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Die Wahrheit · 1902-02-14 · Heft 7 (14.2.1902) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 7 (14.2.1902)
Date
1902-02-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7. Die Wahrheit. Seite 5. Kindererziehmlg! Welch' eine Fülle von Gedanken liegt in diesem einzigen Worte! Wie lohnend und fruchtbringend erweist , sich dieses Liebeswerk, wenn es von der zärtlichen, wachsamen Mütter geübt, gepflegt'und gefördert wird! Nur der Mutter, die mit dem .zarten Kinde lebt , und strebt, ist die Gelegenheit geboten, in ferne jugendliche Seele den Keim des Guten und Nützlichen zu legen, und die Eindrücke, die sie der Jugend, der so weichen, biegsamen, für jeden Einfluss empfänglichen Kinderstele verleiht, sie werden derselben gleichsam zur zweiten Natur und verflüchtigen und verwischen sich auch danii nicht, wenn das Kind seine Selbstständibkeit und eigene Urtheilsfähigkeit erlangt hat. Und darum ist es die weibliche Jugend, der wir dies- § mal das Wort reden, sind es unsere Zukunftsmütter, denen > wir diese Zeilen widmen, indem wir an sämmtliche von den! edelsten Jnlentiornn geleiteten jüdischen Frauen- und Mäd-! chenvercine Wiens den ebenso dringenden als innigen Appell! richten, ihre Leninslocale, die sich in'den von der jüdischen | Bevölkerung zumeist bewohnten Bezirken befinden, der guten,! gemeinnützigen Sache zur Verfügung zu stellen und zu veran-! lassen, dass daselbst, in ähnlicher Form wie in der erst jüngst! erstandenen Toynbee-Halle, an den Abenden gewisser Tage, > zumindest aber allsonntäglich, Vorträge oder Unterrichtscurse! vornehmlich religiösen Inhaltes, speciell für die weibliche! Jugend,, die dem Handels- und Gewerbefache angehört, § unentgeltlich abgehalt'eU werden. Ihr lieben Glaubeusschwestern, Ihr edlen, hochherzigen j Frauen Wiens, die Ihr in der Nächstenliebe und im Wohli thun wahrhaft Großes und Unvergleichliches leistet, bedenket, > dass es Eure Geschlechtsgenossinnen, die künftigen Vertreterinnen Israels sind, für die wir sprechen, die wir in dieser für das Judenthum so tief ernsten Zeit bewahrt wiffen wollen vor sittlichem, geistigem und Migiöseui Schiffbruch, und denen wir durch Festhalten am Glauben und Ausdauer im Gottes-! vertrauen die ersten Schritte erleichtern wollen, die sie auf! der Bahn des praktischen Lebens unternehmen.! Religionslehrer D. Skutetzky.! Arber den hebräischen Unterricht an den Oberrlassru der Gymnasien und Realschule». Von Rabbiner Dr. Daniel Fink. VII. Es steckt noch immer ein gutes Stück ehrlichen Idealismus auch in unserer modernen Jugend, mag sie auch äußerlich sich den Anstrich einer noch so verwegenen Blasiertheit geben. Es kommt demnach nur darauf an, dafs man es verstehe, die Gedanken unserer Propheten auf eine lebens- und wirkungsvolle Weise heranszustellen. Das bedeutet an sich schon durchaus nichts Geringes. In unserer Zeit aber ist es doppelt schwer, diesen Weg auszumitteln, denn an Vorbildern fehlt es hiefür gänzlich. Die moderne Exegese gefällt sich gar zu sehr darin, statt auf den Geist zu dringen, wahre B.'rge von Atterthumsknnde um das Won des Propheten anszuthürmen. Es ist, als hätte sie ihre ganze Ehre dareingesetzt, in der äußern Welt, in welcher er lebte, uns heimisch zu machen. Viele mögen in derselben schon weit bekannter sein, als der Prophet selbst es je gewesen ist. Es ist, als wäre alles darauf eingerichtet, Faust's Worte zu rllnstriren: Beschränkt mit diesem Bücherhauf. Den Würmer nagen. Staub bedeckt. Den bis ans hohe Gewölk»' hinauf. Ein ängeraucht Papier umsteckt — Mit Gläsern- Büchsen ringS umstellt, - Mit Instrumenten vollgepropfr. Urväter Hausrath dreingestopst — Das ist Deine Welt - das heißt eine Welt." — Das alles kann uns aber niemals den Geist ersetzen. Der alte Schutt, den man um unsere Propheten auffnhrt, ist vielmehr dazu angethan, dessen Quellen vollends zu verstopfen. Es leidet keinen Zweifel, dass dieses ganze Verfahren nur die Folge einer grundverkehrten Auffassung von dem, was daL wahre Wesen unserer Prophteu aüsmacht, bildet. Diese wären weder Politiker, die über die Weltlage sich den Kopf zerbrachen,, noch Zeit- und Sittenschilderer, welchen der Gegenwart den Spiegel der Selbsterkenntnis vorzuhalten sich bemüsfigt sahen. Das große Problem, welches ihren Geist beherrschte und ihr Herz fortwährend in Wallungen hielte war die Frage: wie diemenschliche Seele in einen möglichst engen Zusammenschluss mik ihrem Gotte gelangen könne. W-r nach der Richtung ,hin nicht in die Tiefe;u dringen vermag, von verwandten Stimmungen in seiner Seele nie erschüttert wurde, dem werden ihre Worte nichts denn Schall und Rauch sein und trotz allen Aufwandes an Gelehrsamkeit es auch bleiben. Leider athmet das, was unsern^Schülern im Religionsunterrichte geboten wird, meist diese Art wissenschaftliche Stickluft. Unter solchen Bewandtnißen braucht es nicht Wunder zu nehmen, wenn derselbe anstatt der Begeisterung — Widerwillen nur zeitigt. Nun soll aber damit keineswegs gesagt sein, dass der Lehrer jeden Satz, den er durchnimmt, so lange presse und breitschlage, bis er schließlich etwas sagt, was er thatsächlich nicht enthält. Das sei fern von ihm. — Die ganze Sache könnte nur dadurch in Mißtrauen gesetzt werden. EL kommt vielmehr darauf an, dass dort, wo der prophetische (Seift wirklich in vollen Zügen wogt, er auch seiner ganzen Tief^ nach erfasst und den Schülern zur Erkenntnis gebracht werde^ Um den Charakter eines Menschen;n erkennen, bedarf es nicht, dass man jede Falte und Linie in seinem Gesichte sorgfältig beobachte, jede seiner Adern und Sehnen bis auf die letzte Faser zergliedere. Ein einziger richtiger^ Blick ins Her; reicht hin — und wir wissen alles, was wir brauchen^ Nicht anders ist es bei unseren Propheten. Es kommt darauf an, dass man den Schülern einige Blicke in ihr innerstes Her^ erschließe. Wie dies zu geschehen habe, das mögen einige- Beispiele aus der Praxis zeigen. Dieselben können ans Verlangen auch in größerer Anzahl geboten werden. Bevor jevoc^ die nachfolgenden Proben schulmäßiger Behandlung von prophetischen Texten durchgegangen werden, wolle der geneigte Leser zunächst die betreffenden Stellen im Originale anfschlagen nu-d es versuchen, sich selbst über deren Inhalt und Gedankengan^ Aufschluss zu verschaffen. Nur unter solchen Voraussetzungen kann das, was hier geboten werden soll, ans seinen Werths beziehungsweise Unwerth gewürdigt werden. Wir behandeln zunächst den ersten Theil von Jesaia, pitel 6, das bekanntlich dessen Weihe zum Propheleu schildert. Vers 1 und 2: „Im Todesjahre des Königs Usijahu, — bei sah ich den Herrn auf dem Throne sitzend — hoch und erhaben, — indes seine Schleppen den Tempel erfüllten. Seraphim standen um ihn, je sechs Flügel hatte ein jeder, mit zweien bedeckt er sein Angesicht, mit zweien verhüllt er die Füße und zweier bedient er sich zum Fliegen." Was uns hier geschiloerr wird, ist eine Vision, das ist eine göttliche Erleuchtung, die dem Propheten durch Vermittlung des Gesichtssinnes zntheil ward. Erst mit dem Lobgesang. Vers 3, schließt sich daran eine Vernehmung., das ist eine göttliche Kunde, die mittelst des Gehöres ihm z.n stromte. Es ist unter den Auslegern viel Streitens darüber, au* welchem Orte der Prophet die hier geschilderten Erscheinungen eigentlich gesehen hatte. Die Einen meinen, in dem Tempel zu Jerusalem wickelte sich der ganze Vorgang ab. Ihre Behauptung, stützt sich hauptsächlich aus die Bemerkung: „seine Schleppen erfüllten deu Tempel," oder später: „das Haus ward von Rauch erfüllt." Es widerstreitet dieser Aussaffuug jedoch die ganze Schilderung im zweiten, wie nicht minder der Lobgesaug iin dritten Verse. Beides ist innerhalb dieses engen Hintergrundes . undenkbar und nur von einem Standpnnkle, der die ganze Welt - überschaut, wohl zu begreifen. Eben diese Schwierigkeiten haben Andere bestimmt, den ganzen Vorgang ohne weiteres in den Himmel zu versetzen. Allein, dem stehen wieder jene örtlichen Bestimmungen, auf welche die erste Ansicht das entscheidende Gewicht legt, entgegen. Der wahre Sinn jedoch ist von beiden^

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