Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 7 (14.2.1902)
- Date
- 1902-02-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Ne Wahrheit. Seite 7. "Älenderungen und Reforuren bleiben nicht für die Dauer. Dem mehr als «einstündigen Bortrage folgte Alles mit gespanntester Aufmerksamkeit und Zollte dem Referenten verdienten Beifall. Wie«. Im „Jüdischen Volksvereine" sprach kürzlich Schriftsteller Dr. Leo Sofer über jüdische Kunst, deren Products aus der Natur und dem nationalen Empfinden, quasi dem schöpferischen Instinkte, resultirend Hingestellt wurden. Aus fremden Boden verpflanzt, sei eine jüdische -Kunstentfaltung Undenkbar. Wenngleich diese Ansicht im Großen und Ganzen begründet ist, so muß dennoch auch der Standpunkt der heiligen Schrift hervorgehoben werden, nach welcher eine Vermälung jüdischer «Cultur und Civilisation auf dem Gebiete der Kunst auch mit der fremden, zaphetitischen, stattfinden'und erstere von letzterer befruchtet werden soll : Wien. (V erein für jüdische Geschichte und Litteratur.) -Sonntag, den 9: Februar, hielt die neue Vereinigung ihren ersten Abend, der ein äußerst zahlreiches Publikum und einen gediegenen Vortrag brachte. In einer kurzen Eröffnungsrede besprach Herr Stud. Phil. Max <Eisler die treibenden Ideen der jüdischen Gegenwart, aus denen sich Her Gedanke an die Gründung eines Vereines zur Verbreitung der Ar« beiten aus dem Gebiete der jüdischen Litteratur^ und Geschichte organisch -entwickelt habe, nur dass gerade dieser Bund in strengen Gegensatz zu anderen treten müsse, weil er auf den überlieferten Grundlagen des jüdischen Glaubens stehe. Dann hielt Herr M. A. Fürst einen Vortrag über „Das französische Synhedrion" und verstand es, durch den symphathischen Ton Her Rede und die lebendige Schilderung der Zeitscenerie die aufmerksamen Hörer vollauf zu befriedigen. Warmer Beifall lohnte beide Redner. Wie«. (Vierzigjähriges Vereinsjubiläum.) Der q,Verein zur Unterstützung mittelloser israel. Studirender in Wien" verwendet soeben den Bericht über das abgelaufene vierzigste Vereinsjahr. «Eine eminent segensreiche Thätigkeit hat dieser Verein während seines nun 40jährigen Bestandes entwickelt. Tausenden unbemittelten israelitischen Studirenden der Wiener Hochschulen hat der Verein durch Gewährung von Beiträgen zur Zahlung der Rigorosen-, Promotions-, sowie sonstiger Taxen und Gebühren, bezüglich welcher eine Befreiung nicht -erlangt werden kann, die Vollendung ihrer Studien ermöglicht. Unter den nahezu 13000 seinerzeit vom Vereine Unterstützten, befinden sich nicht Wenige, die heute in den verschiedensten, durch ihre academische "Bildung erworbenen Lebensstellungen hohes Ansehen erworben haben. Leider reichen die Mittel des Vereines derzeit bei weitem nicht mehr nus, um angesichts der gesteigerten Zahl der Studirenden die Beihilfen tu dem Maße zu gewähren, in welchem dieselben in den ersten Jahren Ä>er Vereinsthätigkeit gewährt wurden. Mögen alle Freunde und Gönner Her Studirenden, insbesondere aber jene, welche selbst seinerzeit der -Wohlthaten des Vereines theilhaftig wurden, durch ihren Beitritt als Mitglieder die Vereinsthätigkeit unterstützen. Beitrittserklärungen wolle man Ja» das Bureau des Vereines, 1. Bezirk, Seitenstettengaffe 4, -richten. Wien. (F e r i e n h e i m.) Das Bureau des „Ferienheim" befindet fich seit 12. Feber d. I. 9. Bez., Türkenstraße 17. Anmeldungen von "Petenten werden daselbst täglich zwischen 4 und 7 Uhr nachmittags -«entgegengenommen. Wie«. (Gesellschaft für Sammlung und Conservirung Don Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums.) Mittwoch, den 19. Februar halb 8 Uhr abends präcise, findet im Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbe-Vereines, 1. Bez., Eschenbach- ^gaffe 11, folgender Vortrag statt: Eine Reise durch Egypten in Skiopti- Ionbildern. Vorführung und Erläuterung eigener Aufnahmen von Herrn Loses Beck. Wien. (Allgemeiner Kranken- und Unterstützungs- :Verein „Montefiore".) In der am 22. Jänner l. I. stattgefundenen 20. ordentl. Generalversammlung dieses Vereines wurden für den "Vorstand die Herren Josef Pollak, Eduard Hofmann, Moriz Koppel, -Elias Weiß, Jacob Weiß, fEmanuel Taub, 'Wilhelm Klepner, Michael Samek wieder- und Herr Moriz Bondi neugewählt. Als Ersatzmänner "wurden die Herrrn Michael Kellner und Max Guttman», als Revisoren die Herren Leopold Winter und Sam. Löwinger gewählt. Auf Grund Hieser Wahlen constituirte sich der Vorstand folgend: Herr Josef Pollak Obmann, Herr Leopold Weinwurm Obmann-Stellvertreter. Herr Eduard Hosmann Schriftführer, Herr Moriz Koppel Casfier und Herr Elias Weiß eControlor. Es ist mit Freuden zn begrüßen, dass die Leitung dieses musterhaften Vereines neuerdings diese» Herren anvertraut wurde, nachdem dieselben schon seit vielen Jahren den Beweis geliefert haben, dass sie fähig und würdig sind, an der Spitze einer solchen Corporation zn stehen. Wie». Im litterarischen Geselligkeitsverein jüd. Mädchen „Moria" wird Sonntag, denjl6 d. Herr Architekt Oscar Marmore? einen Vortrag, betitelt „Nach der Zerstörung Jerusalems" hatten. Beginn präcise halb 4 Uhr nachmittags, in der Religionsschule der israel. Cuttusgemeinde 1. Bez., Seitenstettengaffe 2, 2. Stock. Gäste, Damen, herzlich willkommen. — Der litte rarische Geselligkeitsverein jüd. Mädchen „Moria" veranstaltet Donnerstag, den 20. d. M., im Restaurant Guth, 2. Bez., Stefaniestraße, einen geselligen Familienabend verbunden mit Tanzkränzchen. Für ein heiteres Programm ist vorgesorgt. Wie«. Sonntag, den 16. d. M., halb 8 Uhr Abends, findet die General-Versammlung des Vereines „Marpeh-L'nesesch" unter Vorsitz des Obmannes, Herrn Salamon Steiner, im Tempel des Vereines statt. Wade«. (Ehrung.) In der am 12. v. M. erfolgten Generalversammlung der „Chewra-Kadischa" Baden, wurde der Präses dieses Vereines, Herr Moritz Seltner, der gleichzeitig Cultusvorsteher der Cuttusgemeinde ist, zum Ehrenmitglieds der „Chewra-Kadischa" ernannt und ist ihm das in sehr schöner und eleganter Form ausgeführte Ehren- Diplom Sonntag, den 9. d. M., von einer Deputation, bestehend aus den Herren: Sr. Ehrenwürden Rabbiner Wilhelm Reich, Anton Schneider und Sigmund Rausnitz, letztere Vorstandsmitglieder der „Chewra-Kadischa", in feierlicher Weise überreicht worden. In den Ansprachen, welche Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Wilhelm Reich uub die beiden anderen Herren der Deputation an den Gefeierten hielten, betonten sie mit Recht die vielen und unvergänglichen Verdienste, die sich Herr Moriz Lettner, als vieljähriger Leiter der Chewra-Kadischa durch sorgfältige Umsicht und gewissenhafte und eifervolle Hingabe für die gedeihliche Förderung dieses Vereines erworben und gleichzeitig die Cultusgemeinde zum herrlichen Aufblühen gebracht hat. Im Gleichniße gesprochen, kann man mit Recht behaupten: Herr Moriz Lettner ist das Herz beider Institutionen, denn in allen Ecken und Enden dieser segensreichen Körperschaften hört man seine unermüdete Thätigkeit zu jeder Zeit und im gleichmäßigen Tacte sich bewegen, was immer entwickelndes Leben bedeutet. Möge dies treue Herz der Chewra-Kadicha und der Cultusgemeinde in Baden noch ungezählte Jahre schlagen, es ist das Glück und Heil beider. Stampfe». Der hiesige Talmudthora-Schulverein, der nach seiner Reorganisation bereits 3 Jahre überaus segensreicher Thätigkeit hinter sich hat, versendet den heurigen Jahresbericht, der in das gemeinnützige und humane Wirken des Vereines volle Einsicht gewährt. Die Vereinsschule bietet nicht nur Kindern armer Eltern unentgelllichen Unterricht, sondern versieht sie auch mit den nötigen Lehrbüchern und stattet sie mit Winterkleidern ans. Da das heurige Jahr wegen man'.elhaster Eingänge mit einem Defizit abschloss, sei die Unterstützung dieses Vereines allen Glaubensgenopen wärmstens empfohlen. Die unermüdliche Vereinsleitung besteht aus dem Präses Rabbiner Moritz Herzog. Casfier Joses Koch, Controllor Samuel Reich und der Revisionscommssion: Michael Wagner, Wilhelm Kohut und Sigmund Schönseld. S..A.-Zljheky. Seit 1872, in welchen! Jahre der jüdische Gemeindekongress stattgefunden hat, bestehen in Ungarn dreierlei Gemeinden, die wohl dem Namen nach und in der Administration getrennt sind, aber in den äußeren öffentlichen religiösen Einrichtungen sich sehr wenig, und in religiösen Dogmen garnicht von einander unterscheiden. Es sind dies: die Kongress-, Orthodox- und Statusquo-Gemeinden. Die Chassidäer gehören zumeist zu den Orthodoxen, oder sie heißen: Sesard- Orthodoxe-Gemeinden mit besonderer Administration. Die Kongress- und Orthodoxen-Gemeinden haben in Budapest ihre Kanzleien, zu deren Erhaltung sie vom Staate aus dem ungarischen isr. Schulsonde eine jährliche Subveirtion von 30,000 Kronen erhalten. Laut statistischem Ausweis waren sie im Jahre 1901 der Zahl nach folgendermaßen vertheilt: 180 Mutternebst 824 Filial-Kongressgemeinden, mit 101 Rabbinern und 30i Rabbinatsvertretern und Religiouslehrern. 307 Mutternebst 1276 Filial-Orthodoxen-Gemeinden. mit 242 Rabbiner und 907 Rabbinats- Stellvertretern und Religionslehrern. 69 Mutternebst 163 Filial- Statusquo-Gemeinden, mit 43 Rabbiner und 110 Rabbinats-Sellvertretern und Religionslehrern. In Croatien und Slavonien waren 24 Reformgemeinden und eine orthodoxe mit 19 Rabbinen und Rabbinatsverwefern. Obwohl alle diese Gemeinden sich in bezeichneten Punkten von einander unterscheiden, so sind sie doch in Hinsicht des Patriotismus, in aufopfernder Liebe und Treue für König und Vaterland alle gleich. Sie bekunden auck jederzeit ihre Bereitwilligkeit, die Kultur des Vaterlandes zu fördern. Möchten sie dies auch für jüdische Angelegenheiten in gleicher Weise thun! __.