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Die Wahrheit · 1902-02-14 · Heft 7 (14.2.1902) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 7 (14.2.1902)
Date
1902-02-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Desterr.-ungar. Canloren-Zeitnng Nr. 7. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 22. Iahrg. WM- Aie geehrten Kerren Kollegen werden ersucht, «ns die Kamen und Adressen von Kantoren in de« Aachöargemeinden öekannt geöen zu wollen. CantoraLes und Zynagogales aus Amerika. Wir erhalten von unserem geschätzten Mitarbeiter, Reverend EI. Star k, Cantor im Temple Emanu-El in San Franzisco, folgenden höchst interessanten Bericht: »Geehrter Herr Redacteur' Ich bin gerne bereit, in diesen geschätzten Blättern über die Verhälmiße der Chasanim und der übrigen Cultusbeamten in Amerika von Zeit zu Zeit ausführlicher zu berichten. Der amerikanische Jude ist zumeist ein Anhänger der Reform und der Gottesdienst wird demzufolge in streng reformirtem Style abgehalten. In vielen amerikanischen Gemeinden existjrt das Cantorat überhaupt gar nicht, da der Rabbiner in beiden Aemtern fungirt, d. h. die Gebete lverden von dem Rabbiner declamirt und der Organist hat den musikalischen Theil unter seiner Leitung. Natürlich mangelt es in solchen Fällen an der jüdischen Weihe. Es existirt hier zu Lande ein Reform- Gemeindeverband, dessen Rabbiner ein specielles Ritual (Gebetbuch) verfasst haben, das von allen Reformgemeinden adoptirt wurde. Der Titel dieses Gebetbuches ist „The Union Prayer book“ (Unions Gebetbuch). Die alte Tefillah wurde natürlich als Musterbild genommen. Die Städte New-I)ork und Cincinnati haben ein Rabbinerscminar, und Amerika bildet demzufolge seit den letzten 10 Jahren feine eigenen Rabbiner heran. Jedoch Cantoien hat dieses Land bis jetzt noch nicht herangebildet. Meine Gemeinde, in der ich jetzt bereits neun Jahre amtire,' ist die zweitgrößte und reichste in Amerika. Dr. Vorsänger aus Amsterdam ist seit 16 Jahren der fungirende Rabbiner und ist ein bedeutender Redner (englisch), ausgestattet mit weitumfassendem talmudischcm und weltlichem Wissen. Der Gottesdienst in meiner Gemeinde wird ebenfalls nach streng reformirter Weise abgehalten. Männer und Frauen haben Familieusitze; von bin verschiedenen Festtagen wird nur der erste Tag beobachtet, nämlich von Rosch Haschonoh,Sukkoth, Pessach und Schewnolh. Rabbiner und Cantor amtiren ohne Ornat und Kopfbedeckung. Der Chor besteht aus profanen Sängern und Sängerinnen und die Orgel ist ein bedeutender Factor während des Gottesdienstes. An den hohen Festtagen wird sogar dem Ensemble ein Streichorchester beigefügt. Jedoch trotz dieser ganz modernen Einrichtungen habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, dass die alten Weifen nicht übersehen und vergessen werden. Der Chor steht unter meiner persönlichen Leitung, da wir keinen speciellen Chordirigenten schaben. Der Gehalt des Rabbiners in meiner Gemeinde beträgt 7500 Dollars jährlich und der des Cantors 4000 Dollars. Ich habe mir die Freiheit genommen, Ihnen zwei Piecen zu übersenden, mit der gleichzeitigen Bitte, dieselbe in Ihrem werthen Blatte zu besprechen. Ich arbeite jetzt an einem großen Werke, das in kurzer Zeit bce»idigt sein wird und die ganze Tempelmusik für den amerikanischen Reform-Gottesdienst enthält." Zwei Trauungsgesänge von Cantor S. T. F r i e d l a n d, erschienen bei Jul. Hainauer, Hofmusiküienhaudlung, Breslau. Op. 3. „Zur Hochzeit. Trauungslied für eine Singstimme mit Clavier- oder Harmoniumbegleitung," op. 4. «Ni acläir" mit hebräischem und deutschem Text für eine Singstimme mit Clavierbegleituug, Der talentvolle .Compouist, der durch seine bisherigen Veröffentlichungen, besonders aber durch seine geistlichen Arien, das lebhafteste Interesse bei Freunden ernster, guter Musik her-' vorgerufen, erweist sich auch in vorliegenden Compositionen als- Meister in seinem Fache. Blühende Melodik, welche so selbstverständlich, so logisch aus kleineren Motiven sich entwickelt,, findet ebenso wirkungsvolle, wie naturgemäße Grundlage in. einer durch reizvollen Harmoniewechsel ausgestatteten Begleitung- Diese durchaus nicht alltäglichen Vorzüge formaler Natur werden aber in eine höhere Sphäre erhoben durch den seelischen Hauch,, durch die Tiefe einer gesunden, natürlichen Empfindung, von welcher namentlich op. 3 durchfluthet ist. Hier bietet sich dem. Sänger, der auch eine Cantilene zu singen versteht, eine überaus dankbare Aufgabe. Getragen von der Wellenbewegung einerdem Urgrund des Herzens entströmenden Weife, kann er dererhebenden Wirkung auf empfängliche Gemüther sicher sein. Gebührt hiefür dem begabten Autor neben unserer vollstem. Anerkennung und Hochachtung auch innigster Dank, so auch. Dank insbesondere dafür, dass er ein bish.'r ziemlich stiefmütterlich bedachtes Gebiet mit so herrlichen Gaben bereichert haU An uns Cantoren wird es sein, diesen Dank durch Anschaffung der Friedland'fchen Gesänge zu bethätigen und auf diese Weise den viel zu bescheidenen und vielleicht infolge dessen gerade iw unseren Kreisen viel zu wenig gekannten und erkannten Colleges zu neuem segensreichen Schaffen anzueifern. Mönche n, 4. Februar 1902. E. Kirchner- Verschiedrne Nachrichten. Wien. Fräulein Charlotte Schiller, Tochter des ersten CantorK am Wiener Stadttempel, Herrn Jsak Schiller, hat sich mit Herrn Hermann Gestring, Chef der Firma Gestring u. Kanftheil, verlobt. Wien. (Synagogen-Chorverband „S u lzer bu nd".> Der Vorstand des genannten Vereines versendet mit der dieswöchentlichen Nummer unseres Blattes nachstehenden Aufruf, dessen möglichste- Verbreitung unter den Chorsängern wir den geehrten Herren Cantorerr wärmstens empfehlen: An die geehrten Herren Chordirigenten und Chorsänger der israelitischem Cultusgemeinden und Bethaus-Vereine. Die Chordirigenten^und Tempelsänger sämmtlicher Synagogen Wiens haben sich mit Genehmigung der hohen k. k. Statthalterei unter dem Titel Shnagogen-Chor-Verband „Sulzerbund" zu einem Verein constituirt, der, einem langgefühlten dringenden Bedürfniße entsprechend, die sociale und materielle Lage der Tempelsänger heben und fördern soll. Der „Sulzerbund" will nothleidende Berufsgenossen und kranke Collegen unterstützen und nachweisbar ohne eigenes Verschulden postenlos gewordenen Mitgliedern zur Wiedererlangung einer Stellung behilflich sein. Berufsgenosfen J Schaart Euch um unser Banner, das wir der Humanität und der moralischen, künstlerischen und materiellen Hebung unseres schönen Standes errichtet haben. Jeder dauernd angestellte Chordirigent oder Tcmpelsänger muß, wenn er nur einen Funken Zusammengehörigkeits-Gefühl besitzt und seinen Beruf hochhält, dem „Sulzerbund" als Mitglied beitreten. Die geringe Beitrittsgebühr von 1 Krone ein für alle Mal und der kleine Jahresbeitrag von 4 Kronen (zahlbar in zwei im Vorhinein zu erlegenden halbjähr. Raten) ermöglicht es wohl Jedem, dem „Sulzerbund", der die wichtigsten Berussinterefsen der Tempelsänger in würdiger Weise vertreten wird, sich anzuschließen. Anmeldungen sind an den Cafsier des Vereines, Herrn Adolf Goldenberg, Wien, 2. Bez., Große Mohrengasse 22 zu richten, und bitten .wir zu diesem Behuse sich gefällig der angehefteten Beitrittserklärung bedienen zu wollen. Nach erfolgter Einsendung der Beitrittsgebuhr und des-

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