Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 10 (7.3.1902)
- Date
- 1902-03-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Die Wahrheit. Nr. 10. Herrn Dr. S.) zur BÄLsthMMrmer israeWAUDchulkinder in der Brigittenau 10 K. Moy ^ap BerLha^BMßhut, . zur BeköstigDg arm^ ^chuMrder^rr^er HrjMKäD' unM 4i» Ottakring' 10 K. Anonym durch Aas „Neue Wiener ^TagDatt"., iür isiMitische Waisenkinder. 10 K. Vo>» Hern» Alchrt Heßky, ^ur Beköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau 10 K. Von Frau Begine Arnstein, zur Beköstigung -armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau. 10 K. Van Herrn Dr. Alfred Stern, für eine Arme 8 K. Den Spendern rvird der Dank aotirt. Weiters gelangt ein Schreiben de^ Herrn Dr. Adolf , Stein als Testameuts-Executor nach'dem kürzlich verstorbenen Herrn Carl Goldschmidt zur Verlesung, wonach derselbe der israelitischen Cltltusgemeindc ein ihm gehöriges Hans' als, Substitutionslegat zur Errichtung einer Earl und Rosalie -Goldschmidt-Stistung vermachte, deren Erträgniße zu je einem Drittel für Zwecke der israelitischen Versorguugsanstalt, für Waifenunteritützuug und Armenbetheilung verwende» werden sollen. Herr Oberrabbiuer Dr. Güdemaun macht in einem an Len Vorstand gerichteten Schreiben denselben aufmerksam, dass der Beginn der diesjährigen schriftlichen MaturitätsprüfMigeu an den Wiener Gymnasien auf den letzten Tag des Passahfestes angesetzt sei, und ersucht die nöthigen Schritte in dieser Sache einzulciten. Vicrpräsident Laudesschnlrath Dr. Gustav K o h n theilte hierauf mit, dass durch Intervention des Vorstandes die Verchiebuug des Prüfungsdeginues au allen Schulen bereits r wirkt sei. Spitalsangelegerrhertm. Cultusvorfteher Dr. Grünfeld referirt in Spitalsütigelegenheiten und beantragt, im Sinne der von der Leitung Les israelitischen Spitales erstatteten Vorschläge, für die neu errichtete chirurgische und gynäkologische Abtheilung des israelitischen Spitales die Stellen zweier Secundarärzte und eines Hilfsarztes im Concurswege auszuschreiben und mit Rücksicht aus die mit 1. Mai 1902 iuteudirte Eröffnung des neuen Pavillons den Dienstantritt mit diesem Tage festzusetzen. Referent beantragt weiters, zur nothwendig gewordenen Vergrößerung Les seit Eröffnung des israelitischen Spitales dortselbst bestehenden chemischen Laboratoriums die bisherige Dotation für Zwecke Lesselben von 300 K. auf 1000 K. zu erhöhen und als Laboratoriumchef den k. k. Universttäts-Docenten, Herrn Dr. Arthur Katz, Assistent des Herrn Professors Dr. Julius Mauthner am chemischeu Laboratorium der allgemeinen Poliklinik, zu berufen. Die Reserenten-Anträge werden ohne Debatte einstimmig angenommen. Lehrplan für Wädchengyumasien. Cultusvorfteher Director S i m o n referirt über den au.ueu Lehrplan für den Religionsunterricht an den Mädcheugymnasieu und führt aus, dass derselbe im Sinne der Prin- -cipien ausgearbeitet sei, welche in den von Cultusvorstande in Len Jahren 1900 und 1901 diesfalls gefassten Beschlüssen ^um Ausdrucke kommen. Der Lehrplan musste sich naturgemäß an die für die Knaben- Mittelschulen geltenden Lehrpläne anlehnen, jedoch erschienen im Interesse eines leichtfasslicheren und anziehenderen Unterrichtes «einige Streichungen nötig. Nach diese» allgemeinen Darlegungett Littet der Referent um Annahme seiner in der Unterrichts- Kommission und im Vertreter-Collegium einstimmig genehmigten Anträge. Ober-Finanzrath Dr. Rappaport äußert unter Anführung eines concreteu Falles aus seiner eigenen Familie Bedenken darüber, dass die Mädchen mit dem Unterrichte in der Hebräischen Sprache, insbesondere mit dem Auswendiglernen einzelner Sellen des hebräischen Schriftthums unnötiger Weise belastet werden. Es dient dem Ztvecke der Mädchengymnasien keinesfalls, tvciiu her Religionsunterricht auf so breite Basis gestellt wird. 4' Dr. S pM e r iHMMWtgegengesetzter Wüsicht?' HMlBeÜgionsupterricht,i. wieder Wte ertheilt wird, AeichtdenGfftmitteln, Ätzt Nur in^Hinimalsten Dosen eriheiO; - ei»»e ^weitere EistschrMun^ scheW Unmöglich. Die Unzulänglichkeit, des Religionsunterrichtes, - y»st dem nur die Befolgung der gesetzlichen Vorschriften, t.icht-abei^-die Erreichung, des.Lehrzieles bezweckt wird, zeigt sich in erschreckenden Beispielen im praktischen.Leben. Wenn ein Barmizwa heute zur Thora gerufen wird, spricht er die Brochäus in einem Hebräischaus, das von Ms Erwachsenen gar nicht verstanden wird. . / Der: Unterricht in der hebräischen Sprache, der nationalen Muttersprache der Juden, der Sprache, in welcher die Bibel und die großartigsten philosophischen Werke geschrieben sind, der Sprache, in der sie als Volk, als Nation denken und -fühlen lernen, muß aber als Grundlage des israelitischen Religionsunterrichtes gelten. Seine Eliminirung würde ein kosmopolitisches Iudenthum zeitigen, und gerade die Frau, welche in derreligiösen Erziehung immer eine große Rolle gespielt hat und spielt, bedürfe des Unterrichtes in der hebräischen Sprache mehr denn je. Nur eine radikale Reform des Religionsunterrichtes und die Errichtung zahlreicher Bibelschuleu wäre geeignet, die fortschreitende Dekadenz des Judenthnmes aufzuhälteü. Vertreter Baurath Stiaß 1» Y anerkennt die Vorzüge des Neuen Lehrplanes, glaubt aber dennoch, dass die vorgebrachten Beschwerden eine gewisse Berücksichtigung verdienen. Allein nicht die Menge des Stoffes sei es, die die Schüler belaste, sondern die Methode des Unterrichtes, welche eben der Reform bedürfe. Der Unterricht in der hebräischen Sprache müsste mehr cursorisch ertheilt und der Schwerpunkt des Religionsunterrichtes weniger auf das Studium der hebräischen Grammatik, als vielmehr aus das richtige Verständnis der Bibelstellen gelegt werden. Weiter würde er-wünschen, dass auch das erste Capitel Ezechiel in den Lehrplan anfgenomme > und der Geographie des heiligen Landes mehr Beachtung zugewendet werde. Redner glaubt den Präsidenten der Akademie der Wissenschaften, Herrn Professor Süß, bestimmen zu können, den Religionslehrern Vorträge über die Geographie des heiligen Landes zu halten, wovon er sich große Vortheile verspreche. Cultusvorfteher Dr. G r ü n f e l d hat aus' Erfahrung in seiner Familie im Gegensätze zu einem Vorredner die Ueberzeuguug gewonnen, dass die Mädchen am Gynasinm mir dem hebräischen Unterricht sich durchaus nicht belastet fühlen; Grammatik werde dortselbst weder verlangt noch classificirt. Cultusvorfteher Dr. Berger constatirt, dass das Ausmaß der in den Lehrplänen zum Memoriren vorgesehenen Stellen ein ganz geringes sei. Das Auswendiglernen einiger Benedictionen, wie es in der I. Classe verlangt werde, sei nicht schwierig. Der Lehrplan für Mittelschulen hat im Allgemeinen eine bedeutende Reduction gegen früher erfahren, außerdem ist der Lehrplan für Mädchengymuasien gegenüber dem für Knabengymnasien ebenfalls reducirt worden. - Eine weitere Reduction wäre geradezu eine Beleidigung für die jungen Damen, die doch niemals als schwaches Geschlecht gelten wollen. Redner befürwortet die Annahme des Lehrplanes. Cultusvorfteher kais. Rath Wilhelm Pollak anerkennt zunächst die große Arbeitsleistung des Vertreter Collegiums, welches in so ausgezeichneter Weise die Geschäfte der Cultusgemeinde besorgt und dem Cultusvorstande fast die ganze Bürde der Verwaltung abgenommen hat. Es wäre nur zu wünschen, dass jene arbeitsfreudigen Herren in ihren Bestrebungen nicht ermüden und die vielfach als dringendes Bedürfnis anerkannte und vom Redner in den letzten lOJahren oft geforderte Verbefferung des Religionsunterrichtes durchführen würden. Hier im Vorstande sieht man zwei Strömungen hervortreten: Die Einen glauben, dass den Schülern nicht genug sprachliches Wissen beigebracht werden könue und halten das Auswendigbüffeln von Vocabeln, die Kenntnis der grammatikalischen Formeln für wichtig, die Änderet» wünschen eilten höheren Schwung in den Religionsuilterricht gebracht, dass nämlich die studirende Jugend bekannt gemacht werde mit den wichtigen geschichtlichen Ereign-ßen und der