Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 1 (3.1.1902)
- Date
- 1902-01-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 1 der Juden behandelt. Als Hauptreferent hielt Dr. Max Nordau-Paris eine anderthalbftündige Rede, worin er darthat, dass der Hebung der Judenschaft auf die ihr gebührende Kulturstufe die wirrhschaftliche Hebung vorausgehen müsse. Die erste Aufgabe des Zionismus sei daher, das jüdische Volk zu stärken und ökonomisch tüchtiger zu machen; so allein werde dasselbe brauchbar werden für die Zwecke und Ziele des Zionismus. Die Rede wurde wiederholt von stürmischem Beifall unterbrochen. Nachdem noch verschiedene Referenten das Wort ergriffen hatten, wurden die Verhandlungen um 4 Uhr abgebrochen. Für den Samstag waren lediglich zwei Vorträge angesetzt. Am Dienstag Früh 4 Uhr wurde der Congreß nach fünftägiger Dauer durch Theodor Herzl-Wien nach stürmischer Sitzung geschlossen. Der Congreß beschloß, die jüdische Colonialbank sofort in den Dienst der palästinensischen Colonialpolitik zu stellen und gleichzeitig die Errichtung weiterer Filialen. Der Antrag auf Schaffung Wirtes Nationalfonds wurde angenommen und die Wahl der Landescomites erfolgte nach Vorschlag der Landsmannschaften. Präsident des Actionscomites bleibt Herzl. Der nächste Congress ist erst in zwei Jahren; im nächsten Jahre finden nur Landesconferenzeu statt. Ans der Wiener Cultusgemeillde. (Aus der Plenarsitzung vom 29. December 1901, unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rath Klinge r.) Wrafidialvericht. Nach Verlesung des Spenden-Einlaufes macht der Vorfitzende im Präsidialbericht die Mittheilung, dass der im Anschlüsse an das alte Spital durch die Freiherren Albert und Nathaniel von Rothschild aus eigene Kosten errichtete und für eine vollkommen hygienisch ausgestattete chirurgische und gynäkologische Abtheilung bestimmte Pavillon nunmehr nahezu fertiggestellt und die Eröffnung desselben in kürzester Zeit zu gewärtigen sei, wobei der Präsident dem Vorstand zur Kenntnis bringt, dass die genannten Freiherren in hochherziger Weise sich bereit erklärt haben, zu den hiedurch dem V o r st a n d e e r w a ch s e n e n A d a p t i e rungsko ste n des alten S p i t a l e s, resp. zu den K o ste n der Verbindung des alten Spitales mit dem neuen Pavillon einen ansehnlichen Beitrag zu spenden. (Beifall). Nene Geschäftsordnung. Den hervorragendsten Gegenstand der Tagesordnung bildete die Berathuug der neuen Geschäftsordnung für den Cultusvorstand, für das Vertreter-Collegium und für die Com. Missionen; die Schaffung dieser Geschäftsordnung war eine nothwendige Consequenz der im Frühjahr 1901 beschlossenen Aeuderung des Statutes der Cultusgemeinde. Im Grunde dieses geänderten Statutes — von dem Gesichtspunkte ausgehend, dass es so wünschenswerth wie nothwendig erscheine, eine raschere Geschäftserledigung herbeizuführen und auch dem Plenum des Vorstandes mehr Gelegenheit zu geben, sich mit priucipiellen Fragen eingehend beschäftige l zu können — soll es dem Cultnsvorstaude überlasten bleiben, im Wege der Geschäftsordnung, vorbehaltlich des Rechtes jederzeitigen Widerrufes, Angelegenheiten seines Wirkungskreises dem Präsidium, dem Vertreter-Collegium oder aus der Mitte des Cultusvorstandes zu wählenden Commissionen zur endgiltigen Erledigung zuzuweisen. Nachdem Referent, Herr Oberfinanzrath Dr, Rappaport, die meritorischen Neuerungen der Geschäftsordnung erörtert hat, wird in die Specialdebatte eingegangen, an welcher sich insbesondere die Herren Porsteher Dr. Spitzer, Dr. Grünfeld, Gewitsch, kaiserl. Rath Weil, Theodor Ritter v. Tauffig, Comrnerzialrath Wilhelm Pollak betheiligten. Nach eingehender Berathuug wird die Vorlage mit einigen Abänderungen zum Beschlüsse erhoben. Der Präsident weist darauf hin, dass das „Comite für die Reform der inneren Verwaltung" unter der zielbewussten Leitung des Herrn Vertreters v. Taussig die Aeuderung des Statutes und der Geschäftsordnung zu einem gedeihlichen Abschlüsse gebracht habe; nunmehr obliege noch dem Vorstande die Schaffung einer Geschäftsordnung für die Bezirkscommissionen. Nachdem jedoch erst in den letzten Tagen seitens einzelner Vertrauensmänner -Commissionen Vorschläge an den Vorstand gelangt sind, wird derselbe nunmehr in der Lage sein, die zur Kenntnis gebrachten Wünsche in Erwägung zu ziehen und sich mit dieser ihm, dem Präsidenten, nach wie vor wichtig erscheinenden Angelegenheit zu beschäftigen. (Zustimmung). Mckblick. In dem hierauf folgenden, beim Ablauf eines Kalenderjahres üblichen Rückblick auf die Thätigkeit des Cultnsvorstandes während dieser Zeitperiode bemerkt der Präsident, dass außer der nunmehr zum Abschlüsse gelangten Arbeit der inneren Reform in nicht weniger als 243 Sitzungen vielfache Agenden principieller Natur, des Religionsunterrichtes und der Bethans-Angelegenheiten, sowie segensreiche Gründungen in humanitärer Hinsicht erfolgt und zur Ausführung gelangt seien und dass zudem eine große Anzahl neuer humanitärer Stiftungen zur Persolvirnng kam. Er weise insbesondere auf den Umstand hin, dass im Laufe dieses Jahres außer der Zinsenvertheilung aus großen Legaten, wie des Herrn Dr. H. S. Goldschmidt'schen u. s. w., für welche ja eigene Comites bestehen, im Lause des Jahres nicht weniger als 375 Stipendienplätze aus 74 Stiftungen und Widmungen mit einem Zinsenbetrage von nahezu 80.000 Kronen durch den Vorstand zur Vertheililng gelangt seien. — „Wie Sie sehen, meine Herren, so schließt der Vorsitzende seinen kurzen Rückblick, hat der Cultusvorstand auch im abgelaufenen Jahre eine umfassende Thätigkeit entwickelt, an der, was bemerkt werden muß, das Bureau in anerkennenswerter Weise theilgenommen hat. Ich fühle mich verpflichtet, dem Vorstande und dem Vertreter-Collegium für ihre gewissenhafte und pflichttreue Thätigkeit den Dank auszusprechen. In gleicher Weise danke ich insbesondere den beiden Herren Vice-Präsidenten für ihre werkthätige Unterstützung bei der Geschäftsführung, nicht minder unserem 1. Secretär, Herrn kais. Rath Dr. Lieben, dem bewährten Chef und der Seele unseres wackeren Beamtenkörpers. Ich danke Ihnen auch für das Vertrauen, mit dem Sie mich vor einem Jahre durch einstimmige Wahl zum Präsidenten beehrt haben und durch die Sie mir eine Auszeichnung zutheil werden ließen, wie ich mir eine größere nicht denken kann. Ich muß aber die geehrten Herren daran erinnern, dass anlässlich meiner am 6. Jänner d. I. allerdings für einen Zeitraum von drei Jahren erfolgten Wahl zum Präsidenten ich mich mit Rücksicht auf meinen Gesundheitszustand zur Erklärung bemüssigt fand, das Amt nur für das Jahr 1901 annehmeu zu können. Ich werde über ärztlichen Rath genöthigt sein, in der nächsten Zeit für mehrere Wochen nach dem Süden zu gehen, und muß Sie daher bitten, mir ru gestatten, dass ich in den Ruhestand trete. Durch 16 Jahre, während welcher ich dem Vorstande angehöre, glaube ich meiner Pflicht als Gemeindemitglied nach Kräften entsprochen zu haben, und wenn ich mir vergegenwärtige, welch' hervorragende und pflichttreue Mitglieder der gegenwärtige Vorstand in sich birgt, habe ich für die Zukunst unserer großen Gemeinde keinerleij Besorgniße. Ich bitte daher meine Herren, mir mit Rücksicht aus meinen Gesundheitszustand den Austritt aus dem Cultusvorstande zu gestatten und mir ein gutes Andenken zu bewahren." Hhrende Kundgebung für den Wrästdenten. Vice-Präsident Dr. Stern fühlt sich verpflichtet, zu den Worten des Herrn Präsidenten hinzüzufügen, dass es namentlich seinem Wirken, seinem besonders liebenswürdigen, concilianten