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Die Wahrheit · 1901-11-08 · Heft 43 (8.11.1901) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 43 (8.11.1901)
Date
1901-11-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 43 Die Wahrheit. Seite 7. Notizen, zitirte selbst alle herangezogenen Texte — ganze Stellen aus Bibel, Talmud und Midrasch — genau dem Wortlaute nach aus dem Gedächtniße her. Sein Organ hatte einen vollen Klang und bewegte sich am kräftigsten in der Mittellage^ Die Aussprache war wie Kkyställ so klar und frei von jedem Anklang an eine besondere. Mundart. Der Sprudel der Rede ergoß sich ohne Stocken über seine Lippen, j Es gewann, wenn er oben stand, nicht selten den Anschein, als j ob er ein besonders harter, unerbittlicher, Chatakter wäre. Es sind auch Aeußerungen dieser Art verschiedentlich mir zu Ohren! gekommen. Das hing jedoch nothwendlg mit seiner Auffassung : der Dinge zusammen. (Fortsetzung folgt.) Jüdische Äerffe am Sultanshofe. ii. Aus Aerger darüber und weil 'Berekei die ihm zutheil gewordene Verachtung seinem Glauben zuschrieb, wurde er Moslem. Seine Kinder aber folgten ihm nicht, blieben der Religion treu und sagten sich vom Vater los. Vereinsamt, erblindet und taub, starb der berühmte Apostat im Alter von 80 Jahren. Als Erblindeter hatte er das früher erwähnte Werk Motebir, sein berühmtestes, diktirt. Auf seinem Grabe wurde ein Denkstein mit dieser Inschrift aufgerichtet: „Dies ist das Grab i des Einzigen seiner Zeit, Ebul Berekat's, des Hebräers."! Wie er Arzt wurde, darüber existirt folgende Anekdote: Der berühmte medicinische Lehrer Ebul Hassan Said beu Hebetallah ben el Hosein hatte viele Schüler, wollte aber unter ihnen keinen Juden dulden. Um seine Vorlesungen trotzdem hören! zu können, verdingte Ebul Berekat sich als Diener beim Thürhüter des Lehrers und erhielt so einen Platz im Vorsaale des Lehrzimmers, so dass er wenigstens von fern die Kollegien zu hören vermochte. Eines Tages, als wissenschaftlicher Streik im Saale hoch ging, erbat sich der Diener die Erlaubnis, ihn zu! schlichten. Lächelnd gewährte der Lehrer die Bitte, wurde aber von! der Antwort so überrascht, dass er dem Inden fortan den j Kollegien im Saale beiznwohnen gestattete. j Die Liste der jüdischen Aerzte aus den früheren Jahrj Hunderten des Islams in Arabien, Perste,l, Egypten und > Spanien ließe sich um das Hundertfache verlängern, doch ist das! nicht der Zweck dieser Skizze. Ich will nur noch als Uebergauq! die merkwürdige Lebensgeschichte des Saad-Addaulla erwähnen, der zu den höchsten Staatswürden am Hofe des persisch-mongolischen Großchans aufstieg; vom Leibarzte wurde er schließlich zum allmächtigen Finanzminister, zum Saad-Adaulla, znr Stütze des Reiches, emporgehoben. Der Herrscher hatte zu ihm solches Vertrauen, dass er ihn nach Gutdünken schalten und walten ließ. Es war eine wunderbare Fügung der Weltgeschichte, dass im Reiche Hamau's, der das jüdische Volk von der Erde hatte vertilgen wollen, jetzt ein Anserwählter dieses Volkes als i unumschränkter Minister regierte. Allerdings dauerte die Zeit nicht lange. Die Ordnungsliebe und Gerechtigkeit, die Saad- Adaulla au Stelle der früheren Willkür gesetzt hatte, gefiel den Großen nicht, und als der Großchan erkrankte, bemächtigten sich die Unzufriedenen des jüdischen Ministers und köpften ihn; dies war das Signal zu einem allgemeinen Judenmassacre, zu einem der fürchterlichsten, welches die bluttriefende Geschichte des Orients erwähnt. Doch hat dies nicht verhindert, dass auch später die Fürsten des Morgenlandes den jüdischen Aerzten besonderes Wahlwollen eutgegenbrachteu und ihren jüdischen Leibärzten nicht blos das Heil ihres Leibes, sondern mehr als vipmal die Zügel der Regierung anvertrauten. Die osmanischen namentlich haben dies, säst vom ersten bis zum letzten, bewiesen. Wahrscheinlich hat es schon am türkischen Hofe zu Brussa Mische. Aerzte gegeben. kNamen nennt die osmanische Geschichte jedoch erst von jenem Momente an, da der Halbmond über Byzanz aufgieng. Der Eroberer Konstantinopels, Mohamed II., bevorzugte die Gelehrten in hervorragendem Maße. Bei allen Festen waren neben dem Platze des Herrschers besondere Ehrenplätze für die vier ersten Gelehrten des Reiches, die man die vier Säulen des Thrones und der Wissenschaft nannte, bestimmt. Rechts vom Sultan saß sein Lehrer, links ein Retigionsgelehrter, vor dem Monarchen aber saßen der Richter der Hauptstadt und der Leibarzt. Um das Jahr 1357 fungirte als Leibmedicus Schukrullah ans Schirwau, der die Gunst des Sultans nicht blos als Arzt, sondern auch durch seine historischen Werke und seine Kenntuiße in der Auslegungsnnd Ueberlieferungsknnde erworben. Die Listen der berühmten Ulema oder Gesetzgelehrten, welche die von 1457 bis 1481 währende Regiernugszeit des Eroberers durch ihr Wirken vei herrlichten, weisen außer dem Schukrullah noch sechs Hofärzte aus; davon waren noch drei Perser, einer Araber einer Türke und einer Jude. Einer der Perser, Kutbeddin, wurde als Erster;um Reis, oder Vorsteher der Aerzte ernannt; dieses Amt existirte seit damals bis in die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Dem Kutbeddin trug die Stellung, die für die damaligen Geldverhältniße bedeutende Summe von 2000 Aspern monatlich; die Geschichte behauptet von ihm, dass er dem Wohlleben mehr ergeben war, als der Wissenschaft und dass er seiu ganzes Einkommen mit Pagen und Sklavinnen verbrachte. Der jüdische Leibarzt hieß Jakob. Hammer bezeichnet ihn nach den Aussprüchen des osmanischen Geschichtsschreibers Aali, als den geschicktesten von allen Leibärzten Mohamed's II., und meint: er würde den Herrscher auch in seiner letzten Krankheit gerettet haben, wenn nicht der Großvezir Mohamed Karamini seinen Herrn beredet hätte, auch vom persischen Leibarzte Lari Arznei zu nehmen; so aber widerstritien die Aerzte im Zelte und die Arzeneien im Leibe des Sultans, der darunter erlag . . . Hekim Jakob war beim Eroberer in großer Gunst gewesen; als er endlich gar zum Islam übertrat, wurde er von den Steuerlasten befreit und schließlich zum Finanzministrr erhoben.. Unter den 60 großen Gelehrten der von 1481 bis 1512 andauernden Regierungszeit des zweiten Bajcsid wird nur ein einziger, Hekim Schach, als bedeutender Arzt erwähnt. Der genuesische Renegat Menasino, der als Page den Sultan Bajesid bediente, wollte wissen, dass der letztere auf Befehl des Sohnes-Thronfolgers am 26. Mai 1512 von einem jüdischen Arzte vergiftet woroeu wäre., Allein es existirt kein einziger Beweis für diese Behauptung, und Hammer bemerkt, dass das Schweigen der gleichzeitigen venezianischen Gesandtschastsberichte der Ansicht der Genuesen widerspreche. (Schluss folgt.) Litteratur. „Jad Elijahu“. Unter diesem Titel hat Herr Obereantor I. Le» b o v i t s aus Török-Szt. Miklos in- Ungarn Gesänge für den Freitag - und Samstag-Gottesdienst herausgegeben. Der Componist hat bereits vor mehreren Jahren Synagogen-Gesänge veröffentlicht, welche jedoch nicht für den modernen Gottesdienst berechnet waren. Die vorliegenden Piecen sind melodiös, gut und leicht harmonisirt und namentlich die Recitative wirkungsvoll. Die textliche Behandlung ist etwas lückenhaft.. Wir empfehlen das Werkchen den verehrten Herren Cantoren. Der Preis ^beträgt K Kronen. - Erklärung. - Infolge mehrfacher Interpellationen bezüglich des in der vorigen Nummer der Zeitschrift „Die Wahrheit“ veröffentlichten Leitartikels : „Zur Wiener Rabbinerfrage“ sehe ich mich zu der "Erklärung veranlasst* dass ich weder mit der Redigierung der Zeitschrift „Die Wahrheit“ noch mit dem erwähnten Artikel in irgend welchem Zusammenhänge stehe. Obereantor Singer Priscs das Österreich.-uagar. Cantoraavereinea.

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