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Die Wahrheit · 1902-02-21 · Heft 8 (21.2.1902) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 8 (21.2.1902)
Date
1902-02-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8 Die Dahrheit. Seüe 5 blatte, der vom Vereinsschriftführer, Herrn Franz Frankl, verfassten deutschen Adresse und einem vom Rabbiner Dr. Reich verfassten Huldigungsgedichte in hebräischer Sprache, welchem eine in Versen verfasste deutsche Übersetzung beigegeben ist und von der hohen Begabung des Verfassers zeugt. Der kalligraphische Theil wurde von unserem Glaubensgenossen, Herrn Marcus, die Envelope. ein Meisterwerk an Schönheit, von Herrn B. Buchwald, dem bekannten, tüchtigen und begabten Industriellen, hergestellt. Unter den ersten Deputationen, die Se. kais. u. königl. Hoheit Erzherzog Rainer aus Anlass des fünfzigjährigen Hochzeits-Jubiläums empfangen hatte, war auch die der Badener israelitischen Cultnsgemeinde. Dieselbe war vertreten durch Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner W. Reich, dem Präses Herrn Moritz Leittier und dessen Stellvertreter Herrn Aut. Schneider. Sie überbrachte eine kostbar ausgestattete Huldigungs-Adresse, und bei der Uebergabe hielt der Rabbiner,, als Sprecher der Deputation, folgende Ansprache : „Eure k. u. k. Hoheit! Der Vorstand der israelitischen Cultnsgemeinde Baden, in Gemeinschaft mit deren Seelsorger, wagt es, seiner Huldigung in dieser Glückwunsch-Adresse in tiefster Ehrfurcht Ausdruck zu geben mit der Bitte, Eure k. u. k. Hoheit möge geruhen, dieselbe von uns entgegennehmen zu wollen. Als Bewohner der schöllen Curstadt haben wir das besondere Glück, uns alljährlich des erhabenen Anblickes Eurer k. u. k. Hoheit zu erfreuen. Umsomehr fühlen wir uns veranlasst, uns dem Jubel der Bevölkerung anzuschließen und unsere Gebete mit denen aller patriotisch gesinnten Bürger unseres vielgeliebten Vaterlandes zu vereinigen, dass der allgütige Vater Eure k. u. k. Hoheiten in seinen besonderen Schutz nrhmeu möge, Höchstdieselbeu bis an die äußerste Grenze des menschlichen Lebensalters zu schirmen, zu erhalten, zu erfreuen und zu beglücken." Se. k. u. k. Hoheit dankce sehr leutselig und bemerkte, dass diese Feier thatsächlich eine sehr seltene sei, und er betrachte es als eine besondere Gnade Gottes, derer dankbar gedenke. Hierauf ließ Höchstderselbe sich die Mitglieder der Deputation vorstellen und zog jeden Einzelnen ins Gespräch. Auf die Frage, wie lange der Herr Rabbiner in Baden sei, erwähnte derselbe, dass er auch die Gemeinde Neunkirchen vertrete, und Se. kaiserl. Hoheit frag lächelnd, wie dies mit der Ausübung gleichzeitiger Fnnctionspflichten angehe. Im weiteren Gespräche erwähnte der Herr Rabbiner, dass er bereits zweimal Allerhöchste Anerkennungsschreiben Sr. Majestät des Kaisers erhalten habe. Aus die weitere Frage, aus welcher Veranlassung, sagte derselbe, durch Veröffentlichung patriotischer Reden zum 40- und 50jährigen Regierungs-Jubiläum Sr. Majestät. Nun meinte Se. kaiserliche Hoheit im österreichischen Dialekt: „Nu ja, wir geben halt den Leuten viel zu thun." Se. kaiserl. Hoheit brachte dann das Gespräch auf die Schönheit des Cnrortes Baden und bemerkte, dass die Erzherzogin denselben nicht nur seit der Hochzeit, sondern schon als Kind bewohnt habe. Schließlich versicherte Se. kaiserl. Hoheit, die überreichte Adresse dankend anzunehmen, sie sei sehr schön, er werde sie als angenehme Erinnerung bewahren und entließ die Deputation in huldvollster Weise. Den Mitgliedern derselben fiel besonders der äußerst freundliche und leutselige Empfang aus, wie auch die größere Dauer der Audienz, die eine huldvolle Ehrung für die israelitische Cultnsgemeinde Baden bildet. Ueber den hebräischen Unterricht an den Oberrtassen der Gymnasien und Realschulen?) Von Rabbiner Dr. Daniel Fink. . - . ■ VII. Die Huldigung der Himmlischen lautet: »Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Heerschaaren, die Fülle der' ganzen Erde gereicht zu seiner Ehre l" (V. 3.) Die Bemerkung, »Einer *) Um Missverständnißen zu begegnen, sei hier ausdrücklich hervorgehoben, dass die obigen Auseinandersetzungen den Schülern keinesjvrgs als fertige Resultate gegeben.werden dürfen. Dieselben stellen vielruft dem Andern zu," lässt einen Schluss aus die Form deL> Gesanges, den der Prophet vernommen, zu. Jedenfalls besagt sie, dass er in Wechselchören ausgeführt ward, bei welchen die verschiedenen Stimmen bald einzeln auftraten, bald im harmonischen Einklang ineinander griffen. Die Vermuthung liegt nahe, dass die Formen des gottesdienstlichen Gesanges im Tempel hier unbewusstermaßen als Vorlage dienten. Unsere Vorfahre» müssen demnach schon in jenen uralten Zeiten mit den edelste» Kunstsormen des Gesanges vertraut gewesen sein. Die dreifache Wiederholung des „Heilig" bedeutet mehr als eine Steigerung der Aussage bis auf den höchsten Grad-. Dies drückt der Hebräer durch Unterordnung derselben Aussage im Genetiv aus und hätte in unserem Falle «mpn vmp zir lauten. Die dreimalige lose Aneinanderreihung derselben Aussage dagegen drückt ihre Uuermesslichkeit und Unendlichkeit aus. Alsoauch jenen Wesen, die einer höheren Welt angehören und demgemäß eine weit erhabenere Auffassung als wir besitzen, erscheint: seine Heiligkeit als unfassbar. Heiligkeit ist demnach nicht blos für den beschränkten Verstand des Menschen, — sondern für alle erschaffenen Geister die höchste Vorstellung, die überhaupt: von Gott zu erlangen ist. Es ist dieser Gedanke weit erhabener als die Vorstellung, welche das Christenthum in seiner vornehmsten Auffaffung selbst vertritt und die Gott als die reine Liebe sich denkt. Dies zunächst um deswillen, weil er die, Gerechtigkeit einschließt und diese wieder als den Ausfluss der höchsten Liebe darstellt. — Jene jedoch, welche die höchste Stufe der Gotteserkenntnis in der Liebe erkennen, stellen sich zunächst mit den edelsten Bekundungen unseres Gewissens in Widerspruch. Dasselbe fällt seine Entscheidungen ausschließlich nach den Ein-- gebungen der Gerechtigkeit, wie es nicht minder an den Weltlans die Forderung nach Gerechtigkeit stellt. Letztere bildet dir einzige Grundlage dessen, was wir die sittliche Weltordnunz., nennen. Wer von uns möchte in derselben nicht die höchste Errungenschaft der Menschheit anerkennen? Für wen von uns. hätte außerhalb derselben das menschliche Leben überhaupt »oH.. Sinn und Werth? Davon abgesehen sind ohne den Gesichtspunkt der Gerechtigkeit die meisten Vorgänge sowohl des Weltlaufes wie nicht minder des menschlichen Lebens, wie der Geschichte vollständig unverständlich. Sie alle bilden demnach einen unüberwindlichen Widerspruch gegen jene vermeintliche höhere. Auffassung von Gott. In dem Satze: „die Fülle der ganzen Erde gereicht seiner Ehre," — offenbart uns der Prophet das ganze Geheimnis, seiner Erkenntnis über Welt und Dinge. Es lässt sich nicht leugnen, dass der Lauf der Welt sich in unseren Augen anders, spiegelt. Schon das große Gebiet der Erscheinungen, die wir unter dem umfassenden Namen „das Uebel" begreifen, halten wir als eine Beeinträchtigung der vom Propheten gefeierten». Ehre Gottes. Noch mehr aber erscheint uns als solche der andere viel gewichtigere Umstand, dass so unendlich viele Menschen theils ans Unwissenheit, theils in offener Auflehnung gegen die: Lehre und Erkenntnis Gottes handeln, oder gar den gesammten Weltlaus ohne dessen Eingreifen überhaupt — zu verstehen meinen. Was nun gar erst angesichts jener Erscheinungen sagen, die uns zeigen, wie die reinsten und edelsten Absichten im Kamvfe gegen die rohesten und brutalsten Kräfte erliegen und ruchlos niedergetreten werden?! Ein tieferes Eindringen auf die im Verborgenen treibenden Kräfte des Menschen lässt erkennen, dass es durchaus nicht dem Zufall znzuschreiben ist, wenn gerade diese Vorgänge und- Grundsätze sich zu gemeinsamer Gegnerschaft des Propheten;nsammenfinden. Der Sachverhalt — mau mag es eingestehen-, wollen, oder nicht — liegt vielmehr so, dass diese Grundsätze, sich eben aus einer Auffassung herleiten, die in dieser Welt nur mehr das Ergebnis der Verhandlungen über den vorliegenden Text Jesaia, Capitel 6 dar. Wie sich dieser Vorgang im lebendigen Wechsel»! verkehr des Unterrichtes darstellt, konnte hier ebensowenig gezeigt mer» i den, als der Dramatiker es vermag, den Vorgang auf der Bühne irr! seinem Buche anschaulich hinzustellen.

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