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Die Wahrheit · 1902-03-14 · Heft 11 (14.3.1902) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 11 (14.3.1902)
Date
1902-03-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Die Wahrheit. Nr. 11 über die Classificierung der Lehrer' mit einer gewissen Vorsicht «ufnehmen muß'; allein abgesehen davon, dass es immerhin auffallend erscheint, wenn immer eine und dieselbe Meinungsäußerung seitens der Kinder erfolgt, hat sich in der jüngsten Leit etwas zugetrugeu, was die Beachtung der Schulleiter ver- Lient. Herr Rabbiner Dr. Ziegler befand sich auf einem längeren Urlaub und wurde im Gymnasium durch Herrn R. Sonneberg vertreten. Bei seiner Rückkehr war er sehr unangenehm überrascht, dass der weitaus größte Theil seiner Schüler während seiner Abwesenheit in den Classificationsnoten erheblich zurückgegangeu sei, und als er den Schülern deswegen strenge Vorwürfe nrachte, beklagten sich fast alle über die Clafsificierung seines Substituten, so dass Dr. Ziegler sich veranlasst sah, diese Noten zu annulliren. Herr Sonneberg wirkt in Ler hiesigen Gemeinde seit mehr als 20 Jahren; sein Privatleben und sein Charakter ist, wie bereits erwähnt, in jeder Beziehung unantastbar; als Gemeindesecretär erfreut er sich seit je her des vollsten Vertrauens seiner Vorgesetzten; als Leiter Des Tempelchors genießt er ungetheilte Anerkennung; als Religionslehrer jedoch ist er von den Kindern infolge seines schroffen Umganges und seiner allzu strengen Classificierung mehr gefürchtet, als dies im Interesse des Unterrichtes und des Gemeindelebens wünschenswerth erscheint, wahrend die Eltern mit Rücksicht auf.das Vertrauen, das er beim Vorstande zerließt, kein Mittel finden, um ihre durch sein Vorgehen aufgeregten Kinder beruhigen zu können. Dabei verharrt Herr Sonneberg, trotz der vielfachen Klagen, auf dem Standpunkte, Lass er gerecht claffificiere und auch nicht geneigt sei, seine Ansichten über Behandlung und Classification der Schüler zu ände'n. Die bedauerlichen Verhältniße, die hier geschildert wurden sind wahrscheinlich in einer gewissen nervösen Überreiztheit des Lehrers begründet, die sich derselbe durch seinen jahrelangen anstrengenden und vielseitigen Dienst zugezogen hat, vielleicht auch darin, dass, da seine Ehe kinderlos blieb, ihm das Glück versagt blieb, im Kreise eigener Kinder jene Duldsamkeit sich anzueiguen, der sich selbst der strengste jüdische Vater nicht entziehen kauil — allein welchen Ursachen immer man diese Zustände zuschreiben möge, auf die Dauer sind sie unhaltbar. Es besteht kein Zweifel, dass die Mehrzahl der hiesigen Israeliten mit der schroffen Behandlung ihrer Kinder und der übermäßig strengen Classificierung derselben in der Schule nicht einverstanden ist, und dass man mit Rücksicht auf die sonstige jahrelange -ersprießliche Thätigkeit des Herrn Sonneberg keine Einwendungen Erheben würde, wenn derselbe, um sich zu erholen, eine mehrjährige Ruhepause in seiner Unterichtsthätigkeit eintrcten ließe. Ein K i n d er fr e u n d. Arber den hebräischen Unterricht an den Oberclassen der Gymnasien und Realschule». Von Rabbiner Dr.^Daniel Fink. ■*' X. Es braucht nicht Wunder zu nehmen, wenn das damalige Geschlecht dieser Botschaft kein rechtes Verständnis abgewinnen Tonnte. Sie ist ja auch uns keineswegs vertraut, hat vielmehr <auch heutigen Tages nichts voil ihrem fremdartigen Klang einigebüßt. Fehlt doch dem gewöhnlichen Menschen, man möchte säst sagen, das Organ für diese Art von Erkenntnis. Die gewöhnlichen Sinne, mit deneu er ansgerüstet, sind dafür zu stumpf, daher denn auch der Prophet davon redet, das Her; sei verfettet, — dann das Ohr zu starr und das Auge zu finster. — Es konnte ihm unmöglich entgangen sein, dass die ^Erkenntnis genau den' entgegengesetzten Weg einschlägt, um in Len Menschen zu kommen. Sie gelangt zuerst an Auge und Ohr, mul von hier weiter zu dringe» und schließlich an das Herz zu greifen. Der Prophet jedoch meiut, dass Auge und Ohr für seine Botschaft und für seine Erkenntnis nicht spendende — sondern ausnehmende Organe nur bedeuten können. Um ersteres Zu sein, sind sie für diese,» Zweck zu stumpf veranlagt. Ihre Aufnahme kann nur durch das zartestempfiudende Organ, das den Regungen und Einwirkungen der Seele am nächsten steht, — durch das Herz erfolgen. Wenn das Herz davon ergriffe» ist, so kann seine Kraft auf die Erkenntnisweise des Auges uni» Ohres alsdann auch umgestaltend wirken. Nun erscheint das Geheimnis der prophetischen Welt und Gotteserkenntnis, von welchem B. 3. handelt, in eine»» neuen Lichte. Sie kann niemals auf dem Wege der Beobachtung m»d Durchforschung der äußeren Welt gewonnen werden. Sie vermittelt sich vielmehr dem Propheten geraden Weges durch die Ergriffenheit seines Geistes vom Geiste Gottes. Sie we»»det sich zunächst an unser Herz und will von da uns den ganzen Menscher», nicht blos seine Denkungs- und Gefühlsart von Grund aus umgestalten, sondern auch seinen äußeren Sinneswerkzeugen einen neuen Adel verleihen, dass sie die Welt im Lichte Gottes zu schauen vermögen. Wir tuenden uns jetzt der Behandlung von Jes. Cp. 40 zu. „Tröstet, tröstet »nein Volk" — spricht euer Gott, „redet zum Herzen Jerusalems und rufet ihm zu, dass feine Frohnde erfüllt, dass seine Sünde gesühnt, dass es aus der Hand Gottes ein Doppelmaß für seine Sünde empfangen." (V. 1 u. 2.) Der Zuruf des ersten Verses lässt erkennen, dass Israel des Trostes bedarf. Es »nuß demnach großes, schweres Leid inzwischen erfahren haben. Welcher Art dasselbe war, ist. hier zunächst nicht ersichtlich — doch soviel ist schon aus dein einen Worte klar, dass die Heimsuchung das ganze Volk betroffen haben müsse. Wenn wir nun im folgenden Verse hören, dass Jerusalems Frohnszeit um sei, wenn weiter (V. 2) davon die Rede ist, dass durch die Wüste eine Straße gelegt werden solle, jedenfalls bamtt die in die Fremde Hinausgestoßeueu auf derselben wieder in die Heimat zurückkehren, so leuchtet soviel ohne weiteres ein, dass an die in Babylonien in der Verbannung schmachtenden Juden seine Botschaft sich richtet. Ob nun der Prophet diese Worte unmittelbar zu der in Babylonien lebenden Gemeinde gesprochen, also in ihrer Mitte auch gelebt haben »nüsse, oder aus zeitlicher und räumlicher Ferne sie an dieselbe gerichtet habe, das ist aus unsere»» Texte nicht »nit Sicherheit zu entscheiden und bildet eine viel umstrittene Frage unter den Gelehrte»». Diejenigen, welche die erste Ansicht vertreten, behaupten demgemäß, dass diese Rede»», von Cp. 40 bis zum Schluffe, obwohl den» Buche Jesaja einverleibt, eine»» a»»deren Propheten angehören, dessen Raine in unserem Volke vergessen worden ist. Das. scheint jedoch eine höchst bedenkliche Annahme. Wir befinden uns hier in einer Zeit, die in das vollste Licht der Geschichte gerückt erscheint, aus der uns Hu»»derte von Namen ganz unbedeute»»der Persönlichkeiten beka»»»»t sind. Wie wäre es denkbar, dass das jüdische Volk diesen einzigen Tröster, dessen Herz wie eine Aeolsharfe nur auf die Regungen des Schmerzes und der Freude, die sein Volk be»vegten, abzestimmt war, — wie wäre es de»»kbar, dass Israel den Namen dieses einzigen Trösters, der im tiefsten Leid es aufgerichtet hat, vergessen könnte, und das noch in einer geschichtlich so hellerleuchteteu Zeit? Wohl haben wir Beispiele aus geschichtlich dunkler Zeit dafür, dass Schriften und Werke von Propheten verloren gegangen, indess ihr Name dein Gedächtniße unseres Volkes erhalten blieb. Für den entgegengeietzleu Fall fehlt »»ns jedes Beispiel. Unter den obwaltenden Umständen wäre dies vollends unbegreiflich. Die älteste Kunde von dein Vorha»»densein »»nseres Btlches gibt u»»s Jesus Sirach, — ein jüd. Schriftsteller, der spätestens 200 Jahre vor Beginn unserer bürgerlichen Zeitrechnung gelebt hat. Von »»nserein Propheten Jesaja sagt er Cp. 48 V. 27 und 28 : „ Er »veissagte mit reichern Geiste, .was zuletzt geschehen sollte, und gab den Bedrückten zu Zion Trost, damit sie sich für und für trösten.-möchten.' Er verkündigte das Zukünftige und Verborgene, ehe denn es kam." Wie diese Worte erkennen lasse»», hat auch er die »nit unserem Capiteb beginnenden Reden de»w Verfasser des erste»» Theiles zugesprochen»

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