Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 39 (11.10.1901)
- Date
- 1901-10-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 39an Blut in die Muskeln bei starker Bewegung her, das beim Schlachten nicht vollständig wieder austritt. Dass das Schachten demnach,-wegen des vollkommenen Ausblutens bei dieser Schlachtmethode, günstig auf die Haltbarkeit des Fleisches einwirkt, lässt sich nicht bestreiten. Dass es für die Thiere schmerzhafter als das Schlag en wir kt, ist in keiner Wei s e wahrscheinlich! gemacht, noch viel weniger erwiesen, man müsste! denn fälschlicher Weise die Reflexbewegungen, welche dem Tode! voran gehen, als Schmerzenszeichen deuten wollen. Neben dieser j Sachlage muss hervorgehoben werden, dass allgemein sanitäre! VerwaUungsfragen, welche gleichen Bedingungen im deutschen! Reiche unterliegen, nur missbräuchlich zur Entscheidung durch die Behörden kleinerer Städte gebracht werden können. Die Landtagswahleu und die jüdischen Politiker __ in Galizien. Wir kommen wohl zu spät, um das Wahlresultat zu künden, Loch früh genug, um die Wahrheit für die Geschichte unserer Politiker in Galizien zu überliefern. Und was haben wir unseren Nachtretern zu überliefern? Zunächst die traurige Thatsache, dass die 800,000 Juden Galiziens bei der heurigen Landtagswahl gefallen sind, dass sie somit keinen Vertreter aus ihrer Mitte aufzuweisen haben, welchem die Stimmen der jüdischen Massen mit zu seinem curulischeu Sessel verholfen, so dass derselbe mit ihnen auch zu rechnen hätte. Wenn man diesen Ausspruch als mit der Wahrheit nicht übereinstimmend erklärt, unter Hinweis auf die Candidaten der beiden Handelskammern, Dr. Löwenstein und Dr. Kolischer, und den Ultrapolen Dr. Fruchtmann in Stryi, so müssen wir darauf entgegnen, dass die Mandate der Handelskammern mehr erhandelt als erwählt sind, und dass das Gros des Volkes für dieselben sich nicht interessirt. Weshalb wurden aber die jüdischen Abgeordneten aus Lemberg und Krakau so schmählich zurückgewiesen, und wie sollen wir diese Erscheinung deuten? Als Candidaten waren doch zwei der ältesten Vertreter der polnischen Politik aufgestellt, Dr. E. Byk in Lemberg und Dr. Horowitz in Krakgu, welche mit ihrer Person rechtenshalber das oft- und westgalizische Judenthum als Khalpräsidenten repräsentiren? Der nächste Gedanke ist wohl der, dass die polnische Schlachta getreu dem Spruche l'etat o'est moi das dritte Volkselement in Galizien, die Juden, als gleichberechtigte Bürger des Landes nicht anerkennen will. Die 800,000 Juden bilden nur eine nüsera «ontrilrnens plebs, eine elende stenerleistende Masse, und nach dieser politischen Logik dürfen die Häupter Israels im heiligen galizischen Landtage, dem Ursitz und der Heimat der Macht Polens, nicht Sitz und Stimme mit den christlich-feudalen Polen theilen. Wo bleibt da die so oft gerühmte polnische Gerechtigkeit, und wo sind die Beweise der polnischen Waffenbrüderschaft mit ihren ihnen bisher ganz devoten Panpolen mosaischer Con so s si o n zu sehen? Wer von unseren Lesern diese Frage mit Ernst behandeln wollte, würde sich mehr Kopfweh verursachen als die Schlachzizen, die es angeht. Die Polen kennen überhaupt keine sentimantelen Anwandlungen in ihrer Politik. Alles, was ihren nationalen Hintergedanken im Wege ist oder sich ihnen entgegeustellt, wird rücksichtslos weggeräumt. Der Jude Dr. Byk, wie «etherisch derselbe auch sein Hausjudenthum auffasst und wie wenig er auch äußerlich den Polen daran mahnt, er bleibt doch, er bleibll doch, wie der „Nowy wiek“ ihn betitelt — ein Zydzak — ein (verächtlicher) Jude. Die Polen haben ja bekanntlich ein Gleiches mit den Ruthenen, ihren slavisch-christlichen Brüdern, gethan und Millionen Ruthenen aus der Landtagsftube verschwinden lassen. Ob die Polen über den Sturz der berufenen jüdischen Verkünder der polnischen Herrlichkeit viele bittere Thronen vergießen werden? Gewiss nicht! Ueber alle moralischen Skrupel hilft ihnen der Gedanke hinweg: Der Mohr hat seine Schuldigkeit gethan, der Mohr kann gehen. Der Zydzak hat seine politische Schuldigkeit gethan, der Zydzak kann gehen. Und faktisch ist ja das polnische Blatt „Nowy wiek“ („Neues Zeitalter") über Dr. Byk seines Judenthums wegen hergefallen und proponirte einen neuen Candidaten, dem es mit Recht nachsagte, dass derselbe wenigstens kein solcher Zydzak ist. Natürlich nicht ohne den Hinterge danken, dass ein Jude dem anderen das Wahlterrain abgrabe, und dass beide zu Falle kommen. Wo aber bleiben die 800.000 Juten Galiziens? Haben sie in dem ziemlich langen Zeiträume der österreichischen Verfassung nicht Zeit genug gehabt, sich das nöthige Psuud bürgerlichen Bewusstseins anzueignen? Und haben die Juden Galiziens alle Führer eingebüßt, welche mit gesundem Bürgersinn und beständigem Hinblicke auf ihre spezifisch jüdische Eigenart ihnen mit der Feuersäule ihres Geistes und der Eigenwärme ihres jüdischen Herzens voraugingen? Die Beantwortung dieser Fragen kann uns keine besondere Freude bereiten. Haben wir durch die Gründung des ersten politischen Vereines „8ohomer Israel“ im Iah re 1867 verkündet, dass wir in Lemberg schon in den Honigwochen der Emancipation kein Vertrauen in die Stabilität unserer politischen Erhebung hegen; haben wir. schon dazumal eine politische Sternwarte errichtet, um die Windströmuiigell und den Lauf der Gestirne am neuen Firmameute zu beobachten, so fehlten uns bald die Observatoren, welche nicht verschlafen und nicht verschlummern urld nicht verträumen die Zeit ihres national sein sollenden Beobachtungsdieustes. Außerdem litt unsere Beobachtung an gewissen Nebeltrübungen, welche uns den rechten Weg unsichtbar machten. Wir lvollen auch diesen wunden Punkt beleuchten. Die Emancipation der Juden und die Gewährung aller Bürgerrechte an dieselben traf zusammen mit der Verleihung der Constitution an alle österreichischen Völkerschaften. In diesem statu nasesnte, in diesem Werdemomente fanden wir das polnische Volk von einem verzehrenden Heißhllnger befallen, welcher die Benefizien aller anderen galizischen Stämme an sich zog. Alle deutschen Elemente wurden verscheucht uud den Polen ausgeliefert, und im Haudumdrehen kamen diejenigen ans Ruder, welche früher als Staatsverräther galten; bald unterwarfen sie alles ihrem Willen, Oesterreich wurde ihre Domäne. Die Juden mussten nunmehr zuschauen, wie alles in Galizien aus neutralen in chauvinistische polnische Hände überging, die ehemaligen Dorf- und selbst Stadtjuden bekamen einen heillosen Respect vor dem polnischen Puritz, und dieser Respect pflanzte sich selbst auf die jüdische Intelligenz fort. Diese anfangs etwas spröde, später aber geblendet durch die Machtfülle der Jasne Wielmozny, der Durchlauchte und der Excellenzen, verlor das nationale, dqs jüdische Selbstbewusstsein, welches ihnen, Dank der Assimilation, schon zum großen Theile abhanden gekommen war, und vergaß auf sich selbst. So wurde der „Schomer Jisrael“ Dank seiner Leiter zum Schemmel der aufsteigenden polnischen Politiker mosaischer Confesslon. Eine ernste j üd i sche Politik, eine Politik, in der das jüdische Volk im Mittelpunkte seiner Actionen und Transactionen stehen sollte, wurde nur einmal, und damals nur wie zum Scherze, im Jahre 1873 unternommen. Einmal wagte man eine Annäherung an das ruthenische Volk, leider in sehr flüchtiger und ungenügender Form; aber schon bei dieser flüchtigen Be-? gegnung wurden die Polen um eine große Anzahl von Abgeordneten gebracht. Die Rutheneu gewannen dazumal gegen 28 Sitze, die Juden 4 Vertreter für den Reichsraih. Von jener Zeit an aber ging es mit dem jüdischen Politizismus bergab. Und doch wollten manche achtbare Männer aus der Assimilationspartei die politische Glorie nicht missen. Was blieb ihnen anderes übrig, als auf eigene Faust mit Umgehung des üblichen Weges durch die einzige politische Körperschaft „Schomer Israel“ Politik zu machen. Um nicht als politische Freibeuter zu gelten, warfen sie sich den Polen zu Füßen und mit ihnen nolens volens die 800,000 Juden. Die übrigen Actionen, welche zum angestrebten Ziele, zur Wahl in den Reichsrath, führen, .gingen mit Hilfe der k. k. polnischen Landeshaupt-