Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 42 (1.11.1901)
- Date
- 1901-11-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 42 Die iPabrbeit. reite 9. David Robitschek, Berich. Schiff, Mor. Silberstein, Dav. Stern, Elias Weiß. Revisoren: Hof- und Gerichts-Advokat Dr. Alex. Kohn, Philipp Nussbaum, Prof. R. S. Salzmann. Der Sitz des Vereines ist provisorisch 2. Bezirk, Kl. Pfarrgasse 12, allwo jeden Sonntag Nachmittag ein Verbandsmitglied anwesend ist. Zuschriften erbeten an den Obmann Herrn B. Hofbauer, I. Bez., Tuchlauben 26. Wien. (Jüdischer Schulverein für den IX. Bezirk in Wien.) Die Gründung eines Schulvereines im IX. Bezirke erwies sich schon als höchst dringend. Nach mannigfachen Bemühungen konnte endlich dieser Verein ins Leben gerufen werden. Am 28. October fand die constituirende Versammlung dieses Vereines statt. Der Proponent, Herr Max Pappenheimer, begrüßte die Versammlung im Namen der Proponenten, berichtete, dass die Statuten von der Statthalterei genehmigt und der Schulplan von der Cultusgemeinde bestätigt wurde; die Genehmigung des Landesschulrathes wird demnächst erfolgen. Nach Erstattung des Referates wurde Herr Mar Pappenheim zum Vorsitzenden der Versammlung einstimmig gewählt. In die Vereinsleitung dieses neuen Schulvereines wurden folgende Herren per Acclamation gewählt: F. Altmann, Dr. H. P. Chajes, Albert Kahane, Dr. Sig. Kornfeld, Dr. Wilh. Klein, Sig. Korumehl. I. Löwenstein, Max Pappenheim und Dr. Jacob Weiß. Die Constituirung des Vorstandes findet demnächst statt.- Mien. Am 22. October fand die constituirende Generalversammlung des neugegründeten Krankenunterstützungsvereines „Ansche-Emmes“ statt, bei welcher sich über 50 Mitglieder einfanden. Zum Obmann wurde einstimmig Herr Sigmund Wodak, zum Stellvertreter Sal. Baumgarten, zum Cassier Heinrich Gotdstrich, zum Schriftführer Sam. Hirsch! gewählt. Der Verein hat auch ein würdig eingerichtetes Bethaus eröffnet. Mien Die Baukauzlei des Architekten und k. k. B a urathes Wilhelm Stiaßny befindet sich vom 1. November d. I. angefangen Wien, I., K r u g e r st r a ß e 8. Mien. Sonntag, den 8. November, 3 Uhr Nachmittags, findet im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Fräulein Hermine Königsberger Tochter des Beamten der Wiener Cultusgemeinde, Herrn Nathan Königsberger, mit Herrn Ludwig Rothmüller statt. Wien. In Verhinderung des Herrn Dr. Kabn, der Krankheit halber den angekündigten Vortrag in der Toynbee-Halle am Tienstag nicht halten konnte, sprang Herr Dr. Kellner mit einem improvisirten Vortrage ein, der die Geschichte der Besiedelung Palästinas durch die Juden behandelte. Die streng historische und gleichzeitig philosophisch vertiefte Betrachtung, verbunden mit der Darstellung der so wichtigen neueren assyrischen Funde, erf eilte sich stürmischer Anerkennung. Der Zuspruch war so stark, dais beide Eingänge abgesperrt werden mussten. Wien. Bei Freud und Leid erkennt man seine Freunde, und so konnte man an der so zahlreichen Betheiligung bei der Trauung der Tochter des Herrn Reliaiouslehrer Buxbaum mit Herrn Süßkind, die am Sonntag im Bethause der Leopoldsgasse stattfand, die große Beliebtheit und Sympathie ersehen, deren sich der Vater der Braut in allen Kreisen erfreut. Namentlich fanden sich die Herren Religionslebrer mit den beiden Herren Jnspectoren fast vollzählig ein, weiters erschien vom Cultusvorstande Herr Bezirksschulrath Dr. Marcus Spitzer, die Herren Rabbiner Sor und Kramer Obercantvr Bauer u. v. A. Das Gotteshaus war in allen Räumen überfüllt und die Function des Herrn Obercantor Schorr trug zur Hebung und Weihe des religiösen Actes wesentlich bei. Beim Bedecken im Eltern! arise hielt der Brautvater eine zu Herzen gehende Ansprache. n. Mähr.Hllrau. Unser neuer Obercantor. Herr B. Klein, hatte anlässlich seiner Mitwirkung bei dem am 9. October im Festsaale des Deutschen Hauses vor dem gewähltesten Publikum abgehaltenen Concerte des jugendlichen Geigerkönigs Jan Kubelik einen großartigen Erfolg, der um so höher zu schätzen ist, als es außerordentlich schwer fällt, neben einem so begnadeten Künstler wie Jan Kubelik überhaupt Beachtung und anerkennenden Beifall zu finden. Obercantor Klein, der schon einmal während seiner früheren Laufbahn als Opernsänger Gelegenheit hatte, zusammen mit Kubelik zu concentriren, sang theils deutsch, theils italienisch, und die gesammte hiesige Kritik lobte seinen geschmackvollen Vortrags seine deutliche Aussprache, den schönen in allen Lagen ausgezeichneten Ton der Stimme und sein feines musikalisches Empfinden. Obercantor Klein, der auch durch seine cantoralen Leistungen bisher allseitige Anerkennung gefunden hat, hat sich durch das Concert weitere Sympathien erworben. Awktla« Eine seltene Ehrung wurde Herrn Obercantor Ch. A. Lebovitsch in unserer Cul:usqemeind« zutheil. Derselbe wurde nach Absolvirung eines kaum 3 monatlichen Provisoriums über Antrag des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Felix Kanter und des allverehrten Bor« standes, Herrn Fabrikanten Josef Stein, einstimmig per Acclamation zum Obercantor der hiesigen Cultusgemeinde gewählt. Diesen seltenen Erfolg (nach Absolvirung des ersten Probevortrages wurde nämlich von Seite des Cultusvorstandes der Beschluss gefasst, keine Bewerber mehr zur Probe einzuladen) verdankt Herr Lebovitsch in erster Reihe seinem eminent fachmännischen Wiffen, seiner rrstaunlichen Belesenheit auf dem talmudisch halachifchen Gebiete, wie nicht minder seinem volltönenken und sympathisch klingenden Organ. Herr Lebovitsch, welcher bis vor Kurzem in der altehrwürdigen Großenhof-Synagoge in Prag ars Nachfolger des bekannten Obercantor Philipp Bachrach sel. And. merkte, versteht es meisterhaft, das moderne Cantorale mit dem traditionellen Chasonus zu vereinigen, weshalb auch sein mit tiefem Verständnis gehaltener Vortrag alle Zuhörer erbaut. In aller Bescheidenheit lebt Obercantor Lebovitsch nur seinem Berufe und der talmudischen Wissenschaft. der er schon seit seiner frühesten Jugend mit Fleiß und Verständnis obliegt. Wie er früher einer der eifrigsten Besucher der talmudischen Vorträge des ehrw. Prager Oberrabbiners war, so zählt er auch hier zu den fleißigsten Besuchern der hiesigen von Herrn Rabbiner Dr. Kanter geleiteten Schass-Chewra. Szeuitz. An Stelle des Herrnl Cantor Josua L ö w i, der am 1. November seine Stelle als Cantor und Religionslehrer in Stomfa «»treten wird, wurde nach einem überaus beifällig ausgenommenen Probevortrag Cantor D. S ch r e^i b e r, Neffe des Herrn Obercantor Wittmann, mit Acclamation gewählt. Hdesta. Am letzten Hoschanoh-Rabbo wurde unserem überaus beliebten Obercantor Minkowcky eine Auszeichnung seitens des Vorstandes zu Theil. In Anerkennung »einer hervorragenden Amtswirksamkeit überreichte ihm der Präsident der Gemeinde, Dr. Wladimir Corisowit'ch Pitkis eine goldene Uhr sammt Kette und einen Check aus 200 Rubel, und gleichzeitig eine Adreffe der Gemeinde, in welcher der Wunsch ausgesprochen wurde, dass es Obercantor Minkowsky gegönnt sei, ebenso lange Zeit wie sein Vorgänger, der berühmte Blumenthal, der mehr als ein halbes Jahrhundert in Odessa gewirkt hat. au dieser Stätte seines heiligen Amtes zu walten. Karlsruhe. Die 3. israelitische Synode wurde hier am 14. October im Namen der Regierung durch den Geh. Oberregierungsrath Bicherer eröffnet. Die Versammlung beschloss ein« Adresse an den bisherigen Staats minister Dr. Nock als Ausdruck des Dankes dafür, was derselbe für die Cultusangelegenheiten der isr. Gemeinden stets gethan habe. Waris.(Eine Jüdin auf dem Throne von Bulgarien.) Dass eine Jüdin einmal Königin von Bulgarien gewesen ist, darüber macht die „Revue des Ecoles de l'Alliance Israeli!«" eine interessante Mittheilung. Jene Jüdin war die Gernalin des bulgarischen Königs Iwan Alexander, der um die Mitte des 14. Jahrhunderts regierte. S e hieß mit ihrem Gcbmtsnamen Sarah; sie war von außerordentlicher Schönheit und bezauberte hiedurch den König so, dass er seine Gemalin Theodora verstieß und die schöne Sarah, die vorher ihren Glauben ablegen musste, zu seiner Gattin machte, worauf auch sie den Namen Theodora annahm. Sie wurde nun eine fanatische Christin und widersetzte sich nicht den Verfolgungen, denen die Juden ihres Landes ausgesetzt waren. Nur einmal, als drei Juden inr Residenzstadt Tirnowo wegen Gotteslästerung zum Tode verurrheilt wurden, gelang es ihr, die Todesstrafe in schwere Körperstrafe umzuwandeln. Aber die Bevölkerung von Tirnowo stürzte sich auf die drei Juden und mißhandelte sie in der furchtbarsten Weise. Die jüdische Gemeinde in Tirnowo löste sich in Folge dieser Verfolgungen aus, und es ist bemerkenswerth, dass auch heute noch in der Stadt keine jüdische Gemeinde vorhanden ist, während in anderen Städten Bulgariens solche existiren. Aber der jüdische Friedhof sieht noch und er reicht bis in jene Zeit hinaus. Auch die Erinnerung an „die schöne Jüdin von Bulgarien" ist wach geblieben, und vor Kurzem hat der bulgarische Profeffor der Theologie Popoff die geschichilichen Beweise für die Wahrheit dieser Erzählung von der „jüdischen Königin auf dem bulgarischen Thron" gesammelt. Daiiksamm^. Für die liebevollen Beweise inniger Theilnahme an dem erschütternden Schicksalsschlage, der mich durch das Ableben meines zärtlich geliebten, theueren Gatten Mayer W odak getroffen, statte ich Alldenjenisren, welche in den bitteren Stunden des bösen Verhängnisses mein tiefstes Leid durch aufmunternde Trostesworte zu lindern suchten und dem Yerewigten die letzte Ehre zu erweisen so gütig waren, namentlich der verehrlichen Chewra Kadischa, den Herren L’antoren Singer, Bauer, Schiller, Blatt, Roman, und Pekarnik meinen wärmsten Dank ah. Marie Wodak.