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Die Wahrheit · 1902-02-21 · Heft 8 (21.2.1902) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 8 (21.2.1902)
Date
1902-02-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 8 Vie Wahrheit. Seite 7 mit dem Capitale von K. 1800. Aus der Abel Rappaport'schen Studenten Stiftung wird ein Stiftplatz per K. 1000 an einen Studirenden der Medicin auf die Dauer der gesetzlichen Studienzeit verliehen. Die erfolgte Betheilung an 16 Petenten zu je 50 Kronen aus -der Antonie von Boschan'schen Armenstiftung wird zur Kenntnis gekommen. Weiters werden über Antrag des Vertreter-Collegiums an -drei humanitäre Institute Subventionen bewilligt, Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um halb 1 Ahr mittags geschlossen. Men. (Oesterreichisch-Israelitische Union.) Am Samstag, den 22. d., präcise halb 8 Uhr Abends, findet im Festsaale Les Niederösterreichischen Gewerbevereines. I., Eschenbachgaffe II, ein Vortrag Sr. Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners Dr. M. Güdemann Über „Bileam" statt. Durch Mitglieder eingeführte Gäste haben Zutritt. Damen willkommen. Nach dem Vortrage gesellige Zusammenkunft im Restaurant Khuner, I., Adlergaffe 6. Men. (Israelitischer Frauen-Wohlthätigkeit s- 'V er ein für den IV. und V. Bezirk.) Das rührige Damen- Lomits dieses eminent wohlthätigen Vereines, welcher alljährlich bei 100 arme Kinder mit Winterkleidern und Schuhen beschenkt, veranstaltet auch Heuer, wie seit einer Reihe von Jahren wieder sein so beliebt gewordenes Tanzkränzchen, welches für den 24. Februar in Ronacher's Prachtsaal -anberaumt ist. Ein am 5. d. stattgehabtes Vorkränzchen im Saale des kaufmännischen Vereines, welches glänzend besucht war, ^versammelte das Lunge Damen- und Herrencomitö und gab ein prächtiges Präludium Lür das kommende Kränzchen. Für die Ballmusik wurde die Capelle -C. W. Drescher, für das Tanzarrangement Prof. Ed. Rabensteiner gewonnen. Es steht zu hoffen, dass dieses Wohlthätigkeitsfest gleich seinen Vorgängern von bestem Erfolge begleitet sein wird und den humanen Zwecken ein reiches Erträgnis zuführt. Men. Am Mittwoch, den 26. d., 8 Uhr Abends, wird Herr -Cultusvorstand, k. k. Baurath Wilhelm Stiaßuy, im Festsaale^des „Jüdischen Volksvereines", II., Leopoldsgasse 49, ein Vortrag halten. Mag. Der Verein „Jüdische Toynbeehalle" veranstaltete am 15. d. im großen Parterresaale im „Hotel Bristol", Langegaffe, den ersten Toynbee-Abend, der so stark besucht war, dass nach 8 Uhr kein Einlass -mehr gewährt werden konnte. Herr Advocat Dr. Ludwig Bendiener Hielt einen einstündigen, überaus fesselnden und gediegenen Vortrag „Juristische Plauderei", der sehr anregend und belehrend wirkte. Den musikalischen Theil des Abends leitete Frl. Melania Wrba ein, die Lieder von Rubinstein, Hildach und Grieg mit schöner Stimme und gutgeschultem Vortrag sang. Hierauf spielte der Absolvent des Conservatoriums, Herr Wilhelm Ganz, mit edler Tongebung zwei Violinpiöcen, denen die Romanze des Kühleborn aus „Undine" und Schubert-Lieder folgten, von Herrn Tempelcantor, Leo Mirsky, mit feinem Verständnis gesungen. Alle Vortragenden fanden stürmischen, nicht endenwollenden Beifall des empfänglichen Publikums. Die Clavierbebleitung besorgten Frl. Adele .Krauß und die Herren Buchbinder und Oscar Zempliner. Den Anwesenden 4vurde gratis Thee und Gebäck verabreicht; es wurden an 300 Taffen Thee ausgeschänkt. Es sei hervorgehoben, dass alle Mitwirkenden gratis dem der Veredlung und Bildung des Volkes dienenden Vereine ihre Kräfte widmen. — Der hiesige Bauunternehmer Herr Ph. Dub hat dem Vereine 100 Kronen gespendet. Hroppau. lieber Einladung des hiesigen „Jüd. litterarischen Vereines" hielt Herr Rabbiner Dr. Kahan aus Znaim Montag, den 17. d. einen Vortrag über „Altes und Neues Testament", welcher von den zahlreich erschienenen Damen und Herren mit großem Beifall ausgenommen wurde. In sehr interessanter Weise verglich der Vortragende die Ethik des Alten und des Neuen Testamentes, und die sehr belehrenden Ausführungen zeigten von der gründlichen Beherrschung des Stoffes und förderten so manch' scharfsinnige Bemerkung zu Tage. Das Auditorium folgte mit großer Ausmerhamkeit diesen sehr belehrenden Ausführungen und zeichnete den Herrn Dr. Kahan am Schluffe mit lautem, anhaltendem Beifalle aus. Herr M. Spiegel dankte dann im Namen des Vorstandes dem Herrn Dr. Kahan für seinen ausgezeichneten Vortrag und sprach ^den Wunsch aus, den geschätzten Redner bald in unserer Mitte wieder .begrüßen zu können. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Zur goldenen Hochzeit des Erzherzog Rainer. Donnerstag, den 20. d. M. halb 6 Uhr Abends findet im Vereinstempel, .5. Bez., Margarethenstraße 73, ein Festgottesdienst statt, zu welchem Se. kaiserl. Hoheit von der Deputation ehrfurchtsvoll gebeten wurde und die Einladung dankbar entgegennahm. Frau David v. Guttmann hat dem Statthalter Grafen KielmanSegg -anlässlich des fünfzigsten Gedenktages der Vermählung des Erzherzogs 'Rainer den Betrag von 1000 Kr. zu patriotisch-humanitären Zwecken übergeben. Die Spende wurde unverweilt ihrer widmungsmäßigen Äerwendung zugesührt. * B Der Obmann des israelitische» Krankennnterstützungsvereins d es 4. und 5. Bezirkes, Herr Simon Spitzer, überbrachte dem Erzherzog Rainer und dessen Gemalin anlässlich der goldene» Hochzeit i>» Namen des Vereines die Glückwünsche desselben. Wir». (Adoption.) Ein angesehenes, wohlhabendes Ehepaar, dessen Ehe kinderlos ist, wünscht ein israelitisches, doppelt verwaistes oder vollständig verlaffenes Mädchen im Alter von höchstens zwei Jabren zu adoptiren. Das Ehepaar ist in einer große» deutschen Residenzstadt ansässig. Näheres Montag und Dienstag, de» 24. und 25. Februar von 3—4 Uhr bei Herrn Kraus, 1. Bez., Seitenstettengaffe 2, 1. Stock. Wrrn. (Zur Judeneinwanderung nach Palästina.) Der „Münchner Allg. Ztg." wird ans Constantinopel telegraphirt: Auf besondere Einladung von Ibrahim Bey, Ceremonienmeisters des Sultans, ist Dr Herzl, Redacteur der „N. F. Presse", der bekannte Führer der Zionisten hier eiugetroffen. Es verlautet, der Sultan habe bereits den Charter unterzeichnet, der die jüdische Einwanderung im größeren Maßstabe nach Palästina, Syrien und Mesopotamien gestattet. Wien. Herr Simon Singer, Obereantor in Kattowitz, Sohn des Obercantor Josef Singer in Wien, hat sich mit Fräulein Else Gräupner aus Beuthen verlobt. Der Bräutigam ist ebenfalls ein geborener Beuthener, da dessen Vater bekanntlich vor seiner Berufung nach Nürnberg in Beuthen angestellt war. Wien. Am 17. d. ist hier Frau Rosa Hildesheimer, geborene Brodsky, eine durch ihren überaus regen Wohlthätigkeitssinn in Wien sehr bekannte Dame, die auch dem Vorstände mehrerer Wohlthätigkeitsvereine durch viele Jahre angehört hat, nach längerem schweren Leiden gestorben. Wien. Fräulein Rosa Menkes. Tochter des Herrn Hermann Menkes, II. Cantor der israel. Cuttusgemeinde, hat sich mit Herrn Adolf Hönig aus Lemberg verlobt. Hroppau. Unser allgemein verehrter Obercantor, Herr Max S i ng e r m a n n, hat einen schweren Verlust erlitten, indem sein Barer, der in Polen berühmte Cantor „Herschke-Chasen", ein Schwager des berühmten „Moische Mechel" und „Srolke Skuder", Donnerstag, 13. d. in Konin, Russisch-Polen im 70. Lebensjahre gestorben ist. Aus diesem Anlässe kamen Herrn Obercantor Singermann zahlreiche Beileidskundgebunoen aus Nah nnd Fern zu. Der hiesige Vorstand, die Gemeindemitglieder, sowie der Vorstand des „Jüdisch-litterarischen Vereines", an der Spitze Herr Dr. Singer und Herr K u l k a, sprachen ihm ihr Beileid aus. Mag. Im Vereine zur Förderung der Wissenschaft des Judenthums sprach Herr Dr. Groß aus Lundenburg am 13. d. „Ueber das geistige Leben der Juden im Mittelalter", nachdem Herr Oberrabbiner Dr. Rosenthal Breslau am 22. Januar den Cyclus der Vereinsverträge mit dem Thema: „Ueber das geistige Leben der Juden in den ersten zwei Jahrhunderten nach der gewöhnlichen Zeit" eröffnet hatte. Herr Dr. Groß erörterte alle geistigen Bestrebungen der Juden im Mittelalter, sowohl aus, dem religiösen Gebiete, wie auf sämmtlichen Gebieten des profanen Wissens. Ungemein fesselnd characterisierte er die bedeutenden Männer dieses Zeitraumes und deren Geisteserzeugniße, und übersichtlich waren die verschiedenen Disciplinen, in welchen Juden Hervorragendes geleistet haben, geordnet. Rächst der Religionswissenschaft, Philosophie, Medicin, Rechtslehre, Astronomie, u. s. w. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgte das Publikum dem Redner, dem der geführte Nachweis, dass der Druck des Mittelalters das geistige Leben der Juden nicht zu lähmen vermochte, in seinem nach Form und Inhalt gleich bedeutenden Bortrage vorzüglich gelang. Es wurde demselben am Schluffe reicher, anhaltender Beifall zu Theil. begrab. Am 12. d. hat der hier seit 1366 amtirende Cantor und Religionslehrer, Herr Salomon Breuer, im 82. Lebensjahre das Zeitliche gesegnet. Auf Ansuchen der Gemeinde erschienen am 14. der Oberrabbiuer, Herr'Dr. Neumann, und Cantor S. Goldmann von Gr. Kanizsa, um dem allgemeiner Liebe und ungetheilter Verehrung sich stets erfreuenden alten Seelsorger das letzte Geleite zu geben. Die Leiche wurde in dein schwarz decorirten von den Gemeinde-Mitgliedern und naurhasten christlichen Ortspersönlichkeiten überfüllten Tempel aufgebahrt, wo Herr Dr. Neumann eine tiefergreisende, die Leistungen des frommen Hingeschiedenen als Lehrer und Leiter der Gemeinde in würdigendstem Maße darstellende Trauerrede hielt. Dkd Bahre umstanden eine trauernde greise Witwe, ein Sohn, derzeit ein bestrenommirter Advocat in Budapests der Gemeindevorsteher, Herr B. Goldschmid als Schwiegersohn, ferner Töchter, Enkel und Urenkel. Am Grabej sprach noch der evangelische Ortsgeistliche, den Verblichenen in herzlichst collegialer Weise als wahren Menschen schildernd, der bis zum letzten Athemzuge krank und altersschwach im Amte ausharrte. Die rituell üblichen Funettonen hat Herr 5. Goldmann, welcher hier im Jahre 1854 seine erste cantorale Thätigkeir begonnen, in vorzüglich lobenswerther Weise versehen. D . . . Budapest. Herr Ignaz Kohn, Vater des Oberrabbiners Dr. S. K o h n, ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Der Verblichene, ei» dur<H gediegenes Wissen und wahre Frömmigkeit ausgezeichneter Mann, war ein Sohn des im Jahre 1852 verstorbene» berühmten Rabbiners Götz Schwerin-Kohn in Baja. Der Verblichene hat auch an dem Freiheitskampfe im Heere des Generals Perczel theilgenommen. Das Leichenbegängnis fand Montag, vormittags 10 Uhr, vom Trauerhause (7. Bez^ Hollogaffe 4) aus unter großer Betheiligung statt. Die Leichenrede hielt. Rabbiner Dr. Kayserling,

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