Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 41 (25.10.1901)
- Date
- 1901-10-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Die wahrhen. Nr. 41. Die Schule soll ferner ihre Zöglinge zu allgemeiner, aufrichtiger Menschenliebe erziehen, zu einer Liebe, die den Nebenmenschen nicht nach Srand, Nationalität und Bekenntnis fragt, und jeden, so lange er nicht durch seine eigene Schuld Grund zum Hasse und zur Verachtung gegeben, als Geschöpf Gottes mit den gleichen Anlagen, Neigungen und Gefühlen, mithin auch mit gleichberechtigten Ansprüchen auf Nächstenliebe und Menschenachtung erscheinen lässt. Welche Schule pflanzt nun in das Herz des jüdischen Kindes den Samen zu jener Menschenliebe und Menschenachtung, die dem Individuum selbst und seiner Umgebung zum wahren Heile gereicht? Ist es die jüdische Schule, in welcher das Kind unter Kindern seines Glaubens, vor Verletzung seiner edelsten Gefühle geschützt, Liebe säen und ernten kann und von vernünftigen und menschenfreundlichen Lehrern mit Absicht, planmäßig und zielbewusst nach den Vorschriften unserer heiligen Religion in langjährigem Unterrichte, nicht blos in den Religiousstunden, zu allgemeiner Menschenliebe geführt wird? Oder geschieh: dasselbe etwa besser in der nichtjüdischen Schule, in welcher das jüdische Kind von Mitschülern und oft auch von Lehrern bewusst und unbewusst, im Ernste und im Scherze in seinen edelsten Gefühlen verletzt wird und entweder sich selbst, seine Brüder und sein Bekenntnis verachten, oder, was kein geringeres Unglück und nicht minder beklagenswert ist, seine Mitschüler gründlich verachten und hassen lernt, um diesen Hass und diese Verachtung im späteren Leben zu säen, und zu ernten? Welche Schule werdet Ihr wohl vorziehen, Ihr jüdischen Väter und Mütter, die Ihr doch alle Eure Kinder Eure Lieblinge, in erster Reihe zu guten und edlen Menschen erziehe» und vor Verrohung des Gemüthes bewahren sollt und wollt? (Fortsetzung folgt.) Die Laudlagsumhlen und die jüdischen Politiker in Galyien. (Schluss.) Der politische Helotismus, welcher dank der ängstlichen Anlehnung an die polnischen Machthaber jahrelang in Uebung stand, hat das galizische Israel dahin geführt, dass es in drei Decennien nicht einen Kraftpolitiker hervorbrachte. Alle politischen Männer, welche während dieser langen Reihe von Jahren über die politische Schaubühne zogen, besieißigten sich des politischen Utilitarismus. Die ausgetretenen' Gelei e, welche die Polenführer von Goluchowski bis Badeni mit Hilfe des Statthalters Grasen Pininski der allerobernden polnischen Nation geebnet haben, sind durch die Macht von oben und die Gewalt von unten ausgezeichnet fundirt. Da heißt cs: Jude pariren — sonst . . . . Sonst kann es freilich nicht schlimmer werden, als es bereits geworden ist. Wie ein Sauerteig wuchs das jüdische Verderben unter der Hand der politischen Brodkneterei, wobei das Brod immer und überall für die Polen christlicher,- das Mitkneren und der Robott für die Polen mosaischer Confession abfiel. Dieses schlimme politische Geschäft erkannten wohl viele Juden, allein im ganzen galizifchen Israel fand sich Niemand, der dem osienbaren Uebel entgegentreten wäre, und verächtlich benahmen sich selbst jene jüdischen Gemeinden, in deren Hand die Wahl selbstständiger jüdischer Candidaten lag. Bei dem Mailgel einer jüdisch-politischen Centralleitung verfiel der Cultusvorstand auf das sonst gar nicht so verfängliche Mitte! der Selbsthilfe, indem gewisse Cultusvorstände die politische Leitung ihrer Gemeinde übernahmen. Wenn wir nun auch den Vorständen großer Gemeinden das Zeug zur politischen Action nicht absprechen und diesen Auserwähllen alle Gemeindeagenden beruhigt anvertrauen können, haben wir es hier doch mit einen: großen Rechenfehler zu thnn, welcher den ganzen Calcül der politischen Freiheit der jüdischen Bürger in Frage stellt. Die polnische Landesregierung, als das Oberhaupt oder mindestens der Spiritus rsetvr des polnischen Centralwahlcounl«s, hält das galizische Israel durch die Gemeinderepräsentanten in ihrer eisernen Hand. Der Cultusvorstand wird ad audiendum verbmn beschicken und erhält die nöthigen Weisungen in xolitivis. Außerdem wird mit gleicher Wucht namens der schwarzgelben Fahne ein Druck auf die Rabbiner ausgeübt swb "Ql Der Vorstandpolitikus muß die Ordre du Nutti hören und darnach handeln. So geschah zu Lemberg das Unerhörte, dass der israelitische Vorstand für die Regierungscandidaten eintreten musste, unter welchen erklärte „Antisemiten" sich befanden. Der Cultusvorstand und die Rabbiner mussten hier ihre Popularität und ihre Machtfülle dem höheren Willen opfern. Dieses Vorgehen, das unter den schwierigsten Verhaltnißsn die Macht des Lemberger Cultusvorstandes so grell beleuchtete, ließ gewaltige Spuren in den Herzen der jüdischen Wähler zurück, welche nun bei der Landtagswahl Abrechnung hielten. Früher herrschte die Gepflogenheit, dass bei der Wahl von vier Landtagsabgeordneten stets ein jüdischer Abgeordneter gewählt wurde. Nach der gegenwärtigen Wahlordnung sind sechs Abgeordnete zu wählen, und da die jüdischen Steuerzahler und die sonstigen Stimmberechtigten ein Drittel der Wähler ausmachen, sollten eigentlich zwei jüdische Abgeordneten gewählt werden. Allein um eine politische Action dnrchznführen, wäre vor allem eine gut funktionirende politische Organisation nöthig. In Ermangelung einer solchen erscheint jedes politische Vorgehen als unpolitisch. Vergebens setzte sich der Vorstand für die Wahl seines unermüdlichen Präsidenten Dr. Emil Byk ein, wie von ungefähr entdeckte ein jüngerer jüdischer Advocat sein gntjüdisches Vertreterherz, und die rothen und rohen Gesellen der jüdischen Sozialisten hatten es eilig, Herrn Dr. Emil Byk alle möglichen Sünden vorzuwerfen, was seitens der Sozialisten in noch fchwäzeren Farben auf einem rothen Plakate ausgetragen wurde. Doch all das hätte dem eigentlichen und von den Polen selbst acceptirten Candidaten, Dr. Emil Byk, kaum welcher: Eintrag gethan, wenn die Polen des Centralwahlcomites und die polnischen Demokraten (?) ehrlich den Pact eingehalten hätten. Sehen wir doch, wie die zwei guasi einander entgegenstehenden polnischen Fraktionen, Schlachta und Demokratie, sich im letzten Momente in brüderlicher Eintracht die Hände reichten, um beiderseits ihren Candidaten zu einer imponirendeu Stimmzahl zu verhelfen. Ja noch mehr, selbst der polnisch-patriotische Candidat, welcher in allerletzter Stunde ausgestellt wurde, der Bauer Bojko, übertraf den einzigen Juden, Dr. Byk. Der Mann, welcher den Polen so unendlich viele Dienste geleistet, der Mann, welcher die Verteidigung der Polen im Reichsrathe in so ausgezeichneter Weise führte, diesem Manne gegenüber haben die Polen eine arge — Persidie getrieben. Die Polen selbst konnten und mussten ihm selbst gegen den Willen der Juden, was doch nicyt zutrifft, 2000 Stimmen liefern. All das konnte geschehen, weil wir Judei: ein Völktein sind, das nicht im Stande ist, seine fünf Sinne aus sein eigenstes Interesse zu concentriren, weil wir uns wie das seines Werthes unbewusste Edelmetall verhalten, das nur unter Drnck stehen muß, um Gemeinnütziges hervorzubringen, und der Welt schon so viele Dienste geleistet hat. Quecksilber oder — mit seinem bezeichnenden griechischen Namen Hydrargyrum >— Wassersilber — ist sein Name. O! diese Lydrargeue unseres Volkes in politischer, sozialer und nationaler Beziehung, wer heilt dieses Grundübel, wo und wann wird der Mann geboren werden, welcher uns die uralte jüdische Nackenfestigkeit, das so unentbehrliche Rückgrat gibt? Nicht blos in Lemberg, sondern überall haben die Polen ihre politische Unverlässlichkeit bewiesen. Geschah ja ein Gleiches in Krakau. Der Volksmund hat bereits diese rühmenswerthe und rührende Zuneigung zu den Juden zu einerstehenden Redensart verdichtet, indem er kündet: llak bieda to do zyda, a jak po biedze .... Bist Du in der Noth (o Pole) begib Dich zum Juden, aber nach der Gefahr . . . hier folgt ein uuflätiges Wort, das wiederzugeben.mir der Anstand verbietet. Aehnliche Politik wie in Lemberg machten die Polen in Krakau, und sie tverden es stets so machen. Die Juden wehren in erschreckendster Weise wirtschaftlich ausgenützt. Jüdisches Geld baut ihnen Schulen, jüdisches Geld ermöglicht ihnen durch die „Rulka i