Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 43 (8.11.1901)
- Date
- 1901-11-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4. Di« Wahrhett. , Nr. 43. Ermüdung oder Ueberspannung der Kinder war niemals in I diesen Schulen etwas wahrzuuehmen. wozu freilich auch das! schrittweise Vorgeben seitens des Melameds beitrug. Ich hatte dafür, dass das zweite Triennium des Kindes in der Architektonik des Geistes dieselbe Nolle spielt lvie der Frühlingsmonat für die wiedereuvachende Natur. Gerade in diesen drei Jahren ist das kindliche Gehirn so empfindlich, dass die Schall- und Lichtwellen leicht in der Gehirnsubstanz haften bleiben. Den besten Belveis erbringen u>ls die Kinder in der Levante, welche nur vom Hören eine unglaubliche Anzahl von Sprachen sprechen. Es scheint, dass je zahlreicher und mannigfaltiger die Gehörs- und Gesichtswellen das Kind in jenem zarten Alter treffen, desto empfänglicher sich das Gehirn gestaltet. In Folge deffen steigert sich die Projektion nach außen, d. h. je mehr Bilder das Gehirn aufnimmt, desto mehr kann es auf einen gegebenen Reiz mit Bildern reagiren, d. i. denken und sprechen. Wir Juden, welche eine doppelte und dreifache Cultur-, arbeit zu bewältigen haben, wie die arischen Nationen, müssen diese drei Jahre, die Vorjahre der Schule, zwar sehr methodisch, aber nicht minder energisch zur Erweiterung des Denkvermögens ausnützen. Wer unserem Rathe, der auf langjährigem Studium der Uuterrichtsfrage und den Erfahrungen der geschichtlichen Resultate bafirt, folgen wird, der wird, dessen bin sicher, den Werth derselben, in dem geistigen Mehrwerth seiner Kinder ausgedrückt finden. (Schluss folgt.) Äus der Wiener Cultusgememde. Die unter dem Vorsitze des Präsidenten, Herrn kais. Rath Klinger, 'am 1. November stattgehabte öffentliche Vorstands- Sitzung bot einige Referate von allgemeinem Interesse so den Bericht über die Vertrauensmänner-Versammlnng in der Rabbiner- Hage, die Schlichtung der in unserem Blatte gleichfalls ausführlich behandelten Simmeringer Bethaus-Affaire, den höchst instruktiven Bericht des Versorgungshaus Comirss und manches Andere. Leider bringen die Gemeindemitglieber gar kein Interesse , den Vorstands-Sitzungen entgegen, und die Oeffentlichkeit derselben wird zumeiit uur durch die Anwesenheit der Redacteure der jüdischen Blätter documenlirt. Im Nachstehenden der Bericht: Nach der Eröffnung der Sitzung durch den Präsidenten wird nachfolgender Spendeneinlauf zur Kenntliis gebracht: ßintauf. Von Frau Jenny Adler, zur Erinnerung an den Sterbetag ihres seligen Vaters des Herrn Samuel Fränkel für den Erhaltungssoud der israel. Versorguugsanstalt (Siechen-Abtheilung) 200 Kr. Von Herrn Dr. Isidor Lederer, als Buße eines wegen Ehrenbeleidigung Belangten für den Handwerker- Verein 50 Kr. Von Herrn Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemaun für die Talmud Thora-Schule 25 Kr. Von Herrn Sch. Landau, für den Erhaltungsfond der israel. Versorgungsanstalt 20 Kr. Von Herrn Julius Braun, zur Beköstigung armer israel. Schulkinder 10 Kr. Von Herrn Oberrabbiner Dr. Mor. Güdemann, Zeitschriften für die israel. Versorguugsanstalt. Von Frau Amalie Nirenstein, Bedarfsgegenstand für die israelitische Versorgungsanstalt. Von Frau Hedwig Köhn, Zeitschriften für die Bibliothek der israelitischen Versorgungsanstalt. Von Herrn Gustav Gruber, Drucksorten für das israel. Versorguugshaus. Sammelspeuden im 1. Bezirke: Für die Armen-Anstalt Kr. 119.48. Für die Chewra-Kadischa Kr. 94 03. SraMalvericht Im Präsidialberichte gedenkt der Präsident zunächst des außerordentlichen Verlustes,, den die Cultusgemeinde durch baZ Ableben des Amtsvorstandes, Herrn Gustav Wiener, erlitten hat. Wie er es als seine Pflicht erachtet habe, am Grabe dieses Mannes der glänzenden Eigenschaften, die ihn in so hervorragendem Maße zierten, zu gedenken und der tiefen Betrübnis des Cultusvörstandes Ausdruck zu geben, so halte er auh diesen Ort für den geeigneten, die Trauer-Kundgebung für den Oahingeschiedenen, der eine Zierde der Beamtenschaft war, zu wiederholen. Sie haben fick, meine Herren, zum Zeichen der Trauer von den Sitzen erhoben und ich erbitte mir Ihre Zustimmung, dass diese Kundgebung dem Sitzungsprötokolle einverleibt werden möge. (Zustimmung.) Nach der sowohl vom Präsidenten als auch von der ganzen Versammlung mit Befriedigung aufgenommenen Mitteilung, dass Herr kais. Rath Moritz Hirsch die Vormundschaft über den Sohn des seligen Amtsvorstandes Wiener übernommen habe, theilt der VorsitzendcrAnit, dass, obgleich jeder Zweifel an der exacten Gebahrung des Verstorbenen ausgeschlossen war, das Vertretercollegium ordnungsgemäß eine Scontrirung der Cossen und eine Prüfung der Depots' und der gesammten Gebahrung durch eine Commission, bestehend aus dem Obmanne der Finanzcommission Herrn kaiserl. Rath Hirsch und Herrn. Vertreter Oberfinanzrath Rappaport, angeordnet habe. Bei dieser Revision wurden säinmtliche Agenden in,'exaktester und musterhaftester Ordnung vorgefnnden: Es steht den Vorstandsmitgliedern frei, in den diesbezüglichen Bericht des Verlretercollegiums Einsicht zu nehmen. Weiters bringt der Vorsitzende zur Kenntnis, dass die auf Grund des Plenarbeschlusses vom 20 Juni 1901 erfolgte Neuordnung der seitens der Cultusgemeinde geübten Armenvfiege hinsichtlich der Handbetheilüng in Geld und Naturalien mit heutigem Tage in Kraft getreten fei und dass der Armenanstalt geeignetere Amtslocalitäten im Hause 1. Bezirk, Seiteustettengaffe 2 angewiesen worden sind. Jur Hkaööinerfrage. Höchst bemerkenswerth war jener Passus im Präsidialberichte, welcher der am 20. October l. I. stattgehabten Vertrauensmanner-Versammlung, betreffend die Anstellung eines Hilfspredigers. Erwähnung that. Der Präsident sagte ungefähr folgendes: Wie Sie sich, meine Herren, erinnern, hat der Vorstand bereits im Frühjahre 1900 zurAushilfe für die ausgedehnten Agenden des 1. Bezirkes und zur Entlastung des Herrn Oberrabbiners. ohne dass seitens des letzteren trotz seiner 35jährigen Amtsthätigkeit ein derartigs Verlangen Vorgelegen wäre — und das muß ausdrücklich constatirt werden — die Anstellung eines Hilfspredigers und Gemeindera bbiners beschlossen. Bezüglich des in Aussicht genommenen Candidaren wurde die Wohlmeinung des Herrn Oberrabbiners eingeholt, doch war der Vorstand nach § 35 der Statuten auch verpflichtet, die vom Vorstände ernannten Vertauensmänner aus der Mitte der Gemeinde anzuhören. Vorletzten Sonntag hat die Vertrauensmänner - Versammlung hier stattgefunden, die den Wunsch ausgesprochen hat, dass der ' Vorstand ihr mindestens einen Terna-Vorschlag mache. Ich hatte selbst das Gefühl, dass es vielleicht nicht ganz richtig ist, einer so ansehnlichen Versammlung, die aus so hervorragenden Mitgliedern unserer Gemeinde besteht, nur eine Persönlichkeit vorzuschlagen, und das Votum derselben macht, genau besehen,tz ans mich den Eindruck, dass es sich hiebei zunächst nur um Wahrung' eine s Principes gehandelt haben kann und keineswegs um eine Beurtheilung der Qualificatiön des vorgeschlagenen Candidaten, bezüglich dessen dem Vorstande von hervorragender Seite besonders günstige Referenzen nach jeder Hinsicht Vorlagen undi deren auch von fachmännischer Seite selbst in der Versammlung gedacht wurde. Die Commission für Bethaus- und rituelle' Fragen wird sich nun mit dieser ^Angelegenheit beschäftigen und seinerzeit ihre Anträge dem Vorstande vorlegen. Widmung. Weiters bringt der Präsident zur Kenntnis, dass Freiherr Dr. Heinrich v. Waldberg im Einvernehmen mip seinen Brüdern