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Die Wahrheit · 1902-01-03 · Heft 1 (3.1.1902) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 1 (3.1.1902)
Date
1902-01-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1. Die Wahrheit. Seite 11 Verhältniße für den Antrag gesprochen hatte, gelangte derselbe einstimmig zur Annahme. — Die präcisirten Forderungen, welche die Versammlung an den Verein israel. Lehrer in Rheinland und Westfalen stellte, lauten: Es ist dahin zu streben: 1. Den Cantorenstand auf ein höheres Niveau zu stellen, indem fortan nur noch derjenige als Cantor angestellt werden soll, welcher in der Lage ist, seine cantoralen Fachkenntniße sowie seine allgemeine Bildung durch ein vom Staate anerkanntes Zeugnis uachzuweisen. Zur Erreichung dieses Zieles soll die Errichtung von Canloreuschulen entweder im Anschluss an die bestehenden Lehrerseminarien oder als selbständige Institute ins Auge gefasst werden. Zur Fortbildung sollen ferner regelmäßige Conferenzen stattfinden, auf welchen alle Gebiete des Eantorates eingehende Behandlung zu erfahren haben; 2. die Anstellungs-, Pensions- und Relicten^Versorgnngsverhältniße einer Regelung entgegen zu führen; 3. bei etwaigen Differenzen zwischrn Gemeinde und Cantor vei söhnend einzuwirken, eventuell ungerechtfertigten Maßnahmen wirksam entgegen zu treten. Behufs dessen soll ein ständiges Schiedsgericht errichtet werden, welches aus Vertretern der Gemeinden und des Cantoren'tandes zu bestehen hat; 4. jeder in einer der beiden Provinzen angestellte Cantor mnss Mitglied des Vereines isr. Lehrer in Rheinland und Westphalen werden können. Um diesen Forderungen bei genanntem Vereine nach Möglichkeit Geltung zu verschaffen, wurde eine ständige Commission gewählt ans den Herren: Z i v i-Elberseld, B l u m e nth al-Köln und Gu mp el-Dortmunv besteht. Nach vierstündiger Debatte war die Tagesordnung hiermit erledigt. Mit einem herzlichen Danke an alle Anwesend,en insbesoilders aber an Herrn Rabbiner Dr. Auerbach für das bewiesene Interesse und die rege Mitarbeit schloss der Vorsitzende die Versammlung. Dortmund, den 25. December 1901. S. G u m p e l. Spenden-Änswei«. Zufolge des in vorletzter Nummer unseres Blettes veröffentlichten Ausrufes sind für den schwer erkrankten Cantor nachfolgende Spenden an den Cassier des österr.-ung. Cantorenvereines, Herrn 1. Cantor M. Blatt, Wien, II., Tempelgasse 3, eingelangt: Anonymus, Wien, 5 K., Ornstein Alice, Wien, 6 K., Straßberg Jacob S., Wien, 20 K., Weiß I., Wien, III., Kolonitzgasse 8 K., Cantor Weiß I., Tobitschan, 1 K., Cantor Rosenfeld M., Pisek, 2 K., 1. Cantor Blatt M., Wien, 5 K., Qbercantor Friedmann, Berlin, K. 3°60, Dr. Treulich, k. u. k. Oberstabsarzt 4 K., Fuchs Rudolf, Schriftsteller, Wien, 2 K., Cantor Popper S., Eger, 1 K., Cantor Teltsch Franz, Wien, 3 K., Qbercantor Goldenberg, Marienbad, 3 K., Obercantor Scharr, Wien, 10 K., Qbercantor Singer, Wien, 10 K. l. Cantor Schiller, Wien, 5 K., Qbercantor Bauer, Wien, 4K.,! Qbercantor Guttmann, Wien, 10 K., in Summa 102 K. 60 H. Verschiedene Nachrichten. Wien. Der verantwortliche Redakteur unseres Blattes, Herr Alois Kulka, begeht am 9. Jänner d. I. seinen 60. Geburtstag. Bei der außerordentlichen Beliebtheit, deren sich Herr Kulka in den weitesten Kreisen erfreut, dürfte dieser Tag zu vielfachen Sympathiekundgebungen für Herrn Kulka Anlass geben. Wien. (Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst» und historischen Denkmälern des Judenthums.) Mittwoch, den 3. Jänner 1992, präcise halb 8 Uhr abends findet im Festsaale des Oesterr. Ingenieur- und Architekten- Vereines, 1. Bez., Eschenbachgasse 9, eine Vorlesung des Herrn Prof. Dr. Wilhelm Bacher, Director des Landes-Rabbiner-Seminars in Budapest, über „Das altjüdische Schulwesen" statt. Wien. Dienstag, den 24. December verschied hier Frau Josefine Gollerstepper, die Gattin des Gründers und Obmannes des Vereines „Tefilas Hanorim", nach nahezu SOjähriger glücklicher Che im 70. Lebensjahre. Die edle Verblichene entstammte einer der frömmsten und geachtetsten Familien Nikolsburgs. Ihr Vater war ein Jünger des weltberühmten Rabbiners Mordechai Benet s. A. und sungirte nachher als Dajen und Rosch Beth»Din. Ihr Großvater mütterlicherseits war Meister Reis, der neben demselben Rabbi als Dajen fungirte. Als letzterer in jugendlichem Alter starb, sprach der hochberühmte Rabbi bei der Grabrede folgendes: Den Meister hat Gott sich genommen, uns Gesellen ließ er zurück. Geduldig und gottergeben ertrug die edle Frau durch 6 Monate ihr schweres Leiden, und es war rührend, wie sie ihren hingebungsvollen Kindern und ihrer Schwester gegenüber ihre fast unerträglichen Schmerzen zu verheimlichen suchte. Welcher allgemeinen Beliebtheit sich diese edle Frau erfreute, zeigte am deutlichsten das imposante Leichenbegängnis. welches am Donnerstag den 26. Dezember am Zentralfriedhof, israel. Abth.. stattfand. Am Grabe trug Herr Ezechiel Wittman, Ober-Cantor der Schiffsynagoge, in ergreifender Weise das El mole rachamim vor. Um sie trauern nicht nur die schwergeprüfte Familie, sondern auch alle Jene, welche je Gelegenheit hatten, mit dieser seltenen Frau Umgang zu pflegen. Wie«. Der humanitäre Geselligkeitsverein „Rudolfsbund'^ feierte Sonntag, den 29. Dezember das Kinderbekleidungssest, zu dem sich Re chsraths-Ab zeordneter Roske, der Obmann des Ortsschulrathes Ferd. Klebinder, Gemeinderath Eltbogen, die Bezirksräthe Mensch jund Reustavtl, Armenrath Hofmann, Vertreter der Vereine „Freundschastsbund", „Armen - vater", der Sekretär der Baron Hirsch'schen Stiftung Dr. Weißmann, Redacteur I. Schuster und viele Ändere einfanden. Das Ehrenmitglied des Vereines, Obercantor Bauer, trug eine Hymne vor, woraus der verdienstvolle Obmann des Vereines, Herr Armenrath Josef Pollak, die Festrede hielt. Obmann-Stellvertreter Dr. Brady dankte im Namen des Vorstandes den Ehrengästen und Gönnern des Vereines. Lebhaft acclamirt, sprachen noch Abgeordneter Noske, Ortsschulrath Klebinder und Bezirksrath Neustadtl. Mit der Absingung der Volkshymne endete die würdige Feier. Der bekannte Cafetier Krämer (Cafä Orient, Praterstraße) bewirthete 100 Kinder mit Cafü und Bäckerei. Wien- (Litte r. Geselligkeit s verein jüd. Mädchen „Moria".) Sonntag, 29. v. M. fand im Caf« City ein Vortrag des Herrn Professor Dr. Leon Kellner statt. Referent behandelte meisterhaft das Thema „Die erste Vorkämpferin für Frauenrechte" und lenkte die überaus zahlreich versammelten Gäste und Mitglieder auf ein im Vereine „Mo ia" noch niemals behandeltes, hochinteressantes Gebiet. Nicht endenwollender, reichlich verdienter Beifall lohnte Herrn Profeffor Dr. Kellner für seine vortrefflichen Ausführungen. Zugleich nahm die langjährige, verdienstvolle Präsidentin, Frl. Natalie Pollak, offiziellen Abschied von dem Vereine, den sie mitbegründen half und den sie seit deffen Bestand mit aufopfernder Liebe förderte und leitete. Mit bewegten Worten übergab sie das Präsidium in die Hände des Frl. Berta Herrmann, die im Namen des Vereines den tiefempfundenen Dank der scheidenden Präsidentin aussprach und gelobte, beseelt von inniger Liebe zu ihrem Volke, den Verein für fernere Zeiten zu erhalten und zu stützen, llnd forderte den Ausschuss und alle Mitglirder um getreue Mithilfe auf, damit der Verein „Moria" weiter blühe und gedeihe. Mit anhaltendem Beifall endete die Versammlung. Hervitsch. Sonntag, den 29. December, fand im Tempel der israel. Cultusgemeinde in Gewitsch eine erhebende Feier statt. Jung und Alt ohne Unterschied der Confessian hatte sich eingefunden, um der Vermählung des Frl. Gisela Löw, Tochter des allverehrten und beliebten Herrn Bürgermeisters Adolf Löw, mit Herrn Heinrich Löw aus Prerau beizuwohnen. »err Cantor Moritz Fuchs recitirte mit seiner klangvollen, silberhellen Tenorstimme die der Feier entsprechenden Gesänge, wobei ihm der trefflich geschulte Temvelchor unter der bewährten Leitung des Herrn N. Veith nachdrücklichst assistierte. Hierauf hielt Herr Rabbiner Doctor Kessler eine erbauungsvolle Rede. Mit einem schönen Choralgesange des Gewitscher deutschen Gesangvereines „Frohsinn" schloss die schöne Feier Bei dem folgenden Diner toastirten in treffender und launiger Weise die Herren Oberingenieur Hahndl aus Göding, der Rabbiner, der Schulleiter M. Gottlieb, Cantor M. Fuchs aus das Brautpaar und die ananwesenden Gäste. Dann verlas Herr Leopold Liebreich Stud. phil. ein zu dieser Feier von ihm verfasstes Festgedicht, das den wohlverdienten Beifall aller Festtheilnehmer hervorries. Wrag. Der Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten veranstaltete am 18. December im Hotel Bristol einen Vereinsabend, der sehr gut besucht war. Herr Med. Dr. Eduard Tauffig sprach über das Thema: „Damentoilettensünden" uud aus s einem Vortrage, in welchem er das große Gebiet der weiblichen Toilette mit ihren Uebelständen in wissenschaftlich-sachlicher Weise beleuchtete, konnten die zahlreichen weiblichen Zuhörer manche heilsame Schlußfolgerung ziehen. Der Vortragende wies auch auf die vortrefflichen hygienischen Berhaltungsmaßregeln hin, die wir von unseren Urahnen übernommen haben, denen die Antisepsis schon bekannt war. Der Vorsitzende, Herr kaiserl. Rath Falkowitz, selbst ein Meister der Rede, eröffnet« die Debatte, an der sich Herr Rabbiner Dr. N. Grün und die Herren Jur. Dr. Brandeis und Weltsch in geistreicher und fesselnder Weise betheiligten. Der Vereinsabend verlief in überaus animirter Weise. Ueber Einladung dieses rührigen Vereines wird am 6. Jänner im großen Saale der Productenbörse Herr Prof. Dr. Martin Philippsohn aus Berlin zugunsten der Handwerkslehrlinge dieses Vereines einen wiffenschaftlichen Bortrag halten. — Araukfnrt a. W. Herr Musikdirektor Marco Großkopf, Sohn des. hiesigen Obercantors, hat sich mit Frl. Emma llllinann verlobt.

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