Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 9 (28.2.1902)
- Date
- 1902-02-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Die Wahrheit. Nr. 9. solchen Hausindustrien, welche bereits von Juden betrieben werden, zu erhalten und weiter zu entwickeln, sowie neue Industrien eiuzuführen, ohne durch Concurrenziruug schon bestehender Industrien dem Antisemitismus wirtschaftliche Vorwände in die Hand zu geben. Dort, wo Juden Handwerk, Ackerbau oder Industrie betreiben, könnte denselben durch vorteilhafte Beschaffung von Rohmaterialien und Geräthen, durch Unterstützung beim Pacht von Grund und Boden die Möglichkeit einer menschenwürdigen Wstenz geboten werden. Allen jenen, welche durch ehrliche Arbeit ihr Leben fristen können, soll auch Hilfe werden. Lebensfähige Existenzen zu erhalten, muß das Ziel sein. Diese gewaltige Arbeit, eine Aufgabe für Jahrzehnte, kann jedoch nur dann geleistet werden, wenn die gesammte Judenschaft pccuniär und moralisch mithilst an dem Zustandekommen der großen Action. Jeder Jude erachte es daher für seine Pflrcht, dem Hilfsvereine als Mitglied anzugehören und mitzuschaffen an deni Werke, dessen Gelingen nicht nur den der Hilfe Bedürftigen, sondern allen Juden der Welt, in erster Linie jedoch den Juden Oesterrreichs zum Segen und zur Ehre gereichen wird." Nitualrnord und Eid. Der offene Brief des Rabbiners Dr Wilhelm Münz in Gleiwitz über „Ritualmord und Eid" an den deutschen Reichstagsabgeordneten, Herrn Liebermann v. Sonnenberg, hat eine mächtige Bewegung hervorgerufen. Die muthigen, unverfälschten Worte, der innersten Glut des Geistes.enffprungen, haben wie eine Elementargewalt gewirkt. Aus immer weiteren christlichen und jüdischen Kreisen gehen zustimmende Kundgebungen ein, aus deren Fülle wir einige hervorheben wollen : Dr. Eornill, der berühmte Professor der evangelischen Theologie an der Universität Breslau macht in sinniger Gedankenverbindung darauf aufmerksam, dass der Tag, an welchem der offene Brief erschienen, der 22. Februar, der Geburtstag Leffings sei. Professor Eornill richtet an Dr. Münz folgende Zeilen: „Hochwürdigster Herr Doctor! Innigsten Hcrzensdank. Das war ein rechtes Wort zur rechten Zeit und die herrlichste Geburstagsfeier des herrlichen Gotthold Ephraim Lessing." In einer anderen Zuschrift an Dr. Münz erklärt Professor Eornill mit Bezug auf die Blutanklage, dass es einfach Christenpflicht, doppelt Theologenpflicht sei, in dieser Schmach Israel bei der Hand zu fassen." Der christliche Inhaber einer hochangesehenen Fabriksfirma in Schleswig'Holstein richtet an den Verfassers ein Schreiben, welches so ergreifend und überzeugungskräftig wirkt, dass cs von den weitesten christlichen Kreisen gelesen und beherzigt zu werden verdient. Das Schreiben lautet: „Welch ein tiefer, erhabener Glauben spricht aus Ihrem offenen Briefe „Ritualmord und Eid!" Ihr Schwur ist so überzeugend und beweiskräftig, dass ich heute, selbst wenn ich früher einmal gezweifelt haben sollte, nie mehr an die Schuld der Juden in sämmtlichen Btutanklagenglauben werde. Ich schreibe Ihnen, dem beherzten Manne, als ein überzeugter Christ und nehme zur Ehre meiner wirklich christlichen Mitmenschen au, dass dieselben in Zukunft hinsichtlich der Ritualmorde den bisherigen blödsinnigen Behauptungen, welche ja bei dem geringsten Anlaffe von gewiffen Seiten aus bestimmten Gründen immer Wieder mit erneutem Fanatismus vorgebracht werden, keine Beachtung mehr schenken, sondern dieselben, wie sie es in der That verdienen, niedriger hängen werden. Genehmigen Sie, unerschrockener, für die Wahrheit kämpfender Mann, meine größte Hochachtung." So spricht ein deutscher Christ! Welch ein Kiddusch liegt in diesen Zeilen! Diese wenigen Worte wiegen eine Hanze Bibliothek von Verteidigungsschriften auf. Um den Eindruck zu kennzeichnen, den die Schrift des Dr. Münz auf jüdische Kreise gemacht hat, seien aus den zahlreichen Kundgebungen folgende hervorgehoben: Die israelitische Cultusgemeinde in Zerbst richtet an den Verfasser folgenden Brief: „Die heute versammelte israelitische Gemeinde in Zerbst kann es sich nicht versagen. Ihnen, hochwürdiger Herr, nicht nur ihre volle Zustimmung zu dem an Herrn Liebermann von Sonnenberg gerichteten offenen Brief zu geben, sondern Ihnen die Bewunderung ob dieses Meisterwerkes eines Schriftstückes, das Millionen Israeliten aus dem Herzen geschrieben' ist, auszudrücken. Mögen die Worte Ihres offenen Briefes, die alle Menschen von Herz und Gemüt bis ins Innerste ergreifen, dazu beitragen, diese traurigste aller Beschuldigungen gegen die jüdische Religion für ewige Zeiten zu begraben." Die Gotha-Loge zu Gotha schreibt folgendes: „Ihr offener Brief an den Abgeordneten Liebermann v. Sonnenberg ist eine hochbedeutsame That. Sie haben damit dem Judenthum einen Dienst erwiesen, der Ihnen die aufrichtige Dankbarkeit aller Glaubensgenossen sichert. Die Gotha-Loge gestattet sich, Ihnen den tiefsten Dank für Ihr mannhaftes Eintreten für unsere heiligsten Gefühle auszusprechen." Der israelitische Humanitätsverein „Moravia" in Brünn äußert sich in folgender Weise: „Dank, herzlichsten Dank für Ihren mit warmem Herzen geschriebenen offenen Brief. Nicht allein Ihr reiches Wissen, nicht allein Ihren Geist, der durchtränkt ist von der Etyik des Judenthums, Ihre ganze lautere, starke Persönlichkeit, nach Goethe das höchste Glück der Erdenkinder, haben Sie eingesetzt, um den törichten, böswilligen Vorwurf des Ritualmordes von unserer Religion abzuwälzen." Geben wir nun das Wort einigen Einzelpersonen. Ein ausgezeichneter Gelehrter, Universitäts-Professor in Berlin, schreibt: „Mit lebhafter Theilnahme und herzlicher Bewunderung habe ich die innig empfundene und in edelster Weise formulirte Vertheidigung der Ethik unseres Glaubens, gelesen. Empfangen Sie für ihr muthiges und beredtes Streiten für Wahrheit und Recht den Ausdruck meines innigsten Dankes, den jeder Jude Ihnen schuldet." Ein hervorragender Arzt, Geheimer Sanitätsrath in Berlin, richtet an den Verfasser folgende Zuschrift: „Dem schon längst allgemein schmerzlich empfundenen Ausbleiben einer competenten Zurückweisung jener schandbaren Verleumdungen haben Sie ein Ende bereitet, und wird diese That bei allen redlichen Männern des deutschen Vaterlandes Ihnen unvergessen bleiben." Schließlich aus den zahlreichen Schriftstücken noch die innigen Worte eines alten emeritirten Lehrers aus Hessen. Er schreibt: „Das waren flammende, gottbegeisterete Worte, die ich eben gelesen habe, die das Herz erzittern, aber freudig erzittern machen, denn jedes dieser Worte ist heilig! Möge der Erfolg ein gottgesegneter sein!" Ein weiterer Commentar zu diesen Kundgebungen ist überflüssig. Die Sache spricht für sich selbst. Eins aber thut noth. Die Schrift des Dr. Münz muß durch Massenverbreitung in die weitesten christlichen Kreise hinaus getragen werden, damit die Geister aufgeklärt und erleuchtet werden und die schmähliche Blutlüge endlich einmal ausgerottet wird. Wir weisen noch darauf hin, dass die Broschüre des Dr. Münz über „Ritualmord und Eid" in neuer Auflage (fünftes bis zehntes Tausend) erschienen und von Neumann's Stadtbuchdruckerei in Gleiwitz zu beziehen ist. Preis eines Exemplares 5 Pfennig. 10 Exemplare 35 Pfennig. Reminiscencen aus dem Lebe« Dr. Adolf Iellmek's f. A. Der große Jellinek, der berühmte jüdische Kanzelredner, der ernste Forscher mit seiner dichterischen Begabung ist zwar im Reiche des Geistes, wo weder Hass noch Neid, Mißgunst und Scheelsucht einen Platz für ihre Verwüstung und Zerstörung anrichtende Thätigkeit finden dürfen, unvergesslich, allein man hört trotzdem in den letzten Jahren seinen Namen wenig nennen und könnte leicht verleitet werden, dem Zionis-