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Die Wahrheit · 1901-12-13 · Heft 48 (13.12.1901) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 48 (13.12.1901)
Date
1901-12-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seile n. Die IDatyrtjeil. ttr. 48. Die Ragenburgerstreet ist von mehreren tausend Juden bewohnt. Unaufhörlich huschen die Judenweiber hin und wieder. Sie tragen über dem unvermeidlichen Scheitel an Wochentagen weiße, nicht immer saubere Hauben; eine Nachbildung der bekmmten holländischen Hauben, die an beiden Seiten von silbernen oder goldenen Spangen und Kugelnadeln flankirt sind. Am Freitag ist das Getriebe gewaltig. Da erreicht die Geschäftigkeit ihren Höhepunkt. Alles rennet, schwatzet, rüstet Wagen knarren, Karren poltern, Rufe gellen, Kinderschaaren schwärmen umher. Ladungen von Sabbathbroden werden aufgefahren, Leckereien feilgeboten: ^nist allemaal toeglijk!’4 (nicht alle zugleich) schreien die Verkäufer, auch wenn wenige Käufer sie umstehen, um den Schein zu erwecken, als risse man sich um ihren Kram. Um die Mitte des Nachmittags wird es allmählich stiller, denn der Sabbath naht, der freundliche, liebliche Tag, der Ruhe und Friede bringt. Schon laufen die Lesters (Küster, Synagogendiener) an ihre Posten; schon sieht man zahlreiche Männer in festlichem Kleide mit Cylinderhüten behäbig schreiten; sie werden immer zahlreicher, bis sie in ganzen Zügen nach den Synagogen pilgern. Niemand wird es wagen, anders, als in angemessenem Gewände, das Gotteshaus zu betreten, wenn er nicht der Gefahr ausgesetzt sein will, vom gestrengen Opperkoster (Oberschammes), den die Amtskette kennzeichnet, zurückgewiesen zu werden. Strenge Ordnung und Zucht herrschen in de i durchwegs strengconservativen Synagogen Hollands. Hier kann man sehen, dass strenge Observanz sich recht gut mit vornehmer Ruhe, musterhafter Führung und ästhetischer Gestaltung des Gottesdienstes vereinen lassen. Nun aber betreten wir den geweihten Raum der „Oroote Synagoge“ (große Synagoge). (Fortsetzung folgt.) Nejurrerit. Ach, der arme Egan, der vor nicht Langem ein solch tragisches Ende erreichte, wie es der gewiegteste Antisemit sich nicht hätte träumen lassen, kann noch immer nicht zur Ruhe kommen. Und wunderlich genug, seine besten Freunde sind es, die ihm die himmlische Ruhe nicht gönnen. Die Chasaren haben schon längst vergessen, dass einst ein neuer Haman gegen das jüdische Volk mit Schwert und Keule agitirte. Jetzt haben seine Helfershelfer den Grabesschlas gestört, den wir und mit uns auch die verhassten Chasaren ihm von Herzen gönnen. Fürwahr, ob mau es uns auch nicht zutraut — wir sind unseren Feinden nicht so gram, als sie voraussetzen, denn wir können die Zeit ruhig abwarlen, bis sie sich entweder ganz lächerlich gemacht, ooer bis der Stil ihnen aus der Hand fällt, den sie gegen unseren Rücken schon zugerichtet haben. Aber unsere lieben Antisemiten wollen einmal den Boden nicht verlassen, den sie zu pflügen und zu säen begannen, sie lüstern nach den Früchten, dem Errrag ihres wachsamen Fleißes, und fällt der Anführer auf dem Schlachtselde, so erstehen schon andere, die ihn ersetzen, seine Thätigkeit fortfetzen und zur Vollendung führen. Egan ist zum großen Herzeleid seiner Gesinnungsgenossen so urplötzlich vom Schauplatze seiner Thätigkeit abberufen worden, und nicht sein Heimgang war es, welcher die ganze Sippschaft in tiefe Trauer versetzte, sondern zuvörderst die Voraussicht, dass die Agitation für die rumänischen Bauern, oder richtiger gesagt, gegen das Bereger jChasarenvolk, mit dem Tod des Agitators ihr Ende erreicht hat. Das Vaterland steht in Gefahr, einen Theil seiner besten Döhne zu verlieren, die für den ungarischen Stamm sich stets erwärmt, die für seine Erhaltung Sorge getragen, die die ungarische Sprache in Haus und Schule redlich gepflegt. Die armen Rurhenen, ihr Erretter und Erhalter ist dahin und das Band ist zerrissen, das sie fest zusammengehalten. Wenn sie zumindest in der so schön klingenden ungarischen Sprache ein Gebet für das Seelenheil ihres Wohlthäters zum Himmel senden könnten! Doch auch dieser Trost ist ihnen nicht gegönnt. Wie färbt sich der ruthenische Himmel so schwarz! Denn die Chasaren-Meute hat die Schranken durchbrochen, von allen Verstecken sieht man sie losrennen, und um das arme ruthenische Volk ist es geschehen. Mein Liebchen, magst ruhig sein! Die Chasaren werden es ein zweitesmal nicht wagen, den geheiligten Boden des Rnthenenlandes zu betreten, denn der Geist Egan's waltet noch immer fort. Vor diesem Schreckgespenste fliehen alle Ehasarenhäupter. Vor allem soll ein ehernes Denkmal den Nachkommen für ewig verkünden, dass ein gewaltiger Held einst die Rechte des Vaterlandes mit seinem Blute vertheidigt. dass er ein armes, verlassenes Volk aus dem Schlamme gezogen, in den es die Chasaren gedrängt, und anderseits der Ueberfluthung des unbändigen Chasarenstammes einen unzerstörbaren Damm entgegengesetzt hat. Dieser treue Sohn des Vaterlandes muss als Vorbild den Nachfahren stehen, und wer wollte nicht sein Scherflein beitragen zu dem Monumente, das den Ruhm dieses beherzten Mannes weithin in alle Lande tragen soll! Bis allher sind blos einige Hundert Kronen zu diesem Zwecke znsammengeschweißt worden, doch die antisemitisch gesinnten Genossen geben die Hoffnung nicht auf, dass die Kronen auch zu Tausenden sich ansammeln werden, chis dem würdigen Führer die würdige Standsäule errichtet wird. Das Monument wird wohl zustandekommen, doch auch die ruthenische Agitation darf nicht versumpfen, und wer wäre eher würdig, den Geist Egan's neu zu beleben, als fein Schatten M. Bart ha. Dieser hat wohl in der Voraussetzung, die einträgliche Stelle Egan's zu gewinnen(?), die gebrochene Lanze aufgehoben und sie frisch zusammengeschmiedet. Eine Brochüre, betitelt: „Kazar földön" (im Chasarenlande), ist in diesen Tagen aus seiner Feder erschienen, die theils den Manen Egan's. des lieben Freundes, gewidmet ist, theils das ungarische Volk zu belehren sucht, welchen Nutzen das geliebte Vaterland zieht, wenn es für die verlassenen Stammesbrüder (!) Sorge trägt und das wilde Chasarenvolk in die Schlupfwinkel znrnckdrängt, von denen es sich an das Tageslicht gewagt. Und der gute Bartha, der so gut die Farben zu wechseln versteht, fühlt auch jetzt, wie sonst immer, wenn er feine Feder in Galle taucht, den Drang in sich, offen Beweise zu liefern, dass er ein Freund der Juden sei, und welches Unrecht man ihm thue, ihn in einen Kessel mit den Antisemiten zu werfen. Fern sei es von ihm, die ungarischen Juden zu verletzen, ihr Fleiß, ihre Vaterlandsliebe ist nicht zu unterschätzen, doch die furchterregenden, grauenhaften Chasaren sind ein Schandfleck auf dem Stamme des Jndenthnms, diese dürfen das ruthenische Volk nicht an den Bettelstab bringen, diese müssen des Landes verwiesen werden. Er bringt auch unumstößliche Beweise, dass er kein Antisemit ist und es mit dem ungarischen Juden gut meint. Für die Emanzipation, für die politischen Rechte der Juden hat er, Bartha, mitgekämpft, er will die gewonnenen Rechte ihnen auch nicht verleiden, doch dürfen sie es nicht übel nehmen: „wenn man die Raupen von den Frnchtbänmen abschüttelt." Wir wollen es Herrn Bartha herzlich gern glauben, dass es ihm nur einzig darum zu thun ist, dem Vaterlande sich dienstbar zu erweisen, das verlassene Ruthenenvolk in Schutz zu nehmen, doch würden wir ihm rathen, bei einer zweiten Lustreise ins Ruthenenland nicht nur mit einem Auge die Dinge zu sehen, sondern auch das zweite Auge zu öffnen, vielleicht wird er so Manches gewahr, das ihm eine bessere Meinung vom Chasarenvolke bringt; denn wahrlich auch diese sind nicht auf Rosen gebettet, auch denen dürfte man unter die Arme greifen, auch sie verdienen es in gleichem Maße, dass für ihre Erhaltung gesorgt werde. Gleiches Maß für Alle — das lehrt kein Antisemit, und das möge sich Bartha zur Rechtschnur nehmen! Dr: S a m u e l P a r t o s-Dnnäföldvar.

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