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Die Wahrheit · 1902-02-07 · Heft 6 (7.2.1902) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 6 (7.2.1902)
Date
1902-02-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 6 ^Hc Wahrheit. Seite 7. und stehen wir im Studierzimmer vor dem Oberrabbiner von Amsterdam. Er sitzt vor einem mächtigen Schreibtische — einem Cylinderbureau aus Mahagoniholz — vor ihm liegt ein mächtiger Foliant, dessen breite Blattränder dicht beschrieben sind. Im Momente unseres Eintretens erhebt er sich vom Stuhle und reicht uns zur Begrüßung die kleine, seine Hand. Wir blicken schweigend einen Moment in das dunkelblaue Forscherauge; das Antlitz ist ruheübergossen; jetzt erst haben wir Gelegenheit, die ganze Erscheinung genau zu betrachten, die wir beim Besuche in der großen Synagoge im Ornate gesehen Haben. Dieselbe Hoheit und Würde auch im bürgerlichen Gewände, das allerdings tadellos ist. Die mittelgroße, zarte Gestalt ließe nicht verrnuthen, dass in diesem Körper eine unüberwindliche Energie und vor nichts zurückschreckende Organisatiouskraft wohne, wenn nicht die herrliche Stirne verriethe, dass hinter diesem Gewölbe eine große Seele lebe. Er raucht; das verleiht der sonst jeden Anflug von Ungezwungenheit entschieden niederdrückenden Erscheinung etwas Vertraulicheres. Wir werden jedoch mit bezaubernder Liebenswürdigkeit empfange» und zum Sitzen eingeladen. Wir nehmen einandergegenüber an einem Tische Platz, i>ei* in dem einen Theile des Studierzimmers steht. Dieses bildet nämlich einen rechten Winkel; im zweiten Theile erblicken wir eine „heilige Lade" aus dunkelbraun-schwarzem Holze mit Vorhang, einen Betpult mit Leuchtern; offenbar die Hauscapelle des Rabbi. Die ganze Längswand deckt die Bibliothek, welche von schweren Ripsvorhängen verhüllt ist. Das Gespräch bewegt sich zunächst in allgemeinen Betrachtungen — über die Eindrücke, welche Holland und Amsterdam bei dem ausländischen Besucher hervorbringen. Die heißeste Liebe zu Land und Königshaus spricht ans den wenigen, in tadellosklassischem Deutsch gesprochenen Worten des Gelehrten, der, ein Pole von Geburt, keine Spur der Heimat ausweist und "die zweite Heimat vollkommen in sich ausgesogen zu haben scheint, -obzwar er seiner frühesten Jugendzeit oft genug gedenkt. Wir -fanden tiefsinllige Reminiscenzen auch in den Predigten. „Im Auslande hat man keine oder unrichtige Vorstellungen vom Ludenthume, seinem Wesen, seinem Leben in den Niederlanden. Wir sind Feinde der großen Oeffentlichkeit. Unsere Kraft liegt in der Beharrlichkeit, der Holländer ist frei, verlässlich und treu. Unbegrenzte Liebe bindet ihn au Land und Königin, für die jeder ehrliche Jude Gut und Blut zu opfern bereit ist. Es gibt leider unch unehrliche Juden. Der Gesetzestreue, und nur diesen auerkenne ich überhaupt, ist auch ein ehrlicher Bürger. Die Verbindlichkeit des heiligen Gesetzes überträgt er auch auf Bürgerpflicht." _ (Fortsetzung folgt.) Gemeinde- und Vereinsbote. Wien. (Aus der Plenarsitzung des Cultusvorstandes vom 2. Februar 1902, unter Vorsitz des 1. Vicepräsidenten Dr. Alfred Stern. Beginn der Sitzung 10 Uhr vormittags ) An Spenden sind Ungelaufen: Von Herrn Cultusvorsteher Isidor Gewitsch, anlässlich des Ablebens seiner Mutter, für die Armenanstalt 50 K.. für die -„Chewra Kadischa" 20 K., für die Beköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau 20 K., für die Beköstigung armer israelitischer Schulkinder in Ottakring 10 K. Zusammen 110 K. Von Herrn Josef Barber -aus Anlass einer Familienfeier, zur Vertheilung an hungernde und frierende, eine Vereinsunterstützung entbehrende Arme 100 K. und zur Vertheilung an arme Schulkinder in der Brigittenau 100 K. Von Herrn S. Kohnberger 100 K. Von Herrn Michael Newikluw, anlässlich Zeines Gelübdes, für wohlthätige Zwecke 70 K. Bon Herrn Heinrich Gutmann für humanitäre Anstalten 30 K. Von Herrn Max Quittner für die Beköstigung armer israelitischer Schulkinder in Ottakring 20 K. Von Frau Marie Stern, anlässlich des Todestages ihres Gatten, des Herrn Sigmund Sterns für die ,-,Chewra Kadischa^ 20 K. Von Herrn ,<Nrno.H HasPHs/jÜr" den EÜhältungsfond der israel. Versorgungsanstalt Hv Jjf.* Hö« ,HMn-r^dkdflMi^^ch«hlthAige -Zwecke -'20 Frau Cilli "Bettzer^flir"'hiM8Äittflräe' 'AMfenkinder 6 Von.' Herrn- Adelimar. Sieber für den Armenfond der Cultusgemeinde 2 K. Von Herrn Moriz Adler, anlässlich der Barmzwaieier seines Sohnes eine silberne Jrd. Bon -der Direction der Fango Heilanstalt für das Altersversorgunzshaus der israelitischen Cultusgem einde 50 Kg. Fango-Schlamm. Von Herrn Dr. Josef M. Löbl ein galvanischer Elektrifirapparat zu Heilzwecken für die israel. Versorgungsanstalt. Von Herrn Siegfried Beer Rauchreguisiten für die Insassen der Versorgungsanstalt. Für die Beköstigung armer israel. Schulkinder in der Brigittenau sind eingelaufen: Sammelspenden durch Herrn Dr. Alfred Berger 434 K. 45 H. Sammelspenden durch Herrn Heinrich Weiner 149 K. Unter „Sylvestergesellschaft Döbling" 20 K. Von A. K. 20 K. R. B. 18 K. Bon Herrn R. Brammer, Sammelspende 17 K. Von Frau Sidi Michelstädter 12 K. 24 H. Von Frau Reg. Thenen 10 K. Bon I. D. 10 K. Bon Herrn Philipp Goldmann 10 K. Von Herrn Dr. M. Arnstein 10 K. Von Herrn Adolf Friedländer 6 K. Von Herrn Jakob Munk 5 K. Von Herrn Rudolf Winternitz 5 K. Von Herrn Alois Löwy 5 K. Von Herrn Eduard Elbogen 4 K. Von I. E. 4 K. Von A. F. 4 K. Von Herrn Nathan Weil 4 K. Von Herrn Rudolf Bondy 4 K. Von M. 2 K. Bon Herrn K. Singer 2 K. Ten Spendern wird der Dank voiirt. Der Vorsitzende bringt ein an ihn gerichtetes Schreiben des seit einigen Tagen fern von Wien auf einem Erholnnzsnrlanb weilenden Präsidenten kais. Rath Klinger zur Verlesung, in welchem derselbe mittheilt, dass Gesundheitsrücksichten seine Absicht, den Antritt des Urlaubes bis nach Abhaltung einer Plenarsitzung des Cultusvorstandes zu verschieben, nicht zuließen, und ec nunmehr auf diesem Wege eine Bestätigung seines Urlaubes sich erbittet. (Zustimmung.) Aus dem Einlaufe gelangt zur Verlesung ein Erlass der k. k. niederösterreichischen Statthalterei, mit welchem die am 6. Jänner l. I. erfolgten Wahlen der beiden Vicepräsidenten und des Vertreter-Collegiums zur Kenntnis genommen werden. Weiters werden die Dankschreiben der Universitätsprofessoren Dr. David Heinrich Müller und Dr. Adam Politzer für die an dieselben anlässlich ihrer Ernennung zu Hofräthen seitens des Cultusvorstandes gerichteten Beglückwünschungs-Kundgebungen verlesen. Herr k. k. Baurath Theodor Ritter von Goldschmidt erstattet namens des Vertreter-Collegiums einen eingehenden Bericht über ein neues Statut des Spitales der iirael. Cultusgemeinde sammt Instructionen und Hausordnung. Die Nothwendigkeit neuer statutarischer Normen, welche den Primarius des israel. Spitales, Herrn k. k. Regierungsrath Profeffor Dr. Leopold Oser, zum Autor haben, ergab sich als unabweisbar gegenüber dem derzeit noch geltenden Spitals-Statute vom Jahre 1872, mit Rücksicht auf die im Laufe, der Zeit eiugetretenen Aenderungen, insbesondere im Hinblicke auf die Erweiterung des Spitales durch die demnächst zu eröffnenden neuen Kranken-Abtheilungen für Chirugie und Gynäkologie. Die Vorlage wurde in eurer großen Anzahl von Commissions- und Vertreter-Sitzungen unter Zuziehung von Fachmännern für alle einschlägigen Fragen der eingehendsten Berathung unterzogen. Anschließend an diese Ausführungen gibt Herr Primarius k. k. Rezierungsrath Profeffor Dr. Oser eine übersichtliche, erläuternde Darstellung der wesentlichen Bestimmungen des neuen Statutes, welche beifällig ausgenommen wird. Rach durchgesührter Debatte wird auf Antrag des CultusvorsteherS Dr. Adolf Stein das Spiralsstatut sammt Instructionen und Hausordnung en bloc angenommen und soll der k. k. Statthalterei zur Genehmigung vorgelegt werden Hierauf spricht der Vorsitzende dem Herrn R.'giernagsrath Profeffor Dr. O'er, welcher das ihm anvertraute Krankenhaus der -israel. Cultusgemeinde seit einer langen Reihe von Jahren in bewährter Weise und im Geiste wahrster Humanität leitet, für sein bei Schaffung des neuen Spitalsstatutes wiederholt bethätigtes, selbstloses und unermüdliches Wirken den wärmsten Dank der Versammlung aus. Weiters dankte er dem Obmann des Slalutencomitvs, Herrn Baurath von Goldschmidt, und allen jenen Herren, welche seit Jahr und Tag mit diesem schwierigen Werke sich befasst haben. (Lebhafte Zustimmung.) Endlich bemerkt der Vorsitzende, dass gemäß den Bestimmungen des neuen Statutes vor der Betriebseröffnung der neuen Krankenabtheilungen die Anträge wegen Ernennung des Directors und B.'stellung der Primarärzte rechtzeitig eingebracht werden. Nach Erstattung von Referaten durch Herrn Baurath Ritter von Goldschimdt und Herrn Banrath Skiaßny über periodische Unterstützungen und Stiftungsangelegenheiten wird die Sitzung um halb 2 Uhr nach- . mittags geschloffen. _

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