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Die Wahrheit · 1902-01-31 · Heft 5 (31.1.1902) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 5 (31.1.1902)
Date
1902-01-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 5. Die Wahrheit. Seite 9. Len neugegründeten Chor der „Rabbinerschule" einzutreten. Das War die künstlerische Athmosphäre, nach der sich die Phantasie Les Knaben sehnte; denn hier fand er Gelegenheit, bei ven regelrecht gearbeiteten und regelrecht stndirten Gesängen vonSulzcr, "Naumburg, Weintraub, Blumenthal u. A. sich nicht nur als Sänger, sondern auch als Dirigent zu bethätigen und die Schönheiten dieser Werke in sich auszunehmen. Doch alsbald Lluch von den gewonnenen Eindrücken gesättigt und seelisch nach vorwärts gedrängt, begab sich F. nach Kowno und später nach Wilna zu dem berühmten Troc'ker Chasan, wo er Gelegenheit fand, an Chanuka und Purim bei Syuagogen-Compositionen Mit Orchesterbegleitung mitzuwirken. Hierselbst erlernte er auch das rituelle Schlachten. So geringfügig dieser letztere Umstand auch erscheinen mag. liefert er doch immerhin den Beweis für Lie ernste Gebautem ichtung, mit welcher der jugendliche Sänger für den Eintritt in den Synagogen-Gemeindedienst sich bereits Dorzubereiten begann. Mögen es die von Deutschland nach Russland hinübergelangten Nachrichten, mag es wieder eine voraus- ^esühlte seelische Nothwendigkeit gewesen sein, das stets forschende Auge F.'s war sehnsuchtsvoll nach Deutschland, als dem Zielpunkte seiner bisherigen Bestrebungen, gerichtet und die Hoffnungen des Jünglings waren, trotz mannigfacher Anfechtungen, Lie ja Niemandem erspart bleiben, auch vom besten Erfolge gekrönt, wenigstens, was die erhoffte weitere Ausbildung betrifft. Nach manchen erfolgloselt Wanderzügen durch Eydkuhnen, Lenz, Königsberg, Dirschau, Czersk fasste F. endlich in Bütow festen Fuß, indem er dortselbst als Gemeindecantor eine ziemlich ansehnliche Stellung mit beträchtlichem Wirkungskreise übernahm. Doch auch dieser Erfolg genügte der bereits zum Fortschrittlichen geneigten Individualität F.'s nicht; die Sehnsucht nach Weiterer Ausbildung drängle den jungen, zur vollen Zufriedenheit seiner Gemeinde wirkenden Cantor, auch diesen allenthalben uls Erfüllung heißersehnter Hoffnung geltenden, sicheren Posten Llufzugeben, uin weiter zu lernen, zu lernen. (Fortsetzung folgt.) Griefe aus Deutschland. Von Hermann Zivi in Elberfeld. (Schluss.) Auf das Gebiet der syrischen Sprache kann ichindessen Lein geehrten Collegen nicht folgen, w.il ich das Schicksal so Vieler theile, nichts davon zu verstehen. Soviel aber weiß ich, dass die Accentnation der Mafforethen ans d r frühesten Leit des zweiten Tempelbestandes herrüyrr und dass sie in Ihrem sprachlichen Idiom in das babyloiiisch-chaldäische Z:itmtter zu rubricireu lst. Im U.'brigen bestreite ich, dass der nls syrisch citirte Ansdruck Reich Kolo auf griechisch Eirmos iinb analog auf lateinisch Hirmus heißt. Resch-Kolo mag syrisch oder chaldäisch sein, das ist ganz gleichgiltiz, es heißt -üuf deutsch immer „Haupltou." Eirrnus dagegen oder richtig Heirrnus, ilt allerdlngs griechisch und mag in das lateinische Mrrnus übergangen sein, aber jedenfalls nur in seiner sprachlichen Bedeutung als „Reihe" uno in musikalischer Beziehung als „Tonreihe." Um nun beni Herrn Autor vollständig gerecht zu werden, stelle ich zwei Möglichkeiten der Beurtheilung anheim: entweder sind die Begriffe „Hauptton" und „Tonreihe" Synonima, dann ist die Beweisführung des Herrn Birnbaum richtig, oder aber sie sind es nicht, dann ift auch dieser Theil seiner syro-hellenischen Theorie hinfällig. Zn Nr. 31 vom 9. August übergehend, kann ich nicht verschweigen, dass eS mich peinlich berührt hat, gewisse „Kenner der traditionellen Tonarten'"' der Ignoranz geziehen zu sehen. — Ich stehe ja auch nicht ans dem Standpunkt nachweisbar traditionell jüdischer Tonarten, ich trenne aber immer die Person von der Sache und bringe selbst den gelehrten Forschungen dieser „Gewissen" meine Hochachtung entgegen, weil sie, aus einer ehrlichen Ueberzeugung hervor- Hegangen, als gme Grundlage für weitere Stndien dienen. Ich würde indessen die in Frage stehende Tonart trotz Sobolewski auch „phry zisch" bezeichnet haben und gerade deshalb, weil das betreffende Musikstück in E schließt. Ursprünglich mussten die Compositionen allerdings mit der Tonica beginnen und schließe!:. Später aber wurde als Ausnahme der Anfang auf der Terz oder Qrint gestattet, wie auch die Schlüffe im Innern einer Compofition ausweichen dursten; der Schluss der ganzen Composttion im G.nndton blieb jedoch die ausnahmslose Regel. In übrigen spielt die E-Tonart in der alten Musik eine groß: Rolle; das dorische Tettachord E-F-G-Awar die Grundlage des ganzen griechischen Systems, und die phryzische Tonreihe E-F-G-A-H-C-D-E (bei den Griechen dorisch) ist dadurch entstanden, dass dem erstgenannten Tetrachord ein zweites, glerchzebautes H-C-D-E angeschloffeu wurde. D^ese Tonart war für die Griechen der Ausdruck des Nationalismus und sie erkannten schon einen Doppelcharakter derselben darin, dass die Bewegung zwischen 6- und 0 oder D frei und voll erklingt, während die verminderte Secnnde E-E und die kleine Terz E-G als besonders wehmüthig sich fühlbar macht. So sehen wir, dass die Cultur der Hellenen auch auf dem Gebiete der Musik eine hochstehende war. und wenn nicht alle Zeichen trügen, so ist es gerade die E-Tonart, die sich wie ein rother Faden auch durch unsere synagogate Musik zieht. Ueber ein Jahrtausend hinaus sind es also die Griechen gewesen, welche nachweislich das musikalische Leben des Alterthums beherrscht haben, bis die Römer kamen, um mit der politischen Machtstellung auch die künstlerische an sih zu nehmen. Den hohen Ernst, der die Griechen bei d:r verschiedenartigen Ausübung der Musik beherrschte, habe» ihre Nachfolger indessen nicht gekannt; sie konnten deshalb das ihnen zugefallene Erbe auch nicht verwalten, geschweige denn vergrößern, und sie überlieferten uns das, was in den Stürmen der Völkerwanderung übrig geblieben ist, als „griechisch-römische" Musik und nicht als ,.syro-h:ll mischt. Danksagrun^. In den trüben Tagen schweren Schicksalschlages während der Krankheit meines Mannes und nach dessen allzufrühem Ableben hat sich die Collegialität der Herren Cantoren und die Hochherzigkeit edler Glaubensgenossen in solch hohem Grade bethätigt, dass ich kaum Worte finde, meinen herzlichsten Dank geziemend abznstatten. Namentlich sei dem Vorstände der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, dem Präsidium des österr.-ungar. Cantoren- Yereines, ferner Herrn Obercantor Singer für die so theilnahms- und wirkungsvollen Worte in der schmerzensreichen Stunde des Abschiedes von der letzten Ruhesätte, und Herrn Obercantor Sehorr für die trostreiche Are seines tiefempfundenen Vortrages im Trauerhause und am Friedhöfe, ebenso den geschätzten Redactionen der jüdischen Blätter und sämmtlichen Amtsbrüdern meines in Gott ruhenden Gatten für die corporative Betheiligung bei der Beerdigung bestens gedankt. Wien, Ende Jänner 1902. CAROLINE TIGER Obercantors-Witwe. (Circus Beketow.) Ganz Besonderes bietet der russische Circus M. Beketow mit seinem gegenwärtigen Programm und befriedigt dadurch auch vollkommen die verwöhnten Anforderungen der Wiener. Vor allem erregt die englische Zahnathletin Miß Bliß das größte Aufsehen. Hochinteressant sind die Vorführungen der aus acht Personen bestehenden russischen Sänger- und Tänzertruppe Tartakoss, der Kraftgladiatoren Gebrüder Boston, der Equilibristen Bekok, der Doppeljockehact in Balltoiletre von Fräulein Beketow und Herrn Fontana, der Jockehact auf der Piste von Herrn Althoff, sowie die Luft-! gymnastiker Trio Alex, ferner die Dressuren des Direktors Beketow, | Mr. Gaberel, die Löwendom.Ec rv l's E l l :o.

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