Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 13 (28.3.1902)
- Date
- 1902-03-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Redaktion und Administration: Wien, II/i. Novaragasse 27. K. k. öfterr. Postsparcassa Check-Conto Nr. 846.251. Inserate 20 Heller per Nonpareille-Zeile. Abonnements- und Jnserationsbeträge sind in Wie» zahlbar. ^abhängige Heitfchrifi für jMfche Intere^en. Erscheint jeden Freitag. Uotto: „Das Ziehet Gotte» ist Wahrheit!“ Bezugspreis: Ganzjährig.... ff. 12.— Halbjährig .... ff. 8.— Für Cultus beamte: Ganzjährig.... ff. 10.— Für Ausland: Ganzjährig . . .3 Mark. 6 Rubel oder 18 FcS. Ar. 13. Wien, 88. März ML. Anhalt: Ein Hilfruf für die rumänischen Juden. —Die letzten 2.hl lpfivinket de; Äitnnl u^rd-Ab.'rglanbens. — Die Doeorie t des Prozessor Rohling. — Aus der Wiener Cultnsgemeinde. — Ueber den hebräischen Unterricht an den Oberelassen der Gymnasien und Realschulen — Gemeindebote. — Ueber die Entwicklung des Synagogengesanges. — Verschiedene Nachrichten. — Litteratur. — Ausweis. Än nnlere Leier! Unentwegt hat unser Blatt an seinem Programme,! das Interesse für die erhaöenen Aiete des IudentHums! in allen NevMernngsschichten zu wecken, festgehalten! und dabei die Anerkennung der maßgebendsten kreise des Judenthums gefunden. Unser Bestreben wird auch fernerhin darauf gerichtet j sein, jüdisches oSeBett in allen seinen Erscheinungen! zu pflegen, die innere Krganij'ation mit allen^ Kräften zu fördern, die Aorfälle im Kemeinde- und Wereinsleöen mit maßvoller und oöjectiver Kritik zu öeurtft eilen und den Kampf nach Außen mit Würde und Entschiedenheit zu führen. Solches Streben verdient gewiss die vollste Unterstützung aller Glaubensgenossen und wir richten an dieselben die dringende Bitte, diese ehrliche publicistische Thätigkeit durch Abonnierung unseres Mattes und durch möglichste Weröreitnng desselöen zu fördern. Die Redaction. Ein Hilfruf für die rumänischen Inden. Bei dem letzten Freitag-Abend-Gottesdienste im Wiener Stadttempel hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann eine der weitesten Verbreitung würdige Predigt, die mit der Auslegung des Wochenabschnittes begann, des Ueberfalles Amalek's auf die Nachhut der Jsraeliteu bei ihrem Auszuge aus Egypten gedachte und hierauf dem Purimfeste sich zuwendete, das ja einen eklatanten Beweis für die Opferwilligkeit der Juden erbringt. Diese Opferwilligkeit sei besonders in diesem Jahre zu bekunden, und zwar zu Gunsten der vom Unglücke so schwer betroffenen Glaub e ns b rüd e r in Rumänien, welchen durch die bereits sauctionirten neuen Handwerkergesetze schwere Unbillen bevorstehen. Dr. Güdemann appellirte nun an die zahlreich erschienenen Andächtigen, in erster Reihe für diesen Zweck Liebesgaben zu spenden und auch im Kreise ihrer Familien, sowie ihrer Freude und Bekannten^ .zu welchen er nicht sprechen könne, dahin zu wirken, dass' mm sich allgemein an einer Sammlung für diese Unglücklichen behellige, deren Ergebnis der „Israelitischen A l l i a n r in Wien, I., Weihburggasse 10, die für die armen rumänischen Ju)eu seit Jahren in hervorragendem Maße thätig ist, zugeführt werden soll. Die Worte des Dr. Güdemann's riefen bei der im Gotteshause versammelten Gemeinde einen allgemeinen und tiefen Eindruck hervor. Möge sich derselbe in die weitesten Kreise fortpflanzen und alle Glaubensbrüderlind Glaubensschwestern veranlassen, diese für einen so eminent humanen Zweck bestimmte Sammlung mit ganz e m Herz e n und mit offener Hand zu fördern und ihr Scherflein beizusteuern, um das fürchterliche Elend, in dem sich ganze Familien, darunter hinfällige Greise und Kinder ini zartesten Alter, befinden, nach Möglichkeit zu mildern. Hoffen wir, dass der üo:i heiligster Stätte ausgegangene Appell allseitig gebührend gewürdigt und beherzigt werden und segensreiche Früchte zeitigen wird. E. 7. Die letzten Schlupfwinkel de« Aitualmord- Äberglaulrens. ii. Trotz der vielfach erbrachten Gegenbeweise und trotz der unanfechtbaren Zeugniße der hervorragendsten wissenschaftlichen Capacitäten stehen Rohling und Consorten lloch immer aus dem Standpunkte, dass die sogenannten Geheimschriften der Inden, wie Talmud, Schulchan-Arnch, der Sohar und die anderen kabbalistischen Schrifte»l, Anhaltspunkte für den Ritnalmord geben, und in Vertretung dieses Standpunktes haben sie in verschiedenen parlamentarischen Körperschaften Deutschlands und Oesterreichs wiederholt an die Regierungen die Forderung gerichtet, diese Schriften von Staatswegen übersetzen zu lassen. Abgesehen davon, dass authentische Uebersetznuge» des Talmud bereits vorhanden sind, Ware, so bemerkt Professor Dr. Frank ganz, richtig, auch unfeiner neuerlichen, von Staatswegen angeordneten Uebersetzung wenig geholfen. Da die Uebersetzer sicherlich keinen Anhaltspunkt für den jüdischen Ritnalmo.d und den Blurgennss fänden, würden die Antisemiten und alle Anhänger des Rnualmord Aberglaubens in die Welt hinansschreien, das jüdische Geld habe seine alterprobte Wirksamkeit geäußert, und sämmtliche Uebersetzer seien von der israelitischen Allianz erkauft worden. Ja, selbst angenommen, dass einige Einsichtigere der von be-.