Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 11 (14.3.1902)
- Date
- 1902-03-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Die Wahrheit. Nr. 11 Leit nicht mehr halten kann, zieht er sich, tu einen jüdischen ^Aberglauben verwandelt, in die Schlupfwinkel „geheimer Sekten", „jüdische Volkskreiser", „einzelner Judengemeinden" zurück,^nm Lori ein Versteck zu finden, wo er sein Leben noch einige 'Zeit Fristen kann. Das ist übrigens nichts Neues, denn so hat der Aberglaube es stets gemacht. Ich will versuchen, in Kürze den Machweis hierfür zu liefern, und hoffe zuversichtlich, dass es Mir dabei auch gelingen wird, den christlichen Aberglauben vom jüdischen Ritualmord aus seinen letzten Schlupfwinkeln zu vertreiben und ihm das Lebenslicht vollends auszublasen." Dies geschieht auch mit der bei Dr. Frank bekannten «Gründlichkeit, indem er das neuaufgelegte alte Märchen von Ler Geheimlehre des jüdischen Blutgenusses durch alle geschichtlichen Phasen bis in die neueste Zeit mit dem grellen Lichte der Mahrheit beleuchtet und Zeugen und Zeugniste pro und contra Eingehend würdigt. Einen Beweis dafür, dass die fragliche jüdische Gehcimlehre nur ein Produkt der Einbildung und ein Erzeugnis des Judenhasses sei, findet er auch in den vielfachen Er- Llarungeu gelehrter getaufter Juden, die eine hervorragende Stellung ün der christlichen Kirche eingenommen haben, und unter diesen führt Er den Professor Dr. Basilius Levisohu an, der im Jahre 1863 als Ehem. Rabbiner, von einer alten rabbirischen Familie abstammend, Erklärte, dass es in dem ganzen Bereiche der jüdischen Theologie Glicht ein einziges Buch gebe, weder ein gedrucktes noch ein Amgedrucktes, in welchem auch nur mit einem Worte eine solche barbarische Handlung (des Ritualmordes und Blutgenusses) Erwähnt werde, und dass es weder eine geheime noch öffentliche ^Lehre (Tradition) unter den Juden gebe, wodurch sich jenes 'Laster hätte sonpflanzen können. Er beschließt diese Erklärung, Ändern er als Levit beschwört: „Es gibt keine große, auch Leine kleine Gemeinden in ganz Israel, keine jüdische Sekte und Leine jüdische Familie auf dem ganzen Erderunde, iu welcher Las Blut eines Menschen zu irgend einer Ceremonie verwendet miird, sei es eines Juden, eines Christen, eines Türken oder ^'oust eines Menschen auf Erden: so wahr mir Gott beistehen Möge in der Stunde meines Todes!" Reisebriefe aus Holland. Bon Jan van Düren. VII. „Treue Hingebung und Anhänglichkeit an die regierende 'Familie" sagte der Rabbi, „gehörte und gehört zu den schönsten ^Tugenden Israels in allen Staaten und Reichen. Nirgendwo Bewährten sich diese edlen Eigenschaften glänzender, als in den Miederlanden. Das edle Oranje-Haus hat nirgends verlässlichere, Märmere Verehrer als in den israelitischen Bewohnern seines ^Landes-" Allerdings, während in anderen Ländern der Hass «gegen unseren Stamm die Bande der Verbrüderung und Einigkeit gelöst und die breiteste Kluft zwischen Israeliten und Wicht-Israeliten geschaffen hat, ist bei uns der consessionelle Friede ungestört. Wohl fehlt es auch hier nicht au feindlichen ^Aegyptern," die uns in das Meer zu versenken und in alte -E>claverei uns zu schleppen ernstlich bestrebt sind. Aber, wie Ein Weiser sagt: die Aegypter sind am Schilfmeere nicht unterbegangenwohl aber der egyptische Geist. Auch hier ist dieser «Geist aus den Kreisen geschwunden, welche die öffentliche Meinung Beherrschen. Das Herrscherhaus ist der Werdein der Verträglichkeit, des Friedens und der gegenseitigen Achtung unter den ^verschiedenen Confeffionen." „Und sind nicht," bemerkten wir, „im Judenthume selbst rLiefgehende Unterschiede in der Auffassung unv Ausübung der Meligion? Ist hier der Kampf zwischen Liberalen und Conserrvaliven nicht bemerkbar? Zieht nicht hier der Geist der Neuzeit Miele und Maßgebende gänzlich vom Judenthum ab?" .«Ihre Frage lässt sich kurz nicht gründlich beantworten. Mielleicht gelingt es mir, vorausgesetzt, dass Sie die «Geschichte des Judeuthums im letzten Jahrhundert, und insbesondere die des niederländischen kennen, vielleicht es möglich. Ihnen im Kleide eines Bildes eine Antwort zu ertheilen. Das traditionelle Jndenthum muß oft genug den Zuruf vernehmen: „Für Dich ist kein Heil bei Gott." Dieses kann aber getrost die Antwort geben: „Du Ewiger, mein Schild, meine Ehre, erhebest mein Haupt." Sie kennen geloiss die herrliche Erzählung von Noemi, Ruth und Orpa. An der Grenze Moabs und Judas verabschiedet sich die vielgeprüfte, edle Noemi von ihren beiden Schwiegertöchtern: Schluchzend umarmt und küsst Orpa ihre Mutter — und kehrt nach Moab zurück. Ruth aber umarmt nicht, küsst nicht, hält jedoch treu zu Noemi und kehrt Moab den Rücken, um nach Juda auszu-» wandern. In der bedauernswerthen, doch großen Figur sehe ich viel Uebereinstimmung mit der Gestaltung, Bildung und dem Schicksale des jüdischen Geistes unserer Zeit. Auch der Geist des Judenthums hat die heiligen Orte, wo er die erste Jugend in Glan; und Herrlichkeit verlebt hatte, nicht freiwillig, sondern gezwungen verlassen, wie Noemi, um in der Fremde seine Sendung fortzusetzen. Reich an treuen und standhaften Begleitern hat er die Wanderung begonnen. Durch viele Jahrhunderte bewahrten diese Begleiter ihre Treue und beschirmten den Geist des Judenthums vor heftigen Anstürmen. In unserer Zeit sieht dieser an der Wegscheide zwischen Moab und Juda. Sein Auge ist nach seinem Geburtslande gerichtet,; er ist entschlossen, nachdem er seine kostbarsten Güter verloren, allein zurückzukehren. Er wendet sich an seine Begleiter mit der schmerzlichen Bitte: Bleibet hier, wo Ihr nach euren neuen Begriffen und Vorstellungen, die Ihr bei der Umgebung gelernt habet, leben könnet. Ich kann eure gegenwärtigen Wünsche nicht erfüllen. Freisinnige, sowohl als Strenggläubige unter uns müssen begreifen, dass das Jndenthum, welches sie jetzt bekenue», schlechterdings nur ein Schatten ist von dem ihrer Ahnen. Noemi kehrt arm zurück. Und doch hängen sie alle zu sehr am Judenthum, als dass sie nach Moab zurückkehren wollten. Sie wollen und können nicht diesen großen Geist verlassen. Verschieden äußert sich die Treue und Anhänglichkeit. Orpa, die vom traditionellen Jndenthum Abgefallenen, umhalsen, küssen den alten, guten Geist, üben herrliche Werke der Wohlthätgkeit, machen impouireude Stistungeu, Widmungen, sie. retten ihr jüdisches Herz aus dem Schiffbruche; doch es ist ein Orpa-Kuss, ein Abschieds-Kuss, den der alte Geist des Judenthums empfängt. Die ihn geben, kehren nach Moab zurück und sind oft genug für das Jndenthum verloren. — Anders handelt Ruth. Treue gegen Ideale, verehrter Heer, hat ihren Ursprung im Geiste'; jene erwähnten Liebesthaten machen nur eine Seite des Judeuthums aus. Ohne die angestammte Religion kann und darf es kein Judenthum geben, der Ausfluss menschlicher Gefühle ist fein] untrüglicher Beweis, noch auch genügende 'Bürgschaft für das überlieferte Jndenthum. Wir bedürfen der Treue Rnth's, die mit unserem Glauben und für dessen heilige Tradilion leben und sterben lässt. Hier haben Sie, abgesehen von den Reformern, die sich ja endgiltig überlebt haben und von der Geschichte. a.ä absurdum geführt worden sind, zwei einander gegenüberstehende Parteien im Judenthume. Ich kann Ihnen, die Etttscheidung überlassen, von welcher Seile wir das Heil für uns zu erwarten haben. Mit aufrichtiger Begeisterung begrüße ich den Zionismus, insofern, als er mit den heiligen Traditionen des geietzesireuen Judenthums übereinstimmt. Er hat „Verlorene in Assnr und Verstoßene in Aegypten" heimgerufen und heimgeführt. Es wäre nur zn wünschen, dass die nationale Begeisterung dort ihren Grund fände, wo er zu suchen ist, in der Religion der Väter; denn ohne sie ist diese Strömung ziellos und ohne Segen; denn die alleinige Betonung der Nationalität, auch sie könnte ein Orpa-Kuss werden." Dieser tiefen Darstellung folgte unsererseits ein Schweigen, das iu der Bewunderung seinen Grund hatte. Das entworfene Bild hatte die ganze Geschichte des letzten Jahrhunderts vor unserem Auge aufgerollt. Der erhabene Ernst auf dem Antlitze des Rabbi, die Weisheit des welterfahrenen Greises ließen unS