Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 5 (31.1.1902)
- Date
- 1902-01-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3062972-3063113-3063118--01751-3068368- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die IDatziHsit Rrdaction u. Administraiion Wien, TI/1, Novaragaffe 27. ft k öfltcr. Poi'tsparcassa TnakPngigs Heitfchrifi für Mische!!! Lezugißm»: i Ganzjährig . . ft. 12— Halbjährig ... St. 6.— Lbeck-Conto Nr. 84«>.251. > n f 11 a l; : Itttere^eir. Für Lultusbeamte: San,jährig ... ft. 10.— 20 Heller m Nomoreille-«Zeile. Erscheint jeden Freitag. Für Ausland: AdonnenieiuSinid JnsertioiiS. Ganzjährig .... 8 »ark betriifte find in Wien zahlbar. j Motto : .Das Siegel Gottes ist Wahrheit i" 6 Rubel oder 16 tzre». tlr. 5. Wien, 31. Zanner M8. Anhalt r Ueber den hebräischen Unterricht an den Oberclafsen der Gymnasien und Realschulen. — Die junge Garde der ungarischen Kreuzritter. — Die barmherzigen Brüder. — Das geistige Leben der Juden nach der Zerstörung des zweiten Tempels. — Ausgrabungen im alten Phönizien. — Verschiedene Nachrichten. — Zur Organisation. — Ueber die Entwicklung des Synagogengesanges. — Briefe aus Deutschland. — Danksagung. Wir ersuchen um umgehende Erneuerung des Monnements und Einsendung des Wonnementsöetrages. Ueber den hebräischen Unterricht an den Oberclajsen der Gymnasien und Realschulen. Von Rabbiner Dr. Daniel Fink. V. Was setzt also der hebräische Unterricht an Oberclassen der Mittelschulen an grammatischen Kenntnißen voraus, um nicht in einen mechanischen Schlendrian verfallen zu müssen? Die Antwort ist nicht schwer zu geben. Die Biegungsformen des regelmäßigen Haupt- und Zeitwortes, sowie die wichtigsten Vorsilben und pronominalen Anhängsel müffen dem Schüler bekannt sein. Wer den Unterricht in den Unterclassen an der Hand der in meiner Abhandlung: „Zur Methode des hebräischen Unterrichtes" erläuterten Grundsätze ertheilt, wird dieses Ziel ohne großen Schwier gkciten, sowie ohne besondere grammatische Exerciticn erreichen können. Wo dies nicht der Fall ist, da wird es immerhin als weniger ersprießlich sich erweisen/ grammatische Formenreihen zum Auswendiglernen aufzngeben, als vielmehr durch stete Zergliederung der im Unterrichte auftretenden Spracherscheinungen eine lebhafte und eindringliche Anschauung von der Art, wie die regelmäßigen Formen sich bilden, zu vermitteln. Das Aufgeben umfangreicher Pensa zum Auswendiglernen mag sich ja für den Lehrer sehr leicht ausnehmen. Wem Bequemlichkeit als oberster pädagogischer Grundsatz gilt, stellt sich dabei am allerbesten. Die gesammte Leistung wird eben ohne weiters auf die schwachen Schultern des Schülers abgewälzt; dieselbe zu bewältigen, fällt ihm um so schwerer, je weniger ihm Handhaben geboten werden, ihrer Herr zu werden. Unter solchen Umständen kann man nicht selten beobachten, wie^ das Paradigma am Schnürchen geht, indes jede im Zusammenhänge des Textes aaftauchende grammatis.! e Form ebendesselben Musterwortes immer aufs neue einen nicht zu bewältigenden Stein des Anstoßes bietet. Hierin steckt also keinehw°gs des Räthsels Lösung. Es kommt vielmehr darauf an, dass dem Schüler der Sinn für die grammatische Prägung der Wortformen geschärft werde- Dies ist jedoch nur dann zu erreichen, w.-un Schrill, auf Schritt mit eiserner Cousequenz auf die Anwendung der > gewonnenen Kenutniße gedrungen wird. Nnr auf diesem Wege-! erwirbt man wirkliche Kenntniße. Alles andere ist nichts — | denn gleißnerisches Blendwerk. Nach solchen Voraussetzungen! darf man es ruhig unternehmen, über die meisten Texte unserer i prophelischen Bücher mit dem Schüler zu verhandeln.? Was zunächst die Vocabeln betrifft, so ist es ja selbst-! redend, dass man die in dem behandelten Texte Vorkommen- * den Wörter auch lernen nluß. Nur kommt es auch hierbei: j mehr aus das „Wie" als auf das „Was" an. Der Lehrer^ j welcher die betreffenden Vocabeln einfach dictirt und denk j Schüler aufträgt, so lange daran zu pauken, bis sie sestsitzen^ j wird gewiss diesem wie den Eltern als ein Peiniger erscheinen- Der Lernprozess wird jedoch wesentlich erleichtert, wenn der Schüler angeleitet und alsdann angehalten wird, die velreffenden Wörter selbstständig aus dem Gewebe des Textes herauszuschälen. Gerade die Mühe, die er für ihre Ausmitteluug aufwenden musste, lässt ihn eine gewisse Sympathie für dieselben gewinnen. Sie sind ihm nun im vorhinein Wohlvertraute, und ihre gedächtnismäßige Aneignung wird ihm desto» leichter. Die unregelmäßigen Formen dagegen muß der Lehrer von Fall zu Fall herausheben, sie auf ihre Grundformen zunächst: zurückführen und das Abweichende in ihrer Biegung an der Hand der regelmäßigen Bildungsformen, welche dem Schülerja bekannt sind, beleuchten. Denn jede claisische Sprache — und unsere hebräische ist eine solche — hat ja eigentlich von- Hause aus den urwüchsigen und ausschließlichen Trieb, nnrregelmäßige Gebilde zu erzeugen. Was auf den eisten Blick als Unregelmäßigkeit, oder Willkür gar erscheint, ist, bei Licht besehen, nichts anderes als eine innere Regelmäßigkeit unter Anwendung complizirter sprachlicher Gesetz-. . Wer es versteht, diese Beziehungen immer wüder auszudecken, der darf auch für diese gemeinhin für unverdaulichgehaltenen Sachen des regsten Interesses seitens der Schüler sich versichert halten. Gerade aus solchen Auseinandersetzungen gewinnt er die größte Förderung. Es gibt für ihn kein, beseligenderes Gefühl als dasjenige, welches aus der Wahrnehmung inneren, geistigen Wachsthums ihm erspneßr. Er-! wächst solcher Hand gleichsaln in das geheime Wesen Wir j Sprache hinein. Es ersieht ihm ein gewisses undefiuirlmres»