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Die Wahrheit · 1901-11-15 · Heft 44 (15.11.1901) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 44 (15.11.1901)
Date
1901-11-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Nr. 44. Aeilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 21. Iahrg. Zur neuen Organisation. Dienstag den 12. d. M. fand im Vereinslocale des österr.-ungariich. Cantoren-Vereines, 1. Bez., Seitenftettengasse 4, eine Vorstandssitzung des Vereines statt, die sich mit der geplanten Aenderung der Statuten befasste, und gleich darauf eine Sitzung des Wiener Comitäs. Den ausführlichen Bericht über letztere, au welcher die College» Singer, Bauer, Blatt, Bassel, Hirsch, Schiller, Jurberger, Schorr, Don Fux, LLwit, Zellnik und als lebhaft acclamirter Gast College. Brod ans Prag theilnahmen, werden wir erst in nächster Stummer veröffentlichen. Heute sei nur constatirt, dass die zahlreich eingelaufelieri Anmeldungen von Mitgliedern und Vertrauensmännern aus allen Theilen Oesterreich-Ungarns und Deutschlands freudig begrüßt wurden und zur Hoffnung berechtigen, dass der „Allgemeine Cantoreu-Verband" eine imposante Collegeaschaar vereinigen und baldigst seine Constituirung vornehmen wird. Da gegenwärtig noch viel Arbeit zu bewältigen ist, wurde die nächste Sitzung des Comites für Dienstag den 19. d. M. festgesetzt. In Folge mehrfacher Anfragen diene den alten Mitgliedern des „Oesterr.-nngar. Cantoren-Vereines" zur Kenntnis, dass dieselben bis zur Aenderung der Statuten ihre Vereinsbeiträge in der bisherigen Höhe zahlen müssen und erst nach Vereinigung des „Oesterr.-ungar. Cantoren-Vereines" mit dem „Allgem. Cantoren-Verbände" dieselben Leistungen wie die neuen Mitglieder (6 Kronen jährlich) haben werden. In ihrem eigensten Interesse werden jedoch die alten Mitglieder darauf aufmerksam gemacht, mit ihren Zahlungen nicht im Rückstände zu bleiben. Der Vorstand muss jetzt um so strenger auf Einhgltung der diesbezüglichen statutenmäßigen Bestimmungen bestehen, da bei der geplanten Statutenänderung den alten Mitgliedern besondere materielle Vortheile, die aus dem Ansprüche auf das bisherige Vereinsvermögen hervorgehen, zugedacht sind. Allgemeiner Cantorerwerlmnd. Die Saat, welche von den Theilnehmern des allgemeinen Cantorentages in Wien ausgestreut wurde, beginnt wiederum auf deutschem Boden zu keimen und verspricht, wenn die fegenbringenden Strahlen der Begeisterung ihre wohlthnende Wärme ungeschwächt weiter entwickeln werden, schöne Früchte zu zeitigen. Die von dem provisorischen Comite, bestehend aus den Herren Colleacn Davidsohn-Gleiwitz, Singer-Katkowitz, Spandau- Myslowitz und de Beer-Benlhen O. S. anberaumte Versammlung schlesischer Cantoreu fand am 3. d. M. nachmittags 2 Uhr in dem Sitzungssaale der Synagogen-Gemeittde zu Gleiwitz statt, der zu diesem Zwecke von dem Vorstande derselben in dankenswerther Weise zur Verfügung gestellt worden war. Folgende Herren College» waren erschienen: Schüftan- Neiße, Translatenr - Langendorff, Nelken - Nicolai, Moddel- Sohran O. S., Bernstein-Beutheri O. S.,.Hirschmanu-Guttentag, Löb-Beuthen O.S., Taudesar-Zabrze, Siuger-Kattowitz, Spauau- Myslowitz, Davidsohn-Gleiwitz, de Beer-Beutheu, O. S., Löwenstein-Nenstadt. O. S., Nathan-Tarnowitz, Singermann- Ratibor, Lemke - Lipine, Crolik - Cosel, Zimmermann - Tost, Translateur-Lublinitz, Schüftan-Peiskretscham. Nach Verlesung des Protokolls der Vorbesprechung durch College» de Beer-Beuthen O. S. ergreift College Davidsohn-Gleiwitz das Wort, begrüßt. mit warmen Worten die Versammelten und schildert die unvergesslichen Eilidrücke, die er auf dem Canlorenrage in Wien gewonnen hatte. Es gilt, die mannigfachen Schäden des Berufes zu beseitigen. Dev einzelne Canior kann sich nicht schützen, jedoch einiges Zusammenhalten aller Berufsgenossen gewährleistet einen wirksameren Schutz. Inn e r h a lb des Tempels ist der Cantor als Hauptträger des Gottesdienst, als Schliach zibbur, der wichtigste Factor; man verlangt, dass er durch musikalisch künstlerischen Vortrag die Ändachtsstimmung der Gemeinde erwecke und hebe. Gewiss eine ideale Bethätigung, aber welche Stellung nimmt derselbe Beamte außerhalb des Tempels, im gesellschaftlichen Leben ein? Hat er nicht den Vorzug, ein gesellschaftliches Talent zu sein, so wird er nur halbwegs geduldet, wenn nicht gar über die Achsel angesehen. Und wie sieht die reale Seite aus? Man lese die in den Zeitungen ausgeschriebenen Vacauzen: „700 Mark festes Jahreseinkommen, Bewerber muß verheiratet sein, Reisespesen werben nur dem Gewählten vergütet rc." Und dann der Vertrag! Will der Beamte die Stadt verlassen, wenn auch nur für einige Stunden des Tages, bedarf er des Urlaubes, der ihm oft, je nach Laune des betreffenden Vorstehers ausnichtigen Gründen verweigert wird. Disciplinarverfahren gibt es nicht, das Damoklesschwert der Entlassung schwebt stets über seinem Haupte. Beginnen im höheren Alter seine Kräfte, die er im treuen Dienste der Gemeinde gewidmet hat, zu schwinden, so sucht man sich seiner zu entledigen, oder er erhält im. günstigen Falle eine sehr kleine Pension. Derartige Schäden müssen ausgemerzt werden! E r u st i st e s g e w o r d e n m i t unserer Sache. In Wien wurde beschlossen, einen Verband iu's Leben rufen für ganz Deutschland und Oesterreich, und Vertrauensmänner wurden gewählt. Aller. Orten regt man sich, Rheinland und Westphalen haben sich bereits angeschlossen. Ideale Ziele sind es, die der Verband im Auge hat, und mit den Kräften, die demselben zu Gebote stehen, soll geholfen werden.. -Es wurde jetzt zur Wahl des Bureaus geschritten, aus der die Herren Davidsohn-Gleiwitz als Vorsitzender, Siuger-- Kattowitz als Vorsitzender - Stellvertreter und de Beer-Beuthew als Schriftführer hervorgingen. Nachdem gegen das Protokoll der Vorbesprechung keine Einwendungen erhoben wurden, verliest der Schriftführer die auf dem Cantorentage in Wien gefasste Resolution und der Hauptpunkt der vorliegenden Tagesordnung: Gründung des Schlesischen Cantoren verbau des kommt sodann zur Berathnng. An der folgenden Debatte betheiligten sich in lebhafter Weise die Herren Davidsohn, Singer, de Beer, Löwenstein^ Singermann und Spandau. Letzterer beklagt, dass die bekannte Bähr'sche Petition an den Deutsch-Israelitischen Gemeinde-Bund, trotzdem fast 2 Jahre verflossen, ohne irgend welchen Erfolg geblieben sei, und weist den ihm von Singermann-Ratibor und anderen auswärtigen College» gemachten Vorwurf der Abtrünnigkeit zurück. Da man u n s nicht hilft, müssen w i r u n 3 s e l b ft helfen! Siuger-Kattowitz berichtet über seine jüngst mit seinem Vater, Obercantor Singer in Wien, dem Vorsitzenden des Allgem.. Cantorenverbandes gepflogene Aussprache, nach welcher es vor- . läufig nur die Aufgabe jedes Interessenten sei, recht kräftig, die Werbetrommel für. den Verband zu rühren und nur Mitglieder zu werben. De Beer-Beuthen bringt weitere von verschiedenen Herrengemachte Einwendungen und Vorschläge zum Schweigen, indem er dep Anwesenden einpfiehlt, vorläufig zu den von'Wien aus seitens der dortigen bewährten Leiter des Verbändest' getroffenen:

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