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Die Wahrheit · 1901-11-01 · Heft 42 (1.11.1901) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 42 (1.11.1901)
Date
1901-11-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Allgemeine Lanloren-Leitung. Nr. 42. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 21. Iahrg. SM" Nie geehrte» Kerre» Kantoren des An- und Anstandes werden ersucht, die Rückstände und den Köonnementsöetrag für das taufende chuartat umgehend einsenden zn wollen. Kie Administration. Aachtrläuge des Canlorentages. Von P. Minkowsky, Obercantor in Odessa. Löbliche Redaction! Die letzte Cantorenver^ammlung nnd ihre Folgen veranlassen mich, einige Bemerkungen, die, wie ich glaube, den Gefühlen der Majorität der intelligenten Caiuoren der Welt entsprechen, in Ihrem geschätzten Blatte zu veröffentlichen. Dass wir auch hier, außerhalb dcr Grenzen Oesterreich?, Ihre Thätigkeit für das allgemeine Wohl der Cantoren achten und schätzen, vraucht nicht erst bewiesen zu werden. Das Cantorat ist lun'i’i c Fahne, deren Träger, wo sie auch sind, Fleisch von unserem Fleische sind. Seine Ehre, woher sie auch komme, wie auch seine Mängel, wo immer sie bemerkbar sind, seien Schatten und Licht unseres Collegiums. Dass wir aber ganz besonders mit der letzten Cantoreuversammlung in Wien sympatisirten, haben wir durch einen Brief an den geehrten Vereins- Präses Obercantor Joses Singer und durch ein Telegramm an die Versammelten bestätigt. Ihr Blatt wurde von der internationalen Cantorenversammtung als „Allgemeine Cantoreuzeüung" proclamirt, und die geehrte Redaction kündigte damit Ihre lobenswerthe Intention an, dieses Blatt in Zukunst als Organ für die Interessen aller Cantoren aller Länder umzugestalten, was wir auch hier freudig begrüßen. Es sei uns daher gegönnt einige Fragen von großer nnd allgemeiner Bedeutung,, die schon lange spruchreif sind, jedoch bis nun keine Interpretation gesunden haben, in diesem geschätzten Blatte zu erörtern. Die Cantoreuversammlung beschäftigte sich mit allerlei Fragen, welche die materiellen und socialen Interessen der Cantoren berühren, die Träger ter jüdischen Liturgie nahmen die Zeit für sich und ihr Verhältnis zu den Gemeinden in Anspruch; allein die Liturgie wurde ganz ignorirt, keiner ihrer Träger fand es für nöthig, auch nur ein einziges Wort über dieselbe zu! sprechen! Ein solches Ignorieren zeigt entweder von einer resig nirenden Invalidität oder gar von einer illusorischen Jnsallib ilität unserer modernen Liturgie, was aber im Grunde genommen in keinem Falle zutrifft. i Unser moderner Gottesdienst leidet an zwei Krankheiten: j an einer durch eitlen Pseudo-Patriotismns verursachten Auszehrung einerseits, und anderseits an einer durch falsch ausgesassten und übertriebenen Nationalismus verursachten Verfettung. Zur ersten Categorie gehören zumeist jene Synagogen, denen das Glück zutheil geworden war, Cantoren-Coriphäen zu besitzen, die einige Dccennien zurück für den Gottesdienst componiert haben; zur zweiten Categorie, gehören fast ohne Ausnahme alle übrigen Synagogen der Welt. Es wiederhole» sich bei-den Ge meinden der ersten Categorie. in Betreff der synagogalen Musik des 19. Iahrhuiiderts, dieselben Fehler, die die mittelalterlichen Gemeinden in Bezug auf die synagogale Poesie begangen haben. Wie damals auf die Herkunft des Peitans mehr Gewicht als aus den inneren Werth des Piuts gelegt worden war und jede Gemeinde ihren Gottesdienst mit einigen Dosen Patriotismus, mit ihrer Landesproduction zu würzen suchte, was zum Schaden des allgemeinen Zudeuthums eine Sonderung der Riten nach Ländern (Minhag Sephard, Aschkenas, Polen rc.) und Städten (Frankfurt, Prag rc.) zur Folge hatte; so trug der Pseudo- Patriotismus der Gemeinden des 19. Iaculums zur Trennung der modernen Liturgie bei. Durch egoistischen Stolz der Gemeinden der ersten Categorie hatte sich ein Larenthum, wie einst bei den Etruskern ausgebildet. Jede Gemeinde vergöttert ihren Landesgötzen, und betreibt mit ihren Coriphäen einen regelmäßigen Personencultus, wie z. B. Wien mit Sulzer, Paris mit Naumburg oder, mit David, Berlin mit Lewandowski, London mit Mombach rc. . . Zum Beweis der Pietät für die Coriphäen geben die vorehrwähnten Gemeinden ihren Gottesdienst einzelnen Personen zur ewigen Pacht; keine andere Musik, sei sie auch von den Seraphim, darf den Raum ihrer Tempel entweihen, um den Frieden der im Himmel wohnenden Tonkünsiler nicht zu stören! (Fortsetzung folgt.) VerschieLrnc Nachrichten. Wien. (Berichtigung.) Die in voriger Nummer im Spendenausweis der Wiener. Cultusgemeinde enthaltene Spende von 1200 Kr. für arme, in Wien sesshafte Familien wurde irrthümlich nnter „Kaiserhof", statt „Kaiserdorf" ausgewiesen. Wien. Freitag, den 1. November, 10 Uhr Vormittags, findet I., Scitenstettengasse 4, 2. Stock, eine öffentliche Plenarsitzung des Vor- - fiandes der israel. Cultusgemeinde statt. Tagesordnung: 1. Aus den Einläufen. 2. Präsidialbericht. 3. Berichte des Vertreter-Collegiums: a) Bethausverein Simmering (Res. Herr Vice-Präs. Dr. Kohn); b) Bestellung von Curatoren für Stiftungen (Res. Herr-Vice-Präs. Dr. Stern) j c) Angelegenheiten des Altersversorgungs- und Siechenhauses (Res. Herr Ob.-Jng. v. Mises); ä) Subventionirung des Vereines „Tefilas Hanorim", e) Subventionirung für den Bibel- und Talmud-Unterricht und k) Sprachuud Bibelschul-Unterricht in der Leopoldstadt (Res. Herr Vice-Präsident Dr. Kohn). 4. Regelung der Koscherfleisch-Angelegenheit (Res. Herr Ob.- Jng. v. Mises). Wien, Am 20. October fand im Restaurant Wiener die constituirende Generalversammlung des „Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judenthums in Wien und Niederösterreich" statt. Herr Bernhard Hosbauer als Einberufer begrüßt die sehr zahlreiche Versammlung, die ihn zum Vorsitzenden und Herrn Professor Salzmann zum Protocollsührer acclamirt. Das provisorische Comitv unterbreitet eine Liste für die Vorstandswahl, welche über Vorschlag des Herrn A. Bondi mit Acclamation angenommen wurde. Diese Liste berücksichtigt nach Thunlichkeit alle Bezirke Wiens und die größeren Bethäuser, damit die Interessen des Vereines allenthalben vertreten seien. Drei Revisoren werden gleichfalls mit Acclamation gewählt. Herr Braun ersucht, der Verein wolle dahin wirken, dass jüdische Handwerker beschäftigt werden, was Vorsitzender zusagt. Herr Dr. Alex. Kohn beantragt, der Vorstand solle sich mit der Cultusgemeinde behufs Erreichung der Vereinsziele ins Einvernehmen setzen; auch solle der Verein dem Schulwesen, namentlich dem Religionsunterrichte und den Schulbüchern Aufmerksamkeit schenken. Herr Hofbauer erwidert, der Verein müsse, um seine Unabhängigkeit zu wahren, seine Zwecke nur mit eigenen Mitteln zu erreichen suchen. Der Cultusvorstand ist weder verpflichtet, noch auch in der Lage, unsere separaten Bedürfnisse zu befriedigen, da er für eine Minderheit keine großen Aufwendungen aus Gemeindemitteln machen, auch für die Imponderabilien, die bei altjüdischen Einrichtungen ins Gewicht fallen, kein Verständnis haben könne. Dagegen sind die Orthodoxen in der ganzen Welt gewöhnt, für ihre culturellen und sonstigen religiösen Bedürfnisse Opfer zu bringen, die weit über die Kräfte jedes Einzelnen hinausgehen. In puncto Schule werde der Vorstand mit Freuden der Anregung des Herrn Dr. Kohn Folge geben. Herr Mandl urgirt.die Einrichtung von Koscher-Fleischbänken in den äußeren Bezirken, da der Bezug von Fleisch aus den notorisch koscheren Fleischbänken schwierig, zeitraubend und daher kostspielig ist. Ueber Antrag des Herrn Robitschek wird den Proponenten, besonders Herrn Hosbauer der Dank votirt. Der Vorstand constituirte sich am 27. October und hat folgende Zusammensetzung: Obmann: Herr Bernhard Hosbauer, 1. Stellvertreter Abr. Fischer^ 2. Josef Schaabmann, Cassier Philipp Back, 1.' Schriftführer Wolf Pappenheim, 2. Simon Buchwald, Controlore: Dr. Josef Bondi, Adolf Leitner. Moritz Felsenburg, Simon Hecht, Philipp Hosbauer, Jakob März,.

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