Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 38 (27.9.1901)
- Date
- 1901-09-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3062972-3063062-3063100--01561-3068162- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
*tea- Nr. 38 Llie Wahrheit. Seite 7. Gemeinden seines Bezirkes besuchte. Diese Großthat musste, -Herr Hartstein, der orth. Rausch ha’kohol von Munkacs, damit honoriren, dass er Herrn Barta am 17. d. nach Bilke begleitete, woselbst der Candrdat seine Programmrede halten sollte. Da kam aber der gesinnungstüchtige Rausch ha'kohol arg davon, denn die Juden in Bilke wollten den übereifrigen Munkacser Vorsteher geradezu dnrchprügeln, indem sie ihm vorwarfen, dass gerade er es war, der vor einigen Jahren die jüdische Welt allamirte, dass der Antisemitismus Egan's ein | Geisteskind Barta's sei. Wenn die besonneneren Elemente der! Bilkeer Juden sich nicht ins Mittel gelegt hätten, wäre Herr Hartstein mit vielsärbigen Nucken von hier abgezogen; so > aber konnte er sich unter Deckung der ruhigeren Kreise zurück-! ziehen und in Munkacs seine 40tägige Rast dazu benützen, um! darüber nachzudenken, wie man Antisemitismus mit kick,86h j ha’schem b’rabim vereinen könne.! Zur Steuer der historischen Wahrheit sei hier noch erj wähnt, dass Herr Hartstein den Argonautenzng nach Bilke in! Gesellschaft eines Herrn Fullmann, ebenfalls ein orth. Neprä-! sentant, angetreten hat, den wir aber aus dem Dunkel seiner! Anbekauntheit hervorzuziehen, nicht für werth erachten. Gemeinde- und Vereinsbote. Wien, 25. September. Wie wir erfahren, hat der Vorstand der ifr. 'Cultusgemeinde in einer heutigen, vom Präsidium einberufenen außeri ordentlichen Sitzung sich mit dem in der „Wiener-Zeitung" und anderen j Blättern erschienenen Communique der Rathaus-Correspondenz beschäftigt,! demzufolge das Magistratsgremium gewisse Grundsätze betreffend das j ^Schlachten der Thiere ausgestellt hat, von welchen einer, wenn er am! hiesigen Platze zur Ausführung käme, das jüdisch-rituelle Schächten un-! möglich machen würde. j Wie». (Israel. Bet hausverein Brigittenau.); Dienstag, den 1. Oktober, präcise 5 Uhr Abends, findet im Tempel; dieses Bethausvereines, XX., Kluckygasse 11, die Einweihung zweier von j den Vorstandsmitgliedern Jacob Goldner und Joies Wünsch gespendeter i Seser-Thoras statt. j Wien. (Kaiser Franz Josef-Ferienheim). Aus Anlass des Namensj festes Sr. Majestät des Kaisers veranstaltet der Verein „Ferienheim" am! 4. October, präcise 3 Uhr nachmittags, im Festsaale des III. Kaffeehauses! (Etablissement Pertl) k. k. Prater, (gegenüber der Haltestelle der elektri-! schen Tramway), für die Zöglinge des „Kaiser Franz Joses-Ferienheim"! eine Kinderfest-Jause. Die aus den Feriencollonien heimgekehrten Kinder ' werden sich in Declamation und Gesang producieren und die Knaben j Proben ihrer militärischen Abrichtung vorführen. j Mitglieder, Kinderfreunde sowie Kinder als Gäste herzlichst will-! kommen! Eintritt frei.! Wien. Der „Verein zur Hebung der Gewerbe" veranstaltet unter | Führung seines Präsidenten Brod Montag, den 30. September. 9 Uhr! Abends, eine Excursion nach der „Wiener Molkerei" (neues Etablissement) im k. k. Prater. Zusammenkunft: i/»9 Uhr Abends im Restaurant „Eisvogel", II., Prater. Ausstellungsstraße. Nur mit Eintrittskarten, die "von der Vereinsleitung ausgegeben werden, ist der Einlass nach diesem hochinteressanten Etablissement gestattet. Die P. T. Mitglieder werden ersucht, das Vereinszeichen anzulegen. Wie«. (B e r h a u s - V e r e i n Simmering.) Mittwoch, den 25. d. 7 Uhr Abends fand eine außerordentliche Generalversammlung des Simmeringer Bethaus-Vereines statt, auf deren Tagesordnung die Auflösung des Vereines stand. Sämmtliche Redner bedauerten, dass dem derzeitigen Vereinsvorstande, der unter so schwierigen Verhältnißen die Leitung übernommen hat und sie auch tadellos führte, so wenig Entgegenkommen seitens des Cultusvorstandes bewiesen wurde. Der einzige Ausweg sei die Auflösung des Bethausvereines, die auch mit allen Stimmen gegen die eine Stimme des Vorsitzenden Obmannes Stern beschlossen wurde. Wade». (Widmung.) Der in Wien, Heugasse 18, etablirte Kaufmann, Herr Heinrich Ehrl ich, widmete dem unter der Leitung der Hadener Cultusgemeinde stehenden Bethause in der Heilanstalt „Alland *! «in sehr schön geschriebenes Sefer-Thora. In Anerkennung und Würdigung! ieser frommen Handlung ließ der Cultusvorsteher, Herr Moriz Leitner, ' dem Spender wie dessen Gattin am Versöhnungstage im Gemeindetempel bei der Thora-Verlesung einen feierlichen „Mi-acheb«racl*“ machen. Trag. Die Neusynagoge, welche mehr als 200 Jahre bestanden hat. ist bekanntlich vor etwa 3 Jahren der Assanirung Prags zum Opfer gefallen und fristet seitdem ihr Dasein in einem sehr tristen Provisorium. Alle Bemühungen, dieselbe neu zu erbauen, waren bis jetzt vergebens. Der Vorstand hat wohl in der Jerusalemgasse einen Bauplatz um 86.000 fl. gekauft, allein die Baubehörde macht Schwierigkeiten, und was eigentlich unerhört und fast nicht zu glauben ist, die Prager isr. Cultusgemeinde- Repräsentanz thut, trotz mehrmaligem Ansuchen, nicht das Mindeste, um das Werk zu fördern. Den anerkennenswerthen Bemühungen des seit 22 Jahren an der Neusynagoge fungirenden Obercantors Brod ist es nun zu danken, dass der bedauernswerthe Uebelstand wenigstens während der hohen Feiertage behoben und ein würdiger Gottesdienst veranstaltet wurde. Damit die Neusynagoge nicht sämmtliche Mitglieder verliere und dieselben noch weiter zusammengehalten werden, hat Obercvntor Brod im Einverständniße mit. dem Vorstande für die hohen Feiertage den größten Saal in Prag, den Wintergarten im Grand Hotel, ausgenommen, ließ ihn herrlich ausstatten, r.chtete einen prachtvollen Chor ein, bestehend aus den besten Kräften des Landestheaters, bestellte als Dirigenten Herrn Richard Tauffig, ebenfalls Mitglied des Landestheaters, ließ eine Orgel anbringen, und der Erfolg war ein geradezu großartiger. Der Saal war bis aufs letzte Plätzchen besetzt, und nicht nur die gewesenen Mitglieder der Nensynagoge, sondern aus allen Stadttheilen strömte» die Leute herbei, um an diesem Gottesdienste theilzunehmen, der unter Orgelklang und Chorgesang einen höchst würdigen Verlaus nahm. Der Rabbiner der Geineinde, Herr Dr. Thieberger, gab in seiner Predigt dem Wunsche Ausdruck, dass der nächstjährige Feiertagsgottesdienst bereits in einem neuerbauten Gotteshause stattfinden möge. — Hoffentlich wird nun endlich einmal ernstlich an die Neuerbauung dieser Synagoge, die durch allerhöchste Genehmigung den Namen Kaiser Franz Josefs Jubiläums-Synagoge führen soll, geschritten werden, und wenn Obercantor Brod durch sein sehr energisches Vorgehen, das ihn in den letzten Wochen vor den Feiertagen Tag und Nacht beschäftigte, die Beschleunigung herbeigeführt hat, dann wird er durch dieses Bewusstsein für seine Arbeit genug belohnt sein. Wiesbaden. Unsere Curdirection hatte zur Feier des Geburtstages Ihrer Majestät der Königen der Niederlande Wilhelmine ein Gartenfest im großen Stile arrangirt, das sich bei der äußerst günstigen Witterung des lebhaftesten Besuchs, insbesondere auch von Niederländern, von desten sich Herren wie Damen mit" kleinen Schleifen in den Nationalfärben zu Ehren ihrer Regentin geschmückt hatten, zu erfreuen hatte und das städtische Curorchester veranstaltete Abends ein „Niederländisches National-Concert". Neben einem Geburtstagsmartsch von Taubert, der Festouverture Opus 124 von Beethoven, einer Festouverture von R. Holt dem „Altniederländischen Dankgebet" von Kremser, dem „Königslieder- Walzer" von Strauß und einer prickelnden, melodiösen Polka-Mazurkas „Groete van verre" unseres Concertmeisters van der Voort, wies das Programm noch ein interessantes Werk eines niederländischen Componisten: den „Psalm 150" von dem zur Zeit hier als Curgast weilenden Obercantor I. Heymann aus Amsterdam auf. Der Name Heymann hat in der Musikwelt eineu sehr guten Klang. I. Heymann besitzt eine der seltensten und schönsten Stimmen von großartigem Umfange und ist als Vorsänger berühmt. Er hat mehrere Cantaten, Hymnen u. s. w. componirt. Der am Samstag von ihm gespielte „Psalm 150", ursprünglich für vierstimmigen Gesang geschrieben, ist ein kleines kontr^punktistisches Meisterwerk seiner Art. Einem einleitenden feierlichen „Halleluja", mit fesselnder aufsteigender Wirkung, folgt ein Fugato mit einem wirkungsvollen Thema, das fich in künstlerisch veränderter Weise in verschiedenen Tonarten wiederholt und das in seiner Verlängerung immer verklärter auftritt. Der Schluss des mit großem Beifall aufgenommenen und charakteristisch instrumentirten Werkes bildet ein imposanter schwungvoller Lobgesang. Erwähnt sei hier noch, dass von den Kindern des Componisten, Karl und Johanna als Clavierkünstler großen Ruf genießen und seine Tochter Johanna als Sängerin vortheilhaft bekannt geworden ist.