Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 38 (27.9.1901)
- Date
- 1901-09-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 38. Existenz des Vereines untergraben haben. Wenn demgegenüber die Herren Kauders und Weiß behaupten, „dass der Entschluss zur Auslösung einzig und allein darin seinen Grund hat, dass der Cultusvorstand infolge der misslichen Finanzgebahrung des Vereinsvorstandes die Auflösung des Vereines entschiedenst verlangt hat", so ist diese Behauptung absolut unrichtig und wird am besten durch die beiden Thatsachen widerlegt, dass der erste Secretär der Wiener Cultnsgcmeinde, Herr kais. Nath Dr. Lieben, im heurigen Frühjahr bemüht war, die Parteistreitigkeilen auszngleichen, um so der Auslösung vorzubeugen, und weiters, dass der 2. Vicepräsident der Wiener Cultusgemeinde, Herr Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, bei der im Mai d. I. abgehaltenen Generalversammlung des Vereines, die die Auflösung in Erwägung zog, den Herren Sen Nath ertheilte, den Verein nicht aufzulösen, und ein Mittel vorschlng, das nebst Sanirung der finanziellen Verhältniße gleichfalls die Herstellung des Friedens bezweckte. Ebenso unrichtig ist es auch, dass der Verein „durch Maßnahmen des derzeitigen Vorstandes in schwere finanzielle Verlegenheiten gerathen ist." Die gebührende Antwort auf aus diese unrichtige, durch die Vorführung der Budgetzissern leicht zu widerlegende Behauptung wird der Vereinsvorstand gewiss nicht schuldig bleiben. Die Berichtigung betreffend der bedingten Spenden richtet sich selbst, indem sie trotz aller Berichtigungskünste auf Grund des § 19 die Thatsache selbst nicht aus der Welt schafft. Und wenn auch vorher bedingungslose Spenden gemacht wurden, was übrigens nur bei Herrn Kauders nicht aber auch bei Herrn Weiß zutrifft, so wird dennoch dieser höchst bcdauelliche Vorfall vor dem Sefer-Thora am 1. Neujahrstage allgemein verurtheilt werden. Mit der 1000 fl. Spende des Herrn Kauders wollen wir uns nicht weiter befassen, indem wir es für angezeigter halten, diese Affane der öffentlichen Discusfioil zu entziehen, aber das ein^ müssen wir constatiren. dass Zeugen zur eidlichen Aussage bereit sind, dass die beregten 1000 sl. ursprünglich nicht für die Tempelausschmückung sondern für den Tempelban, resp. für den Ankauf des Bauplatzes bestimmt waren und für den letzteren Zweck bekanntlich auch bereits Verwendung gesunden hatten. Vrrbandstag der österr. Thierschutzvereine. Im Festsaale des Beamtenvereines fand am 22. d. der Verbandslag der österreichischen Thierschutzvereine statt. Zn demselben hatten sich eingefunden als Vertreter des Unterrichtsministeriums Professor Joseph Pleyl, des Ackerbauministeriums Ministerialsccretär Freiher v. Sacken, in Vertretung der Statthalterei Statthaltereirath Rudolf Bäumen, Landesausschuss Reichsrathsabgeordneter Steiner, Bürgermeister Dr. Llieger, in Vertretung des Magistrates Magistratsrath Appel, ferner waren alle Thierschutzvereine Oesterreichs durch - Delegirte vertreten. Namens des Wiener Thierschutzvereines begrüßte dessen Präsident Landesgerichtsrath Dr. v. Holland die Anwesenden, woraus Bürgermeister Dr. Lueger das Wort nahnr. Er gab seinen Sympathien für die Bestrebungen der Thierschutzvereine Ausdruck und betonte, dass alle Thierquälereien Versündigungen gegen die Herrlichkeit der Natur und gegen Gott seien, auch da»«, wenn diese Mißhandlungen unter dem Vorwände wissenschaftlicher Forschungen verübt werden. Er schloß seine Rede mit dem Wunsche, dass die Bestrebungen und Berathungen des Verbandes den besten und nachhaltigsten Erfolg haben mögen. Nach Erledigung verschiedener Referate folgten Anträge des WieuerTbierschutzvereines in der «Schächtungsfrage" (Referent Delegirter Dr. Rudolf Kobatsch) und des Salzburger Thierschutzvereines wegen «Erwirkung bestimmter Vorschriften beim Schächten" (Referenten Delegirte Krauß und Vogt Salzburg). Dr. Köbatsch betonte, dass der Lösung dieser Frage noch große Schwierigkeiten entgegenstehen, besonders «durch die Gegnerschaft einer starkorganisirien und einflussreichen Clasfe". Redner besprach das rituelle Schächten, welches nach unpaiteiischen Untersuchungen als «arge Thierquälerei" declarirt werde. Das Referat erstreckte sich auf die Charakter isirung der gebräuchlichsten Schlachtmethoden und gipfelte in dem Postulat, dass dem Tödten eines Thieres in jedem Falle die Betäubung des Opfers vorauszugehen habe, wenn der Tod durch Blutentziehung herbeigeführt werden soll. Mit großer Begeisterung wurde der seitens des Magistrats rnangurirten Action gegen das rituelle Schächten gedacht, das als thierquälerisch und hygienisch nicht zuträglich, perhorrescirt wird. Schließlich wurde eine in diesem Sinne ab gefasste Resolution angenommen. Jüdisches Neujahr! Kein Sylvester, auch kein Punsch Auch kein lautes Gläserklingen, Uns're Feier ist der Wunsch Und der Seelen banges Schwingen; Nicht in toller Weineslust Gleiten wir von Zeit in Zeiten, Ach, wir schlagen an die Brust, Denken an die Ewigkeiten, Denken nicht blos an das kleine, An das kleine „ich" voll Bangen, All' die jüdische Gemeine Voller Inbrunst wir umfangen. Und mit heißem Drange stürmen Wir die dunkle Schicksalspfcrte, Flammenwünsche, Bitten tbürmen Hoch sich aus am heir'gen Orre, Wo mit Schicksalsschrift geschrieben Und gesiegelt wird von Allmacht, Was hienieden uns beschieden. Was uns Freude, was uns Qual macht. Herr! Entsage Deinem Grimme! Und die Antwort: „Ich verzeihe". Gnadenvolle Gottesstimme! „Mensch sei glücklich und gedeihe." Ungarische Wahlbil-er. Argonautenzug des Munkacser Rausch ha’kohol. Bekanntlich tritt im Felvideker Wahlbezirk (Bereger Comitat) der rühmlichst bekamlte Director der Nagyvarader orth. Bürgerschule, Herr Jakob Gabel, mit liberalem Programme als Candidat für das Abgeordnetenhaus auf. Diesen Bezirk vertrat bis nun Herr Edmund Barta, der dem Namen nach wohl noch Jude ist, aber wie es heißt der eigentliche Urheber der Egan'schen antisemitischen Wirthschaft war. Herr Barta machte sich seinerzeit das Vergnügen, vor der Vertretung des Landes jene Juden, von denen er von Haus zu Haus sein M andat erbettelte, mit den Worten: „Ja, die orthodoxen Juden des Landes sind Feinde aller Cultur, allex nationalen und patriotischen Bestrebungen" zu verleumden. Doch als Director Gabel in jenem Bezirke candidirt wurde, wusste es der agile Herr Barta so zu arrangiren, dass der R,au8o1i ha kohol der Munkacser orth. Gemeinde plötzlich für ihn ein warmes Herz entdeckte. Wie er dieses Wunder zustande gebracht, davon wollen böse Zungen gar so manches wissen. Herr Ludwig Hartstein, dies der Name des Munkacher „Weisen", schlug natürlich auch die große Reclametrommel für Barta und behauptete von demselben, dass er, der seine Kinder taufen -lässt und selbst mit dem Judenthume nur in losestem Zusammenhänge steht m'kaäeooh ha'oohem h'rahim gewesen. Dieses Pronunciamento erzielte auch einen ungeheueren Effect auf die Lachmuskeln aller klardenkenden Menschen und machte die Stellung Barta's womöglich noch unsicherer, und dies umsomehr, als die aufrichtig denkenden Christen sich ebenfalls de^ Fahne Gabel's anschlossen. Herr Edmund Barta krönte übrigens seine antijüdische Gesinnung jüngstens auch damit, dass er zum Aerger der jüdischen Bevölkerung am! Rausch ha'sohouoh-Tage mehrere