Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 5 (31.1.1902)
- Date
- 1902-01-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Die Wahrheit. Nr. 5. Mitterungsvermögeu für die Structur ihrer grammatischen Hormeu. .So lcrm er dieselben allgemach aus eigener Kraft -bestimmen. Die allgemeinen Gesichtspunkte anlaugeud, lässt sich nur sagen, der Religionsunterricht müffe auf jenen Stand methodischer Ausbildung gehoben werden, welchen zur Zeit alle anderen Lehrgegenstände der Mittelschule erreicht haben. Dieser Gedanke nimmt sich recht wie ein Gemeinplatz ans. Ec scheint Loch nur Selbstverständliches zu sagen. Seine Verwirklichung ist jedoch nichts weniger als dies Die weltlichen Lehrgegenstande der Mittelschule haben heutigen Tages, was ihre 'Methodische Behandlung betrifft, eine Durchbildung erreicht, Lie sie dem Ziele der Vollkommenheit fast nahe bringt. Zwei Amstäude haben einander glücklich iu die Hände gearbeitet, .MM diesen Umstand herbeizuführen. Seit Jahrhunderten haben Lie bedeutendsten Gelehrten aller Kulturvölker unter dem Aufrvaud eines beispiellosen Fleißes und der reichsten Hilfsmittel Die betreffenden Lehrgebiete nach allen Richtungen durchforscht.. .Hmtigen Tages sind die hier in Betracht kommenden Fragen flast allesammt schon ans Licht gerückl. Um sie einer Lösung Huzusühren, haben die besten Köpfe weder Schweiß noch Muhe gescheut. Die Mittelschulen, die Pflanzstätten dieser Wissenschaften, waren von jeher und sind besonders iu unseren Tagen "Gegenstand der eifrigsten Fürsorge aller modernen Staaten. Unter solchen Vorbedingungen ist denn auch ein Lehrstand erwachsen, der über eine überreiche Litteratur voll der gediegensten Leistungen verfügt. Selbst eine noch so stümperhafte Begabung kann unter Benützung all der reichen Hilfsmittel immer Erkleckliches leisten. Zieht man diesen Stand der Dinge auf der einen, und Len mehr als kümmerlichen, sowohl wissenschaftlichen als auch methodischen unseres Gegenstandes auf der anderen Seite in Betracht, so wird man sich sofort bewusst werden, welche Lumnthllngen man an den israelitischen Religionslehrer stellt, wenn man von ihm dieselben Leistungen fordert. Den israelitischen Lehrerstand trifft trotz alledem nicht der geringste Vorwurf. Welcher Mensch, der sich mit israelitischem Meligionsunterrichte zu befassen hat, verfügt denn nur über jenes Blaß freier Zeit, ruhiger Muße und innerer Sammlung, Lie eine wiffeuschastliche Bethängung überhaupt erst nur ermöglichen? Es ist merkwürdig, dass selbst modern denkende Männer an unserer Mitte, die vorurtheilsfrei an alle Dinge heranireten, um sie iu ihrem Wesen zu erfassen, — für die Arbeit eines Religionslehrers keinen rechten Maßstab gewinnen rönnen. Nur selten wird sie von ihnen höher als irgend eine Mechanische Leistung bewerthet. Dass Unterrichten eine Kunst ist, rie wie jede andere der freien Künste nur dann gedeihen Raun, wenn günstige äußere und glückliche innere Vorbe- Lingungen sich die Hand reichen, das will ihnen nicht an den Sinn. Die schwierigste der Aufgaben ist jedoch nach der Hinsicht L:e Erthcilung eines gediegenen Religionsunterrichtes. Besteht sic doch in der Bildung der inner» Gesinnung,die durch das Lusammeuwirkeu aller höheren Kräfte des Lebens hervorgeluacht, denl Menschen den Adel eines bestimmten moralischen ^Gepräges verleihen soll. In der That werden auch iu Änderen Cor feffionen nur die tüchtigsten Männer von begründetem wissenschaftlichem und pedägogischem Ruf mit der Grthcilung des Religionsunterrichtes betraut. Bei uns j.doch flehen selbst geistig hervorragende Männer jeden, der sich Lamit befasst, sofort unter dem Verdachte an, dass er es anderswo nicht vorwärts bringen konnte. Ja, es sind doch Licht alle frei, die ihrer Ketten spotten. (Fortsetzung folgt.) Air junge Garde der ungarischen Lren)ritter. Ein schweres Kren; haben sich unsere yolksparteilicheu ^Studenten aufgelade«, und da sie einmal unter der Käst keuchend Mch rinherschleppen, wollen sie auch in ihren Handlungen Erfolge erzielen, um vermittelst derselben sich einigermaßen Erleichterung zu verschaffen. Anstatt humanistische Studien zw treiben, wie es auf allen Universitäten Brauch ist, spielen sie sich als eifrige Verfechter des Judenhasses heraus, und da ist ihnen kein Ding zu gering, in das sie nicht ihre Spürnase stecken. Mit dem Abzeichen des Kreuzes glauben sie Wunderdinge zu bewirken, wofür sie von dem, der dasselbe als heiliges Symbol ansah und als solches gehalten wissen wollte, den entsprechenden Lohn zu erhalten hoffen. Nachdem ihnen die Colpotirung der Kreuzschändung nicht gelungen war, rafflen sie sich von dem mächtigen Schlage auf und marschirten in Reih und Glied in alle Singspielhallen, wo sie sonst mehr zu Hanse sind als in der Aula, angeblich, um das deutsche Jodlerwesen zu vernichten, und obgleich sie dort nicht am sreundlichsieu empfangen wurden, setzten sie die begonnene Arbeit fort, um klarzulegen, wofür die ungarische Studentenschafl sich alles nicht imeresslreu muß. Das Vaterland schwebe in Gefahr — mit dieser Parole warfen sie sich ins Gewehr — und wer schwört nicht darauf, dass über Nacht alle diese Sing- und Spielhallen vom Erdboden entschwanden! Wie reckenhaft sie nur die Köpfe in die Höhe heben, wie stolz sie nur eiuherschreiten; haben sie doch den Brand gelöscht, der das vaterländische Gebäude umzingeltes l Eine mannhafte That, wahrlich! Wo hat sie nur bis allher gehaust, diese ruhmwürdige Studentenschaft? Dass sie die Gefahr schon längst nicht eingesehen! Kein Minister, kein Professor bat je solches geleistet, denn der ungarische Stamm hat seine Triebkraft wieder erlangt, und dies einzig und allein durch die fahrende und umsichtige Kreuzritter-Studentenschaft. Aber nicht nur der lendenlahmen ungarischen Sprache wird hienlit auf die Beine geholfen, auch die Moral — was in erster Reihe zu verzeichnen gilt — ward ans dem Sumpfe gehoben, in die sie die Jodlertruppen gesenkt, und wer wird den jungen Kreuzheldeu angesichts einer solchen heldenhaften That nicht den gebührenden Dank zollen? Nun, wir denken uns alle diese Jnugbäcte mit Eimern bewaffnet, um aus dieser Heilsqnelle zu schöpfen, und kaum dürften einige Jahre ins Land gehen, und wir werden auf eine kräftige, moralisch gestählte Jugend blicken können, die den Stolz des Vaterlandes bildet. Und wie eine wackere That die andere nach sich zieht, hat die jüngste Agitation dieser Kreuz recken gezeigt. Der demokratischgesinnte Abgeordnete.Vazsonyi hat, einer Berufung folgeleistend, in Debreczin in gewohnter meisterhafter Weise vor einer tausendköpfigen Zuhörerschaft gesprochen und sich geringschätzig über diese Helden der ungarischen Geschichte geäußert. Flugs, stellte sich die Kreuzritterschaft auf den Plan, es regnete Plakate mit den schimpflichsten Epitheta und wieder galt es, die muthgestählten Lanzen für das Vaterland einzulegen, denn unsere lieben Studenten wissen es ja, dass aller Auge» aus sie gerichtet sind. Diese ruchlose That wurde auch ins Landhaus getragen, dort sollte es sich Herausstellen, ob denn auch Landesverräther zu den Gesetzgebern gerechnet werden können. Mit welcher Schadenfreude die Rittergarde die Köpfung dieses Demokraten erwartete! Doch statt dessen, was geschah? Minister Wlassics hat sich, wie sonst, nur als den Kämpfer des echten Liberalismus gezeigt. Er mahnte die Studentenschaft eindringlich und väterlich au die hohe Auf,abe, die sie sich gestellt, an die hohen Erwartungen, die das Vaterland an ihr Wissen knüpft. Das Vaterland hat seine eigenen Wächter schon bestellt, die für seine Blüthe hinlänglich Sorge tragen, der Studentenschaft obliegt die einzige Pflicht, zu lernen und zu studiren. Wir hoffen, dass diese Kreuzritter aus der Abkanzelung, die ihnen von Seite des Ministers zu Theil wurde, die Lehre ziehen werden, dass es doch am besten ist, dem Sprüchworte FW zu leisten: „Schusters blejß' bei deinem Leisten." * Dr. Samuel Parto s, Dnnaföldvar.