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Die Wahrheit · 1901-12-06 · Heft 47 (6.12.1901) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 47 (6.12.1901)
Date
1901-12-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 47 Die Wahrheit. Seite 7. Columbus — vermuthete, ist endlich mit ziemlicher Sicherheit localisirbar. Der bekannte Orientalist Eduard Glaser hat es auf Grund der biblischen Völkertafel, wo Ophir neben Chawilah und gleich nach Saba genannt wird, schon vor mehr als zehn Jahren mit den beiden Uferländern des Persischen Golfes indentlfizirt, dem arabischen Ufer sowohl wie dem später (und noch jetzt) persischen, und hat besonders den angrenzenden Theil des goldreichen arabischen Binnenlandes (des biblischen Chawilah) dazu gerechnet. In den Häfen des Persergolfes konnten die salomonischen Schiffer, die sich denen des Phönizierkönigs Hiram angeschlossen hatten, all die genannten Produkte verladen, die aus Indien und Ostasien stammenden (Pfauen, Elfenbein und Affen) ebenso gut wie die arabischen, da die Häfen des Persischen Golfes in jener grauen Vorzeit Stapelplätze für den asiatischen und ostasrikanischen Handel waren. Waren sie doch so nahe an Mesopotamien, wo es seit jeher mächtige und blühende Reiche gab! Und was sie nicht dort vorfanden, das verluden sie an den Häsen des nahen Indien, der Südküste Arabiens und an den Küstenplätzen der somalischen Halbinsel, die insgesammt unweit ihres Weges lagen und wie die Golfhäfen Stapelplätze zum Theil für die Produkte derselben Länder waren. In späteren Arbeiten stellte der Verfasser fest, dass das in den egyptischen Inschriften so oft genannte Land Pwnt (Poen-at oder Punat) durchaus kein engbegrenzter Begriff war, sondern Allgemeinbezeichnung einer ganzen Reihe von Küstenländern, vom Persischen Golf angefangen, ganz Ost- und Südarabien umfassend, dann von Abessynien längst der ganzen Ostküste Afrikas bis hin zur heutigen Capcolonie. Ebenso konnte der Verfasser darthun, dass die diese Länderstriche besiedelnden Stämme durchwegs Poener oder Urphönizier waren, die schon in grauester Vorzeit vom Perfergolf her die genannten Länder überflutheten und der Civilisation eröffneten, genau so wie ein anderer Zweig derselben Völkergruppe (Hetiter, Aramäer, Israeliten, Hhksos, Phönizier) gleichfalls von den Ufern des Persergolfes nach Syrien, Palästina und Nordasrika vordrang und seine Niederlassungen selbst bis nach Britannien und einzelnen Inseln und Küstenpunkten des Mittelmeeres und seiner Anhängsel vorschob. Als nächste Folgerung aus dieser Anffassung ergab'' sich, dass auch die räthselhaften Ruinen im Maschonaland in Südafrika, die nicht nur den arabischen Autoren aller Jahrhunderte, sondern, im XVI. Jahrhundert, auch den Partugiesen bekannt waren und in unserer Zeit (1871) zuerst vom württembergischen Lehrer Karl Manch näher untersucht wurden und die bis dahin von Arabern, Portugiesen und von Manch selbst mit dem biblischen Ophir identifizirt wurden, irgend einem Poenvolke, also einem altphönizischen Stamme, zugeschrieben werden mussten. Welchem, war bis dahin nicht eruirbar. Aber alle Objekte archäologischer Art, die später dort der Engländer Th. Bent entdeckte, bestätigten die auf rein theoretischem Wege erzielte Auffassung, dass wir nur an ein poenisches Volk denken dürfen. Dazu stimmt, dass die alten Egypter seit undenklichen Zeiten aus Poenat unter anderen Dingen auch Amugold holten. Die Amu aber sind in den egyptischen Inschriften stets Völkerschaften der arabischen Halbinsel, wahrscheinlich nach ihrem Hauptgott 'Amm benannt, den Glaser mit dem biblischen Ham identifizirt hat. Hamiten aus Arabien also waren die Colonisatoren jenes goldreichen ostafrikanischen Poendistriktes. Aber welche, das war nicht auszumachen. Ophirgold braucht nicht ausschließlich aus Arabien zu stammen, sondern kann auch aus einer ophiritischen Colonie in Afrika bezogen worden sein. Daraus folgt aber nicht, dass die Schisse Salomo's nach Südafrika gesegelt sein müssen. War Südafrika ein ophiritische Kolonie, dann fanden die Schiffe Colonialgold gewiss auch im eigentlichen (arabischen) Ophir; denn wohin anders sollten die ophiritischen Colonisteu ihre Produkte gebracht haben? Nichts jedoch hindert jetzig die salomonischen Fahrten eventuell auch selbst bis nach Südafrika auszudehnen, obzwar das eine der verladenen Objecte, nämlich die Pfauen, die doch, wie schon der Name zeigt, aus Indien (Malabar) stammen, auf das nördliche Ophir, also auf das Stammland hinweist, da doch anzunehmen ist, dass man solche Vögel nicht nach entlegenen Colonien, sondern doch wohl nur nach vielbesuchten Emporien gebracht haben wird. Elfenbein und Affen können in jedem der zwei Länder verladen worden sein, denn Affen kommen da und dort vor, Elfenbein gab es in Indien und damals auch in Ost-Ophir (östlich des Persischen Golfes) und natürlich auch in Südafrika. Das Silber spricht dagegen wieder mehr für Arabien, wo es neben den Goldbergwerken zahlreiche Silberminen gab. Das Kaddlfchgedet. Von Bernharb Loewenthat. (15. Fortsetzung.) Mit der kargen Pension konnte die Witwe nur schlecht leben und als Else, die eine gute Bildung erhielt, herangewachsen war, stickten die beiden Franen für ein Geschäft Tag ans, Tag ein, um das Leben zu fristen. In der Dämmerstunde legten sie die Hände in den Schoost, und oft sang dann Else ihrer Mutter einige Lieder vor. Es lag eine so seltsame Musik in den Liedern ihres Kindes, dass die eigene Mutter sich dem Zauber derselben nicht entziehen konnte. — Eines Abends, es war um die siebente Stunde, da wurde schüchtern an der Glocke gezogen. Else öffnete. Vor ihr stand ein großer schlanker Herr. „Reinert heiße ich — Frau Munk! „Bitte, treten Sie näher!", dann ins Zimmer rufend, „Mama, ein Herr möchte Dich sprechen". Es war kein anderer, als der berühmte Musikprofeffvr Dr. Reinert, ein noch sehr junger, aber außerordentlich bekannter und geschätzter Pianist, der aus seinen Spaziergängen oft am Hause vorbeikam und Elsens Liedern mit Interesse gelauscht hatte. Er kam jetzt ganz unvermittelt zur Witwe, um dieselbe zu bestimmen, ihre Tochter Sängerin werden zu lassen. Erst sträubte sich Frau Munk, dann, als der Professor ihr sagte, dass sie sich ihrem eigenen Glücke, mehr aber noch demjenigen ihres Kindes widersetze, da gab die Witwe nach — und ließ ihr Kind Sängerin werden. Jahre des schweren Studiums vergingen, Else lernte eifrig. Mit jedem Tage schwärmte sie mehr und mehr für die Musik. Mit Andacht lauschten sie den Werken der großen Musiker und oft schien esj ihr: „das kannst du auch — so singen wie die da auf der Bühne, das kannst Du auch — aber noch inniger — noch besser". Der' Witwe des im Kampfe für das Vaterland gefallenen Officiers war es ein Leichtes, ihr Kind an der kgl. Hosbühne anzubringen und bald durste Else vor das Publicum treten. Sie war eine hohe, schöne Gestalt, mit auffallend schönen Gesichtszügen und rothblondem. echten Tizian-Haar. Dieses wallte sich in herrlicher Flut um ihr schönes Haupt und es wunderte Niemand, dass der Intendant ihr eine größere Rolle anvertraute.. Es sind tausend Glücksumstände und abertausend kleine Zufälle, durch die eine Künstlerin zur Hohe gelangt. Diese Alle nun fielen bei Else zusammen aus einen Tag, oder besser gesagt aus einen Abend. Else sang die „Margarethe". Das Publikum war gut gelaunt, sie sang herrlich, die Kritik war voll des Lobes, am nächsten Tage sprach halb Berlin von der Munk. Sie war eine Berühmtheit geworden. Alles war mit ihrem Spiel zufrieden, das Publicum, die Presse, ihr Lehrer, nur sie selbst nicht. (Fortsetzung folgt.)

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