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Die Wahrheit · 1902-01-17 · Heft 3 (17.1.1902) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 3 (17.1.1902)
Date
1902-01-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Allgemeine Canloren-Zeitnng. Hr. 3. Meilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 22. Iahrg. Kie geehrten Kerren Kantoren des In- «nd Anstandes werden ersucht, den Köonnements- Setrag fir das neue Huartat und die Mückstände vom vorigen Jahre umgehend einsenden zu molken. Aufruf an die Coüegen in Äöhmen.! Nur dem gemeinsamen Zusammenstehen der Einzelnen j ist es zuzuschreibeu, wenn es heutzutage Verbänden und Ständen gelingt, wichtige, greifbare und vorlheilhafte Resultate zu erringen, die nicht nur äußere Vortheile mit sich bringen, sondern auch in bedeutender Weise das Ansehen des Standes erhöhen. — Wir in erster Reihe dürfen uns den entschiedenen Forderungen des modernen Zeitgeistes nicht länger verschließen, denn uns thut vor allen Anderen ein' geeinigtes, festes Vorgehen als Gegengewicht gegen die bedeutenden äußerlichen Widerwärtigkeiten, die uns bekanntlich entgegengestellt weiden, noth. Deshalb müssen wir mit klarem, verständigem Blicke unsere Vortheile wahrnehmen und erkennen, was zur Erhöhung unseres Ansehens beitragen könnte. College« und Freunde! Rastet nicht länger, sondern ergreift als energische und verständige Männer die Hände, die wir Euch in collegialer Liebe und treuer Fürsorge für das Ansehen und Wohlergehen j unseres Standes reichen.! Diese wichtigen Vortheile des gemeinsamen Zusammenstehens wohl erkennend, haben sich sämmtliche Kantoren Prags solidarisch dem allgemeinen Eantoren-Verbande angeschlosseu. Darum Kollegen in Böhmen steht auch Ihr nicht länger zurück, folget dem guten Beispiele Euerer Berufsgenossen Prags und meldet e h e st e n s Eueren Beitritt zum Eantoren-Verbande bei dem Unterfertigten an. Adolf Brod, Obercantorder Neusynagoge.! Prag,-Wenzelplatz 70. Zur Organisation. Dienstag, den 14. d. fand im Oesterr.-ungar. Cautoreu' Vereine eine Sitzung des Wiener Comües, an welcher von Vorstands- und Comitsmitgliedern die Herren Singer, Gultmann, Zurberger, Heimann, Löwit, Schiller, Zellnik, Hirsch, Bassl, Blatt, Schorr, Bauer und A. Rotter theilnahmen. Der Vorsitzende, Obercautor Z. Singer, verwies auf die beiden von Obercautor Lazarus in Budapest und Obercautor Brod in Prag an die ungarische,!, resp. böhmischen Cantoren erlassenen Aufruf und spricht die Erwartung aus, dass dieser Appell an die Collegenschast nicht erfolglos bleiben werde. Den beiden genannten College» drückt die Versammlung für die Förderung der Organisation ihre Werthschätzung durch Erheben von den Sitzen aus. Bezüglich des erwarteten corporativen Anschlusses der deutschen Collegenschast haben sich die Aussichten verschlechtert, da in mehreren in letzter Zeit in Deutschland abgehalteuen Versammlmtgen der corporative Anschluss an Oesterreich-Ungarn fast allgemein perhorrescirt wurde. Bei Constatirung dieser Thytsache bemerk der Vorsitzende mit Geuugthuung, dass die von Wien ausgegangeueu Bestrebungen, wenn. dieselben auch nicht zum engen Zusammenschluss der deutschen und österr.- ungar. College» führten, wenigstens das Gute hatten, dass auch in Deutschland die Organisation in Fluss gebracht wurve. Zm Uebrigen genüge auch die österr.-ungar. Collegenschast voLKmunen für einen großen und mächtigen Verein. Hieraus wird zur eigentlichen Tagesordnung. Aenderung der Statuten im Sinne der Beschlüsse des Cantoreutages, übergegangen. Die Berathuug eistreckte sich für diesmal blos auf vier ersten Paragraphe des alten Vereinsstatutes, die nach einigen allgemeinen Ansführungen des Vereinssecretär-, Dr. Löwy und nach eingehender sachlicher Debatte, in welche der Vorsitzende sowie die Herren Löwit, Guttman, Blatt, Schiller Bauer, Schorr und Notier wiederholt eing'.iffen, säst unverändert angenommen wurden. Von wesentlicher Bedeutung ist der mit allen gegen eine Stimme gefasste Beschluss, dass mit Rücksicht auf die zu Tage tretende reservirte und zum Theil ablehnende Haltung der deutschen College» der Verein auch fernerhin den Namen „Oesterr.-Ungar. Cantoren-Verein" beibhalten solle. Nachdem für nächste Sitzung die Fortsetzung der Statutenberathnng angekündigt wurde, schloss der Vorsitzende die Sitzung. verschiedene Nachrichten. Wien. Bei der am 4. d. im Ceremoniensaale des Tempels in der Müllnergasse stattgehabten Generalversammlung des Tempelvereines im IX. Bezirke wurden einstimmig gewählt zu Vorständen mit dreijähriger Mandatsdauer die Herren: G. Bettelheim, Julius Koppstein und Heinrich Goldschmied; für eine einjährige Mandatsdauer Herr Adolf Moser. In den Ausschuss erscheinen ebenfalls einstimmig gewählt die Herren: Jacob Blau, Ad. Frankl, Emil Fürth, Dr. Alfred Glogau, Leopold Hendl, Wilhelm Pappenheim, Dr. Em. Quittner und Isidor Trebitsch. Das Programm, welches der durch seine vortreffliche und erfolgreiche Leitung des Vereines allgemein beliebte Obmann, Herr Gottlieb B e t t e l h e i in, bei diesem Anlässe entwickelte, fand lebhafte Zustimmung und Billigung. Wie«. Samstag, den 11. d., y,8 Uhr Abends, fand im Saale des „Niederösterreichischen Gewerbevereines" eine Versammlung der „österr.-isracl. Union" statt, in welcher der Präsident, Herr Max Paul Schiff, zunächst über die Thätigkeit des Vereines in letzter Zeit berichtete und eine neuerliche erfreuliche Zunahme der Mitgliederzahl constatirte. Dann lud er mit herzlichen Willkommensworten Herrn Rabbiner Dr. M. Grunwald aus Hamburg zur Abhaltung seines Vortrages „Der jüdische Kaufmann und kaufmännische Ehre" ein. Der Vortragende behandelte in nahezu anderthalbstündiger freier, von jedem Manuskript unabhängiger Rede das interessante und actuelle Thema und seine Ausführungen fanden denlebhaften Beifall des zahlreichen distinguirten Publicums. Besonders anerkannt wurde die Fo unvollendung des Vortrages und die immense Gedächtniskraft, die der Vortragende bei der spielenden Bewältigung des reichen Materiales bewies. Wien. Der im Jahre 1868 gegründete „Allgemeine Kranken- Unterstützungsverein Nächstenliebe" veranstaltete am 11. d. M. zum erstenmale seit seinem Bestände in den Prachtsälen des Hotel „Bayrischer Hof" ein Costümekränzchen, das von einem äußerst zahlreichen und distinguirten Publicum besucht war. Das rührige Comitö, unter der Leitung des Vereinsobmannes, Herrn Dr. Leopold Weiß, bot alles auf, um den Abend zu einem genussreichen zu gestalten, und erntete für seine Bemühungen allseitige Anerkennung. Auch das materielle Ergebnis der der Veranstaltung, das dem a. o. Uuterstützungssonde des Vereines zugeführt wird, war ein glänzendes und hat alle Erwartungen übertroffen. Wien. Der 60. Geburtstag unseres verantwortlichen Redakteurs, Herrn Alois K u l k a. brachte dem in den weitesten Kreisen hochgeschätzten. Jubilar zahlreiche herzliche Ovationen. Als erste Gratulantin stellte sich die treue Lebensgefährtin des Jubilars, Frau Bertha Kulka, geb. Schwarz, mit einem kostbaren Geburtstagsangebinde ein. Um 12 Uhr mittags erschien eine Deputation des Vorstandes des „Oesterr.-Ungar. Cantoren-Vereines, bestehend aus dem Präsidenten Obercautor Singer, dem 1. Vicepräsidenten Obercautor Bauer und dem Casser 1. Cantor Blatt. Obercautor Singer richtete einige herzliche Worte an den Jubilar, der auf eine erfolgreiche und ehrenvolle Lebensbahn zurückblicken könne und dem Cantorenstande stets zur Ehre gereicht habe. Namens der Redaction der „Wahrheit" und der „Cantoren-Zeitunz" gratulirte der Chefredakteur Dr. Löwy und überreichte dem Jubilar als sinniges Geburstagsgeschenk eine goldene Busennadel, die das Titelblatt der Zeitung darstellt. Tiefbewegt dankte der Jubilar für d*e ihm erwiesene Ehrung, indem er in Erwiderung der beiden Ansprachen seine Zugehörigkeit zum Cantorenstande betonte und erklärte, stolz darauf zu sein, dem so vortrefflich geleiteten Blatte seit dem Brstaide anzugehören und gerne bereit sei, seine schwachen Kräfte demselben auch für)crhin zu weihen.

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