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Die Wahrheit · 1901-10-25 · Heft 41 (25.10.1901) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 41 (25.10.1901)
Date
1901-10-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaction ti. Administration tüten, II/1. Novaragaffe 27. ß. k österr. Postsparcasia Eherk-Conlo S!r. 84!>.251. 1 n f, r a t e: 20 Heller per Noupareille-Zeilr. AdonnementSunb Jnjrrtioni. betrüge sind in Wien zahlbar. Erscheint jeden Freitag. Motto: .Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Lezngspreia: Ganzjährig . . st. 12.— Halbjährig . . . ß. >4.— Für Lultusbeamre: Ganzjährig . . . ß. 10.— Für Ausland: Ganzjährig .... 8 Ma.k ö Rubel oder lü FrcS. 41. Wien, 85. Oktober Ml. Anstatt r Ueber die Nothwendigkeit jüdischer Volksschulen. — Die Landtagswahlen und die jüdischen Politiker in Galizien. — Die Juden und der Wucher. — Ein interessanter Fund. — Gustav Wiener. — Eingesendet. — Gesänge und Andacht. — Verschiedene Nachrichten. Wir ersuchen die geehrten Herren Abonnenten um Einsendung «1er Abonnementsgebülir sür das am 1. Oktober begonnene IV. Quartal und Begleichung «ler Rückstände von den Sommermonaten. Die Redaction. Ueber die Nothwendigkeit jüdischer Notksschulen. Von Hauptlehrer Max K atz, Gnesen. II. Wir sehen also, dass die Volksschule, selbst wenn wir sie nur als Bildungs- und Unterrichtsanstalt betrachten, für die jüdischen Schulkinder jüdisch sein muss. Aber jeder Schule, und besonders der Volksschule, deren Schulkinder Häusern entstammen, in denen die Väter und Mütter theils durch den in der Gegenwart ganz besonders schwierigen Kamps um den Erwerb, theils durch die weit verbreitete Genuss- und Vergnügungssucht, theils durch zu geringen Bildungsgrad weder die Zeit, noch den Verstand für eine planvolle, vernünftige und sittliche Erziehung ihrer Kinder haben, — der Elementarschule allererste und hauptsächlichste Aufgabe ist besonders die Erziehung der Kinder, und so verschieden und mannigfaltig auch die Ziele sein mögen, zu denen die Schule auf dem Wege der Erziehung ihre Zöglinge führen soll, das jüdische Kind kann in der Gegenwart nur von der jüdischen Volksschule zu den erstrebenswerten und nothwendigen Zielen gefahrlos und ohne Unfall geführt werden. Was ist nun aber wohl nach der Meinung Aller das Wichtigste und Vorzüglichste, zu dem wir unsere Kinder erziehen sollen? Alle werden einstimmig antworten: Religion, Gottesfurcht Liebe zu dem Bekenntniße der Väter! Wo kann aber ein Kind eine wahrhaft jüdisch-religiöse Erziehung ' erhalten? Ich sage: „Nur in einer jüdischen Volksschule." Man wird entgegnen: „Für Religion genügen jüdische Religionsschnlen; in den Gymnasien und höheren Mädchenschulen ertheilen den Religionsunterricht sogar noch meistens akademisch gebildete Herren, und auch in den Simulianschulen ist meistens auf die eine oder die andere Art sür einen jüdischen Religionsunterricht genügend gesorgt, und unsere Kinder sind nach dieser Richtung hin auf das beste und vollkommenste versorgt". Aber nur gemach! Wenn es auch nämlich _ zugegeben werden muss, dass die Kinder in allen diesen Anstalten und Veranstaltungen Religion lernen, d. h. eine größere oder gerin» gere Menge von künstlich aufgebauten, meist unverstandenen Lehrsätzen aufnehmen, um sie bald in ein Chaos des Tanhu Wowauhu zu verarbeiten, so kann man sich doch der traurigen Wahrheit nicht verschließen, dass die Kinder dort nie und nimmer wahre Religiosität sich aneigneu, jene innere Scheu und Ehrfurcht vor dem Heiligen, Höheren und Göttlichen, di.' den Menschen ethisch adelt und zum sittlichen Wesen macht, jene Religiosität, die nur in einem dauernden Umgänge, wie r in der Volksschule jahrelang zwischen Lehrer und Schüler statlfr.-det, von einem religiösen Erzieher auf seinen Zögling sich überträgt, nicht aber während der zwei Stunden in der Woche, in oeneit die Kinder den sogenannten Religionsunterricht genießen, den die Schüler, weil er ohne Zusammenhang mit den übrigen Unterrichtsstunden ganz außerhalb stehend, als etwas Ueberflüssiges und Lästiges betrachten, aus ihr inneres Gefühlsleben nicht einwirkeu lassen, und dessen Lehrer deshalb in den meisten Fällen auf sie keinen versittlichenden und veredelnden Einfluss anszuüben vermögen. Unsere Gegner werfen uns Irreligiosität, Frivolität und Spottsucht gegen alles Heilige und Erhabene vor. Wenn wir nun auch diesen Vorwurf in seinem ganzen Umfange und in seiner Allgemeinheit nicht gelten lassen können, so müssen wir doch leider zugeben, dass manches daran in Bezug auf gewisse Kreise unserer Brüder nicht ganz ohne Berechtigung ist, und wenn wir den Ursachen dieser tief bedauerlichen Erscheinung nachspüre,t wollen, so würden wir sie in der mangelhaften religiösen Bildung unserer Jugend, und den Grund dieser mangelhaften Bildung in dem Mangel an jüdischen Volksschulen zu suchen haben und sinden können. Es wäre interessant, eine Untersuchung darüber anzustellen, in welchen Schulen diejenigen Männer ihre erste Ausbildung genossen haben, welche jetzt an der Spitze jüdischer Gemeinden und jüdischer Institutionen stehen. Dabei dürfte sich die merkwürdige Thatsache zeigen, dass die geistig hervorragenden und im Leben wichtige Stellungen einnehmenden Juden, welche in ihrer Jugend eine jüdische Volksschule besucht haben, auch im späteren Leben Interesse und Anhänglichkeit für Judenthum und jüdische Angelegenheiten bewahrt, diejenigen dagegen, welche schon in frühester Jugend ihre Bildung auf nichtjüdischen Anstalten empfangen haben, dem Judenthum vollständig fremd gegenüberstehen und kaum den Namen eines Juden bewahrt haben.

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