Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 41 (25.10.1901)
- Date
- 1901-10-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41 L)ie Lvahrhen. Seil? 7 anwendbar: IL'N' 'ftb mDsböa n'.no tP'x mn Wenn Du einen Mann stehst, der tüchtig ist bei seinem Werke, der mit Fleiß und Ausdauer seine Pflicht erfüllt, sich nicht erst aus dem Schlafe aufrütteln lassen muß, die ihm anvertraute Sache als eine persönliche betrachtet, wenn Du einen solchen Mann siehst, er darf vor Könige hintreten, denn er hat es in seinem Leben verstanden, i.-'u Amt zu übersehen, zu verwalten und zu beherrschen wie ein König. Und dieses Zeugnis hat der Dahingeschiedene verdient. Es,waren seltene Eigenschaften, die ihm zu Gebote standen: -er hatte ein merkwürdiges Gedächtnis, er war vertraut mit den Berhältnißen eines jeden Mitgliedes unserer Gemeinde, er konnte 2>em Vorstande mit seinem Rathe zur Seite stehen, er war dabei ein Mann der Gewissenhaftigkeit, der das Kleinste wie das -Größte wahrnahm — denn das ist das Wichtigste in der Führung eines Haushaltes — und so hat er sein Gebiet beherrscht, er hat es verwaltet und geordnet, mit haushälterischem Ueberblicke, gewissenhaft, treu und redlich. Die Angehörigen und Freunde des Dahingeschiedenen, sie müssen, werden und können einen Trost finden in der Anerkennung, welche der Dahingegangene gefunden hat bei unserem geschätzten Vorstande, bei dem verehrten Präsidenten, der selbst das Wort nehmen wird, um dem Dahingeschiedenen einen Nachruf zu halten, und bei dem ganzen Kreise unseres würdigen Vorstandes, denn das, was Einer selbst gewesen und aus sich selbst geworden ist, das ist immer der beste Trost, ein mlversieglicher Quell der Erhebung. — Erj ist das Höchste gewesen und aus sich geworden, was ein Mensch sein kann, das heißt ein treuer Diener, ein Mann auf dem Platze, ein Ma»m, der seine Pflicht erfüllt hat, und so kann er am Vorabende des Sabbath, wo er zum Sabbath der Sabbathe einzieht, hintreten frei und offen vor den König der Könige. — Er ziehe hin in Frieden!" Der Sarg wurde hierauf in die Mitte des Ceremoniensaales getragen, und der Präsident der Cultusgemeinde,' Herr kais. Rath Klinger, hielt tiefbewegt dem Dahingeschiedenen folgenden Nachruf: „Tief erschüttert, schmerzlich bewegt, stehen wir vor der entseelten Hülle unseres leider so früh seiner Familie und der Gemeinde entrissenen G u st a v W i e n e r, des wackeren Mannes, der durch 18 Jahre seine Kräfte dem Dienste unserer Cultusgemeinde gewidmet, mit an der Spitze unserer achtbaren Beamtenschaft stehend, durch seine Berufstreue, durch seine her- -vorragende Begabung, durch sein über Pflichterfüllung weit hinausreichendes, thatkräfliges Wirken zu der Zierde unserer Oberbeamten zählte; und ich entspreche einer Pflicht, ja einem Herzensbedürfniße, indem ich, so wie währe ich des Lebens dieses Mannes ihm unsere hohe Achtung und stete Anerkennung gewidmet war, an dieser Stelle im Namen des Gesammtvorstandes Worte des Dankes, des innigen, herzlichen Dankes an unseren unvergesslichen Gustav Wiener ansspreche. Werdas Wirken und die rastlose Thätigkeit des so früh Verblichenen wie wir mit angesehen, hat ihn lieben gelernt und mutste ihm hohe Achtung zollen. Gerecht und bei aller Strenge für Unterbeamte, hat es ihm immer Freude bereitet, wenn er wie ein Vater für dieselben eintreten konnte. Nicht allein in den Ressorts die ihm unterstanden, hat er mit seltener Berufsfreudigkeit geschaffen und gewirkt, sondern auch im Armenamte war er seit Langem segensreich thätig, und welche hohe Genugthunng hat es ihm bereitet, wenn er für Stipendien, oder für Unterstützung von Studirenden oder Rigorosanten wirksam eintreten konnte. Gustav Wiener! Empfange nochmals unseren herzlichen Dank! Du hast zu kurz, aber nicht umsonst gelebt. Dein Name und Dein Wirken in unserer Gemeinde bleiben unvergessen; und wenn nach Jahren der Vorstand, der berufen sein wird, diese unsere Cultusgemeinde zu verwalten, einem Beamten das Bild der Rechtlichkeit und der Pflichtreue und des genialen Erfassens der Agenden vor Augen wird halten wollen, dann wird er ihm zurufen: „Werde, wie Gustav Wiener!" Nun trat der Secretär-Stellvertreter, Herr Dr. Emil Adler, an den Sarg, um namens der Beamten der Cultusgemeinde von dem Dahingeschiedenen mit folgenden Worten Abschied zu nehmen: „Gustav Wiener! Theurer Freund! In Vertretung unseres Ersten Secretärs, Deines Dich treu liebenden Freundes Dr. Theodor Lieben, der heute durch Krankheit leider verhindert ist, an dieser Stelle zu erscheinen und Dir das letzte Geleite zu geben, bringe ich Dir namens der Beamtenschaft letzte Grüße. Unser Schmerz ist zu wahr, zu überwältigend, als dass ich in diesem Momente des Abschiedes schildern könnte, was Du uns, Deinen College» — was Du der von Dir herangebildeten jungen Beamtenschaft gewesen. Doch Dir brauchte man auch im Leben nicht viel zu sagen, Deinem klugen Sinn, Deinem weisen Herzen genügte stets ein kurzes Wort — ein leiser Hinweis. Du warst unser treuer College, unserer aufrichtiger Freund, unser vortrefflicher, väterlicher Berather. Hab' Dank, innigen Dank für all' Deine Freundschaft! Wir wollen Dir ein treues Gedenken bewahren." Namens der Beamten der Cassa und des Steueramtes sprach Herr Official Adolf Popper den folgenden Nachruf: «Deine Dir treu ergebenen Beamten sind es, die verzweifelt an Deiner Bahre stehen, um Abschied zu nehmen von ihrem väterlichen Freunde. Gustav Wiener, unser Amtsvorstand, ist nicht mehr! Wie Du warst, das können nur wir ermessen, die wir täglich und stündlich in Deiner unmittelbaren Nähe weilten. Du warst uns i ein Vater; hingebungsvoll und aufopfernd bist Du für das Wohl Deiner Beamten eingetreten, und so beklagen wir nicht den Verlust unseres Chefs, nicht den Heimgang unseres Vorgesetzten, sondeku wir trauern um einen Vater. Du hast uns geführt und geleitet, Du warst das Sinnbild strengster Pflichterfüllung, ein Edelstein im wahrsten Sinne des Wortes. Hier an Deiner letzten Ruhestätte geloben wir, in DeinemjGeiste und in Deinem Sinne weiter zu wirken und Dein Andenken hochzuhalten auf ewige Zeiten. Ruhe sanft!" Die Beamten der Cultusgemeinde hoben hierauf den Sarg und trugen unter Trauergesängen des Tempelchores ihren verblichenen Amtsvorstand zur letzten Ruhestätte, die ihm an der Seite seiner vor Jahren verstorbenen ersten Gattin, einer Schwester der tieftrauernden Witwe Gustav Wieners, bereitet wurde. .Trcw'n Lingesendet. Von einem angesehenen Mitgliede der Wiener Cultusgemeinde erhalten wir folgende Zuschrift: „Löbliche Redaction! In dem in letzter Nummer Ihres Blattes veröffentlichten Sitzungsberichte aus dem österr.-ung. Cantorenverein ist Obercantor Guttmann, trotz der hervorragenden Stellung, die er in der Gemeinde einnimmt, als letzter unter den anwesenden Canto ren und Chordirigenten genannt. Diese Thatsache erschien nicht nur mir auffällig, sondern wurde auch in einer vor Kurzem stattgehabten Vertrauensmänner-Versammlung abfällig besprochen, da sie den Schein erweckt, dass „Die Wahrheit" ihre bisher immer streng eingehaltene Objectivität aufgegeben hat und die gegen den beliebten Functionär von mancher Seite freilich erfolglos eingeleiteten Jntriguen unterstützt. Als Abonnent und Leser Ihres geschätzten Blattes erbitte ich mir gefällige Aufklärung und zeichne hochachtungsvoll D. B." Dem gegenüber müssen mir constatiren, dass die Präsenzliste bei den Sitzungen des Cantorenvereines, einem gewiss auch in anderen Vereinen gepflogenen Usus entsprechend, nach der Reihe des Erscheinens der einzelnen Theilnehmer angelegt wird. Auf Rangunterschiede wird schon darum keine Rück« sicht genommen, da es im Vereine nur Collegen und nicht Mitglieder höherer und niederer Ordnung gibt. In der letzten Sitzung erschien nun Obercantor Gumnann als der Letzte, bereits eine halbe Stunde nach Eröffnung der Sitzung, und es konnte daher sein Name erst an letzter Stelle in der Präsenzliste angeführt werden. Da aber der Bericht in unserem Blatte eine officielle Wiedergabe des Sitzungsprotokolles ist, hatte die Redaction weder ein Recht, noch irgend einen Anlass, eine Aenderung der Präsenzliste vorzunehmen. Unser Vorgang war also vollkommen correct und alle' an die betreffende Veröffentlichung geknüpften Vermuthungen gehören in da» Reich ungerechtfertigter Combinationen, die wir mit Entschiedenheit zurückweisen müssen. Die Redaetion.