Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 3 (17.1.1902)
- Date
- 1902-01-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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' Nr. 3. Die XPabrbeti- Seite 9. Zur deputativen Gratulation erschien auch das seit vielen Jahren an der Seite Kulka's bei dem Gottesdienste an den hohen Feiertagen im großen Musikvereinssaale wirkende vierfache Quartett, geführt von den Herren Kaiser und Klein. Aus der ansehnlichen Zahl Jener, die dem Jubilar theils persönlich, schriftlich oder telegraphisch ihre Glückwünsche zum Ausdrucke brachten, seien hier erwähnt: Der Obersthofmeister des Erzherzog Rainer, Generalmajor Graf Orsini-Rosenberg, der päpstliche I Prälat und emer. Professor Dr. Karl Dörfler, Pfarrer an der Hof-! und Stadtpfarrkirche zu St. Augustin, der Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien Sigmund L'Alleinand Kammer-Klavierfabrikant Commercialrath Ludwi g Bösendorfer, der erste Secretär der isr. Cultusgemeindc kais. Rath Dr. Lieben, der Ceremonär i des Weihbischofs und Generalvicar von Wien Dr. Johann Schneider,; Leopold Stoßmüller, der Director der k. k. Erzgießerei in Wien Ludwig Jurischowitz, der hochbetagte Hofpfarr-Kapellmeister und dessen Sohn Kapellmeister Christian Eder, der Synagogenckor Verband „Sulzerbnnd" unterzeichnet vom Vicepräsidenten Cantor I. Löwit, der Secretär der Genossenschaft der bildenden Künstler Anton Lukasch, der bekannte Medailleur Rudolf Marschall, Buchdruckereibesitzer Wassectrülinger, ferner theils einzeln, theils korporativ die Herren Adolf Bauer, Hugo Kühnel, S. Hagen, C. Hämmerle, kaiserl. Saalthürhüter Kramlinger, Alexander; Flaum, Wilhem Bezdek und mehrere Berufsgenossen und Bekannte des Jubilars aus Nah und Fern. Auch an duftigen Blumengrüßen und! werthvollen Geburtstagsgeschenken fehlte es nicht, so namentlich von den Herrn Professor L'Alleinand, Commercialrath Bösendorfer, Director Jurischowitz, Medailleur Marschall :c. Für das leibliche Wohl sorgten! in ausgezeichneter Weise der Director des Hotel Imperial Gustav von Rüling und M. Zerkowitz durch Uebermittelung eines nicht nur ausgiebigen sondern auch - edlen Tropfens. > Wien. Sonntag den 12. d. M. fand das Leichenbegängnis des I Privatiers und Eigenthümers des Tempels, VI., Stumpergasse 42, Herrn! David Marie, unter großer Betheiligung statt. Nebst zahlreichen Trauer-! gasten hat der Tempel- und Schulverein VI. Stumpergasse seinem hin-! geschiedenen Mitglieds ui d seinerzeitigen Vorstande die letzte Ehre er-; wiesen. Die Bahre wurde vor dem geöffneten und electrisch beleuchteten! Tempel ausgestellt, in dessen Vorhalle der Vereins-Rabbiner Herr Dr.; S. Rubin eine formvollendete und ergreifende Trauerrede hielt, welche j dem Vereine einige spsntane Beitrittserklärungen brachte. Den Chor | leitete mit bekannter Meisterschaft der Obercantor vom Tempelvereiiw! im VI. Bezirke Herr S. Dünnmann unter Mithilfe des zweiten Cantors > Herrn Tschutschka. In der Leichenhalle am Friedhose hielt Herr Rabbiner Dr. I. Taglicht einen wirkungsvollen Nachruf.! Wien. Donnerstad, den 16. d. begieng der derzeitige Verwalter > des israel. Altersversorgungshauses, Herr Koditschek, der am 16. Jänner j 1877 in das Bureau der Wiener Cultusgemeindc eingetreten ist, sein j 25-jähriges Dienstjnbiläum. Herr Koditschek, der in bescheidener Stellung I eingetreten ist, gelangte durch seine außerordentliche Tüchtigkeit allmählig! in bedeutungsvolle und verantwortungsreiche Stellungen, in welchen er sich! nicht nur zuJviederholten Malen die Anerkennung hes Vorstandes sondern j auchjdie Werthschätzung und Liebe seiner Collegen im Amte erwarb. Letztere! haben auch dem jubilierenden Collegen zum Ausdruck ihrer Verehrung eine Jubiläumsgabe überreicht. z Wien. In bescheidener Zurückgezogenheit und in engstem Familien- ' kreise feierte jüngst eine in- und außerhalb der Wiener Gemeinde hoch-! geschätzte Persönlichkeit, Herr Commerzienrath Hermann Stiaßny, seinen j 70. Geburtstag. Der Jubilar kann auf eine vielseitige und ersprießliche! öffentliche Wirksamkeit zurückblicken, und sein warmfühlendes jüdisches j Herz hat viele humanitäre Institutionen, unter anderen die Gründung; des Versorgungshauses angeregt. Er ist auch einer der wenigen Juden, - welchen von der Stadt Wien die goldene Salvator-Medaille verliehen wurde. Mögen dem rüstigen Jubilar von der Vorsehung noch viele Jahre ersprießlicher Thätigkeit beschieden sein!! Wien. Eine erhebende und weihevolle Bar-Mizwafeier war es, z die am vorigen Sabbath in der Fugbach-Synagoge bei zahlreicher Be- > theiligung seitens der Verwandten und Bekannten des Herrn Albert! Körner abgehalten wurde. Dessen einziger Sohn Hermann, Schüler j der Realschule, recitirte in besonders ausdrucks- und verständnisvollem j Portrage die Haftorah und die zur Thora Gerufenen widmeten recht 1 beträchtliche Spenden zu wohlthätigen Zwecken. Wohlverdiente Anerkennung fand auch Herr Obercantor M. Seifert mit seiner bei diesem Anlässe gebotenen cantoralen Function. Abends vereinigte ein solennes Bankett im Hotel „Winternitz" die Festtheilnehmer. Der Confirmand hielt eine formvollendete und tiefempfundene Ansprache, und hierauf folgte eine Reihe gelungener Toaste und glänzender Reden, von denen wir die j gemüthsvolle Rede des Herrn ReligionSprofeffors Dr. H. Pollak, die! scharfsinnige mit talmudischen Citaten gewürzte Rede des Herrn Rabbiner Dr. Fink und die Toaste des Bethausvorstehers, Herrn Ad. Schramek, sowie des Herrn Moriz Rosenblatt, Obmann des Leopoldstädter Kranken- Unterstützungsvereines „Nächstenliebe", gebührend hervorheben wollen. Auch die überaus gelungene Rede des Neffen des Festgebers, des Studirenden Leon Körner aus Neutitschein, darf nicht unerwähnt bleiben Besonders feierlich war der Moment vor Abschluss dieseechtjüdischen Festes, als der Senior der .Familie, Herr Emanuel Sar aus Kostel, seinem Großneffen, dem Consirmanden, ermahnende Worte für die kommenden Lebenslage und den Segen ertheilte. Austerkitz. Nach mehreren fruchtlosen Mahlgängen fand endlich die endgiltige Wahl in den Cultusausschuss am 19. Dezember 1901 statt. Gewählt wurden die Herren: Josef Strach, Josef Eisler, Moritz Huß, Jakob Strach, Ignatz Krampflitschek, Siegmund Bachrich, Eduard Koritschan, Heinrich Flesch und Michael Kapert zu Ausschussmitgliedern. Bei der hierauf am 29. December v. I. nach einem vorangegangenen Gottesdienste stattgefundenen Borstandswahl wurde nun der bisherige langjährige und beliebte Cultusvorsteher, Herr Josef Strach, der sich um das Wohl der Gemeinde besondere Verdienste erworben hat, in in diesem Ehrenamte wiedergewcchlt. Zum 1. Beirathe wurdh Herr Josef Eisler, zum 2. Beirathe Herr Moritz Huß, zu Tempelvorstehe'rn die Herren Eduard Koritschan und Siegmund Bachrich gewählt. — Bei dem allgemeinen Niedergang der religiösen Gesinnung, der den Opfersinn tobtet, verdient es heute besonders hervorgehoben zu werden, wenn Jemand eine Spende macht, welche einem gottesdienstlichen Zweck dient. Deshalb müssen wir mit Freuden eine Spende begrüßen, die ein bleibendes Andenken auch für kommende Geschlechter bilden wird und, dem Tempel zur Zierde gereicht. Das Ehepaar David und Cäcilie Schimetjchek, bekannt durch seine wohlihätige und religiöse Gesinnung, hat für den hiesigen Tempel zwei dreiarmige, in reicher Renaissance ausgeführte Wandträger aus Schmiedeisen für große Kerzen mir getriebenen Blättern und Rosetten in reicher Vergoldung gespendet und für Jahrzeitlichte bestimmt. Die Spende, ein wahres Kunstwerk, wurde entworfen und ausgeführt von dem prämirten Kunstschlosser, Herrn Bernhard Jarolim in Austerlitz. Herr Bernhard Jarolim, der in Wien das Schlosserhandwerk erlernte, hat mit dieser kunstvollen Arbeit neuerdings bewiesen, dass auch ein schlichter jüdischer Handwerker kunstsinnig zu sein vermag. Sehr viele Kunstobjecte find bereits aus seiner Werkstätte hervorgegangen; und unzählig sind die Kunstgitter und Thor«, wie überhaupt noch andere Kunstschlosserarbeiten, die von d«e Meisterhand Jaroliins entworfen und in seiner Werkstätte verfertigt, viele Monumentalbauten in Brünn und in anderen Städten schmücken. Sie bieten eine treffliche Widerlegung des Märchens, dass die Juden keinen Sinn für Handwerke und Kunstgewerbe besitzen. — Am 12. d. M. fand die Generalversammlung der hiesigen Chewra Kadischa statt, bei welcher gleichzeitig die Neuwahlen vorgeuommen warden. Zum Präses wurde der langjährige, um die Chewra Kadischa vielfach verdiente bisherige Präses, Herr Josef Eisler, zum Caffier Herr Eduard Koritschan wiedergewählt. Zu Ausschussmitgliedern die Herren Ignatz Krampflitschek, Siegmund Bachrich, Heinrich Flesch, David Tintner, Wilhelm Fürst, wieder-, die Herren Josef Strach und Siegmund Weinstein neugewählt. Hlmütz. Bon der Erkenntnis ausgehend, dass die Würde des Gottesdienstes durch Abstellung der bisher öffentlich kundgemachten Thoraspenden nur gewinnen könne und die Betheiligung an den dieselben ersetzenden subscribirten Spenden weiteren Kreisen zugängig gemacht werden würde, hat der Ausschuss unserer Gemeinde letzteres System ab Rosch haschono 1901 für die hohen israel. Feier¬ und Festtage zur Einführung gebracht und mit dieser Neuerung, dank der bei jedem Anlässe bewährten Intelligenz und Opferwilligkeit unserer Gemeindemitglieder, einen vollen Erfolg erzielt. Es wurden von den subscribirten Spenden per 7883 Kronen nicht nur die hierorts bestehenden Wohlthätigkeits-Anstalten reichlich bedacht, sondern insbesondere auch darauf Rücksicht genommen, dass die Funetionäre unserer Gemeinde von dem subscribirten Betrage eine namhafte Benification erhielten. Diese Neuerung ist umso lobenswerther, als hiedurch die Würde des Cantorenstandes nach jeder Richtung hin gehoben wird. Bezüglich der Mi-Scheberach wurde eine Neuerung dahin geschaffen, dass von nun ab blos einer gesagt wird. Diese Einführung, hat sich während der hohen Feiertage als vortrefflich erwiesen, schon deshalb, weil dem Cantor die Möglichkeit geboten wird, die durch die Abstellung der Mi-Scheberach gewonnene Zeit dem cantoralen und gesanglichen Theile des Gottesdienstewidmen zu können. Hrop»a». Der hiesige jüdisch-litterarische Verein hat beschlossen, Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Kaha» aus Znaim zur Abhaltung eine- Vortrages einzuladen.