Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 40 (18.10.1901)
- Date
- 1901-10-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 40 Uie Wahrheit. Seite 7. in das Bureau der Cultusgemeinde verstrichen, woselbst er sich öurch rastloses Streben, immensen Fleiß und unverwüstliche Arbeitskraft zu einer leitenden Stellung emporschwang und zu Iviederholrenmalen die Anerkennung des Vorstandes fand. An seiner Bahre trauern seine Gattin Dora, geb. Tyroler, und ein -Sohn Leo, der gegenwärtig als Einjährig^Freiwilliger Militärdienst leistet. Das Leichenbegängnis findet Freitag, den 18. d. mm 2 Uhr nachmittags statt. Gemeinde- und Vereinsbote. Wien. (Jüdisches M u s e u m.) Die Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenckhums gibt uns bekannt, dass von Samstag, den 19. d., angefangen, das^Jüdische Museum,'!., Rathhausstraße 13, an Samstagen in der Zeit von 11 — 1 Uhr Mittags zur freien Besichtigung geöffnet ist. Men. Die feierliche Eröffnung der jüdischen T oynbee-Halle fand -am 15. b. im neuen, geräumigen Locale (XX., Karajangaffe 20) unter zahlreicher Betheiligung statt. Prof. Leon Kellner begrüßte die Erschienenen und setzte die Ziele der Toynbee-Halle in klarer, schwungvoller Rede auseinander. Den musikalischen Theil des Abends vertraten in dankenswerthester Weise Prpf. Brüll und Prof. Auber, letzterer unter -gefälliger Clavierbegleitung der Frau Prof. Auber. Sämmtliche Produc» tionen ernteten stürmischen Beifall. Der Präsident der Cultusgemeinde, kais. Rath Heinrich Klinger, ebenso Decan Prof. Müller entschuldigten ihr Fernbleiben; den Vicepräsidenten der Cultusgemeinde Dr. Gustav Kohn, Cultusvorsteher Salo Cohn, Director Simon, Reverend Hechler, Ifirof. Graubart, Dr. Schnierer, Banquier Brecher u. v. A. sahen wir mnter den erschienenen Gästen. Wien. Im litterarischen Geselligkeits-Vereine jüdischer Mädchen .„Moria" fand Samstag, den 12. d., der erste Vortrag im heurigen Se«! mester statt. Herr Dr. Jacob Kohn sprach über die „Frauenfrage" und j erntete von den überaus zahlreich versammelten Mitgliedern und Gästen reichlichen Beifall. Dem Vortrage folgte eine lebhafte Discussion, an .der sich viele der erschienenen Damen betheiligten. B. H. Wien. Sonntag, den 13. d., 5 Uhr Nachm ittags, fand durch den 'Wohlthätigkeits- und Kranken-Unterstützungsverein „Ahawath scholom“, XVI., Koppstraße 2, unter dem Protector ate des Herrn Cultusvorstandes Hermann Eltbogen die feierliche Eröffnung einer Talmud-Thora-Schule statt, bei welchem Anlasse ein von den Ottakringer jüdischen Frauen gespendetes Sefer-Thora eingeweiht wurde. H err Lector M. Friedmann hielt eine schwungvolle Festrede und Obercantor Seifert versah mit seinem gutgeschulten Chore die cantorale Functionen in erhebender Weise. Der verdienstvolle Obmann des Vereines, Herr Salomon Reiß, | begrüßte in seiner Ansprache die zur Feier erschienenen Gäste und dankte in besonderen Ehrung den Frauen Spielberg, Werther und Knie, die sich durch verdienstliche Thätigkeit und Spenden außerordentlich hervorgethan haben. Wien. Es darf wohl als characteristisches Zeichen der Zeit angesehen werden, dslss seit dem Beginne der antisemischeBewegung der Besuch der Bethäuser bedeutend zugenommen hat. Aber auch die religiöse Begeisterung und Opferwilligkeit für den Cultus hat sich in den jüngsten Jahren wesentlich gestärkt und gesteigert. Unter Anderem sprechen hiefür die zahlreichen Tempelbauten, aber diese allein geben noch nicht genügende Gewähp für die Echtheit dieser Erscheinung, da ja hiebei Ehrgeiz und! .Eitelkeit, das Prunken vor der Welt oft eine große Rolle spielen und manchmal sogar Irreligiosität mit äußerlichem Cult Hand in Hand zu gehen pflegen, wie es der Prophet mit den Worten ausspricht: 711^2'n n« doch der innere Drang, der Allgemeinheit in religiöser Richtung zu nützen und zu dienen, wie es durch Spenden vor dem n"v u. dgl. geschieht, beweist am besten die Hebung und Belebung wahrer Religiosität. Dies vorausgeschickt, nehmen wir von dem erfreulichen Chinuch Sefer-Thora in der Synagoge der Talmud-Thora am n-ray ’v mit befriedigender Genugthuung gerne Notiz. Auch auf dem Gebiete gottgefälligen Wirkens bewährte sich da die Wahrheit des 'Psalmverses: im dj cn« m» o'p2 nai 21a na run indem die Brüder Michael und Moritz T au b e r sich zum guten Werke vereinten, ein Sefer-Thora für das Bethaus des Talrmzd-Thora-Bereines aus Dankbarkeit gegen den Geber alles Guten zu widmen. Herr Rabbiner Krämer gab beim Weihaete der Freude und Aner kennung für dieses gemeinnützige und die Religion durch wahrhafte Opferfreudigkeit fördernde Streben lebhaften Ausdruck, indem daraus der Schluss auf die echte religiöse Gesinnung bei der aufstrebenden Generation vollauf berechtigt ist. r— Selbstredend war die Betheiligung der Mitglieder und Freunde des Vereines eine recht zahlreiche, die ihre Befriedigung über die Spende einerseits, wie auch über die besondere Solennität des FestgotteSdiensteS durch die cantorale Leistung seitens des erst kurze Zeit fungirenden Herrn Regner deutlich zu erkennen gaben. Auch wurde ein aus diesem Anlaffe eigens componirter 122V ->n den Spendern gewidmet. Z^rag. (Gedenkfeier.) Am 8. d. hielt Herr Rabbiner Dr. A. Kisch in der Weisel-Synagoge aus Anlass des 100jährigen Geburtstagsfeier des Breslauer Seminardirertors Dr. B Frankel, eines gebürtigen Pragers, vor einem überaus zahlreichen Publikum eine Gedenkrede, die großen Eindruck machte. Smichow, 15. Oktober. Herr Rabbiner Dr. David Herzog, der durch seine Kanzelberedtsamkeit .und sein ungemein uneigennütziges und fleißiges Streben sich so rasch die Sympathien der Gesammtg emeinde erworben hat, wurde vom Unterrichtsminister zum Docenten für sem. Philologie an der altehrwürdigen Prager Carl-Ferdinands-Universität ernannt. Wir gratuliren Herrn Dr. Herzog, wie auch der Gemeinde Smichow herzlichst zu dieser Ernennung. Hroppa». Am rptrjru n2» fand im hiesigen Tempel beim Muffaf Gottesdienst aus Anlass des 70. Geburtstages unseres II. CantorS, Herrn Jacob H e r eine Feierlichkeit statt. Herr Obercantor Singermann rief den Jubilar zum Sefer, worauf der gemischte Herren- und Damenchor einen Choral mit Cantorsolo sang. Nach der Brochs trug Herr Obercantor Singermann einen von ihm verfassten hebräischen „Mi scheberach" vor, in welchem die Thätigkeit des Jubilars gewürdigt wurde- Nach dem Gottesdienst wurde Herr Cantor Herz von den beiden Vorstehern in die Gemeindekanzlei gebeten, wo der I. Vorsteher, Herr Dr. Sonnenschein, an ihn eine warme Ansprache hielt und ihm ein namhaftes Geschenk der Gemeinde überreichte. Im Laufe des Tages gingen dem Jubilar, der hier 36 Jahre in der Gemeinde wirkt, viele Gratulationen und Geschenke zu. Es war eine Freude, diesen Mann noch so rüstig und frisch zu sehen, möge es ihm vergönnt sein nio 27 in voller Rüstigkeit sein schweres Amt weiter versehen zu können. Koheuem-r (Vorarlberg). In unserer alten historisch so hervor - ragenden Jsraelitengemeinde hat sich auf Anregung des Herrn Rabbiner Dr. Tänzer ein „Bildungsclub" constituirt, dessen Aufgabe es ist. durch allwöchentliche wiffenschastliche Vorträge, gemeinsame Lectüre und Besprechung lilterarischer Neuerscheinungen und Lesen diverser Zeitungen im eigenen allabendlich geöffneten Clublocale allgemeinen Bildungszwecken zu dienen. Die Eröffnung findet Samstag, den 19. d. statt ra« einer.: Vortrage des Herrn Rabbiner Dr. Tänzer über „Bildung und Gesellschaft." Beider constituirenden Versammlung wurden gewählt: die Herren Rabbiner Dr. Tänzer zum Vorsitzenden, Sie gfried Landauer zum Schriftführer und Louis Weil zum Bibliothekar. Wndapek (Eine angefochten e Rab binerwahl) Bekanntlich wurde der Beßprimer Rabbiner Dr. Arnold K i s von der Ofner israel. Religionsgemeinde zu ihrem Seelsorger gewählt. Die Wahl erfolgte den Bestimmungen des Congressstatuts vom Jahre 1867 entsprechend. Die Opposition, mit Dr. Moriz Ernyei an der Spitze, hatte jedoch schon bei Schluss des Wahlganges gegen die Wahl des Dr. Kis Protest erhoben und das Wahlresultat in einer dem Cultus- und Unterrichtsminister Julius Wlaffics unterbreiteten Repräsentation angefochten. In dieser Eingabe wurde behauptet, dass bei der Wahl Unregelmäßigkeiten vorkamen; dass Mitglieder, die in Pest und nicht in Ofen wohnen und keine Cultus steuern entrichten, ihr Votum abgaben; ferner dass beim Wahl gange nur das Execuriv-Comitv anwesend war und die Bestellung von Vertrauensmännern verweigert wurde und dass die Vertrauensmänner der Opposition, als sie auf ihr gutes Recht pochend, im Abstimmungslocale verharrten, von der Polizei mittelst Brachialgewalt aus dem Saale entfernt wurden. Der Cultus- und Unterrichtsminister hat nun mittelst eines an die isr. Landeskanzlei herabgelangten Rescriptes d ie Rabbiner-Installation bis auf Weiteres sistirt. Die Partei des neuen Rabbiners wird dem Minister die Bitte unterbreiten, schon mit Rücksicht aus die so wünschenswerthe Herstellung des Friedens in der Gemeinde diese provisorische Verfügung zu revoziren und die Wahl zu bestätigen