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Die Wahrheit · 1901-11-01 · Heft 42 (1.11.1901) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 42 (1.11.1901)
Date
1901-11-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Rr. 42. Die DahrheU. Lene 5. S^heWeMMchseüen ZsrLettlenhieses nichtiso hart empfinden, für zarte Kluderherzen, hie besonderer Wege, und Sorgfalt bedürfen, ,Wil^Dlch>. der leiseste ungesunde.Hauch ihnen oft unheilbaren SchMn bringen ^nnimit vielen -verderblichen Stoffen erfüllt, ttut Stoffeil^ die oft verderblicher, wirken als die'Keime der Pest und ßholera, indem sie d»e von Natur fromme Denkungsart der Kinder .in .gährelld Drachenblut verwandeln. . -! - In. der Schule sollen ferner die Kinder zu einem. bescheidenen, mäßigen Lebenswandel, zur Sparsamkeit- und zur Zufriedenheit erzogen werden. Anstatt nun. dass die wohlhabenden Huden ihre Kinder in eine jüdische Volksschule schicken sollten, in. welcher das wohlhabende Kind au dem anderen lernen könnte, wie viele Dinge im Leben doch eigentlich entbehrlich seien, und anspruchslos inan, doch eigentlich sein könnte und müsse, suchen -sich auch die ärmeren Juden oft von ihrem Munde das Schulgeld .flbzusparenum ihre Kinder in höhere Schulen zu schicken, wo sie, neben Söhnen und Töchtern der reichsten Familien sitzend, Sitten, Gewohnheiten und Bedürfniße kennen lernen 4md sich aneignen, die sie nachher dem väterlichen Hause, der Familie und den Kreisen, zu denen sie gehören, vollständig entfremden und bei dein Mangel an materiellen Mitteln, jenen Sitten, Gewohnheiten und Bedürfnißen gerecht zu werden, zu den unglücklichsten Zwittergeschöpfen machen müssen. Daher wäre es viel zweckmäßiger, ja heilsamer, wenn alle Juden ausnahmslos ihre Kinder bis nach vollendetem 13. Lebensjahre in jüdische Volksschulen schicken möchten, dann würden einerseits alle die geschilderten Schäden nicht vorhanden fein; denn nach vollendetem 13. Lebensjahre ist das Kind religiös, sittlich und geistig meistens schon so weit entwickelt und fortgeschritten, dass es. dann ohne Nachtheik und Gefahr auch anderen Schulen anvertraut werden kann. Ueberdies würde bei solcher Praxis -auch noch der Bortheil sich ergeben, dass nur wirklich begabte Kinder von. jüdischen Eltern den höheren Schulen zngesührt werden möchten; weniger begabte und solche Kinder dagegen, die, durch ihre Lage gezwungen, schon möglichst frühzeitig einen praktischen Beruf ergreifen muffelt, würden ihre Vorbildung in der jüdischen Volksschule mit Vortheil beschließen, und den Eltern würde viel Geld, Zeit, Mühe, Verdruss und Enttäuschung erspart bleiben, während es gegenwärtig vielfach vorkommt, dass Knaben erst mit dem fünfzehnten -oder sechzehnten Jahre kaum die Untertertia erreichen, um wegen Mangels an Begabung oder an materiellen Mitteln die höhere Schule mit ganz unvollkommener Halbbildung verlassen zu müssen. __ Die stille Tephilla. Vor jedem bei Schackaris, Muffavh und Mincha laut Dorgetragenen Schemone-Eßreh-Gebete, wird dasselbe von der Gemeinde still verrichtet. Diese von unseren alten Weisen getroffene Einrichtung ermöglicht jedem Einzelnen im Gotteshause mit .voller und ganzer Andacht die Tephilla, das nach dem Schema wichtigste Gebetstück, nicht nur zu „hören", sondern auch wirklich zu „b e t e n". Im Iraotat Lsraellot V., 2, lesen wir, dass unsere frommen Vorfahren eine ganze Stunde in der Stille sich gewissermaßen vorbereiteten und in die richtige Andacht versetzten, bis.sie das wichtigste Gebetstück auch wirklich beteten. Der Eindruck, den eine große, leise betende Gemeinde aus einen -zufällig Eiutretenden macht, ist auch ein überwältigender. Vor nahezu eineinhalb Jahren, es war Schewuoth des vorigen Jahres, vollzog sich in den Wiener Gemeiudetempeln, machd/m durch fast 3 Jahrzehnte die Tephilla nach laut vorgetragener Keduscha nur leise gebetet würde ein Umschwung, resp. eine Rückkehr zur alten Tradition, indem die Mnffaph- Tephilla wieder zum v o l l st ä n d i g e n l a u t e u Bortrag .gelangte,- was schotl durch einige Jahre vorher beim Jugend- Gottesdienste geübt, wurde — dafür wurde aber die vorherige, vön^der Gesammtgemeinde leise verrichtete Andacht, einfach weggelassen. Die wieder eingesührle laute und zwar vollständige Recilation der Tephilla wurde mit Freuden begrüßt, und die wirklich religiösen Besucher des öffentlichen Gottesdienstes knüpfte« daransdie Hoffnung, dass auch die „stil l e T e ph i l l a" wieder in Ihr altes Recht werde eingesetzt werde». Diese Hoffnung möchten wir inver That gerne bald erfüllt sehen, ' denn die „sti 1 le Tephill a" der Gefammtgemeinde bildet eineniutegrirenven Theil der Grsammtandacht andacht. Wann soll denn daS Publikum fern „Schemone-Gßreh" beten? Während der Cantor rezitirt, geht es nicht, man lauscht ja eben auf seinen meist künstlerischen Bortrag oder den Gesang der ihn begleitenden Sänger, betet schließlich dieses wichtige Gebet selbst gar nicht und ' begnügt sich damit, es blos .gehört" zu haben. Der Entwand, es sötte durch Weqlaffen der stillen Tephilla Zeit gewonnen werden, ist nicht stichhältig. Ein um weniges rascheres Tempo in der Recitatio» und in dem Chorgefange hat, ohne der Würde des Gebetes Abbruch zu thun, die paar Minuten für die „stille Tevhilla" bald hereingebracht. Wir wiffen Dank dem Manne uitb den Männern tut Rathe unserer Gemeinde, die uns zur ersten Etappe der vollständigen, laut zum Bortrage gelangenden Tephilla verhokfen haben, und bitten sie, eingedenk des Spruches unserer Weisen: „Wer mit einer Mizwah beginnt, dem rufe man zu : .Vollende dieselbe auch!" dem religiösen Theil der Besucher unserer Gemeilidetempel. welch letztere nicht nur „hören" sondern auch „wirklich beten" und andächtig beten wolle», zur Ausübung ihrer religiösen Pflicht, also zu ihrem traditionellen Rechte zu verhelfen. __ »Amittai“. Erjnnerunzsblälter auf das frische Grab des Rabbiners Dr. Selig-Auerbach s. A. zu Halberstadt. Bon Rabbiner Dr. Daniel Fink. (Fortsetzung.) Schon als Schuldirector in Fürth schlug Dr. Selig Auerbach die Richtung ein, die für ihn zeitlebens den Ausschlag gab. Als Student war ihm die Erledigung des Schulpenfums nur die eine, und - zwar die kleinere Hälfte seiner Leistungen. Im Amte stehend, hielt er es damit nicht anders. Die mit demselben verbündeten Pflichten, welche er mit einer eisernen Pünktlichkeit erledigte, bildeten nur die eine Seite seiner Thätigkeit. Neben derselben entfaltete er eine private in einem Umfange, wie sie für sich allein schon die volle Arbeitskraft eines Menschen erschöpft hätte. Er sammelte um sich eine Schaar wissbegieriger Jünglinge aus allen Berussständen, die er in das Studium unserer heiligen Schristthums einführte. Es war schon damals für ihn ein seelisches Bedürfnis, dass die Luft, die er athmete, gleichsam mit dem Weihrauch der Thora gewürzt sei. Er ließ sich daher aus der Schaar der Jünger, die in Halberstadt zu Füßen seines Vaters saßeu. einen nach Fürth komme». Der hatte den Wechsel keineswegs zu bedauern. Seiner äußeren Stellung nach, erfreute er sich der Rechte eines Kindes im Hause — ohne jede Schmälerung. Was jedoch noch mehr sagen will, er war meist auch zugleich eine Genosse der nie rastenden Geistesarbeit des Meisters. Ji» diesem Rahmen bewegte sich seine zehnjährige Wirksamkeit in Fürth. Im Jahre 1872 wurde der Vater in Halberstadt von dem Schauplatze seiner jegenSvollen Thätigkeit abberufen. Wenn ich nicht irre, hatte er letztwillig den Wunsch geäußert, dass der Sohn fein Nachfolger im Amte werde. Dieser Umstand war für letzteren bestimmend, eine» liebgewonnenen, von reichem Segen begleiteten Wirkungskreis auszugeben. Die Gemeinde Halvcrstadt lviedernm konnte sich zu einem solchen Nachfolger nur Glück wünschen. Einen würdigeren hätte sie wohl schwerlich gefunden. Man kann feine stets ins Große ausgreifetlde Wirkungsweise au der Spitze dieser Gemeinde nicht begreifen, wenn matt nicht die besondere Eigenheit des Schauplatzes ins Auge fasst. Halberstadt ist eine Stadt mittlerer Größe, in der preußischen Provinz Sachsen am Fuße des HarzeS gelegen. Sie war schon in den ältesten Zeiten' ein Sitz echtdeutscher Cultur und istes bis aus den heutigen Tag geblieben. Auch Vas moderne Lebe» entfaltet sich dort in allen seinen Gestaltungen. Die Bevölkern ng treibt Industrie, Handel und Ackerbau. Alle möglichen Schulett -¥V?- 6E_

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