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Die Wahrheit · 1902-01-03 · Heft 1 (3.1.1902) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 1 (3.1.1902)
Date
1902-01-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Nr. 1. Allgemeine Canloren-Ieitung. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 22. Iahrg. &0F* Are geehrten Kerren Kantoren des Znnud Auslandes werden ersucht, den Aöonnements- Setrag für das neue Auartal und die Aückstände vom vorigen Jahre umgehend einsenden zu wollen. Zur Organisation. An meine vaterländischen Bernssgenossen! Ein schöner Gedanke, ein gutes Werk sanden immer ihre Vorkämpfer, die sich uneigennützig mit voller Hingebung der S che widmeten. Ihr anregendes Beispiel rvarb ihnen bald eine Gefolgschaft, die überzeugt von dem Werth und der Bedeutung der vertretenen Idee zu deren Verwirklichung mit allen ihren Kräften beitrug. — In dieser Zuversicht wende ich mich an Euch, meine lieben Berufsgenofsen. Wer von Euch dürfte nicht schon davon gehört oder gelesen haben, welche Aufgabe sich, das Wohl unserer Gemeinschaft im Auge, unsere verehrten Wiener Amtsbrüder gestellt haben! Erkennt Ihr die Tragweite dieser Bestrebungen und die große Wohlthat, die aus ihren eventuellen Erfolgen jedem Einzelnen von uns — und stehe er in noch so günstigen Verhältuißen da — erwächst? Ich muß leider befürchten, dafs dies nicht der Fall ist; denn sonst Härten jene idealen Kundgebungen unserer österreichischen Eollegen irgend ein Echo in Euren Herzen wecken müssen und mein bereits vor mehreren Jahren iu diesem Blatte an Euch gerichteter Aufruf hätte nicht so völlig ungehört verhallen können. Ich dürfte wohl schon entmuthigt sein, allein im Interesse des Standes will ich doch nicht die Flinte ins Korn werfen und Euch nochmals auffordern, Euch jenen Bestrebungen anznschließen, die darauf Hinzielen, die Wohlfahrt jedes Einzelnen von uns zu sichern und zu festigen. Es ist also Arbeit für Euch selbst, zu der ich Euch rufe. Persönliche Zusammenkunft und genaue Besprechung der Angelegenheit wäre sehr wüttschenswerth und nützlich; da es aber nicht leicht möglich ist, zu diesem Zwecke sämmtliche Berufsgenosfeu zu versammeln, so müssen wir uns vorläufig mit dem schriftlichen Austausch unserer Ansichten begnügen.*) Ueber die Wege, die wir zu gehen haben, werden wir uns einigen. Vor Allem gilt es das Eine: „Tretet Alle dem zu gründenden Cantorenbunde bei!!! Adolf Lazarus. Budapest, 1. Jänner 1902, -i- * In Ergänzung eines früheren Berichtes sei constatirt, dass Herr Qbercantor Weiß in Budweis seinerzeit am Cantorentage als Vertrauensmann für den Budweiser Kreis gewählt wurde. Protocoü der Cautoren-Versammluug zu Elberfeld. Am 22. December v. I. fand in Elberfeld die zwecks Gründung eines rheinisch-westfälischen Cantoren-Verbandes vom provisorischen Comite, bestehend aus den Herren: Blument h a l-Kölu, G u m p e l-Dortmund und Zivi-Elberfeld einberufene Versammlung statt. Dieselbe wurde nachmittags halb 4 Uhr von Herrn Z i v i als Vorsitzendem eröffnet. Deselbe richtete zunächst herzliche Begrüßuugsworte au^die Erschienenen und verlas als dann mehrere Beitrittserklärungen und Zustimmungsadressen. Unter letzteren sanden besonders diejenigen der Wiener Obercantoren Singer und Bauer sowie der ersten Cantoreu Schiller Und *) Eine persönliche Auseinandersetzung entweder in Budapest oder in einer anderen großen Gemeinde Ungarns wäre das Zweckdienlichste. Anmerkung des Vorstandes des „Oesterr.-ungar. Cantorenvereines". Blatt, wie auch des Redacteurs der „Allgemeinen Cantoren- Zeitung", des Herrn Dr. L ö w Y-Wien, freudige Aufnahme. Alsdann wies Herr Zivi in einem ausführlichen Referate nach, dass es sowohl im Interesse des gesammten Cantorenstandes. als auch in demjenigen der Gemeinden liege, wenn für eine bessere Ausbildung der Cantoren Sorge getragen würde. In erster Linie falle den Seminarien die Aufgabe zu, durch geeignete Lehrkräfte den Schülern auch im Cantorate einen gründlichen Unterricht angedeihen zu lassen. Schon die neu anfzunehmenden Zöglinge dieser Anstalten müssten bezüglich ihrer ' Fähigkeit als zukünftige Cantoren gewissenhaft geprüft werden; besonderer Werth sei aber daraus zu legen, dass bei der Entlassung derselben aus dem Seminar durch ein zu bestehendes Examen auch im Cantorate hinreichende Kenntniße nachgelviesen werden. Der Unterricht in diesem Fache müsse zur gleichberechtigten Disciplin aller jüdischen Lehrerbildungs-Anstalten werden; außerdem sei die Errichtung von Fachschulen ins Auge zu fassen. Dem Cantoren-Verbande falle alsdann die Aufgabe zu, aus regelmäßigen Conferenzen durch Vorträge und Besprechungen einschlägiger Fragen das Erlernte zu befestigen und neue Anregungen zum Weiterstudium zu geben. Nur so könne das Cantorat, das vielfach noch das Stiefkind der Gemeinden sei, zu der ihm gebührenden Würdigung gelangen. Außer diesem idealen Zwecke verfolge der Verband aber auch materielle Interessen. So habe sich derselbe die Ausgabe zu stellen, die Pensions- und Neliclen-Versorgungsverhältniße einer Regelung entgegen zu führen und die Errichtung von Schiedsgerichten zwecks Beilegung etwaiger Differenzen zwischen Gemeinde und Cantor anzustreben. Schließlich nahm der Referent noch Veranlaffimg, die in Wien erscheinende „Allgemeine Cantorenzeitung" als eigentliches Fachblatt zu empfehlen. Den klaren und wirklich zeitgemäßen Aussührungen des Herrn Zivi wurde lebhafter Beifall gespendet. In der daraus folgenden Debatte wurde angesichts der! vielen Anfeindungen zunächst die Cardinalfrage gestellt: Soll > der Canloren-Verband gegründet werden oder nicht? — Herr! Lilie nthal- Düsseldorf hält die Gründung desselben für eine unbestreitbare Nothwendigkeit. Herr Wetzstein- Elberfeld ist anderer Meinung. Er vertritt den Standpunkt, dass es nicht erst der Gründung eines besonderen Vereines bedürfe, um die hier ausgesprochenen Ziele anzustreben; dies könne auch in dem schon bestehenden Vereine israel. Lehrer Rheinlands und Westfalens geschehen. Herr Wetzstein verlas hierauf den entsprechenden Passus aus einem Briefe des Hanptlehrers G r a f- Effen, des Vorsitzenden des genannten Vereines, in welchem sich derselbe entschieden gegen die Gründung eines Cantoren-Verbandes ansspricht, sich aber gerne bereit erklärt, die Bestrebungen der Cantoren im Lehrerverein mit aller.Kraft zu unterstützen. Herr Stern-Hörde beantragt daraufhin, einstweilen von der Gründung des Verbaitdes Abstand zu nehmen, um zu sehen, was bei dem Lehrerverein zu erreichen sei. Herr Blume nthal-Köln stellt hierzu den Unterantrag, die Forderungen der Versammlung zu präcisiren und dem Lehrervereine durch den Vorsitzenden desselben zur Annahme zu unterbreiten. Erst wenn genannter Verein die Bestrebungen der Cantoren-Versammlung in ihrem vollen Umfange zu den seinigen gemacht habe, könne von der Gründung eines besonderen Cantoren-Verbandes abgesehen werden. Herr Rabbiner Dr. Auerbach, welcher der Versammlung als Gast beiwohnte und den Verhandlungen mit lebhaftem Interesse folgte, griff wiederholt in die Debatte ein und empfahl den Antrag Stern-Blumenthal zur An- ' nähme. Nachdem auch der Vorsitzende unter vollständiger Wahrung seines bisherigen Standpunktes' in Anbetracht der obwaltenden

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