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Die Wahrheit · 1902-01-31 · Heft 5 (31.1.1902) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 5 (31.1.1902)
Date
1902-01-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Uir. 5 Die Wahrheit. Seite 7. Wien. Anlässlich der Leruiälung Ihrer k. u. k. Hoheit, der Erz- Herzogin Elisabeth Marie, mit dem Fürsten Otto Windischgrätz wurde /der durch seine religiöse und humanitäre Gesinnung in weitesten Kreisen bestbekannte Professor Simon Hofsmann dadurch ausgezeichnet, dass er officiell bei Hofe geladen war und erfreute sich derselbe von Seite des fürstlichen Bräutigams, seines ehemaligen Schülers am k. k Theresianum, der wohlwollendsten Aufmerksamkeit. Men. In der Filiale des „Jüd. Volksvereines" (Restauration Wendlinger, IX., Seegasse) hielt vor kurzem Herr Jacob Kraus einen -interessanten Vortrag über das nicht mehr ganz neue Thema: „Nationalismus und Judenthum". Der Redner betrachtete den Gegenstand fast ausschließlich vom nationalen, socialen und politischen Standpunkte und Lefürwortete eine Consolidirung der jüdischen Nation durch feste Organisation nach jeder Rich'.ung, jede Art Assimilation perhorrescirend. da «es offenbar im Willen der Vorsehung gelegen sei, dass Israel sich selbständig mittelst eigener und selbständiger Cultur nach und nach zur höchsten geistigen Stufe entwickle. Eine Cooperation und Conföderation fei nur mit jenen Völkern anzustreben, die auf gleichem moralischen Miveau stehen und die biblischen Principien auch in der Praxis realisiren. An der hieraus folgenden Discufsion betheiligten sich die Herren Dr. Kadisch, Prediger Grün, eine rationelle Reform und Annahme des Guten, Uvo es sich auch finden möge, empfehlend, und Ingenieur Löwenbein, für das konservative Programm eintretend und zugleich indirect dem Zionismus huldigend. In später Nachtstunde schloß die gut besuchte /Versammlung. Wien. (To y n b e e h a l l e.) Unter den wissenschaftlichen und Litterarischen Vorträgen der vorigen Woche verdienen besonders der .großangelegte Vortrag des Herrn Dr. Heinz Kobn über die Ehe, ihren Lweck und ihre Bedeutung vom social-ethischen Standpunkte, ferner die Gerne von Reden über das Wesen des Talmud seitens des Herrn Rabbimatscandidaten Dr. Margulies rühmend hervorgehoben zu werden. Letzterer kennzerchnete das Verhältnis der Tradition zur Thora, die Wichtigkeit des Talmud für den Fortbestand des Judenthums, dessen tragisches Schicksal im Laufe des Mittelalters, das anolog dem des -Trägers der jüdischen Religion sich entwickelte, und setzte der gewandte Mebner die Gründe auseinander, warum unsere Gegner das alte Testament mit ihren Angriffen verschonten. Reverend W. Hechler dankte dem /Vortragenden für die eingehende Studie und die darin bekundete tolerante Gesinnung und stellte die These auf, dass ein wahrer Christ kein Äntisemit sein dürfe. Dass der Talmud gegen Rechtgläubige anderer «Confessionen so duldsam als möglich sich bewährte, bedarf wohl keines -!tveiteren Beweises. — Von der Tohnbeehalle wird alle 14 Tage am Sonntag Nachunittag zwischen 2-5 Uhr eine gemüthliche Kinderjause in Verbindung mit künstlerischen Productionen veranstaltet. Am 26. d. war das Programm Lesonders reichhaltig und interessant. Frau Primacius Dr. Kornfeld rund Herr Smolensky machten die Honeurs bei dem kleinen Völk- «chen und walteten ihres Amtes in liebenswürdigster Weise. Nach -der Einleitung von Menter's „Träumerei" trug Frl. Poldi Müller vom ck. k. Burgtheater ausgewählte Piecen, wie „Das schlimme Kind", „Der -Schusterbub" und andere Gedichte in vollendeter Form und Ausdrucks- Tweise vor. Hierauf folgten vom kleinen Emil Fisch „Zithkrklänge", ^,Schomer Israel" und .,Kol Nidrv" von Bruch. Selbstredend wurde -das Künstlerpaar mit lebhaftem Beifall ausgezeichnet. Nach einer kurzen TPause, während welcher einige Erfrischungen gereicht wurden, hatten wir «angenehme Gelegenheit, von der kleinen Johanna Roth, die noch fsaum 5 Jahre alt sein dürfte, „Das Erkennen" und das ziemlich lange ^Gedicht „Wohin sich unsere Blicke wenden" sehr gut vorgetragen zu Hören und das phänomenale Gedächtnis zu bewundern. Die kindergesellige /Unterhaltung, die für das nationaljüdische Zusammenleben in der Großstadt von großer Bedeutung für die Zukunft ist, schloss mit der Vorführung skioptischer Lichtbilder, die klein und groß erfreuten. Wie«. A»n 25. d. M. (Sabbath Beschalach) beging der in weiteren Kreisen bekannte ehemalige Wiener. Buchhändler, Herr M. Hirschler, die Barmizwaseier eines seiner Enkelkinder. Der Barmizwa hielt eine vom Religionslehrer D. Skutezky verfasste, sehr gelungene Festrede ur.d -erwarb'sich durch seine verstänvnisvoüd und herzinnige -Vortragsweise mngethriltes Lob der zahlreich erschienenen Gäste, unter denen sich auch «einige hervorragende Wiener Gelehrtenbefänden. Naben. (khewra-Kadischa.) Bei der am 12 d. Mi stattgehabten Neuwahl des Vorstandes in der Chewra-Kadischa Baden, ist die bisherige Repräsentanz dieses Vereines wieder gewählt worden. Es sind dies die Herren Moriz Lettner Präses, David Lettner, Anton Schneider und Sigmund Rausnitz. Neugewählt als Ersatzmänner erschienen die Herren August Edenburger und Max Löbl. Die Verwaltung der wiedergewählten Herren, welche sich ihrem heiligen Amte mit inniger Hingebung und großen Zeitopfern weihen, hat diese Institution des Namens „Chewra-Kadischa" nach des Wortes edelster Bedeutung würdig gemacht, indem diese Functionäre bei jeder sich darbietenden Gelegenheit helfend und unterstützend eingreifen und Humanitätsacte in großem Style ausüben. Möge ihr gutes Werk weiter von Erfolg gekrönt sein. Schoßberg. (Ungarn.) Am 26. d. M. sind es 50 Jahre geworden, seitdem Herr Oberrabbiner M. L. Engel seine segensreiche rabbinische Thätigkeit hier ansübt. Unsere Gemeinde ließ sich diese Gelegenheit nicht nehmen, um ihrem hochverehrten geistigen Oberhaupt die höchsten Ehren zu erweisen. — Aus der Gemeinde Szenitz traf ein Separatzug ein, mit einer Deputation der Schwestergemeinde, die den Jubilar, der ein Schüler des unsterblichen Samson Rafael Hirsch; und Mitschüler des Dr. M. Kayserling in Budapest ist, an seinem Ehrentage auf das herzlichste zu begrüßen. Herr Rabbiner Dr. Marmorstein richtete an den Gefeierten eine schwungvolle Ansprache in deutscher Sprache, welche mit dem Bibelwers aus dem Wochenabschnitt: .iv>xn mn natn nx ax na? nfcri cn?x Tan begann. Hierauf folgte eine Begrüßungs-Ansprache in ungarischer und deutscher Ansprache von Herrn Rabbiner Dr. Lewin aus Malaczka. Dieser ehrwürdige Redner knüpfte seine Einleitung an den Text einer Antrittsrede des Jubilars: „Über die Pflichten uyd die Aufgaben der Rabbiner", welche Gedanken der Begrüßende sich zu eigen machte und dieselben durch Citate aus Talmud und Midrasch beleuchtete. Am Tage des Jubiläums langten über 150 Telegramme von Freunden und Verehrern des Jubilars ein. Unter ihnen befanden sich Begrüßungs- Telegramme von Dr. Kayserling, Budapest; Dr. Güdemann, Wien; Zadok Kahn, Paris; Dr. Rosenfeld, Czernowitz, rc. Der Jubilar erhielt auch sehr viele Ehrengeschenke von den Mitgliedern der Gemeinde, die alle zu seinen gewesenen Schülern zählen. Die hiesige Gemeinde überreichte durch seine Würdenträger dem Jubilar ein Sparcaffenbuch mit einer größeren Einlage, einen Pokal aus getriebenem Silber mit einer sinnreichen Widmung in hebräischer Sprache, endlich auch einen Lorbeerkranz aus echtem Silber mit Goldschleisen und mit einer sehr hübsch gravirten Inschrift. Die studirendr jüdische Jugend richtete ebenfalls an den Gefeierten eine Ansprache, bei welcher Gelegenheit sie demselben einen Stock aus echtem Ebenholz mit wunderschönen, Silbergriff und Monogramm überreichen ließ. Besondere Verdienste um das Gelingen dieser erhebenden Feier’ erwarben sich die Herren Max PollLk Vorsteher der Gemeinde; Dr. Bax Schulpräses; die Herren Schik. Schild, Weiß und Ehrenreich. Auch unser hochgeschätzter Cantor Fischer, welcher die Feier mit einem herrlichem Choral eröffnete und sich diesmal gesanglich und recitativ besonders auszeichnete, hat ebenfalls sein Möglichstes zur Hebung dieser Feier gethan, wofür ihm besondere Anerkennnng gebührt. Armand Kende. Audapest. Die isr.-ung. litterarische Gesellschaft hielt am 22. d unter dem Vorsitze Dr. Adolf Agai's eine zahlreich besuchte Bortragssitzung. Dr. Alexander Büchler las unter dem Titel „A regi jo idökböl" (Aus der guten alten Zeit) interessante Reminiszenzen. Er schilderte die Sympathien, welche in den Dreißiger-Jahren des verflossenen Jahrhunderts in Ungarn für die Bestrebungen der Judenschast herrschten. Dieselben wurden nicht nur von den ans dem l83S/40er Reichstage versammelten Ständen, sondern auch von den christlichen Confeffionen gefördert. In der res. Kirche ans dem Calvinplatz ergriff Paul Törek das Wort für die Juden, in Preßburg ir der Franziskanermönch Stanislaus Albach ihr Wortführer, und au^ der evangelische Superintendent Szekacs nahm sie in wirksamer Welse in seinen Schutz. Ter Graner Fürstprimas Kopacsy antwortete der bei »hm vorsprechenden Judendeputarion: »Ich will meine schützende Hand über Euch auSbreiten." Dieses Wohlwollen hatte zur Folge, dass die ungarische Judenschast in Sprache und Gesinnung ungarisch wurde. — Nach dem sehr beifällig aufgenommenen Vorträge Dr. Büchk-rs las Heinrich Lenkai ein selbstverfasstes schönes Gedicht . Kord» Qy-uri megterera" und Karl Gero eine ergreifend« Scizze „8*aU Zlsai". Sämmtliche Vorträge fände., verdienten Beifall.

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