Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1901-11-08 · Heft 43 (8.11.1901) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 43 (8.11.1901)
Date
1901-11-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3063062-3063105--01616-3068222
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Wahrheit. Seite 6. Nr. 43. eine aus dem Nachlasse seines verewigten Vaters, Freiherrn M. v. Waldberg, herrührende, überwiegend hebräische Büchersammlung einem Zwecke zuzuführen beschlossen habe, durch dessen Förderung er gewiss sei, pietätvoll im Sinne des Verblichenen zu handeln. Freiherr Dr. Heinrich v. Waldberg habe es dem Ermessen des Herrn Vicepräsibenten Dr. Stern anheimgegeben, ob diese Sammlung der Bibliothek der Wiener israelitischen Cultusgemeinde einzuverleiben wäre. Herr Vicepräsident Dr. Stern hat nunmehr in diesem Sinne verfügt, mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die fragliche Büchersammlung dauernd mit dem Namen des seligen Freiherrn M. v. Waldberg verknüpft beiden solle. (Beifall.) Vicepräsident Dr. Stern fügt dieser Mittheilung hinzu, dass die Bibliothek aus ca. 600 werthvollen Bänden bestehe, und dass der Secretär des »Bundes", Herr Engelsmann, sich für die Ordnung desselben besonders^bemüht habe. Simmeringer Metüaus-^ereiu. Vicepräsident Dr. Kohn referirt über die Angelegenheit des Simmeringer Bethausvereines. Er sei sin der Lage, die angenehme Mittheilung zu machen, dass diese Angelegenheit, die den Vorstand schon so oft beschäftigte, eine erfreuliche Wendung genommen habe. Ueber Anregung des Herrn kaiserl. Nathes Weil habe hier eine. Zusammenkunft sämmtlicher Interessenten des Simmeringer Bezirkes stattgefunden. Den Bemühungen des Herrn kaiserlichen Rathes Wilhelm Pollak sei es gelungen, die Herren kaiserl. Rath Vogl, Sigm. Kauders, Leopold Weiß, und Dr. Ornstein zum Eintritt in den Vorstand des Bethausvereines zu bewegen, und es ist jetzt eine gedeihliche Lösung in Aussicht, die dem Vereine die Fortsetzung seiner Agenden ohne besonders große Inanspruchnahme der Gemeindemittel ermöglichen wird. Die in der letzten Generalversammlung beschlossene Auflösung des Vereines ist wohl von der Polizei bereits bestätigt, jedoch gab ein unterlaufener Formfehler einem Vereinsmitgliede Anlass, einen Recurs bei der Statthalterei einzubringen, der hoffentlich einen günstigen Erfolg haben wird. Freilich, ganz ohne Opfer seitens des Cultusvorstandes wird es nicht gehen und ist an eine Aushilfe von 3—4000 Kronen gedacht. Referent bringt dies alles vorläufig nur zur Kennntnis, eine Detailberathung sei heute nicht angezeigt, da der weitere Verlaus von dem Ausgang des Recurses abhängt. Aus dem Wersorgungshaus. Oberingenieur Arthur Edler von Mises erstattet namens des Verwaltungseomitös für das Versorgungshaus der israelitischen! Cultusgemeinde nachstehenden Bericht: Nach der am 9. Juni d. I. erfolgten Einweihung der zur Erinnerung an das 50jährige Regierungsjubiläum Sr. Majestät neuerbauten Siechenabtheilung wurden die letzten Vorbereitungen zur Aufnahme der Siechen getroffen, die innere Einrichtung beschafft, die Instruction der ärztlichen Functioäre, für das Wärterinnen- und das Dienstpersonale erlassen, der Verwaltungsdienst, Pflege- und Wartedienst neu organisirt. Am 36. Juli konnten bereits die ersten Betten belegt werden. Gegenwärtig sind 45 Sieche untergebracht und werden demnächst die noch verfügbaren 5 Betten belegt werden. Außer den derzeit eingerichteten 50 Betten ist im dritten Stockwerke der Siechenabtheilung noch Raum zur Aufstellung von weiteren 16 bis 18 Betten, doch kann an die Einrichtung, beziehungsweise Belegung derselben mangels der hierzu erforderlichen.Mittel derzeit noch nicht geschritten werden. Der Stand im Altersversorgungshause blieb unverändert und beträgt seit der im December 1900 erfolgten Erweiterung constant 170 Insassen. Eintretende Vakanzen werden sofort wieder besetzt. Seit dem Bestände des Hauses 1890 wurden insgesammt 460 Personen ausgenommen. Hievon sind 231 gestorben, 13 Personen haben die Anstalt freiwillig verlassen, ein Insasse wurde wegen Renitenz entlassen; gegenwärtig befinden sich in beiden Abtheilungen der Versorgüngsanstalt 215 Personen, u. zw. 101 Männer und 114 Frauen. Ein eigenes Äufnahmscomits umer dem Vorsitze des Vertreters Herrn Baurath v. Goldschmidt prüft die einlangendeu Gesuche um Aufnahme und erstattet Vorschläge hinsichtlich der Besetzung frei gewordener Plätze an den Cultusvorstand. Leider genügt auch das erweiterte Haus lange nicht den Bedürfnißen unserer großen Gemeinde und müssen zahlreiche Gesuche höchst würdiger und dürftiger Patenten unberücksichtigt bleiben; trotzdem die unterste Altersgrenze für die Aufnahme ln das Altersversorgungshaus mit 60 Jahren festgesetzt ist. wurden in den letzten Jahren fast nur 70-, 80- und mehrjährige Personen ausgenommen. Der dermalen älteste Insasse zählt 92 Jahre. Für die Aufnahme in die Siechenabtheilung ist nicht das Alter, sondern die schwere und absolute Unheilbarkeit der Krankheit maßgebend. Mit der Leitung des Alterversorgungshauses und der Siechenabtheilung ist ein Berwaltungs-Comitö unter dem Vorsitze des Cultusvorstehers, Herrn Salo Cohn, betraut. Ein Comitö von Ehrendamen unter der Führung der unermüdlichen Frau Jda Diamant leitet die außerordentlich umfangreichen Haus¬ und Wirthschastsgeschäste. Die unmittelbare Verwaltung der Versorgungsanstalt besorgt der Verwalter, Herr Kodischek; dessen Gattin führt die Wirthschast. Als Wäschebewahrerin fungirt Fräulein Pollak. Den ärztlichen Dienst versieht der Anstaltsarzt Dr. Löbl mit den beiden Hilfsärzten Dr. Gerber und Dr. Frisch, die alles aufbieteu, um den Insassen des Altersversorgungshauses die schwere Bürde des Alters zu erleichtern und den unheilbareu Kranken in der Siechenabtheilung ihre schweren Leiden zu mildern. Der Gesundheitszustand im Altersversorgungshans ist derzeit ein sehr günstiger; in der Siechenabtheilung, ein relativ guter, wenn das zumeist hohe Alter und die schweren Krankheitsfälle berücksichtigt werden. Sechs Wärterinnen besorgen den Wartedienst, das Küchen- und sonstige Dienstpersonale besteht aus 15 Personen. Die Kosten der Erhaltung eines Siechen stellen sich selbstverständlich bedeutend höher, als die eines Insassen des Altersversorgungshauses. Während ein Insasse des Altersversorgungshauses nach dem Durchschnitte der letzten Jahre täglich circa 1 Kr. 32 H., das ist per Jahr 485 Kr. kosten, dürften die Kosten eines Siechen, soweit unsere bisherigen Erfahrungen reichen, täglich 2 Kr. 20 H>, dass ist per Jahr circa 800 Kr. betragen. Auf Grund der bis zum 15. Oktober 1901 thatsächlich erwachsenenen Erhaltungskosten der Versorgungsanstalt wurde für das Jahr 1902 ein nach den einzelnen Erfordernißen detaillirtes Budget aufgestellt und vom Verwaltungscomitv nach eingehender Prüfung mit dem Gesammtbetrage von 132.000 Kr. genehmigt. Dieser sehr beträchtlichen Ausgabe stehen leider bei weitem geringere Einnahmen aus den Zinsen von Stiftungen, aus den Legalen und laufenden Jahresjpenden in der präliminirten Höhe von rnnd 52.000 Kr. gegenüber. Es muß daher zur Bedeckung der Erhaltungskosten der Bersorgungsanstalt aus den Gemeindemitteln, das ist von den Seuergeldern, ein Zuschuß von rund 90.000 Kr. geleistet werden. Doch geben wirZ uns der Hoffnung hin, da s die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit dieser Anstalt in immer weitere Kreise bringen und der oft bewährte Wohlthätigkeitssinn unserer Glanbensgenossen uns in den Stand setzen wird, allen bedürftigen Greifen und Greisinnen, sowie allen unheilbaren Kranken unserer Gemeinde den Segen einer gesicherten Zufluchtsstätte zu bieten. Namens des Verwaltungscomitvs ersuche ich diesen Bericht zur geneigten Kenntnis zu nehmen. Der Bericht deS Herrn Oberingenieur Edlen v. Mises wird zur Kenntnis genommen. Ueber die einzelnen Anträge wird der Vorstand noch Beschluss zu fasse» haben. Subventionen. In einem eingehenden Referate beantragt Vicepräsident Dr. Gustav Kohn namens der Schulcommission dem Vereine Hanörim“ eine Subvention von 300 Kronen zu gewähren. Der Verein habe es sich zur Aufgabe gemacht, au

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.