Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 40 (18.10.1901)
- Date
- 1901-10-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Allgemeine Canwren-Zeiluilg. Nr. 40. ZSeikage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 21. Ichrg. MT Mir ersuchen die geehrten Kerren Ean- I loreu im Auslände um Kinsendung des Aßonne- > mentsSetrages. Die Administration. Jur Cantoren-Organifation. Donnerstag, den 10. October fand eine gemeinschaftliche Berathung des Vorstandes des österr.-ung. Cantoren-Vereines und des vom allgemeinen Eantorentage gewählten Comiles der Wiener Cantoren statt, an welcher die Herren Obercantor Singer, Obercantor Bauer, I. Cantor Blatt, Cantor Baßl, Cantor Hirsch, I. Cantor Don Fuchs, Chordirigent Zelnik, Camor uns Chordirigenr Löwit, Cantor D. L. Rotier unv Obercantor Gullmann theilnahmen. Chordirigent Heymann, Obercantor Kläger, Obercantor Scharr, I. Cantor Schlesinger und Obercantor Jurberger hatten ihr Fernbleiben durch amtliche Obliegenheiten entschuldigt. Nach Begrüßung durch den Vorsttzenden, Obercantor Singer, entwickelte sich eine sehr anregende Debatte, an welcher sämmtliche Anwesende zu wiederholtenmalen theilnahmen. Allgemein wurde der Wunsch ausgesprochen, endlich einmal mit aller Energie an die Vereinigung der gesammten Berufsgenofsenschaft unter einer Fahne zu schreiten und kein Mittel zur Erreichung dieses Zweckes unversucht zu lassen. Auch müssten etwa bestehende persönliche Differenzen überall ausgeglichen und durch persönliche Werbung, durch Einflussnahme der am Cantorentage gewählten Vertrauensmänner und durch Versendung eines Aufrufes sämmtliche Cantoren zum Anschluss an die Organisation veranlasst werden. Nach Discussion über die Grundzüge des Aufrufes, mit dessen Abfassung der Secretär des Cantoren-Vereines betraut wurde, wurde weiters beschlossen, vorerst an sämmtliche vom Canlvrenrage gewählten Vertrauensmänner ein Circular abzusenden und dieselben zur Theilnahme an der Organisationsthätigkeit einzuladen. Mit der Versendung des Cirlulars, die in den nächsten Tagen erfolgen wird, wurde der Vorstand des österr.-ung. Cantorenvereines betraut. Zur Bewältigung der großen Arbeit wurde die Aufeinanderfolge der Berathungen in möglichst kurzen Jnterwallen festgesetzt und allgemein. die Theilnahme sämmtlicher Coinitömitglieder für überaus wünschenswerth erklärt. Aus Gleiwitz wird uns berichtet: Am 14. October fand hierselbst eine Vorbesprechung der oberschl. Bertrauensmänner des allgemeinen Cantorenverbandes statt. In derselben wurde beschlossen, sämmtliche Cantoren Schlesiens zu einer constitnierenden Versammlung zwecks Gründung eines schlesischen Zweigoerbandes auf Montag den 4. November nach Gleiwitz einzuladen. Die Versammlumg beginnt um 1 Uhr nachmittags und findet im Litzungssaale der Synagogengemeinde statt. Mayer Wodak. Am 14. d. ist in Wien der ehemalige Cantor M. Wodak, Herausgeber des den gesammten Ritus umfassenden Synagogen- Gesaugs-Werkes „Hamnazeach“ zu Grabe getragen worden. Mit ihm ist wieder einer jener Männer dahingeschieden, denen es noch vergönnt war, sich an den großen Meistern zu Anfang des verflossenen Jahrhunderts zu bilden, und er hat auch wie selten einer die Eindrücke, die er von seinen Lehrern empfangen, der Nachwelt getreu überliefert und somit an der Entwickelung und Erhaltung des traditionellen Synagogengesanges verdienstvollen Ancheil genommen. Trotz feines bedeutenden musikalische,l Wissens, seines hervorragenden Gesangstalentes und einer in deir Jugendsahren wohlklingenden Stimme war es ihm nicht beschieden, in eine seinen Fähigkeiten entsprechende Stellung zu gelangen, aber selbst die bescheidenere Amtswirksamteit erfüllte er mit jener Liebe und jenem Ernste, die stets zu achtunggebietenden Leistungen führen müssen. Mayer Wodak war in Holics Ungarn geboren, woselbst er in jungen Jahren als Cantor füngierte, erhielt von dort einen Ruf nach Gaya (Mähren), wo er sein organisatorisches Talent durch Gründung eines großen Männergesang-Vereines bekundete, und gieng dam, nach Göding, wo er durch 19 Jahre eine ausgezeichnete praktische Thätigkeit als Cantor entwickelte und das reiche Materiale für sein später herausgegebenes Werk „Hamnazeach" sammelte. Seine angegriffene Gesundheit zwang ihn gegen Ende der 80er Jahre den cantoralen Beruf aufzugeben, und er übersiedelte nach Floridsdorf, spater nach Wien, immer in Contact mit den collegialeu Berufskreisen und seine ganze Zeit der Herausgabe seines Werkes tyidmend. Im 64. Lebensjahre hat er seinen dornenvollen Lebensweg beschlossen. Bei seinem Leichenbegängnisse waren der Präses des Can» torenvereines Obercantor Singer, Vicepräses Obercantor Bauer, Cassier I. Cantor Blatt, die Cantoren Pekarnik und Rohmann, Obercantor Weiß aus Budweis und die Familienmitglieder anwesend. I. Cantor Schiller versah als Jugendfreund des Verblichenen die cantorale Function in tiefster Ergriffenheit und mit gemüthvoller Weihe, wobei die anwesenden Cantoren die Response» sangen. Religionslehrer Samuel Weiß aus Szakolcza hielt an der Bahre in der Ceremonienhalle einen den Lebenslauf Wodak's würdigenden Nachruf. Am Grabe sprach dann Obercantor Singer im Namen des Cantorenvereiues nachfolgende tiefempfundene Abschiedsworte: „Der Vorstand des „Oesterr.-ung. Cantoren-Vereines erfüllt wieder einmal die traurige Pflicht, einem überaus würdigen und strebsamen Amtsbruder am offenen Grabe einige Worte des Nachrufes zu widmen. Geehrte Anwesende! Nur zu oft begegnen wir im Leben der absonderlichen Erscheinung, dass ein Mann, trotz seines Mangels an Wissen, trotz fachmännischer Bedeutungslosigkeit und trotz Unlauterkeit der Gesinnung, lediglich durch ein glückliches Ungefähr der Derhältniße, auf eine beoentnilgsvolle Lebensstellung gehoben wird; und wieder anderseitig der sonderbaren Thatsache, dass ein Mann von umfassendem Wissen, rastlosem Streben, unangetasteter Gesinnung durch die Würfel des Schicksals verurtheilt ist, seine verdienstvolle Arbeit in der Niederung des Lebens verrichten zu müssen. — So betrübend dieses Vorkommnis im Allgemeinen auch sein mag, bei dem begabten und fleißigen Arbeiter zeigt es sich dennoch, dass nach trüber und finsterer Nacht endlich wieder ein Morgen mit Hellem Sonnenstrahl für ihn herandämmert; oder, um ohne Bild zu sprechen, dass die Bedeutung des wirklich beanlagteu und strebenden Menschen endlich dennoch zurGeltung gelangt. Die lebendige Verkörperung des von mir gezeichneten letzten Vorkommnißes warst Du, verehrter. Heimgegangener College Mayer Wodak. — Mil des Lebens Mühsal von Jugend an vertraut und kämpfend gegen die Anfechtungen des Lebens, war es Dir nicht »erstattet, Dich zu der Dir gebührenden Höhe emporzuringen, um an einer der ersten Stellen Deine fachmännischen Ideale verwirklichen zu können; dennoch zeigtest Du auch in Deinem beschränkten Wirkungskreise, dass du es verstanden, nicht allein Deine Zuhörer zur Andacht zu bewegen, sondern auch die Aufmerksamkeit Deiner engeren Amtsgenossen auf Deine Wirksamkeit hinzulenken; — denn die in Deinem Busen schlummernden Töne mussten doch gesungen und di