestantische Fachmänner, sich erhebt gegen einen einzigen deutschen Professor, der noch bis in die Neuzeit herein den traurigen Muth hatte, die Behauptung aufzustelleu, es gebe eine jüdische Sekte, die den Ritualmord lehre und übe: so steht doch sicher über-jeden Zweifel erhaben das wissenschaftliche Urtheil fest, welches Professor Dr. Strack als Vertreter der deutschen Wissenschaft mit den Worten ausgesprochen hat: „Es gibt keine jüdischen Geheimsekten, keine jüdischen Geheimschriften," und hiermit ist der christliche Aberglaube vom jüdischen Ritualmord aus seinen letzten Schlupfwinkeln heransgetrieben, und das Lebenslicht ist ihm ausgeblasen. Werden wohl auch alle, wenn sie meine Schrift über den Ritnalmord und vorstehende Abhandlung gelesen haben, mit diesem Urtheile einverstanden sein? Nein! Wohl viele, aber doch nicht alle! Von den Leuten, die mit Hass gegen die Inden erfüllt sind und ans unlauteren Beweggründen den Aberglauben vom jüdischen Ritualmord vertheidigen, will ich gar nicht reden; es gibt aber auch redliche, ehrenwerthe, sogar fromme Männer, welchen diesen Aberglauben, den sie auf dem Schoße der Mutterschön eingesogen haben, der später durch Legenden und allerlei Erzählungen Nahrung erhielt und gestärkt wurde, so liebgewonnen, dass sie vielleicht gemüthskrank lvürden, wenn sie den in das Herz gewachsenen Aberglauben plötzlich äusgeben sollten. Bei ihnen wird erst allmählich die Wahrheit ihr Recht erhalten und zum Durchbruch kommen." (Schluss folgt.) Nie Theorien des Professor Rohling. Aas dem Saulus ist ein Paulus geworden. Professor Rohling hat die Offensive gegen die Inden aufgegeben und ist zur Deoensioe übergegangen. Er will das böse Judenthum, dessen verderblichen Geist er aus dem Studium des Talmud hinlänglich kennen Lernte, nicht mehr vernichten, sondern hofft, wie jüngst in diesem Blatte aus seinem Vortrage im hiesigen christlich-sozialen Verein berichtet wurde, dass es endlich vom Fieberwahn befreit, Licht und Finsternis zu unterscheiden vermögen und in logischer Consequenz sich dann dem Ehristenthume in die Arme werfen wird. Es ist in hohem Maße bezeichnend, dass seitens der katholischen Kirche immer ein ganz besonderes Gewicht darauf gelegt wird, Juden zu bekehren, und dass es zu allen Zeiten als ein Hauptgewinn angesehen wurde, jüdische Proseliten zu machen und den Juden unter die christliche Haube zu bringen. Und trotzdem man vielfach die Erfahrung gemacht hat, dass aus jüdischem Blute nichts anderes, als eben nur ein Jude werden und bleiben kann, werden dennoch alle möglichen Mittel zur Bekehrung immer nur vermehrt und fortgesetzt, und es gewinnt fast den Anschein, dass mail in einem gewissen christlichen Lager im Judenthume einen lebenden Protest gegen das Christenthum überhaupt erblickt Ich erinnere mich, vor ungefähr einem Jahrzehnt gelegentlich einer Geschäftsreise in der Kathedrale am Wawrl zu Krakau einer Predigt angewohnt zu haben, in welcher der betreffende Bischof, im vollen Gegensätze zu dieser Ansicht, die Wahrheit und Echtheit des christlichen Bekenntnißes in großen Zügen vertheidigte und Moses und die Bibel als Zeugen und Beweise für dieselbe anrief. Während nun maßgebenderseits das Judenthum, seine Lehre und Lehrer als Zeugen für die Heiligkeit Christi und der Lehre der Apostel angerufen werden, kommt der Schüler des getauften Juden Aron Brimanus, der Prager Theologie-Professor Dr. Rohling, und entdeckt sein edles Herz für die in der Wüste herumirrenden Schafe, das gottvergeffene Israel, „welches das Licht von der Finsternis nicht zu unterscheiden vermag", und hofft, diese Heerde in den Schoß der alles umfassenden und beglückenden römisch-katholischen Kirche geleiten zu können. Aber mit Nichten! Die Jahrtausende alte Geschichte des Judmthums zeigt zur Evidenz, dass das jüdische Volk ganz fieberfrei ist und sehr wohl Licht von Finsternis zu nnterscheiden vermag. Eine bewusste Unwahrheit ist aber die Behauptung, das Judenthum wäre bestrebt, das christliche Volk der Heilslehre . zu berauben. O nein! Wir wünschen dem christlichen Volke