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Die Wahrheit · 1902-01-31 · Heft 5 (31.1.1902) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 5 (31.1.1902)
Date
1902-01-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite ö. Die Wahrheit. Nr. 5 Die Hogadah nennt vier Plagen der Egypter: Zorn, Grimm, Wuth, Drangsal und als fünfte Plage Ausschickung böser Boten. Diese vier Plagen sind die römischen Kaiser Vespasian, Titus, Domitian und Nerva. Rabbi Eleazar vertröstete,, dass die Erlösung bald kommen werde. Die Erlösung kam unter Drajgn, der in den Kämpfen mit den Portern arge Enttäuschungen erlitten hatte. Dann erhoffte man die Erlösung Don Hadrian. Der räthselhafte Styl bot doppelte Vortheile. Er war nach außen verhüllt und regte nach innen zum Nach- Denken an. Die Schriften waren ursprünglich aramäisch; zwei der -apokalyptischen Bücher flammen von heftigen religiösen und politischen Gegnern: die Affumptio Moses und das 4. Buch Esra. Ersteres schildert alle Könige und greift die gottlosen Sadducäer an, wie auch die Lehrschule in Iabne. Es verheißt, dass nach Den Drangsalen ein Nachfolger Moses aus dem Stamme Levy kommen und die Erlösung bringen werde. Die Theodicee ist -Die treibende Kraft dieses Buches: hier wird gesagt, dass alle Uebel eine Sühne für die Sünden der Könige und der Sadduzäer sind. In diesern Buche ist der Volksmann Moses das Ideal, Dnd das Zukunflsideal ist ein zweiter Moses. Der Verfasser -hasst die Könige, weil sie Usurpatoren sind; es ist zugleich ^elotisch, patriotisch und demokratisch. Die Sprache ist ungelenkig. Der Schreiber kann ersichtlich mit dem Schwerte besser um- •tjdfjeii, als mit der Feder. Sein glänzender Antagonist ist Esra IV. Hier ist ein ganz -anderer Standpunkt dargelegt; die Weissagungen werden Esra in den Mund gelegt, und Jochanan ben Sakai wird als zweiter 'Esra bezeichnet. Esra hat fünf Jüngern seine Weissagungen mit- -getheilt; viele Tendenzen stimmen mit Esras Lehren überein. Es soll 30 Jahren nach der Zerstörung des Tempels durch Titus entstanden sein. Auch hier ist die Theodicee die Hauptfrage. Der Dialog Esras mit dem Engel erinnert an den Dialog im Buche Hiob. Die Beantwortung ist eiu Hinweis auf die Zukunft im Diesseits und im Jenseits, dort w.rde der Ausgleich erfolgen. Am Schluffe befindet sich eine wunderbare Vision: Ein Adler (Rom) mit 3 Köpfen, 12 Flügeln und 8 Gegenschwingen, die Zeit der Erlösung wird als nahe bevorstehend Verkündet. Den Schluss des Vortrages bildete die Erzählung einer Habel aus diesem Buche. Wald und Meer führten Krieg mit- «inander. Der Wald entzündete ein Feuer, um das Meer zu Der Nichten, das Meer warf aber seinen Sand aus und bildete «inen Damm, worauf der Wald sich selbst zerstörte. Der Wald ist die nichtjüdische, das Meer die jüdische Welt. Schon oft wollte der Wald das Meer vernichten, hat sich aber nur immer selbst geschadet, denn das Meer ist unüberwindlich, einst wird rs die Dämme einreißen und alles überfluthen und Segen Dringen auch dem Walde. Stürmischer Beifall folgte diesen fesselnden Ausführungen, worauf die Mitglieder und Gäste des Vereines noch lange in «n regender Geselligkeit beisammen blieben. Den Reigen der Tischreden er öffnete Herr Dr. Aladar Deutsch mit einem Toaste auf den Vortragenden, auf welchen dieser mit einer Rede auf den Verein „Afike Jehuda" antwortete. Herr Dr. R. Grün sprach die Hoffnung auf eiu Wiedersehen aus, ferner sprachen noch die Herren Dr. Kohner und Herr Rabbiner Dr. Thieberger. Alle Redner boten reiche Gaben aus dem 'Schatze ihrer talmudischen Kenntniße und fanden bei der aufmerksam lauschenden Zuhörerschaft lebhaften Beifall. ÄuLgrabui>s<-n im alten Phöuhieu. Unter den Städten des alten Phönizien, aus denen die An Handwerk ünd Kunst nicht so geübten Juden Bauleute und ^Künstler kommen ließen, wenn es sich um Errichtung von Prachtbauten handelte, wie es der Salomonische Tempel war, Maren Sidon und Tyrus die mächtigsten. Sidon war die älteste. Sie war die Stammmutter von Tyrus und die Erz^ugniße ihrer Industrie und Kunst, ihre Handelswaaren waren im Morgen- und Abendlande so berühmt, dass bei den Hebräern, Griechen und Römern Sidon und Sidonier soviel wie Phönizien und Phönizier bedeutete. Schon in den Gesängen Homers ist von sidonischen Stoffen und Kunstarbeiten die Rede, und im alten Testament werden Sioou, seine Götter, seine Sprache und Kaufleute häufig erwähnt. Von dieser im Alterthmn hochberühmten sidonischen Kunstfertigkeit sind aber blos wenige Reste auf uns gekommen, ans denen sich nur soviel errathen lässt, dass die Phönizier die Kunst jiljrei: semitischen Hinterländer, Assyriens und Babyloniens, den Völkern an den Gestaden des Mittelmeeres überbracht haben. Auf dem Boden des alten Sidon, dem heutigen türkischen Saida, das am Fuße des Libanon liegt, der hier bis zu 7 Kilometer an das Meer herantritt, sind schon in den Fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von den Franzosen unter Ernst Renau Ausgrabungen veranstaltet worden, die sich aber nur auf die Gräberstadt erstreckten. Der wichtigste Fund, der dort gemacht wurde, war der Sarkophag des Königs Eschmunazar. Er war der letzte seines Stammes und seine Regierungszeit fällt in die erste Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Ehr. Im vorigen Jahre sind die Ausgrabungen durch den Italiener Eduardo Durighello auf Kosten der türkischen Regierung wieder ausgenommen worden und obwohl ihm vom kaiserl. Museum in Constantinopel nur 800 Francs zur Verfügung gestellt wurden, arbeitete er doch mir überraschendem Erfolge. Es gelang ihm nämlich, den Tempel des phöuizischen Gottes Escemun aufzudecken, welcher der zu den Göttern erhobene Ahnherr der sidonischen Königsdynastie gewesen zu sein scheint, und den aus gewaltigen Quadern zusammengesetzten, terassenförmig aufsteigeuden Unterbau zu einem beträchtlichen Theil bloszulegen. Außer vier Statuen wurden anch fünf phönizische Inschriften gefunden, von denen eine die folgende Widmung enthält: „Ich, Anzar, König der Sidoniten, Sohn des Sohnes von Escemun- Anzar, habe diesen Tempel erbaut, der heilig ist dem Gotte Escemun, dem himmlischen." Der Eigenthümer des Geländes, aus dem der Tempel liegt, hat die Ausgrabungen allerdings nicht mit freundlichen Augen verfolgt. Aber es scheint, dass er vorläufig auf seinem Besitz noch ruhig weiter Hausen kanp, da die Ausgrabungen nach dem Verbrauch der angewiesenen 800 Francs eingestellt werden mussten. Bei dem Zustande der türkischen Finanzen ist eine baldige Fortsetzung nicht zu erwarten. Immerhin sind, die Ergebniße von großer Bedeutung, da sie uns einen weiteren Beitrag zur Aufklärung über die Bauart des ältesten Salomonischen Tempels in Jerusalem liefern, der bekanntlich von phönizischeu Bauleuten ausgeführt wurde. Noch ein charakteristisches Beispiel phönizischer Kunst bietet eine wenig bekannte Frauenbüste aus Kalkstein, die im Jahre 1807 in Elcho, an der Ostküste Spaniens, wo sich die Phönizier angesiedelt hatten, aufgefunden tvurde. Hier ist orientalische mit griechischer Fraueuschönheit verschmolzen. Von großem Interesse ist der Kopfputz, eine mächtige Haube mit Flügeln, welche die Ohren verdecken. Es ist die Tracht vornehmer Frauen des Alterthums, welche die Erde nach mehr als 2000 Jahren den findigen Schatzgräbern unserer Zeit offenbart hat. Es ist das Bildnis einer Frau, die etwa um 300 v. Ehr. lebte uud diese Büste für ihr künftiges Grabdenkmal hat ansertigen zu lassen. „Stuttgarter Jllustrirte Welt." Verschiedene Nachrichten. Wie». Der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde, Herr kaif. Rath Heinrich Klinger, hat aus Gesundheitsrücksichten einen Urlaub von mehreren Wochen genommen und wird denselben im Süden verbringen. Während dieser Zeit führt der I. Vicepräsident, Herr Dr. Alfred Stern, die d'räsidialgeschäste.

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