Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 5 (31.1.1902)
- Date
- 1902-01-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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lesterr.-ungar. Cautoren- . 5. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 22. Iahrg UM" Aie geehrten Kerren Kantoren des In- und Auslandes werden ersucht, den Aöonnements- Sctrag für das neue Kuartat und die Aückstände vom vorigen Jahre umgehend einsenden zu molken. Zur Organisation. In der am 28. d. unter dem Vorsitze des Präses des „Oesterr.-ungar. Cautoren-Vereines," Obercantor Singer, stattgehabten Comite-Sitzung, an welcher die Vorstands- und Comilemitglieder: Heimann, Zurberger, Zellnik, Baßl, Blatt, Bauer, Löwit, Hirsch und Schiller theilnahmen, wurde die Berathuug über die noth wendigen Aenderuugen am gegenwärtigen Statute des »österr.-ungar. Cantoren-Veieines" sortgesetzt. Eine sehr eingehende Debatte rief § 5 des Statutes hervor, der die Bildung eines Reservefonds zur Sicherung der Ansprüche der alten Mitglieder und die Anlage eines neuen Stammfonds verlangt. Bei der großen Wichtigkeit dieses Paragraphen wurde die Abstimmung über den Wortlaut desselben für nächste Sitzung, die Dienstag, den 4. Februar, 6 Uhr Abends, stattfindet, vertagt. Bei dem Berichte über die Fortschritte der Organisat ion gelangte der Wunsch zum Ausdrucke, dass die Vertrauensmänner eine etwas eifrigere Thätigkeit entwickeln möchten. Weiters wurde beschlossen, öffentlich bekannt zu geben, dass die Beitrittsgebühr von 1 Krone sofort zu erlegen ist. Diejenigen College«, welche diese Gebühr noch nicht geleistet haben, werden somit um umcehende Einsendung desselben au beu Cassier des „österr.-ungar. Cantoreu Vereines" I. Cantor M. Blatt, Wien, II., Tempelgasse 3. ersucht. Die Hilstostgkeit, in welcher sich die Familie des dahin - geschiedenen Collegen Nastali Tiger, früher Obercantor in Carlsbad, befindet, legte dem Vereinsvorstande die Nothwendigkeil nahe, die früher für den erkrankten Collegen eingeleitete Hilfsaction für die Witwe und die Waisen desselben sortznsetzen. Die geehrten Collegen werden darum dringendst gebeten, den Vereinsvorstand nach dieser Richtung thunlichst zu unter« stützen uird durch Veranstaltung von Sammlungen und eigene Sperrdeu die wahrhaft trostlose Lage der Hinterbliebenen lindern zu helfen. Das bisherige Ergebnis wird in nächster Nummer dieses Blattes veröffentlicht und sind weitere Spenden an den Vereinslassier L Cantor M. Blatt gefälligst einzusenden. Neber die Entwicklung des Lyuagogengesauge« HL Serie — Nr. 17, Von Obercantor J. Singrr-Wien Schir lischlaumau, Chasonus für das ganze liturgische Jahr (vor allem nach den allen Weisen), eomponirt von Aron Fried mann, Hauptcantor der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Unter diesem Titel veröffentlichte Herr Haüptcantör A. Friedmann in Berlin eine Sammlung tradttionell-shnagogaler Recitative und Gesänge, welchen nach der Deutsch'schen Vorbeter-' schule, dem Lachmann'schen ^.rvauckas fioroel und dem Wodak'scheir Hamnazeaoli nun die vierte Sammlung dieses erst in dem letzten Jahren zur Bedeutung gelaugten synagogalen Musiklilteraturzweiges darbietet. Die Deutsch'sche Vorbeterschule war, wie der Verewigte selbst erklärte, das Ergebnis der fürr seine Cantoratseleven verfassten Ausschreibungen und wirkte alsdie allererste Sammlung synagogaler Recitative geradezu epochal^ wenngleich die meisten der veröffentlichlen Piecen auch nurfragmentarisch behandelt erscheinen. Das Lachmann'sche Werk Awaudas jisroel (erster Theil) ist für das süddeutsche Chasonus» von Bedeutung, dürfte daher einer allgemeinen Verwerthungl entrückt sein, während das Wodak'sche Werk Hamnazeach schon der Gesangsweise des polnischen und norddeutschen Chasonus näher gerückt erscheint. Sämmtliche Darbietungen dieser drei genannten, mehr oder weniger bedeutenden Componisten stehen unter dem Eindrücke der von ihren Altvorderen gehörten und durch persönliche Uebernahme ererbten Gesangsnachahmung, gleichsam unter dem Banne des Unbewussten und Jmitirten, während die vorliegenden Friedmann'schen Recitative schon die Signatur einer zielbewussten Form bekunden, demnach als außerhalb der oben angedeuteten Schranke stehende Geisteskinder zu betrachten sind. Die Gesänge der erstgenannten drei Werke hatten lediglich den Zweck, die Tradition durch Notisicirullg sestzuhalten und als Mnsterblätter zum Nachsingen zu dienen, während die Friedmann'icheil Auszeichnungen nebst diesem selbstverst endlichen Ziele auch noch eine bedeutsame pädagogische Absicht bekunden. Um den erschöpfenden Nachweis für diese unsere Behauptung zu erbringen und um weiters einen genauen Einblick in die geistige Qualität der vorliegenden Tongebilde zu erlangen, sehen wir uns veranlasst, dem Schöpfer dieser Darbietungen etwas, näher zu treten, beziehungsweise dessen Entwickelung, Studien - gang und fachmännische Wirksamkeit belauschen zu müssen. Wir finden auch hier die schon so oft beim Werdegange bedeutsamer Menschen beobachtete mächtige Nöthigung kümmerlicher Verhältniße, gepaart mit dem edlen Drange einer zwar unbewussten, doch still keimenden Genialität. Ein junger Schulknabe, ein Kind armer Eltern, welches am 22. August 1855 zu Schaki in. Russisch-Polen das Licht der Welt erblickte, zeigt nebst einerguten Stimme Anlagen zum Singen und wirv vom Vater, der selbst als guter Borbeter und bedeutsamer Traditionssänger geschätzt ist, für den Cantorberus bestimmt, dem heimatlichen Cantor als Sängerkuabe in die Lehre gegeben, um alsbald dem Gesangschore des seinerzeit berühmten Chasan Awremke Rosseme» einverleibt zu werden. Hier sang der Knabe F. die in ihrer Art vorzüglichen Compositionen der damaligen großen Chasanim Skuder, Karliner, Feinsinger, Wasserzug, Srul Suwalker, Abras u. A., und halte Gelegenheit,, den Geist dieser bereits mehr oder weniger vom Flügelschlage einer modernen Richtung durchwehten Gesänge in sich aufzunehmen, welche das. talentirte Kind begeisterten und im. Genüsse dieser gewonnenen. Eindrücke zu weiterem Streben veraulaßten. Der bis nun zur Anwendung gelangte Gesang war, mit etwaiger Ausnahme der Wasserzug'schen und Abras'schen notificirten Compositionen, der sogenannte Stegreifgesang mit seinen im Momente geschaffenen Nesbores (Times) und, so umfassend der Knabe F. diese Gesangsart auch beherrschte, bei den schon in Noten verzeichneten. Compositionen von Abras und, Wasserzug erschloss sich ihm bereits eine neue Welt, jswelche ihn etwas Höheres und Vollkommenes voransahnen ließ und in dem Bestreben, diese, vor- . ausgeahnten idealen Gebilde verwirklicht zu sehen, ergriff.er.» abermals den Wanderstab und zog nach Kowno, um dortselbst , schon nach erstmaligem Borsprechen beim Chasan. Zs. Chalos, inc