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Die Wahrheit · 1902-03-21 · Heft 12 (21.3.1902) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 12 (21.3.1902)
Date
1902-03-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 12 Hie Wahrheit. Seite 7 privaten wie im öffentlichen Leben zu bringen. Prof. Rohling zog auch -en Zionismus in den Kreis seiner Betrachtungen und meinte: ..Nach Äen biblischen Propheten geht die Rückwanderung Israels nach Palästina -seiner Bekehrung als Volk vorher." Des Weiteren zog Rohling gegen Z>ie Börse, den Naturalismus, die Freimaurerei zu Felde. Wenn Israel Alles aufbietet, um die christliche Bevölkerung auf ljede Weise der christlichen Heilswahrheit zu berauben, so haben wir die heilige Pflicht, vor -allem durch die christliche Wohlgestaltung entgegenzuwirken. Wien. Der durch seine Shakespeare-Studien bekannte Schriftsteller Adolf Gelber hielt vorigen Sonntag im Stroblhofe vor einem zahlreichen, gewählten Auditorium einen Vortrag über „Tausend und <ine Nacht". Der Redner verstand es, in den perlenartig aneinandergereihten Erzählungen der Schaherazade einen logischen Zusammenhang, herzustellen, und die Pointe zeigte sich namentlich am Schluffe als originelle Politische Ausfaffung, wie auch im weltfremden Orient ein Kind des Volkes zu nie geahnter Größe sich emporschwingt, von den landläufigen Vorurtheilen sich emancipirt und fast zu demokratischer Gesinnung gelangt, wie es in ähnlicher Weise von Harum al Raschid bekannt ist. Die Analogie mit der rettenden That der Judith war sehr frappirend und -auch an die Königin Esther wäre unseres Erachtens, eine paffende Anknüpfung am Platze gewesen, zumal der günstige Ausgang der dramatischen Situation beiden Begebenheiten gemeinsam ist. Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, dass die glänzenden Ausführungen, denen Alles mit gespanntester Aufmerksamkeit und Entzücken lauschte, beifälligst aufgemomrnen wurden. Kkoridsdorf. Wir werden um Aufnahme nachfolgender Zuschrift -ersucht: Hochgeehrter Herr Redacteur! Anlässlich der silbernen Hochzeit -es verehrten Herrn Vice-Präsidenten der hiesigen Cultusgemeinde Smanuel Grünwäld und seiner geschätzten Frau Gemahlin Henriette Grünwald wurde in einem diesbezüglichen Berichte erwähnt, dass der Senior der Religionslehrer, Herr Ignaz Löw, nur für sich und im Namen der mitanwesenden Collegen dem Vorsteher die Huldigung darbrachte. Demgegenüber erlaube ich mir mitzutheilen, dass, wie dies ja bei ähnlichen Anlässen als allgemeine Regel gilt, der Herr Sprecher der Deputation im Namen sämmtlicher Collegen dem verehrten Jubelpaare die Glückwünsche dargebracht hat. Für die Aufnahme obiger Zeilen dankt bestens Ihr ergebener Karl Ehrenfest, Communal- und Religionslehrer. »rag. Nachdem bereits an zahlreichen anderen Orten der Monarchie Ortsgruppen des in Wien gegründeten „Hilfsverein für die nothleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" ins Leben getreten sind, hat sich nunmehr auch in Prag eine solche gebildet und es fand deren constituirende Versammlung am vergangenen Sonntag im Adlersaale des Grandhotel -statt. In der sehr zahlreich besuchten Versammlung, an welcher die hervorragendsten Mitglieder der Prager jüdischen Gemeinde theilnahmen, -führte der Präses der Prager israelitischen Cultusgemeinde-Repräsentanz, Herr Dr. Arnold Rosenbacher, den Vorsitz. Herr Leopold Jerusalem -erstattete den Bericht über die bisherige Thätigkeit des vorbereitenden Eomitss, worauf Herr Dr. M. Hammerschlag in einem nach Form und Inhalt musterhaften Vortrage die Ziele und Zwecke der galizischen Hilfsaction auseinandersetzte. Die eingehenden, mit einem reichen statistischen Materiale ausgestatteten Ausführungen des Redners, welcher das Thema mach den drei in Betracht kommenden, durchwegs im bejahenden Sinne zu beantwortenden Fragen behandelte, nämlich: ob thatsächlich ein Nothfftand der galizischen Juden bestehe, ob Abhilfe geschaffen werden könne, -und ob helfend eingegriffen werden solle — übten in ihrer tief ergreifenden Ueberzeugungskraft eine mächtige Wirkung auf die Anwesenden. Bei der vorgenommenen Wahl des Vorstandes der neu constituirten Ortsgruppe wurden zu Funktionären berufen die Herren: M. Benies, Obmann; kais. Rath Filipp Falkowicz, Obmannstellvertreter; M. Schick, Gaffier; Commercialrath Benedict Böhm, Caffierstellvertreter; JUDr. Rudolf Bloch, Schriftführer; Max Erben, Schriftführerstellvertreter. Arag. Am 11. d. fand hier im Hotel Bristol im Vereine „Afike Yehuda" ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Nathan Grün über Reichthum und Armuth in der Bibel" statt. Der beliebte Redner, der -über einen reichen Schatz talmudischer Kenntniße verfügt, bot ein anschauliches Bild der nationalökonomischen Verhältniße in der alten Welt und fand bei den zahlreichen Anwesenden den lebhaftesten Beifall. Dem Vortrage schloss sich ein geselliger Abend an, an welchem von den Herren Fuchs, Dr. Hirsch, kais. Rath. Falkowitz und Dr. A. Kisch Reden gehalten wurden, in denen die Verdienste des Vortragenden, der vor 30 Jahren feinen ersten Vortrag in diesem Vereine gehalten und sich um denselben Diele Verdienste erworben hat, wie auch die Veranstaltungen dieses wisfenschaftlichen Vereines, welcher der erste seiner Art in Oesterreich-Ungarn .war, hervorgehoben wurden. Frag. Die »Jüdische Toynbeehalle« findet immer mehr Freunde und Gönner. Die Vortragsabende sind immer maffenhaft besucht und -rächten jedesmal gelungene Darbietungen. Die Vortragenden waren: Am 1. März Herr Rabbiner Dr. Kisch, Vortrag über Rabbi Jochanan Ben Sakkai. Frl. Irma Philipp und Herr Obereantor Schwarz brachten Lieder zu Gehör. Am 5. März brachte Herr Med. Stud. G. Fischer eine Modelle zur Vorlesung, Herr Obernik trug Gedichte, Frl. Ada Hauer und Herr Kaminsky trugen Lieder vor. Am 8. März sprach Herr I. U. C. Zach (czechisch) über „Die Entwicklung der czechischen Litte- Dfttur“; die Frl. Körner und Heller gaben Lieder zum Besten. Heute,"ain 12. d. wird Herr Rabb. Dr. Aladar Deutsch über Manaffe Ben Israel sprechen, hierauf folgen Lieder, gesungen von H. Körte und Declamatione» won Frl. Kanturek. Das Laddifch-ebet. Bon Bernhard Soewenthal. (IS. Fortsetzung.) Die Alte, die in Rußland nichts zu verlassen hatte, kau» und mit ihr zog ein Hauch des alt-jüdischen Lebens ein in die Wohnung dort in der schmalen Gasse. Seit einem Jahr schon war David Assistenzarzt eines der berühmtesten Professoren an einem öffentlichen Krankenhaufe und hatte nun Gelegenheit, ohne mit Sorgen kämpfen zu dürfen, in Ruhe seine Fähigkeiten zu entfalten, sein reiches Wissen und Können in Anwendung zu bringen und für die leidende Menschheit auszunützen. Längst schon wollte er die kleine Wohnung in dem alten Hause und der schmalen Straße aufgeben, aber die alte Mutter war nicht zu bewegen, die ihr vertraut gewordenen Räume zu verlassen. „Das Gefahr' und das Gegehe da draußen in den breiten Straßen ist nichts für eine alte Frau, lass mich schon hier sitzen, mein Kind!" hatte sie geantwortet, als er ihr Vorstellungen machte, dass ein Arzt, zu dem auch „bessere" Patienten kommen, doch dementsprechend wohnen müsse. „Geh', geh', mein Kind, lass mich mit Frieden", bat sie, — „und Du zieh hin, wo es Dein Geschäft verlangt und dann alle Freitag Abend — kommst Du zu mir her, und wenn die „Schabbeslichter" dann so hell brennen und ich mir meinen Tisch so weiß gedeckt habe, wenn ich in dem großen Sessel da sitze und in meinem „Zeenu Urenu“ lese, dann wirst Du selber sagen, dass ich Recht habe." Im Innersten sehnte sich David eigentlich gar nicht fort aus seiner Klause, die auch ihm lieb geworden war, und seine Mutter mit einem langen Blick betrachtend, hatte er damals nur entgegnet: „Ich bleibe auch hier Mutterle — Du hast wirklich Recht, und wer mich sucht, wird mich auch hier finden." Und man fand ihn. Gerade deshalb vielleicht, weil er keine großartige Reclame für sich machte, weil er nicht glänzen wollte und sich suchen ließ, wurde er vom großen Publicum bemerkt und auch in der engen Straße ausgefunden. Manch goldbetresster Diener wunderte sich oft nicht wenig, wenn ihm die Adresse des alten Hauses immer wieder und wieder angegeben wurde, um von dort her den Arzt zu holen, und mancher Kutscher, der vor dem alten Hause stundenlang halten musste, dachte vergebens darüber nach, was seine Herrschaft in solcher „Bude" wohl zu thun haben mochte. Allerdings sah die Kleidung manches herrschaftlichen Dieners, wenn er Sonntags ausging, eleganter aus, als diejenige des Dr. Med. David Regun. Von Kindheit auf an Einfachheit gewöhnt und in Armut erzogen, liebte David »och heute nicht das Auffallende, weder in seinem Wesen, noch in seinem Aeußern, und er machte das Wort zur Wahrheit, dass der Doclor nicht nur der Arzt, sondern auch der Freund des Kranken sein muß, wenn er ihnen wirklich helfen will. Seit damals, als er als junger Student die Kinder des Bankiers Jakob Gutkind unterrichtete, war er im Hause desselben ein ständiger Gast und treuer Freuud geblieben. Gutkind selber, der sich selten nur aus seinen Contorräumen fortbewegen ließ, sprach oft in feinen Mußestunden mit David Regun über mediciuische Wissenschaft, deren Fakultät er ja selbst noch immer als Döctor angehörte, und David musste oft ^über das treffeude Urtheil staunen, das der Bankier, Bankier, der sich anscheinend mit der Medizin nichl viel beschäftigte, in heiklen Fragen zu fällen wusste. Mit seinen beiden ehemaligen Schülern aber, mit Leon sowohl als mit Alice, verband der Doetor eine enge Freundschaft. Innig schloss er sich an die beiden jungen Leute an uns oft konnte er, unterstützt durch mancherlei Lebenserfahrungen wie früher de» Kindern, jetzt den Erwachseuen ein treuer Beralher und Helfer in mancher prekären Lebenslage sein. (F. f.)

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