Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 3 (17.1.1902)
- Date
- 1902-01-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Die lvahrheu. Seite &. machte, hier Anwendung gefunden hat. Dies zu erreichen, ward nur ermöglicht durch die Mumficenz der Stifter, anderseits durch das harmonische Zusammenwirken der im Baucomit« wirkenden ärztlichen Capacitäteu mit dem Architekten Baurath Stiaßny, der sein reiches Können und Wissen, sowie seine Erfahrungen in den Dieust dieser Sache gestellt und bereits vor dreißig Jahren den Bau des alten Spitales ausgeführt habe. Alt ist auch bei dieser modernen Schöpfung die bewährte, ausgezeichnete Kraft des leitenden Arztes Professors Oser, der die Anstalt seit ihrem Bestände in mnstergiltiger Weise leitet. Mögen auch die Traditionen der Pietät und Menschenliebe aufrecht bleiben, welche in der Familie Rothschild immer hochgehalten weiden." Damit übergab Dr. Löw namens des Baucomites das Hans an den Bauherrn Freiherrn Albert von Rothschild. Freiherr Albert v. Rothschild ergriff hierauf das Wort, indem er erklärte, dass die in den letzten Jahren immer mehr zu Tage getretene Nothwendigkeit der Errichtung einer chirurgischeil und gynäkologischen Abtheilung am israelitischen Spital ihm und seinen Brüdern die selbstverständliche Pflicht der Pietät aufcrlegt habe, durch Angliederung des neuen Pavillons das von ihrem seligen Vater begonnene Werk zn vollenden. Hierauf sprach er dem Baucomilä, insbesondere dessen Obmann für seine aufopfernde Thätigkeit, dann dem Architecten Baurath Stiaßny und dem Spitaldirector Professor Oser den wärmsten Dank aus und übergab das Gebäude im eigenen Namen, sowie im Namen seines Bruders Nathaniel in das Eigeiithum der CultuSgemeinde, indem'er zum Schluffe der Hoffnung Ausdruck lieh, dass der gleiche Geist wie bisher in dem Hause auch fernerhin walten und dass hier Wissenschaft und Humanität Hand in Hand gehen mögen zum Wohle Jener, denen diese Aiistalt gewidmet ist. Beide Ansprachen wurden von der Versammlung mit langanhalteudem Beifalle ausgenommen. Se. ExcellenzStatthalter Graf Kielmansegg sprach dann seine Freude darüber aus, dass in Wien, wo noch viel zu wenig öffentliche Spitäler vorhanden seien, durch private Wohlthätigkeit wieder ein neues, und nach den ihm gemachten Mitlheilungen zu schließen, ein mustergiltiges Spital errichtet wurde. Er erinnerte daran, dass Freiherr Albert v. Rothschild schon vor mehreren Jahren zur Erinnerung an seine unvergeßliche Gemaliu, Baronin Bettina v. Rothschild, den „Bettina Pavillon" gestiftet habe, bei welchem Anlasse er dem Stifter die dankbare Anerkennung für seine großmüthige Förderung des allgemeinen Spitalswesens bereits ausgesprochen habe, und dieses neue Haus sei somit eine zweite Stiftung des hochherzigen Freiherrn. Gewiss werde er, wie der Obmann des Baucomites bemerkte, dasselbe mit kritischen! Blicke prüfen, doch noch vor der Besichtigung desselben finde er eine Gewähr für die zweckentsprechende Durchführung des Gebäudes in der Person des Architecten Baurathes Stiaßny, den er von seinem Wirken im öffentlichem Leben und von seiner Thätigkeit auf humanitärem Gebiete genau keime und schätze. Ebenso sei die Leitung dieses Spitals verbürgt durch die Persönlichkeit des Directors jProftssor Dr. Oser, dessen hervorragende Thätigkeit im Landes-Sanitätsrathe ihm seit vielen Jahren bekannt sei. Die Worte Sr. Execllenz des Statthalters wurden wiederholt durch lauten Beifall unterbrochen und am Schluffe stürmisch acclamirt. Der Präsident der Cultusgemeinde kais. Rath Kling er wendete sich nun in einer warm gehaltenen, beisälligst ausgenommenen Ansprache zunächst an den Freiherrn Albert von Rothschild, indem er betonte, dass dieser Erweiterungsbau, welchen die Barone Rothschild heute der Gemeinde übergeben und für dessen Errichtung und Ausstattung dieselben die Mittel in munificenter Weise zur Verfügung gestellt haben, ein von hervorragenden Fachmännern geschaffenes Meisterwerk in der Conception und in hygienischer Hinsicht darstelle. Wenn es auch deui Redner aus seiner Amtsführung bekannt sei, dass Baron Rothschild Dankbezeugungen nicht liebe, so erscheine es doch für den Präsidenten der Cultusgemeinde als eine Pflicht, Baron Rothschild zu bitten, für sich und seinen Bruder Nathaniel Freiherrn v. Rothschild den herzinnigen Dank des Vorstandes, der Gemeinde und der leidenden Menschheit entgegenzunehmen. „Wir" — so fuhr Redner fort — „die Vertreter und Vorsteher der Wiener israelitischen Cultusgeineinde, geloben in Erneuerung der bereits früher abgegebenen Erklärung hiemit für uns und unsere Nachfolger im Amte, diese dem Wohle der Menschheit gewidmete Anstalt in ihrer nunmehrigen Ausgestaltung nach den Intentionen der Stifter zu führen und derselben unsere Fürsorge zuzuwenden, getreu den Vorschriften des Gesetzes, getreu den Traditionen unseres Glaubens. Und so sei für dieses Haus der Wohlthätigkeit der Schutz und der Segen des Allmächtigen erfleht Kaiser!. Rath Klinger wandte sich hierauf an den Statthalter und bemerkte in seiner Rede weiters: „Des Wohlwollens der Vorgesetzten k. k. Behörden für die humanitären Stiftungen und Institutionen der Cultusgemeinde, welchen sie ja zu allen Zeilen die wärmste Förderung zutheil werden ließen, glauben wir auch nach wie vor versichert sein zu dürfen, und angesichts der auch für die Folge gesicherten, bewährten ärztlichen Leitung dieser Heilanstalt, glauben wir somit beruhigt in die Zukunft blicken zu können. Dieses Haus, ein Wahrzeichen der Erfüllung wahrer Menschenliebe, verdankt seine. Erweiterung auch dem von unserem erhabenen Monarchen aus Anlass Seines Jubiläums ausgesprochenen unvergesslichen Wunsche, den glorreichen Gedenktag durch Werke der Mildthätigkeit gefeiert zu sehen, welchen edlen Intentionen die Stifter - nach mehrfachen Richtungen entsprochen haben." Zum Schluffe brachte der Präsident ein dreifaches Hoch aus Se. Majestät den Kaiser aus, in welches die Versammlung begeistert einstimmte. Iwu folgte in mehreren Gruppen unter Führung des Directors Profeffor Dr. Oser, des Primarius Dr. Fleijchmann, des Primarius Dr. Zuckerkand!, des Architekten Baurath Stiaßny und des Spitalarztes Dr. Pfeffer die Besichtigung des Gebäudes, wobei die praktische Eintheilung der Räume, deren Dimensionen, das verwendete Baumaterial und die innere Einrichtung allgemeinen Beifall fanden. Die großen, lichten und luftigen Krankensäle im ersten und zweiten Stock, deren jeder in einer angebauten Glasveranda einen in jeder Jahreszeit für die Patienten gleich erquickenden Tagraum hat; die herrlichen, mit allen Behelfen moderner Technik ausgestatteten Operationssäle im dritten Stocke; die überaus praktisch eingerichtete Centralkücke im Souterrain, sowie die daselbst befindlichen Desinfections- und Sterilisarionskauunern; die bei jedem kleinsten Detail erkennbare Fürsorge des genialen Architekten und seiner ärztlichen Berather in räumlicher und > hygienischer Beziehung; kurz Alles in Allem fand bewundern-! des Staunen der Laien und lobende Anerkennung der Fachleute, und allgemein gelangte die Ueberzeugung zum Ausdruck, dass dieses Haus der Barmherzigkeit seines Gleichen kaum findet. _ Prager Berichte (Professor Philippson im jüd. Centralverein — Aus dem jüd. Frauen- Verein. — Toynbeehalle.) Es wird wieder etwas lebendiger in unserer Gemeinde, und in letzter Zeit zeigen sich neuerdings Spuren von dem! altberühmten Prager jüdischen Leben. Durch verschieden.- j Anlässe wird die Vereinsbildung mächtig angeregt und auch die > alten Vereine werden dadurch zu eifrigerer Thätigkeit veranlasst. Einen genußreichen Abend gab es jüngst im „Centralverei>. jüdischer Angelegenheiten", woselbst Montag, den 6. Jännkr der berühmte Berliner Historiker und Universitätsprofessor Dr. Martin Phlippfon über das Thema: „Das Judenlhum und die übrigen Culturreügioneu" sprach.