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Die Wahrheit · 1902-02-14 · Heft 7 (14.2.1902) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 7 (14.2.1902)
Date
1902-02-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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WWW1MII «ISmBBiM “YVI Hl iHM, 'JiHMUBaiWJIV« Nr. 7. Die Dabrkeit. FSeite 9. Jahresbeitrages wird dem Beitretenden die Mitgliedskarte und das Statut übersendet. Wien. (H eiman n»Kränz ch en.) Sonntag, den 9. d. fand im Prachtsaale des „Etablissement Ronacher" das Schülerkrä rzchen des ^Privat-Tanzinftituts Heimann statt. Die besten Kreise der bürgerlichen Gesellschaft, die ihre Töchter und Söhne in diese beliebte Tanzschule senden, Hatten sich vereinigt, um diesen Ehrenabend des Institutes zu einem -glänzenden Familienfest zu gestalten, bei welchem Schönheit und jugendliche Anmut zahlreiche Vertreterinnen fanden. Dass alle Tänze besonders ^orrect und exakt und mit Grazie ausgeführt wurden, dafür birgt das außerordentliche Renomme, dessen sich das Tauzinstitut, sowie dessen Inhaber Herr Julius Heimann, und der ausgezeichnete Lehrer und -geniale Leiter desselben, Herr Jnlius Singer, erfreuen. Herr Singer ist -immer bestrebt, Neues zu erfinden und zu bieten, und zeichnete sich auch diesmal durch Ausführung des von ihm componierten Tanzreigen aus. Dieses von 80 Paaren musterhaft ausgesührte Tanzpoem, war der -Glanzpunkt des Kränzchens und wurde mit coloffalem Beifall ausgenommen. Herr und Frau Heimann wurden durch Ueberreichunz von Ehrengeschenken besonders geehrt. Wien. Von den vorwöchentlichen Darbietungen der Toynbeehalle -wären in künstlericher Hinsicht besonders zu erwähnen die poetischen Recitationen von Frl. Mainau und Herrn Kalmanovics — einem noch! sehr jungen dramatischen Künstler, der zu schönsten Erwartungen für die j Folge berechtigt. Derselbe i trug den Tell-Monolog und eine Scene von! Uriel Acosta äußerst packend mit künstlerischer Virtuosität vor. j — Am Sonntag nachmittags veranstaltet die Halle alle 14 Tage -ein kleines Kinderfest, das diesmal von Frau Pauline Kohner gewidmet .und persönlich geleitet wurde. Ein prachtvolles Grammophon von Herrn v. Fincke dirigirt, leitete die gemütliche Stimmung ein. Es folgten gelungene Declamationen von Frl. Poldy Müller vom Hofburztheater, von st>er kleinen Johanna Roth, vom neunjährigen Violiu-Virtuosen Emil Fisch, accompagnirt von Frau Hönig, Tochter der Festgeberin, dichterische und musikalische Darbietungen von den Kindern Münz, Linhart, Fuchs, begleitet von Herrn Felix Goldbaum. Zum Schluffe Bewirthung und reichliche Bescherung. Akten. (M. Ed elh o fer's Leo p o ld städ ter V o lks- O r p h e u nt). Dem im 2. Bezirke wolbekannten Restaurateur, Herrn M -Edelhoser, gebührt das Verdienst, in Wien eine jüd. Theater-Gesellschaft acquirirt zu haben, welche echt jüdische Possen und ganz gediegene jüdische Operetten in ausgezeichneter Weise zur Aufführung brmgt. Der Saal ist auch fast täglich gut besucht, und strömen aus allen Bezirken Wiensund! ans der Fremde Gäste ins sogenannte Jüdische Theater. Die schönen jüdischen! Weisen klingen besonders in der Jetztzeit, mit ihren mannigfachen Anj fechtungen, recht wolthuend in das Herz des jüd. Publikums. Dazu ist j -es überaus willkommen, dass im Restaurant Edelhofer sehr gut zubecei- > Icte rituelle Speisen servirt werden. Besondere Beachtung unter den! Darstellern verdienen die Sängerin Frl. Anna Brüh, welche ihr wol-! klingendes Organ in Singspiel „Alexander' als Noemi zur vollsten > Geltung bringt; das unverwüstliche, sehr beliebte Ehepaar Herr und Frau Kanner, ferner Herr und Frau Klug, Frau Weinberg, Frl. Axelcad.! Auch die Herren Lion und Reitmann leisten Verdienstliches. Zum j Schluffe wollen wir den Heldentenor Herrn Brandes rühmend hervor- I heben, welcher mit seiner gut geschulten Stimme und seinem schönen, vornehmen Spiel zahlreiche Erfolge erwirbt. Im eigensten Interesse der Künstlergesellschaft würden wir derselben dringendst empfehlen, den allzuffehr unverfälschten Jargon für das Wiener Publicum etwas verständlicher zu machen, da jetzt manche überaus komische Situation und manch! .ausgezeichnetes Witzwort durch Unverständlichkeit des Textes dem Pub« I llikum verloren geht.! Wien. (P u r i m - A c a d e m i e.) Am 22. März veranstaltet die * „Toynbee-Halle" ein Fest im Saale des „Hotel Central", für welches sich bereits große Theilnahme seitens der Mitglieder und Gönner des -Vereines manifestirt. Dem Festcomite schloffen sich bis nun die Vereinigungen Bar-Kochba, Moria und Hadassa an. Auf ein neues und ori- -ginelles Purimspiel folgen Jux-Tombola und Tanzkränzchen. Die Herren S. Wertheim und Eller sind an der Spitze des Comites, und als -artistische Leiter fungieren die Herren Schorr uud Stückgold. Hervorragende Kunstkräfte haben freundlichst ihre Mitwirkung zugesagt und ist ein vielversprechender Erfolg' zu Gunsten der Toynbee-Halle in Aussicht. ' Spenden für den Juxbazar werden in der Toynbee-Halle vom Jnfpecror > Edelstein dankend entgegengenommen.; Klosterneuburg. Herr Cantor Max Friedl, bisher in Zlabings. - hat seine Stelle als Cantor und Religionslehrer in der hiesigen Gemeinde am 1. Februar angetreten. Aurgstalk. Montag, den 3. d., ist der allgemein beliebte Bezirks- Rabbiner der israel. Cultusgemeinde Amstetten, Herr Rabbiner Adolf L ö w y, im 74. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene entstammte einer -angesehenen Rabbinerfamilie aus Szaßin in Ungarn, und war in zweiter Ghe der Schwiegersohn des jetzt im 84. Lebensjahr stehenden Rabbiner W. Freund in Wien. Die hiesige Cultusgemeinde verliert in dem so ^unerwartet Dahmgeschiedenen einen gewissenhaften Seelsorger, der sich infolge seiner tiefen Gelehrsamkeit und innigen Frömmigkeit einer großen j "Popularität erfreute. Das Leichenbegängnis fand Donnerstag, den 9. d., statt. Im Trauerhause hielt Herr Rabbiner Schön aus Steyr dem Verewigten einen ehrenden Nachruf. Hieraus sprach Herr Religionslehrer Mandl aus Purgstall rührende Dankes- und Abschiedsworte namens aller Schüler und Schülerinnen der Cultusgemeinde und verrichtete sodann ein erhebendes Gebet. Hernach wurde der Sarg abgehoben und zum Leichenwagen getragen. Äm Leichenbegängnis betheiligten sich der Gesammtvorstand und Cnltnsausschnss sowie die meisten Mitglieder der hiesigen Cultusgemeinde, ferner eine Abordnung der Ealtus gemeinde und der Chewra-Kavischa St. Pölten. Weiters betheiligten sich: Herr k. k Statrhaltereirath Alfred Freiherr v. Lederer, k. k. Bezirkshauptmann, Herr k. k. Landesgerichtsrath Johann Kitir, k. k. Brzirksrichter, die Stadtgemeinderepräfentanz, der Octsschulrath, der Bezirkskammerrath und der Lehrkörper der Volks- und Bürgerschulen von Amstetten, viele Stadtbürger und mehrere officielle Persönlichkeiten von Pbbs. Der musterhaft geleitete Conduct bewegte sich bis außerhalb der Stadt, worauf die Begleitenden theils zu Wagen, theils per Bahn nach Abbs fuhren, wohin die Leichs gebracht werden musste. Um 2 Uhr wurde die Bahre in der Ceremonienhalle des israel. Friedhofes in Pbbs abgestellt, worauf Herr Obercantor Rabbinowitz aus St. Pölten das insa »v mit klangvoller Stim ne recitirte. Die officielle Leichenrede hielt Herr Rabbiner Dr. Adolf Schächter aus der Nachbargemeinde St. Pölten und nach Recitation des üblichen nowo nm» wurde der Sarg in das von der Cultusgemeinde gewidmete Ehrengrab gebettet. n*2*3n. R. M. Aofenberg. Der 6 Monate lang vacant gewesene Posten eines Rabbiners in unserer Cultusgemeinde ist nun wieder besetzt, und zwar wurde Herr Phil. Dr. Moses Marge! aus Przeiuysl zum Rabbiner gewählt. ^rag. Am 21. Jänner starb hier Herr Leo Sekeles, ehemaliger Viceconsul der Vereinigten Staaten Nordamerikas. 73 Jahre alt. Ec war Lehrer der englischen Sprache und erfreute sich in seinen Schüler- und Bekanntenkreisen großer Werthschätzung. Hr. Aetfchkerek. Am 23. d. M. findet im hiesigen Tempel die Trauung des Herrn Markus Pollak mit Fräulein JloukaLewin, Tochter des Obercantors Hermann Lewin, statt. Airovitic». (Slaoonien.) Sonntag, den 9. d. hat eine außerordentliche Generakversam »lang unserer Cultusgemeinde behufs Vornahme der Wahl eines Obercantors startgefuuden. Die Betheiligung war eine sehr lebhafte, was Zeugnis dafür ablegt, dass unsere Gemetudemitgliever, die zumeist den intelligenten Kreisen unserer Sladtbevölkeruug angehören, nicht mehr gewillt sind, dort, wo es gilt, Gemeindeintereffen zu vertreten, in Gleichgiltigkeit zu verharren. Denn die traurigen Erfahrungen, die wir im letzten Jahre gemacht haben, die wüsten Scenen. d:e an heiliger Statte aalgefü)c^ worden sitd, find die besten Lehrmeister, dass es sich sehr rächt, wenn man heiligen Dingen gleichgittig gegenübersteht. Gewählt wurde Herr Jsak Freu des, eiu Schüler des Obercantor Bauer in Wien. Herr Freudes erwarb sich nicht nur durch seinen gelungenen Probevortrag, sondern auch durch seine» integren Charakter allgemeinen Beifall, uns ist die hiesige Cultusgemeinde zu dieser getroffenen Wahl zu beglückwünschen. Budapest. Unter dem Vorsitze Dr. 'Adolf Aga i's hielt a n 4. d. die ungarische israelitische litterarische Gesellschaft eine Vortragssitznng. welcher ein zahlreiches distingairtes Publicum anwohnte. Zunächst hielt. Oberrabbiner Dr. Julius Diamant (Äukovar) einen historischen Vortrag über „Eine adelige jüdische Fr niste des 12. Jahrhundert," in welchem er das Leben der Marrannen in Spanien uad Portugal eingehend schilderte und die Geschichte der ad'ligen Familie Teirera besprach, deren Mitgiedec, um treue Anhänger des Judenthu.ns bleiben zu tönten, das Land der J tquisition im Jahre 1643 verließen und in die Fremoe zogen. Diego Teirera ließ sich in Antwerpen, später in Hamburg nieder und gründete dort ein weltberühmtes Bankhaus, das mehreren Fürsten und Regenten namhaste Dienste leistete. Ec uud sein Sohn Manuel waren Residenten. Vertraute und Freunde der schwedischen Königin Christine und der Könige von Dänemark Christian IV, und V. Sie standen mir Fürsten verschiedener Länder in sehr freundschaftlicher Beziehung, sahen die hohen Herrschaften öfter bei sich zu Gaste und leisteten ihren Glaubensgenossen ausgezeichnete Dienste. Sie waren die vornehmsten Juden ihrer Zeit. Ihr 'Adel stammte aus dem 1-5. Jahrhundert und war spanischen Ursprungs: ihr Prädikat lautere: oe Sanvayo. Manuer's erste Frau war ebenfalls adeliger Abkunft mit dem Prädikate de Mattos, welches Prädikat ihre Nachkommen bis auf de» heutigen Tag führen. Der intereffante und lehrreiche Bortrag wurde von dem zahlreichen Auditorium mit großem Beifall ausgenommen. Run las Geza Szilagyi unter dem Titel „Aus dem Buche des Predigers Salomon" inehrere ergreifende Verse. Den Schluss der Sitzung bildete der Vortrag Nikolaus Hajdn's, welcher den Titel „Bnreaumenfchen" führte. Budapest. Die Jury für das im großen Style anzufertigende Königin Elisabeth-Denkmal hatte beschloffen. drei gleichwerthige erste Preise von je 10.000 Kronen zu vertheilen. Gestern hat nun die Jury einen davon dem jüdischen Bildhauer Eduard TelcS mit 7 gegen 2 Stimmen zuerkannt, dessen gelungenes Werk mit dem Motto: Magyarorszag Nagyasszonya (Ungarns Schutzfrau), somit an dritter Stelle als prämiirt erscheint. Aus dem demnächst erscheinenden Gutachten der Juroren wird zu entnehmen sein, dass bezüglich der Telcs'schen Arbeit von den Juroren die Uebergänge von den Relieftheilen zu de» Vollfiguren für besonders gelungen gehalten werde». Die eigentliche Conceptio» des Werkes ist trefflich. Der König, welcher soeben in seiner ungarischen Residenz sich befindet, wird heute die Modelle besichtige».

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