Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 39 (11.10.1901)
- Date
- 1901-10-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063062-3063101--01574-3068176- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Rr. 39 Die D7 ahrheil. Seite 9. Jahren wandte er sich weltlichen Stndien zu. Der Sohn dagegen hat von Jugend an in beiden Lagern Heeresdienste geleistet. Wenn Letzterer auch seinen Jüngern gegenüber eine väterliche Traulichkeit an den Tag legte — über die eigenen Leistungen sprach er jedoch niemals. Ein unbewachter Blick in die reichen Schätze seiner Bibliothek lies; uns jedoch erkennen, dass er seine Studien in sämmtlichen Classen des gronberioglichen Gymnasiums zu Darmstadt mit Auszeichnung zurückgelegt hat. Denn in einem versteckten Winkel, wohin das Auge des fremden nicht leicht blicken konnte, bewahrte er die Bücher ans, welche mit einer ehrenden Widmung versehen, ihm seitens der Lehrercollegiums regelmäßig beim Ausstieg in die höhere Classe als Auszeichnung verliehen worden sind. (Fortsetzung folgt.) Gemeinde- und Vereinsbote. Wien. (Kaisers Namenstag.) Der Prachtsaal im Etablissement Pertl (3. Kaffeehaus) versammelte am 4. Oktober eine stattliche Zahl von Kinderfreunden, welche gekommen waren, um dem aus Anlass des Namensfrstes Sr. Majestät des Kaisers vom Vereine „F e r i e n h e i m" arrangirten Kinderfeste beizuwohnen. Die Gäste nahmen in den Logen und auf der den Saal umgebenden Estrade Platz Präcise halb 4 Uhr marschirte unter Trommelschlag und in militärischem Tacte eine Compagnie Knaben mit der Colonienfahne in den Saal. Geführt von den Lehrerinnen und Lehrern folgten die übrigen Mädchen und Knaben, welche in diesem Jahre in den Colonien des „Ferienheim" Erholung gefunden hatten. Die Knaben, etwa 300 an der Zahl, trugen gleichmäßig blaue Blousen und Kappen. Es war ein herrliches Bild, die Mädchen schüchtern, die Knaben stramm in Reih und Glied längst der den Saal umgebenden Estraden ausgestellt zu sehen. Nach einem von allen Kindern vorgetragenen Begrüßungschore meldete der älteste der Colonisten dem Commandanten „gehorsamst" die Anwesenheit von 546 Kindern. Nun nahm das Fest seinen Anfang. Ein kleines Mädchen sprach einen stimmungsvollen Prolog, und nun folgten Gesangsstücke und Declamationen, meist patriotischen Inhaltes, Gedichte, Gesammtchöre und Solo-Gesangsstücke. Was von letzteren geboten wurde, schickte sich leider nicht für Schützlinge des „Ferienheims", der es gewiss als seine Ausgabe betrachtet, nicht nur auf die Gesundung des Körpers, sondern auch auf die Erziehung des Geistes der Pfleglinge Bedacht zu nehmen, und darum hoffen wir, in Zukunst bei derartigen Veranstaltungen des „Ferienheims" nicht mehr Chansons zu hören, die wohl fürs „Brettl" oder „Ueberbrettl" keineswegs aber für Kinderproductionen geeignet sind. Als letzte Programmnummer wurden militärische Hebungen vorgeführt. Was nach dieser Richtung geboten wurde, erfreute und überraschte allgemein. Die exercirende Compagnie war mit Holzgewehren versehen, die sie trefflich zu handhaben verstand. Ein. strammer Fähnrich trug die Colonien-Fahne, und zur Seite schritt ihm mit gezogenem Säbel ein Dreikäsehoch. Mit großem Interesse folgten die Gäste dem Schauspiele, wie die Jungen alle militärischen Evolutionen mit Exactheit aussührten. Alle Bewegungen und Gewehrgriffe wurden wie mit einem Schlage ausgeführt. Die Absingung der Volkshymne bildete den Schluss des Programmes. In geordneten Reihen wurden die Kinder sodann in den Garten zu den gedeckten Tischen geführt und mit Chocolade und Backwerk bewirthet. Die zahlreich anwesenden Vertreter der Schulbehörden, der verschiedenen Humanitätsinstitute, insbesondere der Herr Oberstlieutenant deS Armeestandes Rzemenowski von Trautenegg waren voll des Lobes über das Gesehene und Gehörte. — Zum Schluffe des Festes überreichte das Vorstandsmitglied, Frau Adele Neumann, den Lehrpersonen und den Solisten, die sich um das Fest verdient gemacht hatten, mit dem Kaiserbilde und eingravirtem Datum versehene Souveniers. — Wie«. (Bethausverein Simmering.) In einer zwischenHerrn Sigmund Kauders und dem Chefredacteur unseres Blattes auf Ersuchen des ersteren und im Beisein des Herrn Leopold Weiß kürzlich stattgehabten Besprechung, die den Zweck hatte, die Redaction über die Haltung des Herrn Sigmund Kauders in allen Phasen des Simmeringer Bethausvereines aufzuklären, erklärte Herr Kauders, er habe niemals behauptet, dass der Verein durch die missliche Finänzgebarung des derzeitigen Vorstandes in finanzielle Verlegenheit gerathen war; der diesbezügliche Passus in der in letzter Nummer unseres Blattes enthaltenen Berichtigung sei unrichtig und beruhe aus einer irrthümlichen Auffassung seiner Information seitens seines Vertreters. Wiewohl wir in mancher Beziehung, namentlich betreffs der Spendenaffaire, dem Standpunkte des Herrn Kauders nicht beipflichten konnten, gelangten wir im Lause dev Besprechung und durch Vorlage mannigfacher Belege und Schriftstücke dennoch zu der Ueberzeugung, dass es ihm vollkommen ferne lag, die Existenz des Vereines zu untergraben, dass er vielmehr wiederholt zu persönlichen Opfern für denselben bereit war. Gewiss wird es auch von ihm bedauert, dass die Berhältniße in Simmering diesen Verlauf genommen haben. Wien. Am 1. October fand im neuen, mit Blumen decorierten Tempel im 20. Bezirk die Einweihung zweier neuer Thorarollen statt, welche von den verdienstvollen und hochgeachteten Vorstandsmitgliedern, den Herren Jakob Goldner und Josef Wünsch, gespendet wurden. Zn dieser Feier hatten sich der Gesammtvorstand des Tempelvereines mit dem Präses Herrn Hermann Eltbogen, sowie Vertreter verschiedener Tempelvereine, Obmann Schramek, Dr. Straffer aus dem 3. Bez., Herr Leopold Weiß aus Simmering, Obercantor Bauer, Obercantor Schorr, Cantor Schwarz u. a. eingefunden. Der Fest-Gottesdienst begann mit der Verrichtung des Minchagebetes durch Cantor Rohmann, worauf der neugewählte 1. Cantor Oesterreicher einen Psalm mit Choru. Orgel» begleitung zum Vortrag brachte. Unter Vorantritt von 30 weißgekleidete» Mädchen wurden sodann die neuen Thorarollen und auch die vom Herrn Dr. Joses Kohn gespendete prachtvolle Silberkrone vom Vorstande und den Funktionären abgeholt und nach den üblichen Umzügen in die Bundeslade gestellt. Rabbiner Tr. Bach hielt eine ausgezeichnete Festrede, welcher er den Vers „Thora ziwo lonu Mosche, moroscho kehilos Jakow* zugrunde legte. Mit der Absingung der Kaiser-Hymne schloss die erhebende Feier, um deren Arrangement sich die Herren Vorstandsmitglieder Jakob Otto, Jakob Kohn^.Heinrich Weiner und Berthold Kaiser besonders verdient gemacht haben. Wie«. Anlässlich der 25jährigen Thätigkeit des Herrn Gottlieb Taußig als Vorsteher der israelitischen Cultusgemeinde, und des Herrn Samuel Steiner. Obmann des Betharn Vorstandes für die Bezirke XII bis XV fand am Schemrni-Azarethfeste im Tempel zu Fünfhaus ein feierlicher Festgottesdienst statt, welcher um 9 Uhr vormittags vor dem Mussaphgebete seinen Anfang nahm. Die Herren Jubilars wurden vom korporativ versammelten Bethausvorstande in den Tempel geleitet, daselbst mit einem vom Chorpersonale unter Leitung des Herrn Obercantor Salomon Jurberger angestimmten „Boruch habbo" begrüßt und zu ihren mit Blumen geschmückten Betsitzen geführt. Beim Verlesen der Thora wurde jedem der beiden Herren ein eigens verfasster Mischeberach gewidmet, und beim Einheben flehte Herr Rabbiner Dr. Jonathan Wolf den Segen Gottes auf die beiden Jubilare herab. Den Höhepunkt der Feier bildete die von Sr. Ehrwürden gehaltene formvollendete und inhaltreiche Festpredigt, in welcher die Verdieuste, die sich die beiden Jubilare gerade in den schwierigsten Phasen der Entwickelung der Gemeinde um dieselbe erworben haben, hervorgehoben wurden. Nach dem Gottesdienste nahmen der Bethausvorstand und die hiesigen wohlthätigen Bereinigungen Gelegenheit, den Jubilaren ihre Glückwünsche darzubringen. Namens des Bethausvorstandes sprachen die Herren Heinrich Neuseld, welcher eine künstlerisch ausgestattete Adreffe überreichte, und Director A. Hecht, ferner Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. I. Wolf als Obmann des Talmud» Thora-Vereines für die Bezirke Xll—XY, Herr Dr. Sieg. Bars namens der „Chewra-Kadischa", die den Jubilaren Ehrendiplome des genannten Vereines überreichen ließ, und Herr Samuel Mohr für den Verein „Maskil el dal." Ihnen schloffen sich Herr Schulrath Salomon Beer und die Gemahlin des gefeierten Gottlieb Taußig, Frau Laura Taußig, als Präsidentin des hiesigen Frauenvereines an. Zum Schluffe gratulierte Herr Baurath Wilhelm Stiaßny, der der ganzen Feier als Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde angewohnt hatte, den beiden Herren namens des Cultusvorstandes. Als Gäste wurden u. a. bemerkt Rabbiner Dr. Taglicht, kaiserl. Rath Wilhelm Pollack, kaiserl. Rath Dr. Th. Lieben. Architect Max Fleischer, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Franz Weißl, Bethausvorsteher Liebermann, Ingenieur Brunn, Verwalter Koditschek und die Familienangehörigen der beiden Jubilare. S. I.