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Die Wahrheit · 1901-10-18 · Heft 40 (18.10.1901) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 40 (18.10.1901)
Date
1901-10-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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ytr. 40. L>eite 5. Die Wahrheit. officlelleu Namen „more judaico“ berüchtigt ist. Dem zu einem j solchen Schwure verhaltenen Israeliten werden wie bei einer j Leiche die Nägel beschnitten, und nachdem er sich den rituellen Waschungen unterzogen hat, muß er sich mil dem Sterbehemde bekleidet in einen in der Synagoge vor dem Altar ausgestellten Sarg legen und eine vom Rabbiner vorgesprochene Fluch- und Verwünschungsformel nachsprechen, durch die er alles nur erdenkbare Unheil im Diesseits und Jenseits über sich und seine ganze Familie sür den Fall herausbeschwört, als seine vor Gericht gemachte- Aussage nicht vollständig wahrheitsgetreu sein sollte. Da der Zutritt zu dieser sür den Schwörenden ebenso, wie für dessen Angehörige höchst peinlichen imö aufregenden Ceremouie Jedermann freisteht, so lässt sich leicht denken, dass die Eidesablegnng „more judaico“ vom gebildeten^ Theile der israelitischen Bevölkerung als eine Schmach empfunden wurde, ohne dass jedoch die wiederholt zur Beseitigung dieses Restes mittelalterlicher Rechtspflege gemachten Versuche von Erfolg geleitet gewesen wären. Allerdings ist es wahr, dass der Schwur „more judaico“ in den letzten Jahren« nur mehr selten zur Anwendung gekommen ist. Die Erklärung des Fokschaner Rabbiners Dr. Nacht, als Vertreter des mosaischen Ritus bei einer Ceremonie zu fungieren, welche mit den Gebräuchen der israeli- Religion gar nichts zu thun habe, hat nun die Frage betreffs der von den gelehrtesten und angesehensten Rabbinern Rumäniens, darunter Dr. Beck aus Bukarest und Dr. Niemirover aus Jassy, mit aller Entschiedenheit bestrittenen confessionellen Berechtigung der Schwurleistung „more judaico“ neuerdings auf's Tapet gebracht. •_ Oesterreichisch-Israelitische Amon. Samstag, den 12. d. M. fand in Khuner's Restauration eine außerordentliche Generalversammlung der Oesterreichisch- Israelitische» Union statt, welche überaus stark besucht war. Der Vorsitzende, Professor Dr. S. Ehrmaun, begrüßte die Versammlung und die erschienenen Repräsentanten der israelitischen Cultusgemeinde und gab sodann bekannt, dass der Zweck der Versammlung die Wahl eines Präsidenten sei, da der bisherige Präsident, kaiserlicher Rath Adolf Ruzicka, sein Mandat zurückgelegt habe. Redner gedachte in ehrenden und anerkennenden Worten der Verdienste, die sich der abtretende Präsident um die Oesterreichisch-Israelitische Union erworben hat. Er rühmte dessen hervorragende organisatorische Thätigkeit, welche in der Steigeruug der Mitgliederzahl und des Vereinsvermögens ihren Ausdruck finde. Seit der letzten Generalversammlung habe der Verein um mehr als 1000 Mitglieder zugenommen und sich über alle Länder der österreichischen Reichshälfte verbreitet. Das Rechtsschutzbureau habe sich die Achtung der Behörden und das Vertrauen der jüdischen Be-, völkerung durch energisches Auftreten und eine lange Reihe von Erfolgen erworben. Der Dank sür diesen Aufschwung gebühre der Leitung des Rechtsbureaus Md in gleichem Maße dem Präsidenten.- Da kaiserlicher Rath Ruzicka aus seiner Demission beharrte, obwohl sich der Vorstand alle erdenkliche Mühe gab, ihn von seinem Entschlüsse abzubringen, so musste sich der Vorstand der schweren Ausgabe unterziehen, eine geeignete Persönlichkeit für die Präsidentenstelle zu finden. Ein dem Verein günstiges Geschick habe es gefügt, dass ein Mann gewonnen wurde, der in sich iu jene Fähigkeiten vereinigt, welche seine Wahl zum Präsidenten der Oesterreichisch-Israelitische» Union in hohem Grade wünschenswerth erscheinen lassen, und dass dieselbe die Stellung anzunehmen bereit ist. Der Vorstand und Beirath der Union bringen somit den Industriellen, Herrn Maximilian Paul-Schiss, in Vorschlag (Beifall). Zuvor jedoch sei Herrn Ruzicka - nochmals in feierlicher Weise der Dank sür sein aufopferndes und ersprießliches -Wirken im Dienste der Union durch Erheben von den Sitzen ausgesprochen. (Unter andauerndem Applaus wird die Ehrung vollzogen). In längerer Rede begründete sodann der Vicepräsident, Herr Sigmund Mayer, den Wahlvorschlag. Redner sei eS gewesen, welcher den Candidaten in dessen Thätigkeit als Präsident des galizischen Hilssvereiues, feine Arbeitssreudigkeit und Umsicht kennen gelernt habe. Herr Paul-Schiss habe, trotzdem er seiner Geburt und Srellung nach den ersten Kreisen der jüdischen Gesellschaft angehöre, ein warm fühlendes Herz auch sür den letzten seiner Glaubensgenossen und habe das auch jederzeit bewiesen. Nach eingehender Entwicklung der Verdienste, welche sich Herr Paul-Schsff um die derzeitige Geüaltung der Dinge im galizischen Hilssverein erworben hat, gelangte Herr Mayer zum Schlüsse, dass dieser Mann der geeignete Präsident sür die Oestereichisch-Jsraelitische Union sei und bittet, den Vorschlag anzunehmen. Der Vorsitzende, Pros. E h r m a n n, entschuldigte sodann das Fernbleiben des Candidaten von der Verlesung, da derselbe— wie sich aus einem zur Versammlun, gelangten Brief ergibt — sich in Vertretung eminent jüdischer Interessen in Frankfurt befindet. Herr Dr. Alexander K o h n stellte nunmehr den Antrag, die Wahl des vorgeschlagenen Präsidenten durch Acclamation vorzunehmen, da er sich überzeugt habe, dass alle Schritte, Herrn kaiserl. Rath Ruzicka zur Zurückziehung seiner Demission zu bewegen, vergeblich sein würden. Auch Herr kaiserl. Rath Ruzicka, lebhaft begrüßt, trat in warmen Worten sür die Wahl des Herrn Paul-Schisi ein und unterstützte den Antrag des Vorredners. Der Antrag wurde angenommen und bei der hierauf erfolgten Wahl Herr Maximlian Paul-Schiff e i n st i m m i g z u m Präsidenten gewählt. Anhaltender Beifall begrüßte des Resultat des Wahlactes. Der Vorsitzende erklärte im Namen des abwesenden Candidaten, dass dieser dankend die Wahl annehme. Herr Vicepräsident Sigmund Mayer beantragte nunmehr mit einer überaus herzlichen Begründung die Ernnenuug des abtretenden Präsidenten zum Ehreumilglieoe der Oesterreichischisraelitischen Union. Unter wiederholtem' Beifall gab die Versammlung acclamativ diesem Anträge statt, woraus Professor Ehrmann den Gefeierten als nettes Ehrenmitglied begrüßte und an ihn die Bitte richtete, die Arbeit der „Union" auch weiterhin mit Rath und That zu unterstützen. Kaiserl. Rath Ruzicka dankte sür die Verleihung der höchsten Auszeichnung, die ein Verein zu vergebe» habe; er besprach die schweren Ausgaben, welche dem Vorstände zur Last fallen, rühmte die schätzenswerthe Thätigkeit der beiden. Vieepräfidenten, des Herrn Pros. Eyrmann sowie des Herrn Mayer, und des ihm unterstellten Rechtsbureaus, ultd schloss mit dem Wunsche, dass die „Union" gedeihen uud lvachsen möge. (Beifall.) An den geschäftlichen Theil der Tagesordnung schloß sich ein ebenso lichtvoller wie instructiver Vortrag des Bezirksrathes, Herrn Dr. Oscar Hein, über das Heimatsrecht, die Bedeutung des neuen Gesetzes sür die Wahlen in Wien, wie über die neuen Ausgaben, welche mit demselben sür die „Union" erwachsen. Erinnerungsblätter auf das frische Grab des Rabbiners Dr. Selig-Auerbach s. A. zu Halberstadt. Von Rabbiner Dr. Daniel Fink. (Fortsetzung.) Schon in diesem Zuge offenbart sich uns eine Bewmrde-- rung heischende Seite seines hoheilsvollen Wesens. Die Elemente, welche die Bildung der Jugend atlsgemacht haben, geben dem Charakter, wie jeder weiß, ein unveräußerliches Gepräge. So weit ich jedoch die neuere Geschichte des Judenthums überblicke, eine Persönlichkeit, die zwar den schablonenmäßigen modernen Bildungsgang zurückgelegt, dabei aber der Erforschung und Betätigung des Judenthums mit einer Begeisterung oblag, die etwas Heldenmüthiges, Ueberwälügendes hat, suchen wir vergebens. Es soll damit keineswegs gesagt sein, als wäre auf unseren Lehrer der in der Jllgend zurückgelegte Bildungsgang ohne Einfluss geblieben. Im Gegentheil. Die strenge Schulung, die das deutsche Gymnasium seinen Zöglingen verleiht, die gar

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