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Die Wahrheit · 1902-01-10 · Heft 2 (10.1.1902) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 2 (10.1.1902)
Date
1902-01-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2 Die Wahrheu. Seite 7. I. C o m m i s s i o n f ü r C u l t u s- und rituelle Angelegenheiten: Dr. Alfred Berger, Hermann Eltbogen, Max Fleischer, David Ritter v. Gutmann, Emanuel Hoffman«, Dr. Gustav Kohn, Arthur Edler v. Mises, Salomon Rosner, Dr. Markus Spitzer, Dr. Maximilian Steiner, Gottlieb Taussig. II. Commission für Unterrichts-Angelegenheiten: Rudolf Anspitz, Dr. Alfred Berger, Isidor Gewitsch, Dr. Josef Grünseld, Emanuel Hoffmann, Dr. Gustav Kohn, Wilhelm Pvllak, David Simon, Dr. Markus Spitzer, Dr. Maximilian Steiner. III. C o mMission für Be erd i gu u q s - n nd Friedhofs angele gen Herten: Theodor Ritter von Goldschmidt, Dr. Josef Grünfeld, Moriz Hirsch. Hermann Eltbogen, Arthur Edler von Mises, Wilhelm Pollak, Dr. Benjamin Rappaport. Salomon Rosner, Wilhelm Stiaßny. Sigmund Taussig, Jonas Weil. IV. S p i t a ls c o m m i s s i o n: Dr. Josef Breuer, Lalo Cohn, Theodor Ritter v. Goldschmidt, Dr. Josef Griusseld, Moritz Hirsch, Emanuel Hoffmann, Emil Horner, Wilhelm Kuffner, Dr. Arthur Kuranda, Wilhelm Stiaßny, Theodor Ritter v. Taussig. V. C o m m i s si o n fü r die B er so r g u n g s a uft a lt: Rudolf Anspitz, Dr. Josef Breuer. Salo Cohn, Theodor Ritter von Goldschmidt, Tr. Josef Grünseld, Emil Horner, Moritz Edler v. Kuffner, Arthur Edler von Mises, Dr. Benjamin Rappaport, Wilhelm Stiaßny, Sigmund Taussig. Bei der folgenden Wahl der Specialcomitos und der Stlftnngscnratoren wird fast durchwegs der bisherige Status aufrecht erhalten und hierauf die öffentliche Sitzung vom Vorsitzenden geschlossen. Vertrauliche Sitzung. In der vertraulichen Sitzung gelangten mehrere IBethaus- Augelegenheiten zur Berathung und Beschlussfassung. Dem Tempelvereine für den VIII. Bezirk (Referent kais. Rath H i r s ch) wird zu der pro 1901 budgetirt gewesenen und bereits ausbezahlten Subvention in Würdigung der vorgebrachten Motive eine außerordentliche Beisteuer von K. 500 gewährt, dem Bethhausvereine „Chassidim" pro 1901 anlässlich seiner llebersiedlung in ein anderes Locale ein außerordentlicher Beitrag von K. 600, weiters werden Nachtragscredite im Gesammtbetrage von K. 700 für Filialbethäuser der Cultusgemeiude bewilligt, welche anlässlich der hohen Feiertage des abgelanfenen Jahres für Arme errichtet wurden. Das Ansuchen eine» Krankenvereines im II. Bezirke um Bewilligung zur Errichtung eines ständigen Bethauses wird mit Rücksicht auf die bestehende nahe Nachbarschaft von Bethäusern des gleichen Ritus über Antrag der Commission für Cultusnud rituelle Angelegenheiten abgelehnt. Nach Erledigung von Steuerangelegenheiteu wird die Sitzung geschlossen. '__ Neisebriefe aus Holland. Von Jan van Düren. V. Das niederländisch-israelitische Rabbiner Seminar ist in einem eigenem Gebäude der Ragenbnrgerstraat in unmittelbarer Nachbarschaft der Oberrabbiners-Wohnung untergebrachl. Es ist ein ungemein einfaches althoUändifches Haus. Im Hochparterre sind Berathungssaal (Bergaaderings - Kaamer) und Rectoratszimmer, sowie einige Hörsale, in den oberen Stockwerken die übrigen Lehrzimmer und die Bibliothek. Letztere ist nicht besonders groß. Sie findet ihre Ergänzung in den gewaltigen Büchereien des prächtigen, in unmittelbarer Nähe befindlichen Beth-Hamidrasch und'der „Rosenthaliana", die der Universitäts-Bibliothek einverleibt ist, ganz ähnlich und von ebenso hohem Werte wie die »Bodleiana" in Oxford. Beide verdanken ihren Ursprung jüdischen Gelehrten und Mäcenen. ~ Ernst und würdevoll sind die Räume des Seminars. Musterhafte Sauberkeit herrscht allenthalben. In diesem gesunden Leibe wohnt eine gesunde Seele. Ein achtclassiges Gymnasium ist mit der Anstalt verbunden. An diesen lehren auch nichtjüdische Docenten. Höchster Wert wird aus die claffischen Sprachen gelegt. Der weitaus größere Theil der Zeit wird für die Hauptsache, die Ausbildung zum zukünftigen Religionslehrer oder Rabbiner, verlvendet. Denn auch eine Religionslehrerschule ist mit der Anstalt verbunden. Sie bildet Lehrer niederen, mittleren und höchsten Ranges heran. Nach abgelegter Reifeprüfung, zu welcher Zeit die Jünglinge schon bedeutende Kennlniße im Hebräischen, Talmud, Midrasch. Ritnalcodices. Jüdische Geschichte, Litteratnr answeisen, beziehen sie die Ausbildungs-Abtheilungen und die Universität. Nach bestimmten Zeiträumen müssen die verschiedenen Examina abgelegt werden. Alle Stufen sind allmähtig zu erklimmen. Wer zum Maggid-Examen zugelassen sein will, muß das Diplom des Religionslehrers höchsten Grades bereits erworben haben. Ohne diese Maggid- (Prediger) Prüfung ist die Moreh-Prüiung nicht möglich. Diese nun bildet den Abschluss des Studiums. Sie ist so schwierig, dass der Verfasser der Studien- und Prüfungs-Ordnung im Vereine mit hervorragenden Rabbinern scholl einigemale an eine Erleichterung der Rigorosen-Ordnung denken musste. :— Dazu kommt noch, dass Niemand zum Moreh-Rigorosnm zugelassen wird, der nicht die venia docendi der claffischen Sprachen für Gymnasien durch Staatsprüfung erlangt hat! In der Thal, zu viel des Guten. Welche Summe voll Bildung sammeln aber die zukünftigen Rabbinen! Sie kommen allerdings selten vor dem dreißigsten Jahre an das ersehnte Ziel, wie man uns erzählte. Diejenigell aber, die lvir kennen lernten, waren Muster von Wissen, Bildung, Frömmigkeit und Charakter. Unerbittliche Strenge und Disciplin herrschen in der Anstalt. Schwer geahndet wird die geringste sittlich-religiöse Entgleisung. reichlich belohnt Fleiß, Tugend nild Würdigkeit. Alljährlich finden die Examina unter Vorsitz des Oberrabbiner-Rectors statt. Die Examinatoren sind nicht die Professoren des Seminars, sondern Oberrabbiner des Landes, welche zu diesem Zwecke für einige Wochen nach Amsterdam berufen werden. Ein Conreclor, jetzt Herr Monasch, ein verdienstvoller Historiker, steht dem Rector zur Seite. Vorhin ward des Beth-Hamidrasch gedacht. Wir begeben uns dorthin zu früher Morgenstunde. Dort, so erzählte uns her Rabbinatsschreiber, würden wir das ganze Rabdinat im „Lernzimmer für die Rabbinen" versammelt finden. — Ein schöner, moderner Bau, mit eiilem flachen Dache. Der Erbauer wollte, dass das biblische Gebot des „Dachzannes" erfüllt werde. Schüchtern betraten wir das modern eingerichtete Haus. Ueberall viel Luit und Licht. Wir kommen, geleitet vom Diener, in den Saal. — Die Rabbinen waren versammelt; eben nehmen sie Platz, al» der Spitze des grünen Tisches der Oberrabbiner. So kommen sie täglich zum „Lernen" zusammen. Der Saal ist gediegen eingerichtet. Die hohen Wände zieren nebst einigen wenigen Bildern jüdischer Geisteshelden Bücher, Bücher, Bücher. — Der Sitz des Oberrabbiners ist etwas erhöht; ein großer, schöner Lehnstuhl. — Einige Stühle für fremde Gäste sind immer bereit. Nur Wenigelt wiedersährt die Ehre zugelassen zu werden. — Große Folianten liegen vor den Gelehrten; lvir bemerkten durchwegs vorzügliche, schöne Talmud-Ausgaben; der „Schammes" steht bereit neben dem Bücherauszug und Sprachrohr, die hinausführen in die ausgedehnten Bibliotheksräume. — Der Bortrag beginnt, nachdem wir allen kurz vorgestellt lvnrden. Wundersame Rllhe herrscht; kein Schreien, keilt Singen, kein Händewinken. Es wird Stück um Stück interpretirr, analysirt und — kritisiert; wir hören nur Claffiker eitleren und sind erstaunt, unaushörlich de» „Talmud Jeruschalmi" herangezogen zu sehen. Die behandelte Materie wird quellenmäßig gesichtet. Die Gelehrten äußern ihre Meinungen; man steht, sie beherrschen das Riesengebiet. — Halachisch-rituelle oder wissenschaftliche Dis- Luffiouell werden von dem Borsitzenden oft mit eitlem kurzen Hinweis auf eine entlegene Talmud- oder Mlschnahquelle entschieden. Ebenso tiefgründig werden die Ritualcodices gelernt.

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