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Die Wahrheit · 1901-11-29 · Heft 46 (29.11.1901) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 46 (29.11.1901)
Date
1901-11-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 46 Ute Wahrheit. Seite 7. Seder-Abend, beim Kiddusch und bei der Habdalah, beim Entzünden der Chanuka - Lichter das Gottesgebot vvp 12 rrm ivenigstens so weit als möglich zu bethätigen. Anderseits muß auch die Mutter ihre Töchter im Gebote beim Anzünden der Sabbath- und Feiertagslichter, ebenso über das Gebot des nbn Absonderns instruiren. Solch praktische Belehrung und Erziehung in der Kenntnis der hebräischen Liturgie bildet die beste Vorbereitung und Ergänzung zur Exhorte, die dann sicherlich bessere Ersolge aufweisen dürste. G—u. Litteratur. Pie Verwaltung der Hultusgemeirrde und Sammlung aller auf -iefelbe vezughavendeu Hefetze und Winlsteriar-Krläffe. (Hitközsög! Ügykvzsl68 68 az izr. felekezetre vonatkozo törvanyek e ministeri rendaletek gyüjtemenye“.) Ein unentbehrliches Buch sür 6ongr888- 8tatu8<iuo und orthodoxe Gemeinden, deren Vorsteher, Beamten und für alle, die sich für Cultnszwecke intereffiren, verfasst von Ludwig Barta, Secretär der israelitischen Cultusgemeinde zu Großkanizsa und des 9. israelitischen Gemeinde-Distriktes in Ungarn. Erschienen in Groß 8—. •622 Seiten stark. Preis steif gebunden in Leinwand 8 Kr.—. Alle aus den israelitischen Lultus und dessen Angelegenheiten seit 1867, dem Jahre der Emanzipation, und der Neugestaltung der jüdischen Gemeinden Ungarns, erschienenen Gesetze und Regierungs-Erlässe sind in diesem Werke sorgfältig in systematischer Ordnung verzeichnet, die nicht nur den Gemeinden, den Vorstehern und Beamten, sondern auch den Behörden und Gerichtsämtern, denen so oft jüdische Angelegenheiten zur Entscheidung unterbreitet werden, ergiebige Auskunft in allen fraglichen Fällen bieten. Im Besitze dieses vortrefflichen Buches, werden jene Anomalien, wo in einer und derselben Cultusangelegenheit verschiedene behördliche Entscheidungen getroffen werden, vermieden und infolgedessen auch die höheren Instanzen von der öfteren Beschäftigung mit Religionssachen enthoben. Die jüdischen Vorsteher, Rabbinen, Secretäre, Lehrer und Leiter der Cnltus-Angelegenheiten werden mit Hilfe dieses Buches ihre Berufspflichten ordnungsgemäß erfüllen und die kleinen Gemeinden ihre administrative Verwaltung nach den in diesem Buche gegelenen Anlei» tnngen in musterhafter Form führen können. Alle Vorfälle der Administration in einer jüdischen Gemeinde sind hier theoretisch behandelt, praktisch erkläre und das hierauf bezügliche Gesetz oder der betreffende Ministerial-Erlaß zur Richtschnur beigefügt. Die langjährig bewährte Praxis des Verfassers ist hier in allen Fächern erkennbar. Das Werk, das 22 Abschnitte enthält, ist dem rühmlich bekannten Förderer und Gönner gemeinnütziger Institutionen, Seiner Hochwohlgeboren Herrn Wilhelm Gutmann de Gelse, königl Rath, Präses der israelitischen Cultusgemeinde zu Großkanizsa und des 9. Gemeinde- Distriktes, sowie dem Vorstande der Großkanizsaer israelitischen Cultusgemeinde gewidmet. Die Ausstattung des Buches ist vorzüglich gegelungen, der Druck rein, auf gutem Papier und der Preis in Anbetracht feines vielbietenden Inhaltes gering. Zu beziehen vom Verfaffer mit portofreier Zusendung ü 8 Kr. 30 Heller. Das Laddischgebet. Von Bernhard Loewenthal. (14. Fortsetzung.) Seine Tante hatte, seinem seinen Geschmack vertrauend, ihm diesmal die Arrangements für das zu Ehren des Geschäfts - jubiläums in Aussicht genommene Costümsest übertragen und eben, als er im kleinen Theatersaal, ermüdet von den Anordnungen, hinter den Coulissen der niedlichen Bühne auf einen Sessel sich niedergesetzt hatte, schossen ihm so eigenartige Gedanken durch den Kops. „Hatte er wirklich noch nicht geliebt?" War seiner stürmenden Seele, seinem jungen Herzen jenes himmelhoch jauchzende, zu Tode betrübende Gefühl wirklich noch ganz fremd geblieben? Er stützte den Kopf hinten über, schaute sinnend empor zur Decke des Saales und schien dem über dem großen Kronleuchter gemalten Stern, der so goldig glänzend durch die Soffitten schimmerte, seine ganze Aufmerksamkeit zugewandt zu haben. Dem war aber nicht so. Leon träumte. Wohl sah er den Stern und den Kronleuchter, wohl sah er auch die gemalte Decke mit dem in Wolken schwebenden Siegeswagen irgend einer antiken Gottheit — aber doch — träumte er. Durch die Wolken der gemalten Decke schimmerten ihm ein Paar große, sinnende, graublaue Augen entgegen, rothblondes Tizian-Haar schien um den Kopf des antiken Siegesgottes zu flattern, und der Stern über dem Kronleuchter schien ein Diadem zu sein, das, wie die Sonne funkelnd, blendend leuchtete. Dann nahm Alles festere Gestalt an. Ein paar runde, volle Schultern tauchten aus, ein blendend weißer Nacken, mit einem schneeschimmernden Schwanenhals wurde sichtbar. Auf dem Siegeswagen schien sich der antike Gott in einen Friedeusengel verwandelt zu haben, der statt der Palmen in den brillantenfnttkelnden Händen einen kostbaren Federsächer trug. Die Züge dieses Engels aher kamen ihm so bekannt vor — so sehr bekannt — diese Augen — ja er glaubte eine silberhelle Stimme zu hören — der Engel — dieser Engel da. Leon sprang mit einem Male vom Sessel auf. Erschreckt über seinen eigenen Gedankengang — denn es war ja kein Traum, nur seine erregte Phantasie, die ihn so beschäftigt hatte — that er einige Schritte vorwärts — schlug im Halbdunkel mit der Stirn gegen eine Coulisse, die sich gerade etwas vorgeschoben hatte, und leise, wie geistesabwesend murmelte er vor sich hin: „Dieser Engel — der Stern — Else — Else Munk. — Ja, er hatte nicht so unrecht — Else Munk war ein Stern, und in der Residenz auch behauptete die ganze gute Gesellschaft, dass sie ein Engel sei. Das kunstverständige Berlin lag dieser Schönheit zu Füßen — sie wurde vergöttert. Stürme des Beifalles rauschten allabendlich durch die Räume der Oper, wenn ihre schöne, gottbegnadete Stimme wie die Verheißung einer höheren, gewaltigeren Macht durch das Theater schwebte. Das war kein Singen mehr — das war ein Schweben, eine in die menschliche Stimme gelegte Musik. Wer sie so singen hörte und in strahlender Schönheit und Anmut auf der Bühne sah, dem schien es wohl unmöglich, dass diese große Künstlerin auch einmal eine „gewöhnliche Sterbliche" war. Und doch war es so. — Nicht immer sang sie vor Tausenden von Zuhörern, nicht immer lohnte der Beifall des Publikums ihre Kunst. Als Tochter eines im französischen Kriege gefallenen Cavallerieofficiers hatte Else schon bittere Tage gesehen. Den Vater hatte sie nicht gekannt. Wie so viele andere brave Soldaten, musste auch Hauptmann Munk damals, als es hieß, gegen den Erbfeind zu zieyen, ein junges, blühendes Weib und ein kaum zweijähriges, lieblich lächelndes Kind zurücklassen. Wohl ließ die Begeisterung, welche damals die Massen und besonders das Heer gepackt hatte, in dem Manne den Schmerz nicht so auskommen, aber als sein rothwangiges Töchterchen ihm die Aermchen um den Hals legte und ein „Adieu Papa, auf Wiedersehen!" zurief, als sein Weib halb ohnmächtig an seiner Brust lag und nur noch »Lebe wohl, Gott schütze Dich!" ihm zuhauchen konnte, da rannen dem starken Krieger doch die lange zurückgedrängten Thränen in den Bart. — Er biss die Zähne zusammen, küsste Weib und Kind und stürmte davon. Er sollte die Seinigen nie Wiedersehen. Vor Mars la Tour traf ihn eine feindliche Kugel: „Hoch mein König!" rief er, die Schwadron stürzte ihm nach — da sank er vom Pferde. Sein letztes Wort aber war doch — „Gotr schütze Euch, mein Weib, mein Kind" — dann starb er de» Heldentod. (Fortsetzung folgt.)

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