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Die Wahrheit · 1901-09-27 · Heft 38 (27.9.1901) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 38 (27.9.1901)
Date
1901-09-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die Wahrchsit Nrdartion u. Administration Men. II/l. Novaragaffe 27. Jt l. österr. Postsparcasia Sheck'Conto Nr. 846.251. r » s,r a i e: 2V Koller p«r Nouvarrillc-Zril«. LdvnnrmrntS- und JnjrrtionS« brträfl« find in Wi«n zahlbar. Allabhängige Heitschrifi für Mische Erscheint jeden Freitag. Motto : .Das Siegel Gottes ist Wahrheit Lezagsprei»: «an,jährig . . St- 12.— Halbjährig ... St. 6 — LLr Lult»sbeamte: Ganzjährig ... St. 10.— Für Ausland: Ganzjährig .... 8 Mark 6 Rubrl oder 16 Frc». Nr. 38. Wie», 87. Zeptember Ml. Anhalt r Die Schächtfrage. — Die Festfreude der Juden in früheren Zeiten. — Krise im Simmeringer Bethaus-Berein. — Verbandstag der österr. Thierschutzvereine. — Jüdisches Neujahr'. — Ungarische Wahlbilder. — Gemeinde- und Vereinsbote. — Die Abovah. — Zur Einberufung eines Rabbinertages. — Verschiedene Nachrichten. _ Wir ersuchen die geehrten Herren Abonnenten nm Kiugendung «1er Abounemeutagebühr für das am 1. Oktober beginnende LV. Quartal. Da zahlreiche Abonnenten während der Sommermonate von Wien abwesend waren und wir bei denselben die fälligen AboNnewentsgebnhren nicht einheben liehen, ersuchen wir auch um Einsendiiug der Rückstände. Gleichzeitig richten wir an alle unsere Freunde die Bitte, in ihren Kreisen für die Verbreitung unseres Blattes und für die Förderung unserer Bestrebungen, die den Interessen des Judenthumes dienen, thätig zu sein. Die Nedaetton. Die Schächtfrage. Das Rad ist im Rollen. Der wohlweise Magistrat der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien, als getreuer Knecht der Oesterreichischen Thierschntzvereine, hat gesprochen. Im Anschluss an die Sitzungen des „Verbandstages der Oesterreichischen Thierschutzvereine", über die wir an anderer Stelle berichten, befasste sich unsere städtische Oberbehörde mit der so überaus brennenden Schächtfrage. Es war selbstverständlich bestellte Arbeit. Herr Magistratsdirector P r e y e r, als getreuer Diener Dr. Lueger's, durste seinen Herrn und Meister natürlich nicht im Stich lassen. Und wir müssen sagen: er hat sich seiner durchaus nicht angenehmen Aufgabe mit viel diplomatischem Geschicke entledigt. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass das den Blättern zugestellte Communique vom Herrn Magistratsdirector selbst herrührt. Kurz und bündig lautet es wie folgt: „Unter dem Vorsitze des Magistratsdirectors Preyer hat gestern das Magistratsgremium in außerordentlicher Sitzung das Schlachtungsverfahren im Allgemeinen und dasSchächten der Thiere im Besonderen einer eingehenden, mehrstündigen Berathung unterzogen. Auf der Basis verschiedener Gutachten, Resolutionen rc. gelangte das Gremium in dieser Frage zu folgenden Grundsätzen: 1. Das Schlachten ohne vorausgehenden Betänbungsschlag ist ein in hohem Grade thierquälerischer Vorgang. . 2. Als schmerzloseste und daher beste Schlachtmethode muss jene erklärt werden, welche in erster Linie durch einen Schlag auf den Kopf vollständige Bewusstlosigkeit und während deren Dauer in zweiter Linie durch Verblutung den Tod herbeiführt. 3. Bei Vornahme der Tüdtung der zur menschlichen Nahrung dienende» Thiere hat in jedem Falle die Betäubung der eigentlichen Tödtung durch Blutentziehung vorauszugehen. — Hierauf stützen sich die ziemlich umfangreichen Anträge des Magistrates, welche nunmehr dem Stadtrath vorgelegt werden." Wie diese umfangreichen Anträge lauten, werden wir wohl bald erfahren. Vorläufig hüllt sie der Magistrat in ein undurchdringliches Dunkel. Nun, wir denken nicht gerade schlecht von der Ersindungsgabe der hochweisen Herren im Wiener Rathhause, aber — sie mögen es uns verzeihen: ob Herr Preyer andere, d. h. in diesem Falle bessere Anträge zustande gebrachr hat, als er in seiner im vorigen Jahre von uns in den Nummern 7, 8, 9 und 10 dieses Blattes besprochenen Brochüre niedergelegt, möchten wir bezweifeln. Die „starkorganisirte und einflussreiche Classe", über die Dr. Rudolf K o b a t s ch ans dem Verbandstage der österreichischen Thierschutzvereine lamentierte, ist bekanntlich noch ein klein wenig stärker als die Gesammtjudenschaft der Oesterreichischen Monarchie: es ist nämlich die Staatsregierung in höchsteigener Person und nicht etwa — wie man alle Welt glauben machen will — die „Judenpresse mit ihrem Millionen-Anhang", jene Jndenpresse, die für Alles Platz findet nur nicht, wenn jüdische Interessen im Spiele sind. Uno — wie gesagt — mit unserer Regierung ist nicht zu spasfen. Sie hat wiederholt und in unzweideutigster Weise erklärt, dass das Schächten nicht verboten wird, weil es nicht verboten werden darf! Und nun kommen unsere hochweisen Herren Thierschützer und verlangen ein — Schächt ver bot? Gott bewahre, nur eine kleine Einschränkung! So und soviel Juden wohnen in Wien, so und soviel wird in Wien geschlachtet, die Juden bilden den und den Prozentsatz, ergo darf auch nur so und soviel geschächtet werden. „Was darüber, ist von Uebel", wie das Sprichwort lautet. Wir sind nicht imstande, Herz und Nieren der Herren von der Statthalterei zu prüfen, aber bei der großen Zuvorkommenheit, deren sich Herr Dr. Lueger in der Herrengasse erfreut, liegt es durchaus nicht außer dem Bereiche der Möglichkeit, dass man der in vielen Fragen bekanntlich autonomen Stadtverwaltung bei derartig beschränkenden Schächtverfügungrn nicht allzu große Schwierigkeiten in den Weg legen wird. De» Wiener Juden wird das natürlich weiter keinen Schaden thun, vielmehr würden davon die christlichen Fleischhauer Wiens getroffen werden. Wir wolle» dem Wiener Magistrate unter dem bekannten Siegel der Verschwiegenheit verrathen, dass es in unmittelbarer Nähe unserer Stadt ein Gemeinwesen gibt, das jeden Moment bereit ist, sein Schlachthaus zum Schächten von soviel Thieren her-

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