Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 2 (10.1.1902)
- Date
- 1902-01-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 2 wähl ückpste. Die Mahnung an die Nothwendigkeit eines Tempels Lm I. Bezirke kann nicht oft genug wiederholt und muß vou höheren ethischen Gesichtspunkten, nicht nur vom finauzielleu beurtheilt werden. Dass ein dem großen Geschäfts» umfange der Cultusgemeinde entsprechendes Administrationsgcbäude gleichfalls überaus noth thut, wird Jedermann klar, der Gelegenheit hat zu beobachten, wie man sich in den jetzigen, vielfach winkligen und mangelhaft beleuchteten Räumen im Verkehre Mischen Beamten und Parteien geradezu gegenseitig anstoßt, und wie durch die Beschränkheit des Raumes und die durch diesewe bedingte Unmöglichkeit, correspondirende Abtheilungen möglichst nahe zu rücken, die Arbeit in den Bureaus erschwert und verzögert wird. Im Nachstehenden der Sitzungsbericht. Speudeneinlauf. Aus den Einläufen werden zur Kenntnis gebracht, an Spenden: „Anonymus" für die Chewra Kadiscka 100 K., für das Altersversorgungshaus 50 K., für das Siechenhaus 50 K., für den Waisenverein 50 K., für die Armenanstalt 50 K., für den israel. Frauen-Wohlthätigkeitsverein 50 K., für das Taubstummen-Justitut 50 K., für das Blinden-Jnstitut 50 K., für den Verein zur ^Errichtung von Volksküchen nach jüdischem Ritus 50 K., für die israel. Kinder-Vewahranstalt 50 K., für den Theresien-Kreuzer-Verein 50 K.; Oberrabbiner Doctor Moritz Güdemaun, zur Errichtung einer neuen Mikwah 200 K.; zur Ausspeisung armer israel. Schulkinder in der Brigittenau von Alois Lembcrger 100 K.. S. M. 50 K., Jenny Koritschoner 10 K., H. S. 5 K., Sammelspende des Dr. Alfred Berger K. 326 45. Wräsidiatöerrcht. Nach Verlesung des Speuden-Einlaufcs gibt der Präsident, kaiserl. Rath H. Klinge r, folgende Erklärung ab: Die geehrten Herren, welche der letzten Plenarsitzung beiwohnten, erinnern sich, dass ich geglaubt habe, im Hinblicke auf meine nicht zum besten bestellte Gesundheit nunmehr, nach I6jähriger Wirksamkeit, aus dem Vorstande scheiden zu sollen. Jedoch der warme Appell an mein Pflichtgefühl, welches in dieser Sitzung von zwei hervorragenden Mitgliedern unter Ihrer Zustimmung an mich gerichtet wurde, sowie auch die mittlerweile aus Wählerkreisen und von Vereinen an mich gelangten Vertrauenskundgebungen veranlassen mich, soweit meine Kraft reicht, im Amte weiter auszuharren/' Zum Schluffe seiner von lebhaftem Beifalle begleiteten Ausführungen gibt der Präsident dem Wunsche und der Ueberzeugung Ausdruck, dass ihm der Cultusvorstand nach wie vor bei der Führung der Geschäfte seine Unterstützung und Nachsicht zutheil lassen werde. Hierauf theilt der Vorsitzende uiit, dass nächsten Sonntag in einer intimen Feier die Uebergabe des durch die Munificenz der Herren Barone Rothschild im israel. Spitale für chirurgische und gynäkologische Erkrankungen errichteten Pavillons an den Cultusvorstand erfolgt. Mit Rücksicht auf die Intimität der Feier har das Bau-Comite die Einladungen nur auf den Vorstand und die Functionäre beschränkt. Der Präsident lässt sodann ein an den Vorstand gelangtes Schreiben der israel. Armenanftalt zur Verlesung bringen, des Inhaltes, dass Herr k. k. Bamath Theodor Ritter v. Goldschmidt zum Vicepräsidenten der Armenanstalt gewählt wurde und Herr P a p p e n h e i m zur Wahl in die Leitung dieser Körperschaft vorgeschlagen werde. In Genehmigung dieses Vorschlages wird hierauf Herr Wilhelm Pappenheim per Acclamation einhellig in den Vorstand der Armenanstalt gewählt. Wicht -er Wicepräfideute». Der wichtigste Punkt der Tagesordnung, Consiituirung des Vorstandes, wird hierauf im Sinne des. § 20 des Statutes mit derWahl des I. Vicepräsidenten eingeleitet. Von 28 ab-. gegebenen Stimmen erscheint der bisherige I. VicepräsideNt, Herr Dr. Alfred Stern, mit 26 Stimmen gewählt. Dr. Alfred Stern: „Ich danke vielmals für das mir wiederholt bewiesene Vertrauen. Ich nehme die heutige Wahl mit größtem Danke an und werde wie bisher an der Seite unseres verehrten Präsidenten meines Amtes walten. Mit Rücksicht auf die in voriger Sitzung abgegebene Erklärung des Herrn Präsidenten, dass er einen größeren Urlaub anzutreten gesonnen sei, steht mir heuer eine erhöhte Thätigkeit in der Leitung der Geschäfte an erster Stelle bevor und ich werde mich hierbei selbstverständlich strenge an die von Ihnen beschloffene neue Geschäfts-Ordnung halten. In ihrem wesentlichen Theile, betreffs der Ueberweisung aller Llngelegenheiten zur Vorberathung an das Vertretercollegium, entspricht sie einem Gedanken, den ich Jahre lang im Vorstande durchzusetzen, vergebens bemüht war, und der nun in der neuen Geschäftsordnung zum Ausdruck gelangt ist. Wenn ich die Thätigkeit des Präsidiums, respective des Vorstandes im abgelaufenen Jahre charakterisiren soll, so war dieselbe vornehmlich den Wohlthätigkeits-Actionen gewidmet; auch in der heutigen Sitzung haben wir von einer neuen großartigen Institution gehört, die durch die Munificenz eines hervorragenden Mitgliedes der Gemeinde ins Leben gerufen wurde. Ich denke, dass wir nunmehr bestrebt sein sollen, jener Hauptaufgabe der Cultusgemeinde unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden, die in der Pflege und im Ausbau ihrer Institutionen in cultueller Beziehung besteht. Von der Nothwendigkeit d:r Wohlthätigkeits-Actionen überzeugt, möchte ich dennoch betonen, dass die Cultusgemeinde kein Wohlthätigkeitsverein ist. Wir müssen das religiöse Erbe, das wir seit Jahrtausenden von unseren Vorfahren überkommen haben, unseren Nachkommen ungeschmälert übertragen. Unter allen Bezirken Wiens leidet der I. Bezirk am meisten Noth an einem Tempel, der zugleich ein Repräsentationstempel der Wiener Cultusgemeinde sein sollte. Jede öffentliche Körperschaft findet einen äußerlichen Ausdruck: Die politische Gemeinde im R a t h h a u s, die Cultusgemeinde im Gotteshaus. Und auch darum ist es Zeit, dass die erste jüdische Gemeinde Mitteleuropas endlich einmal einen ihrer würdigen Tempel besitze. Dafür Sorge zu tragen, möge im beginnenden Jayre eine der Hauptaufgaben des Vorstandes sein. Meine Herren, ich danke nochmals für meine Wahl." (Beifall.) Bei der hierauf folgenden Wahl des II. Vicepräsidenten werden 29 Stimmen abgegeben und erscheint der bisherige II. Vicepräsident Dr. Gustav Kohn mit 26 Stimmen wiedergewählt. Dr. Gustav Kohn: „Es sei mir gestattet, in kurzen Worten für die mir erwiesene Ehrung zu danken. Als ich im Vorjahre gewählt wurde, glaubte ich der Ueberzeuguug Ausdruck geben zu müssen, dass ich die Wahl weniger meiner Thätigkeit als der Aufrechthaltung der Continuität im Vorstande zu verdanken habe. Heute haben Sie mich nun fast einhellig wiedergewählt. Für diese neuerliche Vertrauenskundgebung sage ich hiemit herzlichen Dank; den Einen für die Eriheilung, den Anderen für die Erneuerung derselben. Ein Programm heute zu entwickeln, erscheint mir nicht notwendig, also nochmals Dank." (Beifall.) Wahl des Wertreter-ßollegiums und der Kommissionen. Präsident, kais. Rath H. K l i n g e r, gibt seiner Befriedigung über die Wahl der beiden Vicepräsidenten Ausdruck, und hierauf werden im folgenden Wahlgange die bisherigen Vertreter neuerdings ins Vertretercollegium gewählt.! und zwar : Theodor Ritter von Goldschmidt (25 Stimmen),! kais. Rath Moriz Hirsch (29 St.), Dr. Felix Katzau (26 St.), Arthur Edler v. Mises (28 St.), Dr. Benjamin Rappaport (25 St.) Dr. Maximilian Steiner (27 St.), Wilhelm Siiaßny (27 St.), Theodor Ritter v. Taussig (29 St.) : Die Wahl der ständigen Commissionen ergab folgendes Resultat: : . .... ‘ \ •4- ♦ Jl